Vorstellung und Risikobewertung

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von bebob, 5. November 2021.

  1. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Hallo zusammen,

    zunächst lieben Dank für Eure tolle Arbeit hier. Bin 37 Jahre und bin ein Mann, der auch mit Männern Sex hat.

    Wie bei so vielen hier, habe ich seit einiger Zeit Angst, dass es bei einem ONS zu einer Infektionssituation gekommen ist.

    Eins vorweg: Ich hatte noch nie Analverkehr ohne Kondom (ansonsten die gängigen Safer-Sex-Regeln beachtet, Oral z. B raus bevor es kommt) und auch beim besagten Risiko(?)-Kontakt wurde ein Kondom verwendet.

    Das besagte Kondom wurde beim AV beschädigt, da etwa in Höhe kurz unter der Eichel nach dem AV ein Loch vorlag. Dies haben wir, nach dem ich (komme oft schnell) nach etwa 3 Minuten dann beim Abrollvorgang gemerkt.
    Ich war der passive Partner, hatte mich etwa eine Stunde vorher vorbereitet und gespült. Er ist nicht gekommen.

    Es war ein ONS über eine Datingapp. Auf der einen Seite sagte er mir, dass er negativ sei. Die Bitte nach einem Test verneinte er, da er kein Risiko sah und (er hat ihn mir nicht gezeigt) angeblich sechs Wochen vorher einen Test gemacht hätte, der negativ gewesen wäre.

    Ich bin dann 4 Stunden später zu einem Schwerpunktarzt, war total aufgebrach und aufgelöstt, d. h. fertig mit den Nerven. Aufgrund der Beschreibung (ONS und Reaktion des Sexualpartners) wurde mir die PEP verordnet. Die erste Einnahme erfolgt nach 5 Stunden.
    Da war ich dann zunächst beruhigt, weil der Arzt auch sagte mit etwa 5 Stunden wäre es schon so gut wie lehrbuchmäßig und die Wahrscheinlichkeit wäre gering, aber grundsätzlich möglich, weshalb die Verordnung erfolgte. Ich solle aber optimistisch sein.

    Mich beschäftigt das Thema seit diesem Zeitpunkt aber trotzdem nach wie vor. Habe auch den Leitfaden gelesen, wonach die Risikosituation sich nochmals deutlich reduziert, wenn kein Sperma aufgenommen wurde und der Lusttropfen ja auch beim Analverkehr nicht ausreiche (einige Forumsbeiträge).

    Die PEP nehme ich nach wie vor und habe dies auch zuverlässig getan. 4 Tage stehen jetzt noch aus.
    Soweit der Optimismus in mir.

    Nun der Pessimimus:

    Ich habe seit dem letzten Wochenende eine starke Erkältung, auch ein Lymphknoten ist geschwollen. Fieber ist keins vorhanden, und ein wenig Übelkeit ist nun auch da. Gestern hatte ich einmalig am Abend "Durchfall".

    Da rattert es nun in mir - sind das Anzeichen einer primären Infektion?

    Auf der einen Seite beruhigte mich dann die Jahreszeit (fast jeder zweite ist derzeit erkältet) und die Aussage in Beiträgen "Symptome können von überall kommen und müssen nicht auf eine Infektion deuten". Auf der anderen Seite fühle ich mich total unwohl und mache mir nach wie vor Sorgen.

    Was ist, wenn der Sexualpartner frisch positiv war und ich vielleicht innerlich aufgrund der Spülung kleine Risse/Verletzungen hatte?

    Sind die Aussagen zum Lusttropfen dann auch weiterhin gültig?

    Der Optimist in mir sagt: Aufgrund der PEP, der minimalen Risikosituation sind die derzeitgen "Symptome" der Jahreszeit sowie dem Stress geschuldet, den ich mir gerade mache.

    Der Pessimist in mir hat deutlich Respekt und ist aufgelöst vor den nächsten Tests. Weitere Blutuntersuchungen finden am PEP-Ende statt und dann nach weiteren sechs bzw. zwölf Wochen.

    Habe ich eure bisherigen Beiträge, was meine Risikosituation angeht, richtig verstanden?

    Es geht gegen null bzw. höchtens im Promillebereich und der Optimist sollte sich einstellen?

    Die Testungen solltenHIV-negativ ausfallen?


    Ganz herzlichen Dank für eure Mühe und Zeit!
     
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Ich versuche, das WirrWarr mal aufzudröseln:

    Kondome reißen und hängen in Fetzen, wenn sie kaputt gehen, sie stehen unter Zug und Druck, Löcher gibt es in Kondomen nicht. Aber ich war nicht dabei und nehme Deine Aussage so hin.
    War die Eichel bedeckt ?

    Er muss sich auch nicht testen lassen, er hat ja ein Kondom benutzt, wenn es kaputt geht, kann er nichts dafür. Und ausserdem hat er Recht, denn
    das minimiert dasHIV-Risiko ganz erheblich.

    Nein, denn es gibt keine spezifischen HIV-Symptome.

    Ja.

    Wo ist denn nun das eigentliche Problem ? HIV kann es nicht sein, es gab ja nicht mal ein wirklich erwähnenswertes Risiko und Du nimmst die PEP (was auch immer Du dem Arzt erzählt hast).
    Also.. warum das ganze Drama ?
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2021
  3. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Zunächst lieben Dank für die schnelle Antwort und sorry für den falschen Ausdruck und das Wirrwarr.

    Das Kondom hatte an der Seite einen kleinen Riss.

    Die Eichel war beim Abziehen des Gummis bedeckt. Direkt unter der Eichel an der Seite war der Riss.

    Dann kann ich ja, wenn ich dich richtig verstanden habe, mit dem Thema Sorge in SacheHIV abschließen?

    Danke!
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ich darf an dieser Stelle erst einmal ganz allgemein anmerken, dass es so etwas wie eine »informationelle Selbstbestimmung« gibt, die jedem Menschen gesetzlich ermöglicht (es handelt sich hier um eine Grundrecht!), selbst zu entscheiden, wem er wann was sagt. Etwas nicht zu sagen oder zu tun, ist letztlich nur die berechtigte Inanspruchnahme dieses Grundrechts und darf, soll und kann kein Anlass zu irgendwelchen Vermutungen sein.

    Hingegen ist die öffentliche Vermutung, ein Mensch könneHIV-positiv sein, weil er dieses oder jenes nicht tut, nicht nur ein Verstoß gegen die Grundrechte, sondern kann leicht zum Staftatbestand werden.

    Ich bitte diese beiden Punkte dringend zu verinnerlichen!


    Zu Deiner Situation:

    Sexualität ist im Regelfalle die Vereinbarung zweier (oder mehr) Menschen zum Austausch von A wie Zärtlichkeiten bis Z wie Körperflüssigkeiten … und findet – ebenfalls wieder – im Regelfalle auf Augenhöhe statt. »Augenhöhe« kann auch bedeuten, dass einer der beiden sich unterordnet und der andere dominiert … aber eben auch nach Absprache.

    Und das war's schon. Es gibt bei Sexualität nicht die Möglichkeit, nachträglich eine »Vertragsänderung« einfordern zu wollen. Wer sich auf diese vertragsartige Vereinbarung einlässt, gibt stillschweigend seine Zustimmung, für Dinge, die außerhalb des Verantwortungsbereiches des Sexualpartners liegen, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die beteiligten Personen männlich, weiblich, divers, negativ, positiv, gesund, krank, weiß, gelb, rot, schwarz, Inländer, Ausländer oder Marsmenschen sind.

    Die meiste Panik entsteht aus dem Gedanken, dass Dinge, die gleichzeitig passieren, auch etwas miteinander zu tun haben … oder sogar zwingend miteinander zu tun haben müssen. Das ist einerseits - in manchen Bereichen - durchaus nachvollziehbaren Ängsten geschuldet … zumeist aber der irrige Gedanke, dass körperliche Beschwerden auf sexuelle Handlungen zurückgeführt werden können. Dieser irrige Gedanke stützt sich – nach mittlerweile 40 Jahren! – immer noch auf eine Symptomatik, die speziell mit HIV überhaupt nichts zu tun haben kann … denn alle angeblichen Symptome …
    … können völlig andere Ursachen haben (in Deinem Fall Wetter, irgendeine andere Infektion wie z. B. ein grippaler Infekt, Magenverstimmung, Magen-Darm-Virus) und – oh Wunder! – haben in 99,9% aller Fälle auch tatsächlich andere Ursachen. Du wirst vor und nach dem Sex nicht asketisch gelebt haben, sondern ganz regulär … also ist ebenfalls zu 99,9% davon auszugehen, dass Du die genannten Beschwerden auch ohne das sexuelle Encounter gehabt hättest.

    Eine Kondompanne ist grundsätzlich doof, aber kein Infektionsgrund … ein Loch, das man nachträglich findet, eher unwahrscheinlich (aber sei's drum). Aus einem nicht erfolgten Austausch von Körperflüssigkeiten ein HIV-Risiko zu konstruieren, ist schon eines Ingenieurstudiums würdig – aber völlig an der Realität vorbei. Dass ein Schwerpunktarzt hier eine PEP verschreibt, kann eigentlich nur an Deiner hochdramatisierten, von Panik getriebenen Situationsbeschreibung gelegen haben (die auch hier im Posting noch durchblitzt). Denn üblicherweise wird ohne Spermaaufnahme eine PEP nicht eingesetzt.

    Natürlich hast Du in einem Punkt grundsätzlich recht: Ist der Status eines Partners nicht bekannt, werden die Schutzmaßnahmen darauf ausgerichtet. Genau das ist aber auch passiert.

    Mit der Sorge ja – aber die PEP musst Du jetzt nehmen. Sonst kann es passieren, dass Du im Fall des Falles Resistenzen gegen die Medikamente entwickelst.
     
  5. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Ja, kannst Du.. andere STI können möglich sein.
     
  6. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Und da war der Faden für mich auch schon wieder erledigt :)
    Alles andere sind wahrscheinlich eh bloß Vermutungen, Unterstellungen und übertriebene Ängste...
    Nimm deine PEP und lass sie ihre Arbeit machen! Das passt schon. Viel zu tun hat sie da allerhöchster Wahrscheinlichkeit nach eh nicht... ;)
     
  7. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Danke für eure Antworten, die allesamt auch schnell gekommen sind.
    Bin jetzt beruhigter und werde euch nach den Testungen eine Rückmeldung geben!
     
  8. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Erster gültiger Test ist ein Labortest 6 Wochen NACH der unnötigen Pep.
     
  9. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Danke, so ist es auch geplant, laut Arzt. Nach 6 und dann nach 12 Wochen - nach dem Ende der PEP. Die anderen Tests sind Überwachungen des Allgemeinzustands und andere SÜK.
     
  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    6 Woche nach Ende der PEP genügt.

    Korrigiert … sorry.
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. November 2021
  11. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Du meinst nach Ende der PEP?

    Ja, sorry. Korrigiert.
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Klar … natürlich. Ich schreib gerade auf dem anderen Rechner über die PrEP … da kommt ein alter Mann gerne mal durcheinander :)
     
    devil_w gefällt das.
  13. simariqcocuq1

    simariqcocuq1 Neues Mitglied

    Hallo Matthias, wie meinst Du es denn mit Resistenzen? Ist die Gefahr nicht höher , Wenn er doch die PEP fortführt, dass sich Resistenzen bilden?

    Und was passiert, wenn sixh Resistenzen gebildet haben?
    •Nützen des Weiteren Prep oder evtl beim nächsten Mal PEP schlechter?
    •oder das Risiko(wahrscheinlichkeit) beim nächsten Akt sich anHIV anzustecken höher ausfällt?
     
  14. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Resistenzen bedeutet, dass das Virus nicht mehr auf bestimmte Medikamente reagiert, weil sie zu früh abgesetzt wurden oder eine Infektion nicht ausheilen konnte. Wir kennen das z. B., auch von Antibiotika, die grundsätzlich nach Anweisung eingenommen werden sollen (daher sind sie auch verschreibungspflichtig) und nicht nach Gutdünken des Patienten.

    Eine einmal begonnene Therapie sollte man nur nach Absprache unterbrechen, absetzen oder aufhören. Die Flucht in die PEP beim geringsten »Risiko« ist auf Dauer eh kontraproduktiv.

    Resistenzen können sich übrigens auch bei einer ganz normalen ART (antiretroviralen Therapie zur Behandlung einer tatsächlichen Infektion) auftreten: Man verträgt die Tabletten nicht, sie wirken nicht mehr usw. … das bedeutet, dass man auf andere Wirkstoffkombinationen und/oder mehr Tabletten ausweichen muss.

    Mit einem »höheren Risiko« beim »nächsten Mal« hat das natürlich überhaupt nichts zu tun. Wie kommst Du denn auf den Gedanken? Ein Risiko ist abhängig von einer Situation, nicht von Medikamenten …
     
  15. bebob

    bebob Neues Mitglied

    Hallo zusammen!

    Auch wenn zwischenzeitlich eine andere Person mit einer Rückfrage meinen Beitrag "gekapert" hat, möchte ich euch aktuell halten.

    Zunächst nochmals vielen lieben Dank für eure beruhigenden Worte direkt zu Beginn. War heute beim SPA (eine Woche nach der Blutuntersuchung, die 6 Wochen nach dem Ende der PEP erfolgte / Test: neuester Generation) und kann sagen:

    Wie von euch vorhergesagt -HIV negativ.

    Der SPA sagte zudem. selbst wenn jetzt nach weiteren 6 Wochen eineHIV-Test gemacht werden müsse aufgrund der Richtlinien, solle ich mir keine Sorgen machen.

    Heute erfolgte ebenfalls eine PREP-Beratung. Mit dem nächsten HIV-AK-Test werden auch die dafür vorab notwendigen Tests gemacht.

    Besten Dank nochmals für Eure Antworten und Hilfe in meiner Situation.

    Bleibt gesund!
     
    matthias gefällt das.
  16. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Wie immer an dieser Stelle - wir haben es Dir gesagt.

    Danke für die Rückmeldung
     
  17. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Tadaaaa :cool:
    Und sie hat es gerichtet, die PEP, wenn's denn überhaupt was zum richten gab ;)
     
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