Trennung/Neuanfang

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Trude1, 3. Dezember 2020.

  1. Trude1

    Trude1 Neues Mitglied

    Hallo und guten Abend an Alle,

    ich weiss, mein letztes Posting ist über ein Jahr her. In der Zeit ist viel passiert. Habe aber immer wieder mal mitgelesen und konnte so einiges für mich zur Hilfe nehmen.
    Seit ca. 3 Wochen bin ich nun wieder nach fast 6 Jahren Single. Mein Expartner trinkt einfach zu viel. Und immer wenn ich Kritik daran übte, kamen ziemlich schwere Vorwürfe in Bezug auf meineHIV-Infektion, wie z. B.:" Die paar Bier, ich solle mich mal nicht so haben. Ich hätte ja schliesslich HIV." Die paar Bier waren ungefähr immer 15-20 Stück innerhalb 12-15 Stunden.
    Vor 3 Wochen ist es dann richtig verbal eskaliert, weil ich einfach nicht mehr beim Trinken zusehen kann. Alle 3 Tage die oben genannte Menge mit 3 tägigen Bettaufenthalt könnte ich nicht mehr mit ansehen. Ich sagte das an dem Trennungstag auch ganz deutlich worauf dann prombt: "Die paar Bier, wer ist denn hier aidskrank und hat hier alle in Gefahr gebracht." Das war dann einfach zu viel. Ich bat ihn dann zu gehen, was er auch tat.
    Über Whatsapp, Email und Telefon versuchte mich man dann immer wieder zu überreden, aber ich liess mich nicht drauf ein. Ich kann einfach nicht mehr.
    Immer wenn ich über Probleme reden wollte, flippte man gleich aus, und kam mir mit meiner HIV-Infektion. Ich halte das einfach nicht mehr aus.
    Meine Werte, die im November richtig gut waren (THelfer 825, VL0 und Ratio 1,19, bin so stolz) interessierten ihn auch nicht. Jedenfalls kam nicht eine Frage in dieser Richtung.
    Ich möchte hier nicht meine Beziehungsprobleme lösen. Mir gehen diese Anschuldigungen in Bezug auf meine HIV-Infektion so nah. Auch wenn diese auf Grund seiner Alkoholsucht passieren, halte ich das nicht aus.
    Ich kann mit niemanden reden, da meine Familie nicht mehr vorhanden ist und Bekannte nichts von meiner Infektion wissen. Meine Tochter, die fast 16 ist, weiss von meiner Infektion im Moment auch noch nichts. Damit will ich noch ein bisschen warten. Sie hat im Moment so viel Stress in der Schule und das ganze Theater hier mit meinem Expartner hat sie ja auch mitgenommen.
    Ich weiss, daß die Trennung für mich/uns das Beste ist.
    Ich komme mir ja vor, als daß er mich mit meiner Infektion ständig in der Hand hat. In der Vergangenheit hat er ja oft genug gedroht, dieses z.B. meiner Tochter oder meinem Exmann zu erzählen. So kann ich nicht leben.
    Für mich selber habe ich die Infektion akzeptiert. Sie hat sogar einiges positives für mich, indem ich z.B. mehr auf mich achte. Bewegung und genug Schlaf z.B.. Mit dem Rauchen will ich auch aufhören, nur fehlt mir dazu im Moment die Kraft.
    Entschuldigt, ich muss das mit den Vorwürfen, was meine Infektion betrifft einfach mal loswerden. Ich merke jetzt schon wieder, wie sehr mich das schon beim Schreiben aufwühlt. Nur ich hab niemanden mit dem ich darüber reden kann und mein nächster Termin bei meinem Arzt ist noch 2 Wochen hin. Am Tag geht es ja auch. Klar habe ja Ablenkung aber abends dann, kommt es doch wieder hoch.
    Ich wünsche allen eine gute Nacht und Danke für`s Lesen/Zuhören.
     
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Solange er trinkt, wird sich nichts ändern.. gar nichts.
    In meinen Augen gibt es zwei Möglichkeiten - Du bleibst bei ihm und erträgst seine Trinkerei inkl seinen Ausfällen und Beleidigungen.
    Oder - Du machst Dich mal grade, setzt ihm ein Ultimatum und wenn er meint, dass Trinken wichtiger als die Beziehungen - solltest Du gehen.
    Ich arbeite seit einigen Jahren mit alkoholkranken Menschen, von alleine wird sich keine Änderung einstellen.
     
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  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Trude,

    es ist erschreckend, in welcher Situation Du leben musst. Die Trennung dürfte die beste Lösung sein, denn was Dein Partner macht, ist Erpressung, Nötigung und Diskriminierung »vom Feinsten«.

    EineHIV-Infektion ist heute schon lange nicht mehr das, was es früher mal war. Vor allem bei Deinen tollen Werten! Ich kann Dich zwar verstehen, dass Du mit niemandem darüber reden willst bzw. niemanden in Deiner engeren Ugebung einweihen willst … aber genau das bietet doch die Angriffsfläche für die o.a. Straftatbestände … ja: Es sind Straftatbestände, die aber leider nicht satisfaktionsfähig sind, weil sie im Zustand verminderter Schuldfähigkeit (Trunkenheit) bzw. in einer 1:1-Situation und damit ohne Zeugen stattgefunden haben.

    Sich zu trennen, war die für Dich beste Lösung. Allerdings solltest Du Dein Verhältnis zu Deiner Infektion überdenken. Wenn Du Angst hast, dass sich z. B. Deine Tochter abwendet, wenn sie es weiß – dann steht dem gegenüber, dass Du sie zur Zeit durch Verschweigen belügst. Deine Tocher ist 16 und damit erwachsener, als Du glauben magst. Für sie ist die Beschäftigung mit dem Thema HIV auch sehr wichtig, da sie am Beginn der Sexualität steht (wenn nicht schon mittendrin).

    HIV ist unter Therapie nicht übertragbar, HIV ist heute keine Behinderung mehr (ich habe vor 20 Jahren noch einen Behindertenausweis bekommen, heute geht das nicht mehr so einfach), HIV hat auf den Alltag und die Leistungsfähigkeit keinerlei Auswirkung mehr, wenn man sich an die Therapie hält.

    Zum »Alltag mit HIV« gehört aber auch die Ehrlichkeit zu sich selbst. Die Ehrlichkeit, mit unpopulären Dingen umzugehen … aber auch die Vorbildfunktion für Deine Tochter, zu Dir selbst zu stehen. Genau, wie Du durch die Trennung Deine Selbstständigkeit zeigst, kannst Du durch den Vertrauensbeweis Deiner Tochter gegenüber beweisen, dass Du Dich von »so ein paar Viren« nicht unterkriegen lässt.

    Ich wünsche Dir alles Gute – vor allem die Kraft, die Trennung durchzuziehen und nicht »rückfällig« zu werden. Kein Kerl ist das wert (und da spreche ich aus Erfahrung ;)).
     
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  4. Trude1

    Trude1 Neues Mitglied

    Guten Morgen,
    erst mal vielen Dank für eure Antworten. Mir geht es gleich besser.
    Das mit dem Ultimatum habe ich versucht am Trennungstag. Darauf kam ja die die Antwort. Es wurde von ihm immer versucht mich mit meiner Infektion als "schlechter" wie er hinzustellen. Manchmal hatte ich schon das Gefühl, ich befände mich in einem Wettkampf. Ganz schrecklich.
    Zu meiner Tochter:
    Meine Infektion wurde ja 2018 diagnostiziert. Kurz danach stand die Sorgerechtsentscheidung des Familiengerichtes an, so daß mein Expartner und ich der Meinung waren, nur um noch mehr Ärger mit meinem Exmann aus dem Weg zu gehen, die Infektion erst mal zu verheimlichen. Das Sorgerecht wurde mir dann 2019 zugesprochen.
    Schon seit einigen Monaten habe ich dabei auch kein gutes Gefühl mehr, meine Tochter nicht einzuweihen. Mit meinen Ärzten besprech ich das ja auch immer wieder. Die sind der gleichen Meinung wie Du auch Matthias. Mein Expartner war bis zum Schluss der Meinung, sie verkrafte das nicht oder erzählt das bei einem zufälligen Treffen mit ihrem Vater. Umgang besteht seit 2015 nicht mehr zwischen den beiden. Von seitens des Vaters aus.
    Ich merke auch, das mich das immer mehr nervt, meine Tabletten am Wochenende heimlich zu nehmen oder aufzupassen, ob hier Arztrechnungen am PC liegen. In den 3 Wochen, in denen ich allein bin, ist mir einiges klar geworden.
    Da im Moment meine Tochter im totalen Klassenarbeitsstress ist, habe ich mir vorgenommen, mit ihr in den Weihnachtsferien darüber zu reden. Auch wenn ich Angst davor habe, werde ich dieses tun.
    Du hast mir da gerade wirklich die Augen geöffnet Matthias. Genau solche Worte fehlten mir. Jemand, der mir mal auch die andere Seite nennt und klar macht. Das ging ja nicht.
    Auch wenn Coronabedingt im Moment alles schwer ist, will ich ein neues Leben anfangen. Neue Leute kennenlernen, die ich nicht anlügen oder die Infektion an mir verheimlichen muss. So, wie ich die letzte Zeit gelebt habe, geht es auf jeden Fall nicht weiter. Ein "Zurück" in diese Beziehung geht für mich auch nicht mehr. Dafür ist einfach zu viel kaputt und ich habe mein Vertrauen komplett verloren. Er hat mir wirklich in vielen Situationen beigestanden und geholfen, aber mich dann andererseits so zu behandeln, geht gar nicht. Er holt ja meine Angststörung immer wieder neu hoch. Wegen der bin ich seit Jahren in Behandlung. Das weiss er.
    Jedenfalls merke ich (mal wieder), daß meine Angststörung ein viel größeres Gesundheitsproblem ist, als meine Infektion.
    Ich hoffe, ich hab jetzt nicht alles zu durcheinander geworfen. Jedenfalls vielen Dank für´s zuhören.
    Ich wünsche Euch allen noch einen schönen Tag. :)
     
  5. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Ich kommentiere das mit wenigen Worten da sie mir ehrlich gesagt fehlen... :eek:
    Ein A*schloch ist und bleibt eins. Es wird sogar noch größer wenn es säuft :mad:
    Würde ich dir auch so empfehlen. Lass dich bloß nicht weichkochen von ihm!

    Ich drücke dir die Daumen für deine unmittelbare und weitere Zukunft :):cool:
     
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  6. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Ich drück Dir die Daumen !
     
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  7. Trude1

    Trude1 Neues Mitglied

    Guten Abend,
    erst einmal vielen Dank für Eure Worte.
    Heute holte er einen weiteren Teil seiner Sachen ab und hoffte wohl, daß ich wieder die "Alte" bin. Lieb und freundlich und nichtssagend. Das ging leider nicht. Im Gespräch kam ich auf den Trennungstag und seine gewählten Worte in Bezug auf meine Infektion. Er hätte sich entschuldigt und diskriminierend wäre das auch nicht, kam als Antwort. Da ist mir der Kragen geplatzt und ich wurde, ohne beleidigende Worte, etwas laut. Und als ich auf seinen Alkoholkonsum zu sprechen kam, hiess es nur, er hat die letzte Woche nicht getrunken und es stimme ja sowieso nicht so ganz, was ich da in Bezug auf seinen Konsum behaupte. Er nahm dann seine Sachen und ging nach kurzer Zeit.
    Lange Rede kurzer Sinn! Für mich gibt es definitiv kein Zurück mehr. Er kann mich nicht weichkochen. Mir ist so klar geworden, wer meine Infektion als Druckmittel/ Nötigung, Beleidigung usw. einsetzt, hat in meinem Leben nichts verloren.
    Wenn ich mich wieder darauf einlassen würde, würde ich dann irgendwann vieleicht nicht "nur" beleidigt werden, sondern vieleicht nach Sex sogar angezeigt? Sowas geht mir durch den Kopf. Nee, immer in Angst zu leben, was jetzt gesagt oder gemacht wird, macht mich kaputt. Auch, wenn da eine Alkoholsucht im Spiel ist, will ich mich sowas nicht (mehr) aussetzen. Und er will ja offentsichtlich in seinem Problem keine Hilfe annehmen bzw. zieht sie nicht mal in Erwägung.
    Ich hatte nach meiner Diagnose echt zu tun, diese überhaupt anzunehmen. Machte mir genug selbst Vorwürfe, warum ich nicht aufgepasst habe in meinem Sexualleben. Das habe ich mit meinem Arzt ganz gut verarbeitet. Da lasse ich mir meinen "Makel" nicht immer wieder vorhalten oder sonstiges. Mittlerweile habe ich nämlich schon den Eindruck, ich bin halt jemand, der nur eine Tablette nehmen muss. Das müssen so viele andere Menschen wegen anderer Erkrankungen auch.
    Das wühlt mich schon wieder alles so auf.
    Meine Tochter werde ich in den Weihnachtsferien über meine Infektion aufklären und wenn sie will, nehme ich sie zu meinem SPA mit. So denke ich mir das jedenfalls.
    Ich hoffe nur, meine Werte sind im Februar immer noch so wie vor 3 Wochen und werde mir jetzt erst einmal Ruhe, Sparziergänge und viel Schlaf gönnen.
    Er muss noch einmal kommen, um seinen Rest abzuholen. Dafür nehme ich mir vor keine Themen mehr anzusprechen, zu denen es eh keine Lösungen gibt. Die Sache ruhig dann endlich abzuschliessen.
    Ich werde hier auch in Zukunft öfters reinschauen und mich bestimmt auch mal beteiligen, wenn ich dann etwas zur Ruhe gekommen bin.
    Desweiteren wünsche ich allen einen schönen Abend und einen besinnlichen 2. Advent. :)
     
  8. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das hast du auch nicht nötig...:cool:
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ich weiß nicht, ob Du es schon wusstest: Die Deutsche AIDS-Hilfe hat spezielle Informationen für Frauen & AIDS auf einer Webseite, über die man auch Kontakt aufnehmen kann: https://www.frauenundhiv.info/
     
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