Pure Angst

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von PanischEr, 8. April 2012.

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  1. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Hallo zusammen... bin neu hier - und voller Angst.

    Ich hatte vor ca. 4 Jahren einen RK in Form eines Kondomrisses bei (aktivem) Analverkehr mit einem Mann. Er sagte, dass er negativ sei und ich mir keine Sorgen machen solle. Mittlerweile glaube ich das aus mehreren Gründen nicht mehr. In der Folge des RK - ca. 2-3 Wochen danach - hatte ich einen heftigen Hautausschlag am ganzen Körper (beginnend auf dem Rücken, Ausbreitung über Brust, Extremitäten und Gesicht), der mindestens 4 Wochen anhielt. An psychische Auslöser denke ich nicht, weil ich zu diesem Zeitpunkt nichts über Symptome einer Primärinfektion wusste. Der Arzt wusste damals auch nicht recht, was es sei und tippte auf eine Röschenflechte. Ich war damals ziemlich down, saft- und kraftlos, müde und fertig.

    Nun habe ich aktuell eine Haarwurzelentzündung und nach einiger Recherche im Netz bin ich völlig panisch. Dazu kommt wiederkehrender Durchfall, schwache Erkältungssymptome, phasenweise Nachtschweiß und eben eine panische Angst, infiziert zu sein.

    Ich weiß, dass nur ein Test Gewissheit bringt. Ein "positives" Ergebnis würde ich aber nur sehr schwer verkraften.

    Kennt jemand eine Seite mit guten Psychologen, Psychiatern, die einen bei einem solchen Schritt begleiten?

    LG
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Mach den Test bei einer Schwerpunktpraxis oder in der örtlichen AIDS-Hilfe. Dort ist entweder ein psychosozialer Dienst vorhanden oder es gibt kurze Wege.
     
  3. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Danke, Matthias

    Ich denke, dass ich dennoch psychologische Begleitung - auch für den Schritt zum Test - benötige. Bei einem "positiven" Ergebnis würde meine Welt komplett aus den Fugen geraten. Dabei geht es weniger um mich, als um meine Familie. Das wäre der Super-Gau. Und da will ich vorbereitet sein.

    LG
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nein - Du musst lernen, Verantwortung für Dich zu übernehmen. Ich habe das Gefühl, dass Du den Psychologen nur vorschiebst, damit er für Dich das Problem löst. Wenn Du alleine und selbstbestimmt Sex haben kannst, dann kannst Du auch alleine und selbstbestimmt zum Test gehen. Vor allem musst Du nicht 4 Jahre (!!!!!) warten ...

    Nein, würde sie nicht. Ich verstehe, dass Du Dir im Moment »einen Kopf« machst, kann Die aber aus jahrelanger Erfahrung sagen, dass genau das zum jetztigen Zeitpunkt kontraproduktiv ist. Du kennst das Ergebnis noch gar nicht (ja - auch ein »negativ« kann Dir passieren!), aber Du setzt es schon voraus.

    Warum wäre das der Super-Gau? Würdest Du verstoßen? Dann ginge es ja wieder um Dich. Oder lebst Du in einer heterosexuellen Beziehung und hast bisexuelle Gelüste ausgelebt? Dann ginge es hier ja um einen »Seitensprung«, um Vertrauensmissbrauch der Partnerin (evtl. den Kindern?) gegenüber. Aber den hast Du zu verantworten (siehe »Verantwortung« oben).

    Ach ja ... der Test ist gar nicht schlimm. Begleitung benötigst Du erst beim Ergebnis - und so, wie ich Dich nach wenigen Worten einschätzen würde, besonders nach einem »negativen« Ergebnis ...
     
  5. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Hallo Matthias,

    vielen Dank für Deine Antwort. Ja, Du hastt Recht, Verantwortung ist das zentrale Thema. Paradoxerweise trage ich seit zig Jahren eben davon viel zu viel - allerdings für andere. Im Beruf, in der Betreuung kranker Familienangehôriger, in der Beziehung zu einer psychisch kranken Frau... Ich war mir ehrlich gesagt ziemlich egal und habe - z.B. nach diesem Ausbruch, ja ein Seitensprung - wunderbar verdrängt, dass ich hier auch Verantwortung übernehmen muss. Nun habe ich den Salat und glaube mir, bei einem negativen Ergebnis im Sinne von nicht infiziert sein, bräuchte ich keine Begleitung... ich würde es aber zum Anlass nehmen, mein Leben aufzuarbeiten. So oder so :)

    LG
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Toll, dass Du so ehrlich und offen bist - das macht es etwas einfacher, Dir mir Rat zur Seite zu stehen.

    Das große Problem - was vielen »Helfern« immer wieder passiert - ist, dass sie ihre eigenen Belange zurückstellen, weil die Belange anderer wichtiger erscheinen. Das mag einen begrenzten Zeitraum lang auch gutgehen ... aber dann kehrt sich die Sache um. Aus dem »Helfen« wird eine Unzufriedenheit über die mangelnde Zeit für sich selbst, daraus wachsen Aggressionen und/oder der Hang zu unüberlegten Handlungen.Auf der Strecke bleiben dabei aber nicht die anderen, sondern meistens man selbst.

    Du MUSST Dir Zeit für Dich nehmen, Du MUSST lernen, auch einmal »Nein« zu sagen ... das ist dann nichts anderes als ein Auftanken ... als eine Rückgewinnung von Energie und Kräften, die den anderen wieder zugute kommen.

    Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, heißt auch, seine eigenen Grenzen zu kennen und sich eben NICHT schuldig zu fühlen, wenn man mal »Nein« sagt ... Du musst also nicht Dein Leben aufarbeiten, sondern Dein Verhältnis zu Dir selbst. Da hast Du Dich mittlerweile viel zu lange selbst nicht wichtig (genug?) genommen.

    Ich wünsche Dir viel Kraft!
     
  7. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Lieber Matthias,

    Du hast mir sehr geholfen, das Thema - meine Angst - heute im Kreis der Familie anzusprechen. Und die hat so liebevoll und unterstützend reagiert, dass ich nun mutig mit wackeligen Knien zum Test schreiten werde. Ich habe eine tolle Frau und schäme mich sehr ob meiner Dummheit und meiner Verantwortungslosigkeit. Aber ich habe heute auch Hoffnung geschöpft. Das gibt mir Kraft.

    Dass ich mir Zeit für mich und meine Bedürfnisse nehmen muss, weiß ich schon seit einiger Zeit. Ich habe lange genug einfach funktioniert und ein ums andere Mal meine physischen und psychischen Grenzen überschritten. Auch das weiß meine Familie und unterstützt mich.

    Ganz gleich, wie meine/unsere Geschichte nun weiter geht, ich werde sie verarbeiten. Mit einem Blick auf mich, mein Verhalten, die Zukunft, das Leben. Und wenn ich dieses Lied eines Tages geschrieben habe, schenke ich es Dir. Kommt von Herzen. Danke. Bis bald.
     
  8. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Hallo Matthias, liebe Mitleser,

    ich habe mich lange nicht mehr gemeldet, weil ich doch noch eine Zeitlang gebraucht habe bis ich den Schritt zum Test endlich geschafft habe. Das Positive: Ich bin negativ getestet worden. Das Negative: Ich habe fast fünf Jahre meines Lebens in jeder erdenklichen Situation, die das (fälschlicherweise) vermuten ließ, eine panische Angst ausgestanden, die ich mit niemandem geteilt habe. Mit dem Test-Ergebnis ist mir ein Gebirge vom Herzen gekracht. Und die Erkenntnis, Verantwortung für mich selbst und mein Handeln übernehmen zu müssen, auch wenn es unangenehm ist. Ich glaube, dass diese Erfahrung, die sich tief ins Bewusstsein gebrannt hat, mich in einer gewissen Weise auch verändert hat. Da ich mich zu irgendeinem Zeitpunkt - vielleicht in einer Art Zweckpessimismus - infiziert wähnte, habe ich begonnen, mein Leben bewusster wahrzunehmen. Das ist nicht schlecht, dennoch war die Ungewissheit und die damit verbundene Angst quälend. Es gibt sicherlich bessere Wege einer Reifung.

    Auf jeden Fall hast Du mir mit deinem Forum hier und mit Deinen Antworten geholfen, den einzig richtigen Schritt, nämlich den zum Test, zu machen. Dafür danke ich Dir herzlich!

    Ich weiß nicht, ob Du das mit dem Lied verstanden hast. Ich bin (Hobby) Musiker und schreibe hin und wieder auch mal ein Liedchen. MeineHIV- Erfahrung will ich unbedingt auch musikalisch verarbeiten. Und wenn es Euch nutzt, Ihr es für was auch immer brauchen könnt, schenke ich euch das gerne. Vielleicht gibt es ja einfach was, was ich diesbezüglich für euch tun kann? Würde mich sehr freuen. Nur Singen kann ich nicht, aber da finde ich jemand :)))

    Noch einmal ganz, ganz vielen Dank und bis bald!
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Moin moin,

    na, das freut mich aber für Dich! Und danke für das Kompliment ... aber zum Helfen sind wir doch hier. :)

    Und das mit dem Lied habe ich schon verstanden. Wenn Du magst, kannst Du Dich mal privat bei mir melden (Kontaktdaten siehe meine Website) ... mir schwirrt da nämlich seit längerem etwas im Kopf herum, bei dem Du mich (und die Sache) unterstützen könntest :)
     
  10. PanischEr

    PanischEr Neues Mitglied

    Hallo Matthias,

    schön, dass es offensichtlich eine Möglichkeit gibt, Dich und die Sache zu unterstützen. Ich melde mich auf jeden Fall bei Dir privat. Das wird allerdings ein paar Tage dauern, weil ich zurzeit ziemlich busy bin. Bin sehr gespannt, mit was Du schwanger gehst... bis dahin.... LG
     
  11. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Mit was du Schwanger gehst ?
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    .. mit was ich schwanger gehe :)
     
  13. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Seid wann werden Männer schwanger ? Oder gehen ?

    Oder war das wieder ein toller Text von einem Smartphone mit tollem xt9?
     
  14. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    »mit etwas schwanger gehen« heißt »eine Idee ausbrüten« ... :)
     
  15. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Achso...

    Ich wollt schon gratulieren :=)
     
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