Risiko?

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Komp, 15. Mai 2021.

  1. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Hallo,

    ich (M) hatte heute ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem M. Dabei war ich aktiv und das ganze ging nur etwa 3 Minuten. Zum Samenerguss kam es nicht. Danach ist mir aufgefallen, dass ich etwas Blut (nicht mein Blut) an meinem Penis und an der Eichel hatte. Ich bin beschnitten. Das Blut hab ich direkt, nachdem es mir aufgefallen ist, weggewischt. Über den Status meines Geschlechtspartners ist mir nichts bekannt (ob er positiv war). Kann es denn überhaupt zu einer Infektion kommen? An meinem Penis habe ich keine Wunden. Ich habe mich bereits (auch hier im Forum) informiert, habe aber keine konkrete Antwort darauf gefunden. Da Blut im Spiel war, mache ich mir Gedanken und habe gerade Panik.

    Ich wäre für hilfreiche Antworten sehr dankbar :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Mai 2021
  2. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Stellt immer ein gewisses Maß an Risiko dar. Egal ob mit oder ohne Blut...
    Na das minimiert schon mal das Risiko für deinen Partner :cool:
     
  3. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das ist jedenfalls nicht nötig. Ändert ja nix...
     
  4. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Ja, das weiß ich. Ich weiß auch, dass es ein Fehler war. Je mehr ich darüber lese, desto mehr mache ich mich verrückt. Das Problem war ja, dass es zum richtigen AV kam und hinterher etwas Blut an meiner Eichel war. Habe jetzt desöfteren gelesen, dass bloße Tropfen kein Risiko darstellen und dass das Blut durch die Eichel erst aufgenommen werden kann, wenn es eben zum teils "harten" Verkehr kam. Das Blut war jedenfalls verschmiert und nicht in Tropfenform.
     
  5. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Wie hoch würdet ihr denn das Risiko einer Infektion in meinem Fall einschätzen? Stimmt es denn wirklich, dass das Risiko generell sehr gering ist (im einstelligen %-Bereich)? Das hängt ja natürlich von einigen Faktoren ab, also ob er überhaupt positiv war, ob genug Blut vorhanden war, ob die Viruslast hoch genug war, richtig?

    Was würdet ihr mir empfehlen, als nächstes zu tun? Einfach warten, bis ich mich testen kann? PEP? Ich weiß ja nicht einmal, ob er positiv war. Habe auch gelesen, dass die Kosten selbst zu tragen sind, wenn es Eigenverschulden ist... fühle mich etwas verloren.
     
  6. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Du bist beschnitten, das minimiert das Risiko nochmal sehr stark. Pep muss selbst bezahlt werden und ist sehr teuer. Zudem sind das echt starke Medikamente. Warte einfach die 6 Wochen ab und mach dann einen Labortest.
     
  7. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Komp,
    Du soltest Dich zudem mal fragen, was da passiert ist. Offenschtlich war es ein One-Night-Stand – was ja an sich nichts Verwerfliches ist. Du bist 25 Jahre alt, was eigentlich zu den schönsten Zeiten des Lebens gehören sollte … aber seit nunmehr 40 Jahren gibt esHIV – und das nicht nur irgendwo, sondern mitten unter uns. Seit nunmehr 26 Jahren kann man die Infektion sehr gut behandeln – aber sie zu bekommen, ist trotzdem unnötig, denn sie ist nach wie vor unheilbar.

    Ist denn die gesamte Aufklärung, die gesamte Prävention so an Dir vorbeigerauscht, dass Du Dich freiwillig in ein Risiko begibst? Ein Risiko, das statistisch nur sehr klein ist … aber den, den es trifft, durchaus zu Problemen führt? Medizinisch ist HIV schon lange nicht mehr das Problem … gesellschaftlich aber schon. Und nicht selten sind es jene, die Angst vor Ausgrenzung haben, die sich sehenden Auges in diese Situation bringen. Niemand hat Dich gezwungen, das Kondom wegzulassen.

    Der ungeschützte Sex dauerte drei Minuten. Dein Gefühlschaos dauert mittlerweile mehr als 12 Stunden und – das kann ich Dir schriftlich geben – wird auch noch andauern, weil die Angst vor HIV bei Dir offensichtlch so stark internalisiert ist, dass Du Dir gar nicht vorstellen kannst, dass bei dem beschriebenen Kontakt nichts passiert sein könnte. Dir werden in den nächsten Tagen und Wochen immer mehr Szenarien einfallen, die real gar nicht existiert haben, die aber in Deiner von Panik getrübten Wahrnehmung realistisch erscheinen. Da solltest Du Dich schon einmal darauf vorbereiten … war das die drei Minuten wert?

    Gut - das musst Du mit Dir selbst ausmachen … ich musste das ja auch. Aber vielleicht gibt es Dir für die Zukunft zu denken …

    Statistisch gesehen, ist das Risiko grundsätzlich ausgesprochen gering, sich überhaupt mit HIV zu infizieren. Es gibt etwa 90.000 Menschen in Deutschland, die HIV-positiv sind, davon haben sich etwa 65% bei ungeschütztem homosexuellen Geschlechtsverkehr infiziert. Allerdings sind 90% aller HIV-positiven Menschen in Deutschland in Therapie, d.h. die Viruslast ist unter der Nachweisgrenze und HIV damit nicht mehr übertragbar.

    Allerdings gibt es etwa 11 - 13.000 Menschen in Deutschland, die HIV-positiv sind, aber es nicht wissen (wollen), weil sie sich nie haben testen lassen. Alle Erkenntnisse sprechen dafür, dass es sich hierbei ganz überwiegend um Heterosexuelle handelt, die sich gar nicht vorstellen können, dass sie von HIV betroffen sein könnten. Denn das Testverhalten bei Homosexuellen liegt deutlich höher.

    Das ist die Statistik. Die spricht für Dich.

    Nun zum Übertragungsweg: Ja, Blut ist eine infektiöse Körperflüssigkeit. Ja, Schleimhäute sind eine Eintrittspforte. ABER: Es gibt keinen Infektionsautomatismus … und Du kennst den Status des gehabten GV-Partners nicht. Dass Du beschnitten bist, senkt das Risiko ein weiteres Mal.

    Panik ist, wie @haivaupos schieb, völlig unnötig. Aber nur ein Test (Labortest ab dem 43. Tag nach dem Risikokontakt, bei Dir also ab dem 28. Juni) wird Dir Gewissheit geben. So lange wirst Du Dich in Geduld fassen müssen. Da hilft kein Zetern, kein Schreien, kein Ärger, keine Panik. Der Tag hat nun mal 24 Stunden. Jeder …

    Betrachte mich einfach als einen – auch zeitlich – mitfühlenden Menschen, denn an genau dem Tag bekomme ich meine zweite Covid 19-Impfung … ;)
     
  8. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort, Matthias. Ich versichere dir, dass das nicht wieder vorkommen wird, unter welchen Umständen auch immer. Es war ein Fehler und ich kann ihn leider nicht ungeschehen machen. Ich werde aber dafür sorgen, dass er sich nicht noch einmal wiederholt. Es war die 3 Minuten definitiv nicht wert.

    Es tut gut, nochmals die Zahlen und Statistiken zu sehen, auch wenn ich sie nun mehrfach hier gesehen habe.

    Einige Fragen hätte ich aber noch. Ich habe mehrfach den Begriff Infektionsautomatismus gelesen. Nur zum Verständnis: bedeutet das, dass es nicht automatisch zu einer Infektion kommt, selbst wenn alle Parameter erfüllt wären? Also große, offene Wunde (in meinem Fall ja nicht) oder eben Schleimhäute der Eichel lagen frei, es war genug infektiöse Flüssigkeit vorhanden und die Viruslast war hoch genug. Und natürlich positiver, unbehandelter Partner. Selbst wenn all das gegeben war, wird man nicht automatisch zu 100% infiziert? Falls ja: gibt es dazu eine Erklärung? Die Viren würden ja meiner Auffasung nach trotzdem in den eigenen Körper gelangen und sich vermehren. Gibt es dazu auch Statistiken, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass man bei allen erfüllten Parametern nicht infiziert wird?
    Tut mir Leid, wenn ich so blöd frage und unwissend rüberkomme (und auch eigentlich bin). Ich hatte mich bisher nur wenig mit dem Thema auseinandergesetzt. Und umso schlimmer ist es, dass ich das Risiko eingegangen bin, das weiß ich.

    Einen Labortest mache ich, soweit ich das verstanden habe, in Anwesenheit eines Arztes. Muss es zwingend der Hausarzt sein oder kann ich das auch beispielsweise in einer Klinik machen, die das anbietet? Im Falle eines negativen Ergebnisses: inwieweit wird die Anonymität gewahrt, dass ich mich überhaupt erst testen lassen habe? Beim Hausarzt wüsste dieser das natürlich direkt. Kann mir auch gut vorstellen, dass dies beispielsweise der Krankenkasse gemeldet werden muss, auch wenn der Test negativ war.
    Ich habe auch schon von unabhängigen Teststellen gehört, bei denen man sich aufHIV testen lassen kann. Werden da auch Labortests angeboten? Zumindest Schnelltests bieten sie an und wenn ich das richtig verstanden habe, bleibt das ganze auch anonym.
    Bei einem positiven Ergebnis sollte die Krankenkasse das schon erfahren, oder? Zwecks Therapie?

    Ich hoffe, dass das nicht so wirkt, als würde ich mir hier viiiel zu viele Gedanken machen. Ich würde nur gerne auf alles vorbereitet und bezüglich dem wichtigsten aufgeklärt sein.
     
  9. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Ganz genau. Es gibt Paare, die haben jahrelang ungeschützten Sex, obwohl einer von ihnen unwissentlichHIV+ ist und es findet keine Infektion statt.
    Natürlich kann man sich auch bei einmaligen ungeschützten GV infizieren, aber die Wahrscheinlichkeit, überhaupt auf einen untherapierten, positiven Menschen zu treffen, ist äußerst gering.
    Einen kostenlosen, anonymen Labortest kannst Du beim örtlichen Gesundheitsamt machen. Musst halt mal anrufen, ob und wann das zur Zeit (wegen Covid) möglich ist.
    Die AIDS Hilfen machen meistens nur Schnelltests und dafür gelten dann 12 Wochen Wartezeit.
    Es gibt auch Labore die den Test anonym anbieten. Kosten liegen glaube ich bei ca 30 bis 40 Euro (will mich da aber nicht festlegen). Hausarzt ist auch eine Option. Wenn du den Test beim Hausarzt auf Selbstzahlerbasis machst, erfährt die Krankenkasse ebenfalls nix davon.
    Sollte der Test entgegen den Erwartungen positiv ausfallen, ist es klar, dass die KK das erfährt, denn die übernimmt ja dann die Therapiekosten.
     
    matthias gefällt das.
  10. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Auch dir danke ich für deine Antwort. Das beruhigt mich etwas. Ich versuche mich nicht mehr verrückt zu machen und werde in 6 Wochen einen Labortest machen.
     
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  11. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Servus noch mal
    Viele Fragen. Ich versuche einige davon zu beantworten...
    Das passiert immer wieder mal. Es kommt beim passiven Part zu klein(st)en Verletzungen. Dann ist ein bissl Blut dabei. Grundsätzlich kein Beinbruch. Aber mit unbekannten führt das dann zu Verwirrung und Verunsicherung wie in deinem Fall
    Sehr gering. Die Statistik weist in so einem Fall irgendwas mit rundum 1% aus
    Ja, siehe die oben erwähnten ~1%
    Sollte dein Partner tatsächlich positiv und unbehandelt sein steigt das Risiko natürlich.
    Aber bleibt trotzdem in einem niedrigen einstelligen %Bereich
    Ja natürlich gibt's eine Erklärung. Du hast ein Immunsystem. Das sorgt eben in 99% der Fälle dafür, dass genau das, die unkontrollierte Vermehrung, eben nicht statt findet.
    Das Virus wird bekämpft und "aus dem Körper geschmissen"
    Viel, also wirklich viel zu früh sich solche Gedanken zu machen ;)
    Jetzt ist es Zeit dir eine Frage zu stellen:
    Weshalb "fürchtest" du dich denn so vor deiner Krankenkasse? :eek:
    Da lehnst du dich aber ziemlich weit aus dem Fenster :D:D:D
     
  12. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Die Wahrscheinlichkeit von einem bis wenigen % klingt schon mal vielversprechend. Auch dass mein Immunsystem dagegen ankämpft ergibt Sinn. Allerdings war ich im Glauben, dass das eben bei HI Viren nicht so einfach ist bzw. frage ich mich dann, wie es überhaupt zu einer Infektion kommen kann. Liegt aber wohl daran, dass bei einer zu hohen Viruslast das Immunsystem damit einfach nicht mehr klar kommt.

    Was die Krankenkasse betrifft: ich studiere und stehe noch nicht auf eigenen Beinen. Habe mir da nur Gedanken wegen eventueller finanzieller Aspekte gemacht. Daneben spielt vermutlich der gesellschaftliche Aspekt eine Rolle, den Matthias angesprochen hatte. Auch wenn sie, und Ärzte, selbstverständlich zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.

    Mag sein, dass es den Anschein erweckt, ich würde mich zu weit aus dem Fenster lehnen, was zukünftige ONS betrifft. Ich bin mir aber jetzt schon sicher, dass ich die Situation, in der ich mich gerade befinde, nicht noch einmal erleben will. Und ich befinde mich gerade noch am Anfang. Aber wie gesagt, ich versuche so wenig wie möglich daran zu denken und warte. Was anderes bleibt mir ja nicht übrig. Die Angst wurde mir auf jeden Fall etwas von euch genommen :)
     
  13. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Die Antwort ist relativ einfach:
    • Wenn alle notwendigen Parameter zusammenkommen, wird das Virus definitiv übertragen. Wenn nicht, sinkt die Wahrscheinlichkeit durchaus exponentiell. Nur – es gibt keine allgemeingültige Definition, was alles zusammenkommen muss, denn es hängt nicht unwesentlich von den beteiligten Personen ab. In Köln sagt man so schön: »Jeder Jeck ist anders« … und das gilt auch hier.
    • Da es kein 100%ig sicheres Ausschlusskriterium für eineHIV-Übertragung gibt – sieht man mal von Keuschheit und Abstinenz ab – gilt es, sich zu schützen. Und da ist das Kondom mit einer 95%igen Sicherheit und dem umfassenden Schutz vor allen STI und Schwangerschaft das einfachste und kostengünstigste Mittel. Die fehlenden 5% resultieren übrigens zumeist aus Anwendungsfehlern. Du glaubst gar nicht, was man bei der Kondombenutzung alles falsch machen kann …
    HIV gehört zu den anerkannten Krankheiten und wird von allen Krankenversicherungen bei Arztbesuch, Labor und Medikamenten zu 100% übernommen.
    Das ist in der Tat das größte Problem, was aber interessanterweise heute häufig durch diejenigen am Köcheln gehalten wird, die erst nach 1996 zur Welt gekommen sind und sich bei HIV auf ebenso altüberlieferte wie falsche Positionen berufen.
    Zudem gehört HIV – wie alle Krankheiten und noch viel mehr – zur sog. informationellen Selbstbestimmung – und das ist ein Grundrecht. Andererseits gebe ich aber auch zu bedenken: Solange Leute heimlich mit HIV umgehen, wird sich die Sicht der Gesellschaft dank fehlender (Vor-)Bilder nicht verändern.
    Das ist verständlich und eine gute Einstellung. Allerdings muss ich @haivaupos – auch aus eigener Erfahrung – Recht geben: Es gibt Situationen, in denen es verdammt schwer fällt, den Verstand walten zu lassen. Das muss man lernen … aber das kann man auch lernen. Dazu muss das Kondom aus der »Schmuddelecke« heraus – wenn man es wie ein Sextoy betrachtet und einsetzt, kann sogar so ein komisches Gummiding sexuell anregen :)
     
  14. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Das verwirrt mich wieder etwas... Nach der unwahrscheinlichen (bei fehlenden Parametern) oder sicheren (alle Parameter erfüllt) Übertragung kann sich das Virus nur verbreiten, wenn das Immunsystem dagegen nicht ankommt, richtig? Selbst wenn ich nun die Viren in meinem Körper hätte (angenommen alle Parameter waren erfüllt gewesen), könnte eine Ausbreitung durch mein Immunsystem verhindert werden, wenn die Viren erfolgreich bekämpft werden können. Und das schafft das Immunsystem je nach Körper und Person eben in etwa 99% der Fälle? Habe ich das richtig verstanden? Deshalb die Nachfrage, wie es zu einer Infektion kommen kann, wenn doch das Immunsystem in den allermeisten Fällen eine Ausbreitung verhindern kann.
     
  15. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Aber auch nur, weil Du noch in Deine alten Schemata denkst.

    Es genügt für eine Übertragung nicht unbedingt, ungeschützten Sex zu haben, denn dazu müsste der SexualpartnerHIV-positiv und nicht therapiert sein. Ist er aber positiv und untherapiert, kann natürlich eine Übertragung erfolgen. KANN – aber nicht MUSS. Es kommt dabei auf die Menge an Viren an, die übertragen werden … es kommt darauf an, wieviel Zeit oder wieviel Reibung im Spiel war … es kommt darauf an, ob es Fissuren (kleine Wunden) gibt. Letztlich ist die Menge an infektiöser Körperflüssigkeit auch ein Kriterium, denn große Mengen sind gefährlicher als Kleinstmengen. Das dürtfe Dich aber jetzt nicht verwirren, oder?

    Es genügt für eine Übertragung auch nicht, wenn der Sexualpartner HIV-positiv ist, denn er könnte ja in Therapie sein und damit die Viren nicht mehr übertragen können. Nur – man sieht es keinem an – und man muss es auch nicht glauben. Nur wer sich selbst schützt, kann sich schützen. Und auch wenn der Sexualpartner HIV-positiv und unbehandelt ist und ein Kondom verwendet wird, und das reißt: Selbst dann ist bei rezeptivem (passivem) Verkehr – was wesentlich risikoreicher ist als insertiver (aktiver) Verkehr – nur ein statistisches Risiko von 0,3% gegeben.

    Mit anderen Worten: Je mehr Gedanken Du Dir über eine mögliche Infektion machst, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass überhaupt nichts passiert ist. Meine Infektion habe ich mir zugezogen, weil ich mit zuviel Alkohol ungeschützten Verkehr hatte – aber nicht drei Minuten (für so etwas stehe ich gar nicht erst auf :) ), sondern die halbe Nacht.

    Mein Beweis für diese Behauptung: In Deutschland sind 0,12% der Bevölkerung HIV-positiv und davon 90% in Behandlung. In Deutschland werden pro Jahr etwa 4 Mio. HIV-Tests gemacht, aber um die 2.500 - 3.000 Infektionen neu entdeckt. Das sind 0,075%.

    Und jetzt rechne mal aus: 0,12% x 90% x 0,3%. Was natürlich nicht auschließt, dass es jemanden doch erwischt. Aber die Wahrscheinlichkeit ist gering.

    Du hältst Dich immer am Begriff »Risiko« fest. Eine Autofahrt hat auch ein bestimmtes statistisches Risiko für einen Unfall. Um die möglichen Folgen zu mindern, gibt es Sicherheitsgurte und Airbags und was weiß ich. Und trotzdem endet nicht jede Autofahrt vor dem Baum: Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit es zu einem Unfall kommt.

    Und bei HIV ist es noch einfacher: Es müssen viele Faktoren zusammenkommen, damit es zu einer Übertragung kommen kann. Denn bei einem Unfall landest Du z. B, vor einem Baum. Bei einer HIV-Übertragung kann es aber immer noch sein, dass das Immunsystem frühzeitig ein Andocken der Viren verhindert. Nur um das Andocken geht es! Haben sich HI-Viren erst einmal eingenistet, beginnt auch die Ausbreitung. Aber davor muss eben Vieles zusammenkommen … was eigentlich in allen hier beschriebenen Fällen nie der Fall war – wir haben uns bislang in der Einschätzung noch nie geirrt. Allerdings kann nur einHIV-Test ein sicheres Ergebnis bringen.

    Ich hoffe, jetzt ist es klarer …
     
  16. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das hast du richtig verstanden, ja :cool:
    Warum und wieso es bei dem einen zu einer Infektion kommt und beim nächsten nicht, darüber ist sich auch die Wissenschaft nicht einig, bzw kann keine oder nur wenige schlüssige Erklärungen liefern. Scheint einerseits mit der Menge der "übergebenen" potentiell infektiösen Körperflüssigkeiten des Spenders und dessen Virenlast (Anzahl der Kopien), und andererseits mit dem aktuellen Zustand des Immunsystems des Empfängers zu tun haben.
    In den meisten Fällen ist es eben stark genug um die Viren so effizient und rasch zu beseitigen, nämlich bevor sie die Möglichkeit haben die Immunzellen (hier vor allem die CD4) zu infizieren. Denn genau das passiert bei einer "erfolgreichen" Infektion mitHIV. Die Viren infizieren die Immunzellen, die dann ihrerseits HI-Viren produzieren statt sie zu bekämpfen. Wenn das passiert, na, dann geht's dahin sozusagen...
     
  17. Komp

    Komp Neues Mitglied

    Eure Antworten haben mir noch einmal einiges klar gemacht. Ihr seid echt gut darin, anderen die Angst zu nehmen. Vielen lieben Dank dafür :)
     
    haivaupos, devil_w und matthias gefällt das.
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