Bulimie

Bulimie (lat. Bulimarexie oder Bulimia nervosa) ist die zu den Essstörungen zugehörige Ess-Brech-Sucht. Meist sind Frauen davon betroffen, die einem Schlankheitswahn unterworfen sind und aufgrund ihrer Ernährung nicht zunehmen möchten. Nur etwa 5-10 % der betroffenen Personen sind männlich. Die Bulimie ist eine Erscheinung des 20. Jahrhunderts, seitdem das Schönheitsideal der Schlankheit gerade in westlichen Ländern vorwiegend vorhanden ist und das Selbstbewusstsein von Frauen dominiert.

Das Wort Bulimie stammt vom griechischen ab und beschreibt an sich eigentlich nur die Symptome der auch „Ochsenhunger“ genannten Krankheit. In manchen Fällen tritt die Bulimie im Rahmen einer Unterzuckerung bei Diabetes mellitus Typ 1 auf. Die Bulimie gilt als „heimliche Krankheit“. Deswegen wird sie oft jahrelang erfolgreich verheimlicht und erst erkannt, wenn ernsthafte Folgeschäden an Psyche und Körper der Betroffenen aufgetreten sind.

Bulimie Ursachen

Bulimie Ursachen + SymptomeWeil die Ursachen von einer bulimischen Essstörung sehr vielfältige Zusammenhänge haben, kann man nicht von einer Ursache sprechen. Die körperlichen und psychischen Veränderungen wirken wie ein Teufelskreis, sodass die Angst vor dem Dicksein aufrechterhalten bleibt und die Nahrungsaufnahme immer weiter eingeschränkt wird. Das Hunger-Sattheits-gefühl wird durch diesen Teufelskreis beeinträchtigt, der Stoffwechsel verändert sich. Es wird weniger Energie verbrannt, im Gegenzug aber mehr Energie gespeichert. Kontinuierliche, unkontrollierte Essanfälle sind somit fast zwangsläufig vorprogrammiert. Eine massive Angst vor dem Dicksein und Dickwerden hindert den an Bulimie erkrankten Menschen, wieder ein als normal zu betrachtendes Essverhalten an den Tag zu legen.

Weil man alles Gegessene einfach wieder erbrechen kann, werden die Betroffenen konditioniert, keine Angst vor weiterem Erbrechen zu haben. Man spricht im Rahmen der Bulimie auch von einer Eigendynamik, die die Krankheit erhält. Die eigentlichen Ursachen treten also vermehrt in den Hintergrund. Erscheinungen der akuten Bulimie bedingen weiteres bulimisches Verhalten. Weiterhin gibt es keinen typischen Konflikt, der zur Entwicklung einer Bulimie führt, jedoch gelten ähnliche Risikofaktoren, wie bei der Magersucht: Neben dem Schlankheitsideal, dem restriktiven Essen und der Angst vor dem Dicksein führen auch Belastungen wie zum Beispiel größere Veränderungen im familiären Umkreis, Verlust von Bezugspersonen, Missbrauch und Misshandlung zur Entwicklung einer bulimischen Essstörung.

Auslöser sind dann meist Stimmungsschwankungen, Depressionen, fortdauernde Angespanntheit, welche durch Essanfälle und nachfolgendem Erbrechen, für eine kurze Zeit ausgeglichen werden können. Dabei spielt das sonstige familiäre Umfeld eine bloß untergeordnete Rolle. Bulimie-Erkrankte können genauso aus konflitkreichen, als auch aus wohlbehüteten Familien stammen. Zu Beginn der Erkrankung ist bei vielen Erkrankten ein leichtes Übergewicht festzustellen, auf die mit Diäten und restriktivem Essen reagiert wird. Vielfach lernen betroffene Personen das bulimische Verhalten auch von Bekannten und aus den Medien, da gleich zwei Ideale durch die Bulimie gleichzeitig erfüllt werden können: Der Genuss und das Schlankheitsideal, welches z.B. durch Models transportiert wird.

Bulimie Symptome

Die Symptome der Bulimie sind einfach. Neben psychischen und körperlichen Veränderungen, entwickelt sich eine Angst vor dem Dicksein. Zunächst wird darauf mit Diät und restriktivem Essen reagiert. Die dabei auftretende Anspannung und der Nahrungsentzug setzen dem Körper und der Psyche enorm zu. Dies führt im Weiteren zu spontanen, ausgiebigen Essanfällen und Heißhungerattacken, bei denen sehr viele Nahrungsmittel innerhalb kürzester Zeit gegessen werden. Diese werden dann durch künstlich herbeigeführtes Erbrechen (z.B. Finger in den Hals stecken) wieder dem Körper entnommen. Oft nehmen betroffene Personen auch gleichzeitig Abführmittel und ähnliche Präparate.

Anzeichen für eine Bulimie sind auch durch das ständige Erbrechen angegriffene Zähne, geschwollene Speicheldrüsen, sowie auch Verletzungen der Speiseröhre, die nach häufigem Kontakt mit Magensäure während des Erbrechens auftreten. Lebenswichtige Elektrolytsalze können in nicht ausreichender Konzentration im Blut festgestellt werden. Aufgrund dessen können auch Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden auftreten. Menstruationsstörungen, Herzrhytmusstörungen, Einschränkung des Hirnstoffwechsels sind Symptome, die nach längerer unbehandelter Bulimie ernsthafte Schädigungen anzeigen.

Bulimie Diagnose

Eine Bulimie wird diagnostiziert, indem die typischen Symptome bei betroffenen Personen beobachtet werden. Es gibt allerdings festgelegte Diagnosekriterien, wie z.B. eine körperliche Untersuchung, bei der festgestellt wird, ob eine Bulimie vorliegt und ob bereits Folgeschäden aufgetreten sind. Dazu gehört auch die Feststellung, ob die Person über- oder untergewichtig ist. Die für die oben genannten Symptome durchzuführenden Untersuchungen der Zähne, des Blutes, sowie EKG-Untersuchungen zur Überprüfung der Organfunktionen sichern die Diagnose der Bulimie. Unterschieden wird zwischen dem sog. „Purging-Typ“, d.h. die Form, bei der Betroffene die Nahrung wieder loswerden, z.B. durch herbeigeführtes Erbrechen oder Abführmittel, sowie der „Nicht-purging-Typ“, bei dem extremes Fasten, übertriebene Diäten oder auch exzessives Sportverhalten auftreten.

Wichtig für die Diagnose ist das für die Bulimie typische, unkontrollierte Essen, sowie das Kompensationsverhalten, welches am häufigsten durch Erbrechen ausgeführt wird. Wie bereits bei der Unterscheidung der Typen festgestellt wurde, können also neben der allgemein bekannten Erbrechenserscheinung der Bulimie, auch exzessiver Sport oder übertriebene Exrem-Diäten zur Diagnose der Bulimie beitragen. Allen Bulimiekranken gemeinsam ist, dass die Essstörung nicht selbst in den Griff bekommen werden kann.

Bulimie Therapie

Bulimie kann mit einer Psychotherapie behandelt werden, wobei die Erfolgsquoten zwischen 30 % und 45 % liegen. Durch die Therapie soll die Wiederherstellung normaler Essgewohnheiten ermöglicht werden. Essattacken und Kompensationsverhalten sollen eingestellt werden. Dabei kann die Therapie zunächst ambulant, in Härtefällen, bei Unwirksamkeit, Komplikationen oder extremer auftretender psychischer Belastung, stationär durchgeführt werden.

Wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie einer Bulimie sind die Einsicht der betroffenen Personen, sowie die Erkennung und Einordnung der zugrundeliegenden Ursachen, welche i.d.R. seelischer Natur sind, aber auch einfach verhaltensbedingt sein können. Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden sollen den Erkrankten helfen, wieder eine normale Nahrungsaufnahme, sowie den dazugehörigen Verdauungsprozess zu erlernen. Im Weiteren sollte von den betroffenen erkannt werden, dass nicht nur schlanke Menschen gesellschaftlich anerkannt werden. Dies geht mit einer im Rahmen von Gesprächen gewonnenen Unabhängigkeit von der Meinung anderer, sowie eigenen Selbstbewusstseins einher.

In seltenen Fällen kann eine Bulimie auch zusätzlich medikamentös behandelt werden. Antidepressiva werden insbesondere bei begleitenden Depressionen oder akuter Rückfallgefahr angewandt, wodurch auch das Heißhungergefühl unterdrückt werden kann.

Bulimie Verlauf

Am häufigsten tritt eine Bulimie nach der Pubertät oder im jungen Erwachsenenalter zunächst mit strengen Diäten oder Schlankheitskuren, während der Heißhunger- und Essattacken auftreten. Einige Betroffene zeigen zu diesem Zeitpunkt schon Symptome von Magersucht. Häufige Wechsel von normalem Essverhalten und bulimischen Phasen sind typisch für die Bulimie. Psychische Labilität kann Ursache, aber auch Folge der Bulimie sein. Sehr häufig treten dabei depressive Störungen, bis hin zu schwerwiegenden Depressionen auf. Alkohol- oder Tablettensucht können auftreten. Aufgrund der Überforderung kommt es zu Konflikten in Familie und Umfeld.

Auch, wenn es zwischenzeitlich zu Normalisierungen kommen kann, leiden zwei Drittel der Betroffenen oft jahrzehntelang an einer akuten Bulimie. Bei vorangeschrittener Erkrankung zeigen sich typische Folgeschäden einer Mangelernährung und Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts, pathologische Befunde des Blutbildes, Störungen der Nieren- und Kreislauffunktionen, sowie hormonelle Änderungen und Störungen, die sich u.a. auf den Hirnstoffwechsel auswirken. Verletzungen der Speiseröhre durch vermehrten Kontakt mit Magensäure kommen nach längerer Zeit einer unbehandelten Bulimie vor. Ein Drittel der Betroffenen werden wieder vollständig geheilt. Allerdings nimmt dies oft mehrere Jahre in Anspruch.

Bulimie Vorbeugen

Einer Bulimie kann man am besten durch die Stärkung des Selbstwertgefühls von Kindern und Jugendlichen vorbeugen, wobei ihnen vermittelt werden sollte, dass sie genau so angenommen werden, wie sie sind. Die Gewohnheit, kritische Bemerkungen über Essverhalten jeder Art oder über die Körperform und Aussehen zu machen, sollte vom Umfeld abgelegt werden. Kinder sollten das gemeinsame Essen als angenehm empfinden. Diäten oder Nahrungsumstellungen sollten bei Kindern höchstens unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt werden. Alleingänge müssen unbedingt vermieden werden.

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