Wen schützt die Prep?

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von lamarr, 6. Dezember 2021.

  1. lamarr

    lamarr Neues Mitglied

    Hallo.

    Ich habe seit ~10 Jahren einen Bekannten, mit dem ich unregelmäßig Sex habe. Früher immer mit Kondom, inzwischen nimmt er die Prep und verzichtet seitdem grundsätzlich auf das Kondom. Ich habe mich über die Prep informiert und bei mir ist die Aussage hängengeblieben "schützt vorHIV so gut wie ein Kondom". Also dachte ich, dass das für mich ok ist, zumal man bei Prep ja auch regelmäßig getestet wird, nicht nur auf HIV, sondern auch auf andere STIs. Damit sollte sein Status bezüglich sämtlicher STIs also besser abgeklärt sein als bei Leuten, die sich noch nie in ihrem Leben haben testen lassen.

    Laut eigener Aussage nimmt er die Prep täglich, der letzte negativeHIV-Test ist vom Oktober. Ich habe prinzipiell keinen Grund, das anzuzweifeln.

    Gestern hatten wir dann Analverkehr mit Ejakulation, ich war passiv. Mit meinem Hang zur Angst habe ich mich da jetzt leider reingesteigert: Was wenn er die Prep nicht 100% korrekt einnimmt, was wenn sich sein Status seit dem letzten Test verändert hat.

    Ich bin heute in einer Praxis vorstellig geworden, die PEP anbietet, und habe dem Arzt die Geschichte exakt so erzählt wie hier geschildert (insb. Testergebnis und tägliche Prep-Einnahme der anderen Person). Laut ihm wäre das ein hohes Risiko gewesen und würde mir die PEP dringend empfehlen. Er hat aus den Leitlinien vorgelesen "... mit unbekanntem HIV-Status ...". Bekannt wäre der HIV-Status laut ihm nur mit tagesaktuellem Test.

    Am Anfang kam ich mir lächerlich vor, da überhaupt hinzufahren, da es nach meinem Verständnis kein Risiko gewesen sein sollte. Jetzt bin ich aus allen Wolken gefallen und habe 22 Stunden nach dem Kontakt die ersten Pillen genommen (Raltegravir, Emtricitabin).

    Habe ich Prep grundsätzlich falsch verstanden? Ist die Annahme tatsächlich, dass sie nur den Anwender schützt, nicht aber die andere Person, die es nicht nimmt?
    Habe ich mich da jetzt tatsächlich auf einen Risikokontakt eingelassen?
    Gibt es Ärzte, die einfach immer die PEP verschreiben, um später nicht "Schuld" an einer HIV-Infektion zu sein?
     
  2. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    sehr gut möglich
    Dadurch, dass sie den Anwender schützt, schützt sie auch automatisch dessen Sexualpartner. Wenn sich der eine vor einer HIV-Infektion schützt, kann er auch kein HIV übertragen. Er hat ja keins.
    Stimmt so auch nicht, da es Serokonversionszeiten gibt.
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Die Deutsche Aidshilfe hat vor etlichen Jahren die Formulierung "Das Prinzip der geteilten Verantwortung" veröffentlicht. Diese besagt, dass derjenige, der sich schützt, auch Partner oder Partnerin schützt.

    Die PrEP ist die Umsetzung dieses Prinzips. Sie wird nachweislichHIV-negativen Menschen zu deren eigenen Schutz angeboten. Wer das Angebot annimmt, erklärt sich bereit, regelmäßige Tests auf HIV und alle anderen STI durchführen zu lassen.

    Die zur PrEP verordneten Medikamente erreichen vorbeugend das, was die HIV-Therapie bei positiven Menschen macht: Sie verhindert, das evtl. vorhandene HI-Viren die Immunzellen zerstören.

    Insofern ist die PrEP vorrangig Selbstschutz ... aber mit (günstigen) Auswirkungen auf den Partner. Die Frage ist, ob nicht auch für Dich eine PrEP in Frage kommt ...
     
  4. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Ja und Nein
    Ebenso ja und nein. Der "Schutz" für eine etwaige dritte Person, also dich, ist rudimentär. Keine absolute Sicherheit.
    Ja (streng genommen)
    Das ist schon möglich...
    100%ige Zustimmung :cool:
     
  5. lamarr

    lamarr Neues Mitglied

    Ich habe die Prep bisher nicht für mich in Betracht gezogen, weil ich eigentlich keine Medikamente nehmen will ohne krank zu sein (Ausnahme: Impfungen). Auch ist ein Kondom bei AV für mich selbstverständlich, die Ausnahme gab es nur für diese Person, weil wir uns schon so lange kennen und ich ihm eigentlich vertraue. Als es noch keine Prep gab war Kondomnutzung für ihn auch immer selbstverständlich, er hat das also nicht auf die leichte Schulter genommen.

    Warum der Test tagesaktuell sein "muss" verstehe ich nicht, wenn er im Oktober negativ war und die Prep korrekt genommen wird, ist er ja mit "an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" auch heute noch negativ. Wie schon gesagt wurde:

    Aber die Leitlinien kennen das Wort "Prep" halt nicht, sondern nur den HIV-Status. Und wenn man es wörtlich nimmt, ist sein Status wohl "unbekannt", weil Test so lange her.

    Für die Zukunft werde ich mir überlegen, ob ich vielleicht die anlassbezogene Prep nutze oder es keine Ausnahmen gibt, auch wenn der andere glaubhaft versichert, negativ und auf Prep zu sein.

    Bleibt aber die Frage, was mache ich jetzt?

    Ich habe die ersten Tabletten genommen, um noch im 24h-Fenster zu sein. Würdet ihr sie an meiner Stelle weiter nehmen? Der Arzt meinte, sie wären "gut verträglich" und es gäbe keine großen Nebenwirkungen. Ich muss trotzdem jetzt mehrmals zur Kontrolle kommen. Und hier im Forum wird ja auch immer wieder betont, dass die PEP mehr ist als eine Aspirin... Ich will mir jetzt nicht durch die PEP die Leber oder Niere kaputtmachen, obwohl es eigentlich von Anfang an Schwachsinn war, sie zu nehmen.

    Andererseits ist es das, was der Arzt gesagt hat - ich soll sie nehmen und "keine große Sache draus machen". Ich bin ja zum Arzt, um seine Meinung zu hören. Ich bin zwar relativ fest davon ausgegangen, dass er mir davon abraten wird (und ich dann beruhigt nach Hause gehe...), aber wenn man nur die Antwort akzeptiert, die man erwartet, braucht man ja auch gleich gar nicht zum Arzt gehen...

    Leider hat er meine Angst dadurch jetzt nochmal deutlich verstärkt. Heute morgen dachte ich noch "dann mach ich halt in 6 Wochen einen Test und gut", dann kam ich auf die super Idee da vorstellig zu werden - wodurch sich jetzt natürlich auch der Gewissheit gebende Test um die Dauer der PEP verschiebt :(
     
  6. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Und uneigentlich ... ?
    Vielleicht solltest Du eher über das "Vertrauensverhältnis" mit Deinem Bekannten sprechen. Denn das Problem ist ja im Grunde nichtHIV, sondern Angst und mangelndes Vertrauen in die andere Person.

    Je nach dem wie vertraut Euer Verhältnis ist, könnt ihr vielleicht zusammen mal einen SPA aufsuchen und zusammen die Geschichte PrEP abklären.
     
  7. lamarr

    lamarr Neues Mitglied

    "Uneigentlich" finde ich es einfach schwer bei so einer kritischen Sachen jemandem endgültig zu vertrauen. Ich würde fast sagen, dass ich da nur mir selbst vertraue... oder einem Partner, mit dem ich zusammen lebe.

    Bei einer zufälligen Bekanntschaft hätte ich in sowas auch nicht eingewilligt. Und ich hätte diesen Thread auch nie eröffnet, wenn mir der Arzt nicht die PEP verschrieben hätte. Das hat mich jetzt einfach massiv verunsichert. Ich dachte die PEP bekommt man wirklich nur, wenn es "ernst" ist.

    Wir wohnen >100km auseinander und arbeiten beide. Kurzfristig zusammen irgendwo hingehen wird also schwierig. Ich könnte ihn vielleicht darum bitten, einen zusätzlichenHIV-Test zu machen. Und wenn da ein neg. Ergebnis kommt die PEP abbrechen... ? Komm ich mir jetzt aber auch doof vor, nachdem ich ihn schon explizit nach dem Test und der Einnahme gefragt habe...
     
  8. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Du solltest die PEP jetzt durchnehmen, damit sich keine Resistenzen gegen das Medikament bilden.
    Einen aussagekrätigen Test kannst du nun halt erst 6 Wochen NACH der Pep machen. Nutze einfach in Zukunft Kondome, dann kommst du nicht mehr in so eine Situation. Wenn Dein Bekannter einen Schnelltest macht, deckt dieser Test alles ab, was älter als 12 Wochen ist und macht er einen Labortest, ist alles abgedeckt, was älter als 6 Wochen ist.
     
  9. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das stimmt. Und mit genau der gleichen Wahrscheinlichkeit funktioniert auch die PrEP. Es gibt nun Mal keine 100%. Das ist in der Natur nicht vorgesehen...

    Und das hätte auch mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ausgereicht :cool:
     
  10. lamarr

    lamarr Neues Mitglied

    Ich habe die PEP vor ein paar Tagen beendet (und gut vertragen) und mit dem Arzt schon besprochen, dass ich im Februar mit der PREP beginne.
     
    haivaupos, matthias und devil_w gefällt das.
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