Positiv und erst mal alleine mit sich

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von hechtforelle, 5. Juli 2014.

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  1. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    Hallo, mein Name ist Paddy,40,bin schwul und ich weiss seit dem 5.Juli das istHIV positiv bin.Ich habe es ausser meiner besten Freundin,zu der ich volles Vertrauen habe, niemanden erzählt. Ich brauche jetzt erst mal meine Zeit um das ganze zu verarbeiten. In zwei Wochen habe ich auch schon meinen nächsten Termin in einer tollen Praxis mit einer HIV Spezialistin und werde das zweite Testergebnis erhalten wie hoch meine Viruslast ist.
    Doch der schwerste Tag wird der sein, wo ich mit meinem Partner darüber sprechen muss. wie wird er reagieren, wie wird unser Leben verändert? Wenn er nun auch positiv ist? Fragen über Fragen und man ist erst mal ganz alleine.
    Die Ärztin hat mir erklärt das die Medikamente wirklich gut sind und ich keine Angst vorm sterben haben muss und genau so alt werden kann wie ohne HIV, wenn ich mich strikt an die Therapie und Einnahme der Medis halte.
    Ich würde mich gerne hier mit anderen positiven austauschen um einige Dinge erträglicher zu machen. Da ich eh von Natur aus ein sensibler Mensch bin habe ich Angst das ich irgendwann daran zerbreche.Danke im Voraus.
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Paddy,

    und herzlich willkommen ... auch wenn der Anlass nicht so schön ist. Du hast aber einen richtigen Schritt gemacht, Dich hier anzumelden, denn ganz alleine sollte man mit dieser Diagnose nicht bleiben. Vorab: Dein Bekannter hat völlig Recht;HIV ist heute eine behandelbare, aber chronische und nach wie vor unheilbare Krankheit geworden. Aber: Die Medikamente funktionieren. Ich bin jetzt 22 Jahre positiv, seit 2001 in Therapie und – ansonsten – gesund. Punkt.

    Du musst – und Du kannst! – selbst entscheiden, ob und wann und wem Du von der Infektion erzählst ... aber ich empfehle Dir, Deinen Partner frühzeitig »ins Boot« zu holen. Nicht nur, damit er sich testen lassen kann, sondern auch, weil das Verschweigen dieser Diagnose ein größerer Vertrauensbruch ist als die Diagnose selbst ein Trennungsgrund wäre. Sollte – was ich natürlich nicht weiß – die Infektion durch einen Seitensprung kommen, wird die Situation natürlich vertrackter ... aber trotzdem: Dein Partner ist Dein Partner ist Dein Partner. Das Beste wäre wohl, wenn er mit zur Ärztin gehen würde; da kommt viel wichtige und vor allem aktuelle Info 'rüber ... und dass Du Dich in der Praxis wohl fühlst, ist schon einmal sehr wichtig.

    Wenn Du Fragen hast, frag'. Wir stehen Dir für Antworten gerne zur Verfügung.
     
  3. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    Hallo Matthias, danke für die rasche Antwort.Ich werde das auf jeden Fall tun sobald ich in das endgültige Testergebnis habe.Versprochen.

    Wenn man das Internet durchsucht,stösst man ja teilweise auf extreme Horrorgeschichten und man muss echt vorsichtig sein das das Kopfkino nicht überhand gewinnt. Klar werden die ersten Wochen extrem belastend sein, doch man muss versuchen aus dem Ganzen immer noch was Gutes rauszuziehen.
    Zuerst bin ich froh das ich hier auf Gehör stoss und somit etwas für die Seele machen kann.

    Die Ärztin will ihn auf jeden Fall auch in der Praxis sehen sagte sie bereits, es ist einfach fair ihm gegenüber.Ich war erst einmal dort, aber das ganze Team ist wie eine Familie und hat null Berührungsängste, die Patienten werden mit DU angesprochen,sie selbst redet nicht um den heissen Brei,kommt auf den Punkt und macht dies aber auf eine mütterliche Weise, das ich echt froh bin in guten Händen zu sein.

    Haben sich die Medikamente irgendwie negativ auf deinen Körper ausgewirkt? ich habe gelesen , das das Krebsrisiko steigt und das man im Gesicht Fett verliert und somit deutlich krank aussieht und am Bauch eher Fett dazubekommt. Über Nebenwirkungen würde ich gern mehr wissen.
    LG Paddy
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Was die Nebenwirkungen angeht:

    Ja, es ist ein vermehrtes Risiko für Herzinfarkt und/oder Schlaganfall beobachtet worden, aber die Schwerpunktärzte haben das schon lange in ihr Untersuchungsprogramm mit aufgenommen. Das bedeutet aber eben nicht, dass das Risiko auch wahrscheinlich wird.

    Lipodystrophie (Fettverlagerung) kann auch eine Nebenwirkung sein, aber auch hier gilt: kann, nicht muss. Ich habe übrigens noch keinen kennengelernt, bei dem ich's hätte feststellen können.

    Defintiv sind aber Magenprobleme, Verdauungsstörungen, kurzfristige Libidoprobleme, Schlafstörungen, Abgeschlagenheit. Der Körper muss sich an die Medikamente erst gewöhnen ... da muss man ihm etwas Zeit geben. Allerdings kommt es auch auf die Dosierung an: Ich nehme 9 Tabletten am Tag, andere nur 1 oder 2. Klar, dass bei mir da mehr passiert :)

    Geh' aber auf jeden Fall positiv (!) an den Umgang mit der Infektion heran. Du kannst sie nicht wegdiskutieren und nicht wegbeten ... aber Du kannst dafür sorgen, dass sie Dich nicht übermäßig belastet, wenn Du sie akzeptierst. Es ist zu Anfang kein leichter Weg, aber er lohnt sich.

    Klick mal auf meine Website, falls Du das ohnehin nicht schon gemacht hast. Unter »Presse« findest Du sicherlich das eine oder andere Interessante.
     
  5. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    hab ich schon getan:)
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

  7. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Sag' mal ... bist Du in der Praxis der Ärztin mit dem französischen Vornamen und dem russischen Nachnamen?
     
  8. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    ja,Gemeinschaftspraxis, Du kennst sie?
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nicht persönlich, aber ich arbeite u.a. für die dagnä (Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der VersorgungHIV-Infizierter) und da sind beide Ärztinnen Mitglied. Das bedeutet, sie sind immer auf dem topaktuellsten Stand.
     
  10. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    Ja stimmt, sehr wichtig das ein Arzt genau weiss was er tut.Tolle Frau muss ich sagen.
     
  11. hechtforelle

    hechtforelle Neues Mitglied

    Hallo Matthias, Hallo Foren-Mitglieder,
    meine Diagnose über meineHIV Infektion habe ich am Dienstag meinem Partner erzählt und er hat es sehr gut aufgenommen. Er zeigte Verständnis,ließ sich von mir alles erklären und hat mich fest in den Arm genommen. es war ein so gutes Gefühl und ich hatte echt Angst vor dem Tag.
    Ich selbst habe aber vier Wochen gebraucht, bis ich mit mir im Klaren war und genug Wissen angeeignet habe um ihm die richtigen und aktuellen Informationen zu geben.
    Er wird mich nun zu meinem nächsten Termin begleiten und sich auch testen lassen. Für uns wird es ein Neuanfang sein.
    Ich kann jeden nur sagen, es wirklich früh genug dem Partner zu sagen wenn man eine positive Diagnose bekommt, vier Wochen war eigentlich schon zu lange.
    Irgendwie geht es mir seitdem echt besser, fühle mich stärker und will das Leben noch lange geniessen mit allen Höhen und Tiefen.Folgenden Spruch habe ich vor ein paar Tagen gelesen und fand ihn sehr passend.

    Schließe ab, mit dem was war.
    Sei glücklich, über das was ist.
    Bleibe offen, für das was kommt.
    Das Leben ist schon...von einfach war nie die Rede.

    in diesen Sinne, Euch allen eine gute Zeit. Paddy
     
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