Alkoholabhängigkeit

Mit Alkoholabhängigkeit wird die krankhafte Sucht nach Alkohol – genauer: nach der in alkoholischen Getränken enthaltenen chemischen Substanz Ethanol bezeichnet. Gebräuchlich sind auch alternative Bezeichnungen wie Alkoholsucht oder Alkoholismus. Nach Tabakkonsum und Bluthochdruck gilt Alkoholabhängigkeit und ihre Folgeerkrankungen als dritthäufigste Todesursache weltweit. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen, der Anteil der weiblichen chronisch Alkoholabhängigen nimmt allerdings zu.

Von Medizinern beschrieben wird Alkoholabhängigkeit seit der Mitte des 18. Jahrhunderts. Lange Zeit galt sie nicht als Krankheit, sondern als Charakterschwäche und Laster. Seit den 1960er Jahren ist Alkoholabhängigkeit als Krankheit anerkannt mit einem gesetzlichen Anspruch auf Behandlung. Zu unterscheiden ist Alkoholabhängigkeit von einem akuten Alkoholrausch, einer akuten Alkoholvergiftung oder einem zeitweiligen Missbrauch von Alkohol. Die Grenzen zum Alkoholmissbrauch sind fließend, da sich die Krankheit schleichend entwickelt. In der Forschung gibt es unterschiedliche Ansätze, ab wann wiederholter Alkoholmissbrauch als chronische Alkoholabhängigkeit mit Behandlungsbedarf zu betrachten ist. Eine chronische Alkoholabhängigkeit macht sowohl körperlich als auch psychisch nach der Droge Alkohol süchtig.

Wird dem Alkoholkranken sein Suchtmittel vorenthalten, reagiert er mit psychischen und physischen Entzugserscheinungen. Diese sind sowohl medikamentös als auch mit Psychotherapie zu behandeln. Die Krankheit Alkoholabhängigkeit zieht zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich wie Leberschäden, Magen- und Darmleiden, Hautkrankheiten und Psychosen. Wird eine Alkoholabhängigkeit nicht behandelt, kann sie zum Tod führen. Alkoholabhängigkeit gilt im Prinzip als nicht heilbar, sogenannte trockene Alkoholiker gelten als potentiell lebenslang gefährdet, immer wieder rückfällig zu werden.

Die Prognose für einen positiven Verlauf der Behandlung und eine dauerhafte Abstinenz sind auch abhängig von der Persönlichkeit und dem Willen des Patienten und seiner persönlichen Biografie als Alkoholabhängiger. Unterstützend nach Entgiftung und Therapie kann der Besuch einer Selbsthilfegruppe wirken.

Ursachen von Alkoholabhängigkeit

Alkoholabhaengigkeit Ursachen + SymptomeDie Ursachen der Alkoholabhängigkeit sind nicht eindeutig zu definieren. Forscher gehen heute sowohl von genetischen und biologischen Ursachen als auch Einflüssen durch das Umfeld, Lebenskonflikte und unbewältigte psychologische Probleme aus. Keiner dieser Faktoren wird allerdings als alleiniger Auslöser für das Entstehen einer Alkoholabhängigkeit betrachtet.

Studien verschiedener Forschungsgruppen haben übereinstimmend ergeben, dass Kinder aus Alkoholikerfamilien ein drei bis vier Mal höheres Risiko haben, an einer Alkoholabhängigkeit zu erkranken. Kulturelle Einflüsse spielen nach Meinung der Forschung ebenfalls eine gewisse Rolle bei der Ausprägung von Alkoholismus. In Gesellschaften, in denen das Trinken alkoholischer Getränke in der Öffentlichkeit gesellschaftlich anerkannt und sogar erwünscht ist, entwickelt sich besonders leicht eine Alkoholabhängigkeit.

Auch Stress und die Bekämpfung von Minderwertigkeitskomplexen gelten als mögliche Auslöser. Warum allerdings aus einem gewohnheitsmäßigen Trinken von Alkohol sich eine chronische krankhafte Alkoholabhängigkeit entwickelt, lässt sich mit keinem der Erklärungsmodelle eindeutig belegen.

Alkoholabhängigkeit Symptome

Es gibt nach Meinung der Medizin eine Reihe von Symptomen, die auf eine Alkoholabhängigkeit schließen lassen. Diese sind sowohl körperlicher als auch psychischer und sozialer Natur. Zunächst einmal muss Alkohol über einen längeren Zeitraum von mindestens einem Jahr regelmäßig in hohen Dosen konsumiert werden. Das Fehlen von Alkohol wird als unangenehm und zunehmend unerträglich empfunden, zur Befriedigung der Sucht werden auch negative Folgen billigend in Kauf genommen.

Der Tagesablauf des Abhängigen gruppiert sich zunehmend um das Bestreben, den gesunkenen Alkoholpegel mit Nachschub des Suchtmittels auf den gewohnten Level zu bringen. Dabei werden die Abstände im Verlauf der krankhaften Alkoholabhängigkeit immer kürzer. Bleibt die Alkoholzufuhr aus, sind neben Zittern und Schweißausbrüchen aggressives Verhalten und zunehmende soziale Isolierung innerhalb des sozialen Umfeldes die typischen Folgen. Das Konsumieren von Alkohol überlagert schrittweise sämtliche anderen Interessen, der drohende Verlust von Beruf, Freunden und Familie werden vom Alkoholkranken billigend in Kauf genommen.

Ein Symptom von Alkoholabhängigkeit ist zudem die Tatsache, dass die benötigte Menge an Alkohol immer größer wird, bis die erwünschte Wirkung der Sedierung erreicht ist. Körperlich stellen sich verschlechterte Leberwerte und Kreislaufprobleme ein, Magengeschwüre und Darmprobleme können die Folge sein. Auch andere Organe wie die Nieren werden in Mitleidenschaft gezogen, alkoholbedingte Hautausschläge sind ebenfalls keine Seltenheit.

Diagnose

Liegt der Verdacht auf eine Alkoholabhängigkeit vor, wird der behandelnde Arzt zunächst ein ausführliches Patientengespräch führen. Dabei spielen auch das Aussehen von Haut und Augen eine Rolle. Auch zitternde Hände, Schweißausbrüche und körperliche Vernachlässigung können auf eine Alkoholabhängigkeit hindeuten. Dann wird der Arzt stichwortartig nach den Trinkgewohnheiten des Patienten fragen und bei der Stellung seiner Diagnose neben medizinischen auch biografische Details des Patienten mit einbeziehen.

Die Diagnose einer Alkoholabhängigkeit wird von der Auswertung der Laborwerte nach einer Blutentnahme untermauert. Dabei gibt es einen bestimmten Katalog veränderter Blutwerte, der auf Alkoholabhängigkeit schließen lässt. Dem Arzt stehen zudem speziell für Alkoholabhängigkeit entwickelte Fragebögen zur Verfügung, mit deren Hilfe sich ein Verdacht auf Alkoholabhängigkeit oft bestätigen lässt. Werden mindestens drei Fragen darin vom Patienten mit Ja beantwortet, ist mit aller Wahrscheinlichkeit von einer Alkoholabhängigkeit auszugehen.

Alkoholabhängigkeit Therapie / Behandlung

Erster Schritt bei der Behandlung einer Alkoholabhängigkeit ist die Entgiftung. Diese ist für den Patienten oft mit starken Schmerzen, anderen physischen Symptomen wie starkem Schwitzen und Kreislaufproblemen sowie Angstzuständen verbunden. Daher wird eine Entgiftung in der Regel stationär in einer darauf spezialisierten Suchtklinik durchgeführt. Es gibt auch die Möglichkeit einer ambulanten Entgiftung bei regelmäßiger Kontrolle durch den behandelnden Arzt.

Ambulante Entgiftung wird von Experten allerdings nur bei einem gefestigten häuslichen Umfeld empfohlen, da die Gefahr eines Abbruchs ansonsten zu groß ist. Nach der Entgiftung steht die Behandlung und Therapie auf dem Programm, die ebenfalls stationär oder auch ambulant erfolgen kann. Die moderne Suchtmedizin plädiert dabei für eine Verbindung von medikamentöser Behandlung, Einzeltherapie und Gruppentherapie.

Ziel sind die dauerhafte Abstinenz von Alkohol, die physische und psychische Gesundung sowie die soziale und berufliche Wiedereingliederung. Unter den verschiedenen Wirkstoffen gegen Alkoholabhängigkeit hat sich vor allem in jüngerer Zeit Acamprosat wegen seiner relativ geringen Nebenwirkungen durchgesetzt. Der Wirkstoff dämpft die Übererregbarkeit des Gehirns. Nicht alle Patienten sprechen allerdings auf den Wirkstoff an.

Verlauf der Alkoholabhängigkeit

Typisch für den Verlauf einer chronischen Alkoholabhängigkeit ist der zunehmende Konsum von Alkohol in immer kürzeren Abständen über einen längeren Zeitraum hinweg. Dabei wird die Dosis des konsumierten Alkohols immer höher, gleichzeitig steigt die Toleranzschwelle, bis das Suchtmittel beim Betroffenen überhaupt eine Wirkung zeigt. Alkohol nimmt einen zunehmend größeren Stellenwert im Tagesablauf ein, das Denken und Handeln dreht sich zunehmend immer stärker um die Beschaffung und den Konsum von Alkohol.

Bald wird der Alkohol bereits morgens getrunken, um wach zu werden und sich überhaupt auf die zu erledigenden Aufgaben in Beruf und Alltag konzentrieren zu können. Dabei gibt es zwei Typen von Alkoholabhängigen. Die einen trinken heimlich und versuchen ihren Alkoholkonsum vor Familie, Freunden und Kollegen zu verbergen, die anderen trinken exzessiv in der Öffentlichkeit.

Im Endstadium der Alkoholabhängigkeit steht die völlige physische und psychische Zerstörung der Persönlichkeit durch das Suchtmittel Alkohol mit schweren Schädigungen etwa von Leber und Magen oder auch der Bauchspeicheldrüse und der Nieren. Je nach körperlicher Konstitution führt Alkoholabhängigkeit nach einigen Jahren unbehandelt zum Tod durch Organversagen. Gehirnschäden und geistige Verwirrung können ebenfalls am Ende einer Alkoholabhängigkeit stehen.

Alkoholabhängigkeit vorbeugen

Vorbeugen kann man der Krankheit im Prinzip nur, indem vollkommen auf Alkohol verzichtet wird. In der Regel führt maßvoller Konsum von Alkohol nicht zu Suchtverhalten, ob es dazu kommt, ist allerdings in keinem Fall von Alkoholkonsum mit Sicherheit auszuschließen.

Vorbeugende Maßnahmen können unter anderem Aufklärung über die schädlichen Folgen von Alkoholmissbrauch schon in der Schule sein. Vorbildfunktion kommt hier auch den Familien zu. Letztendlich ist es allerdings in einer Gesellschaft, in der auch erhöhter Alkoholkonsum bei Einhaltung gewisser Spielregeln akzeptiert ist, nahezu unmöglich einer Alkoholabhängigkeit zu einhundert Prozent vorzubeugen. Abstinenz ist das einzige wirklich wirksame vorbeugende Mittel gegen Alkoholsucht.

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