Aneurysma

Als Aneurysma wird eine lokalisierte und permanente Erweiterung oder Aussackung einer Arterie bezeichnet. Der aus dem Altgriechischen stammende Begriff meint im wörtlichen Sinne eine Erweiterung. In der medizinischen Praxis kann es sich dabei um unterschiedliche Ausprägungen dieses Phänomens handeln. Der Querschnitt des betreffenden Blutgefäßes kann dabei spindelförmig oder sackförmig erweitert sein.

Autopsie-Serien haben ergeben, dass zwischen einem und fünf Prozent der mitteleuropäischen Bevölkerung Aneurysmen vorlagen, die nicht zu Blutungen geführt hatten. Insgesamt werden Aneurysmen häufiger bei Frauen diagnostiziert als bei Männern; das Verhältnis beträgt etwa 5:3. Etwa zehn bis zwanzig Prozent sämtlicher Aneurysma-Patienten weisen mehrere Aneurysmen an den Hirnbasisgefäßen auf.

Aneurysma Ursachen

Aneurysma Symptome & UrsachenEin Aneurysma bildet sich in der Regel aufgrund von Veränderungen der Gefäßwand heraus. Diese Wandveränderungen können sowohl angeboren als auch später erworben worden sein. Die zahlenmäßig bedeutendste Ursachengruppe sind degenerative Erkrankungen der Gefäßwand, insbesondere die Arteriosklerose, die für mehr als 80 Prozent der Fälle verantwortlich ist. Desweiteren kommen als Ursachen auch Traumata und Infektionen wie rheumatische Fieber, Lyme-Borreliose oder Syphilis infrage.

Auch angeborene Bindegewebsschwächen und Entzündungen können zur Entstehung von Aneurysmen beitragen. Bei rund fünf bis sieben Prozent der betroffenen Patienten sind Aneurysmen multipel an verschiedenen Stellen im Körper lokalisiert, was als Morbus aneurysmaticus bezeichnet wird. Aortenaneurysmen kommen keineswegs nur bei Erwachsenen vor; sie können sich auch infolge des Marfan-Syndroms oder aufgrund einer durch angeborene Herzfehler verursachten Volumenbelastung der Aorta entwickeln. Bei am Kawasaki-Syndrom Erkrankten können Aneurysmen im Bereich der Herzkranzgefäße auftreten.

Eine relativ häufige angeborene Aortenklappen-Fehlbildung, die Aorta bicuspida, geht für die Betroffenen laut einer 2010 veröffentlichten Studie mit einem signifikant höheren Risiko im Hinblick auf das Entstehen von Hirnaneurysmen einher. Auch eine angeborene Schwäche der Gefäßinnenwand-Zellen (Endothel-Zellen) gilt als eine wichtige mögliche Ursache von Aneurysmen der Hirnbasisgefäße, insbesondere, wenn im Laufe des Lebens bestimmte Umstände wie etwa Varianten von Gefäßaufzweigungen, Verschlüsse hirnzuführender Gefäße oder über längere Zeit bestehender Bluthochdruck hinzutreten. Da die Muskelschicht der intracraniellen Hirnarterien dünner ausgebildet ist als an anderen Arterien, gelten die Hirnbasisgefäße als besonders prädisponiert für die Ausbildung von Aneurysmen.

Aneurysma Symptome

Ein großer Teil der Aneurysmen im Bereich der Bauchaorta und des Beckens macht sich zunächst nicht durch Symptome bemerkbar und wird oft nur zufällig im Rahmen einer aus anderen Gründen erfolgenden Untersuchung diagnostiziert. Wenn die Aneurysmen symptomatisch werden, klagen die Betreffenden beispielsweise über Rückenschmerzen oder diffusen Abdominalschmerz, der insbesondere für ein expandierendes Aneurysma mit Wandeinblutung typisch ist. Bei der Ruptur eines intraabdominalen Aneurysmas kann sich ein großes intraperitoneales Hämatom herausbilden und der Patient verbluten.

In vielen Fällen wird eine solche Blutung jedoch noch durch das Retroperitoneum zurückgehalten. Dann klagen die Patienten typischerweise über sehr starken Flankenschmerz und weisen zudem oft auch Schock-Symptome auf. Teilweise werden die Symptome auch zunächst als Indiz für eine Nierenkolik oder eine Pankreatitis interpretiert, was jeweils differentialdiagnostisch abzuklären ist. Bei einem peripheren Aneurysma resultiert das größte Risiko nicht aus der Ruptur, sondern aus einem eventuellen thrombotischen Verschluss des Aneurysmas beziehungsweise aus embolischen Verschlüssen von distalen Gefäßen. Oft ist dann eine akute Symptomatik zu beobachten, wobei Embolien nach distal auch lange Zeit vom Patienten unbemerkt bleiben können. Im Gehirn liegende Aneurysmen können aufgrund des von ihnen auf Nerven ausgeübten Druckes Lähmungserscheinungen im Gesicht auslösen. Rupturen von Hirnaneurysmen führen zu Schlaganfällen oder Hirnblutungen.

Diagnose eines Aneurysmas

Im Rahmen der klinischen Untersuchung lassen sich periphere Aneurysmen häufig relativ leicht erkennen, weil sie entweder deutlich sichtbar sind oder ertastet werden können. Ein Aneurysma der Bauchaorta lässt sich bei schlanken Patienten häufig in Form eines expansiv pulsierenden Tumors im Mittelbauchbereich palpieren; bei Patienten mit ausgeprägter Adipositas gelingt dies dagegen nur selten. Auf apparativem Wege können Aneurysmen mit unterschiedlichen Methoden diagnostiziert werden. Eine kostengünstige und nicht-invasive Möglichkeit zur Diagnostik von Aneurysmen ist die Ultraschall-Sonografie.

Aufgrund ihrer besonderen Eignung für diesen Zweck findet sie häufig als Screening-Methode bei der Untersuchung von asymptomatischen Patienten Anwendung. Insbesondere Aneurysmen an der Bauchschlagader und an den Beckenarterien können mittels Ultraschall-Untersuchung relativ treffsicher erkannt werden. Detailliertere Informationen liefert die Computertomografie, mit deren Hilfe sich nicht nur morphologisch präzise Messwerte von Aneurysmen gewinnen lassen. Der besondere Vorteil besteht vielmehr darin, dass durch die geometrische Reproduktion dieser Messwerte auch bildliche Darstellungen der Thrombosierung, der Wandbeschaffenheit und des Bezuges zu benachbarten Organen möglich sind.

Als drittes apparatives Diagnoseverfahren ist schließlich die Angiografie zu nennen, mittels derer nicht nur Aneurysmen, sondern auch Verschlusserkrankungen peripherer oder zentraler Gefäße, beispielsweise der Nierenarterien, nachgewiesen werden können.

Aneurysma Behandlung

Aneurysmen sind bereits aus altägyptischen Schriftquellen erwähnt worden; früheste Informationen über die Therapie datieren aus der Antike. Zunächst wurde versucht, Aneurysmen durch Kompression beziehungsweise Exstirpation zu behandeln. Noch Mitte des 20. Jahrhunderts umwickelte man Aneurysmen operativ, um Rupturen und daraus resultierende lebensbedrohliche Blutungen zu vermeiden.

In der Folge setzten sich jedoch Stents sowie Prothesen als etablierte endovaskuläre beziehungsweise chirurgische Methoden zur Therapie von Aneurysmen durch. Im Rahmen der endovaskulären Therapie nutzt der Operateur einen hohlen Mikrokatheter, um von der Leistenarterie her sogenannte Coils in den Aneurysmensack einzubringen. Bei den Coils handelt es sich um aus einer Platinlegierung bestehende Spiralen, die zwar nur rund dreißig Prozent des Aneurysmas ausfüllen, jedoch zu einer Thrombenbildung führen und somit eine weitere Blutzirkulation innerhalb des Aneurysmas verhindern. Damit wird einer Ruptur des betreffenden Hirn-Aneurysmas vorgebeugt.

Da diese Technik keine offene Hirnoperation erfordert, hat sie sich seit Anfang der 1990er Jahre als bevorzugte Maßnahme etabliert. Die neurochirurgische Therapie besteht im Unterschied dazu darin, dass im Rahmen einer Kraniotomie (operative Eröffnung des Schädels) versucht wird, den Aneurysmensack mithilfe eines in der Regel aus Titan gefertigten Clips abzuklemmen, um so das Aneurysma aus dem Blutkreislauf auszuschließen. Erweist sich ein solches Clipping als unmöglich, wird behelfsweise die Arterien-Aneurysma-Wand verstärkt, um einer eventuellen Ruptur entgegenzuwirken.

Verlauf

Viele Aneurysmen entwickeln sich zunächst vom Patienten völlig unbemerkt und werden in dieser Zeit allenfalls als Zufallsbefunde diagnostiziert. Mit zunehmender Größe können sich durch Druck auf umliegende Organe oder Nerven – je nach Lage des Aneurysmas – Schmerzempfindungen oder auch Lähmungserscheinungen bemerkbar machen. Oft bleiben Aneurysmen jedoch auch ein Leben lang unbemerkt und werden, wenn überhaupt, erst nach dem Tod des Patienten gefunden.

Das wohl gravierendste Problem im Zusammenhang mit zentralen Aneurysmen ist die Gefahr einer Ruptur und der dadurch verursachten, potenziell tödlichen Blutung. Das Risiko einer Ruptur nimmt im Laufe der Zeit umso mehr zu, je stärker sich der Querdurchmesser eines Aneurysmas vergrößert. Denn in Analogie zum Laplace-Gesetz nehmen die elastischen Rückstellkräfte der Gefäßwände mit zunehmendem Radius ab – ähnlich wie dies auch beim Aufblasen eines Gummiballons zu beobachten ist. Bei peripheren Aneurysmen kann es zu thromboembolischen, teilweise irreversiblen Gefäßverschlüssen in den Gliedmaßen mit entsprechenden Folgen kommen, wenn die typischerweise in den Aneurysmen vorhandenen Thrombenmassen in die Blutbahn gelangen.

Besonders dramatische Verläufe ergeben sich oft beim Platzen von Aneurysmen der Hirnbasis-Gefäße, was zu tödlichen Hirnblutungen (Subarachnoidalblutungen) führen kann. Es wird davon ausgegangen, dass etwa sechzig bis siebzig Prozent der Patienten, die eine solche Hirnblutung erleiden, an der Blutung oder danach sterben. Nur rund zehn Prozent der Betroffenen überstehen die Blutung, ohne dass neurologische Ausfälle zurückbleiben; bei den übrigen ist mit Problemen wie vollständiger oder halbseitiger Lähmung, Sprachverlust oder anderen bleibenden Hirnschäden zu rechnen.

Aneurysma vorbeugen

Eine aktive Vorbeugung gegen die Entstehung eines Aneurysmas ist nur bedingt und indirekt möglich, indem potenziell gefäßschädigende Einflüsse durch eine gesunde Lebensweise, vor allem durch gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung, möglichst vermieden werden. Das schließt den Verzicht auf Rauchen, das das Arterioskleroserisiko erhöht, ebenso ein wie das Vermeiden von übermäßigem Alkoholgenuss, der zu hohem Blutdruck führen kann. Bluthochdruck sollte in jedem Fall rechtzeitig behandelt werden. Übergewicht sowie überhöhte Blutfettwerte gelten ebenfalls als Risikofaktoren.

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