PEP-Erfahrungsbericht

Dieses Thema im Forum "HIV-Test" wurde erstellt von Bastian, 23. Juli 2013.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Bastian

    Bastian Neues Mitglied

    Hallo ihr Lieben,

    ich melde mich nach längerer Zeit wieder in diesem Forum. Ich denke, dass es vielleicht für manche sinnvoll sein kann, dass ich kurz über meine Erfahrung mit der PEP (Kaletra/Truvada) berichte.

    Ich hatte vor ziemlich genau einem Jahr einen Kondomunfall und habe mich deswegen einer PEP unterzogen. Die Details meiner Geschichte könnt ihr hier nachlesen:

    https://www.hiv-symptome.de/forum/pep- ... t5265.html

    Aufgrund von vermeintlich eindeutigen Symptomen, die ich neun Tage nach dem Risiko entwickelt hatte, war ich mir sehr sicher, dass ich mich mithiv angesteckt hatte. Ich hatte wirklich die klassischen Symptome: Schwellung der Lymphknoten, Nachtschweiß, Gliederschmerzen und vor allem einen makulopapulösen Ausschlag auf Brust, Rücken, Armen und Gesicht ("makulopapulös" vom Arzt bestätigt). Für mich hat damit eine Horrorzeit angefangen. Die Symptome waren einfach zu klassisch, als dass es sich nicht um hiv hätte handeln können. Außerdem haben sie "klassischerweise" nur etwa eine Woche gedauert. Für mich war damit alles klar.

    Heute, ein Jahr später, weiß ich, dass ich hiv-negativ bin. Ich habe auch keine Hepatitis, nichts.

    Erste Schlussfolgerung: Symptome sagen rein gar nicht aus! Auch wenn diese noch so klassisch sind, genau zum "richtigen" Zeitpunkt auftreten und genau mit den Beschreibungen übereinstimmen, die ihr auf Internet oder sonst wo lesen könnt - der einzige Nachweis einer Infektion ist und bleibt einhiv-Test. Das wird hier ja auch immer von allen wiederholt, ihr müsst es einfach glauben! Ich rate euch außerdem, von anderen Tests abzusehen, beziehungsweise Resultate, die aus anderen Tests hervorgehen, nicht als indirekte Beweise einer hiv-Infektion zu deuten. Ein Beispiel: Ein Arzt hat bei mir den Immunstatus überprüft. Dabei kam unter anderem heraus, dass ich 628 Cd4-Zellen hatte und einen Cd4/Cd8-Quotienten von 1.3. Im Internet fand ich dann den Hinweis, dass bei vielen hiv-Positiven sich die Zahl der Helferzellen nach der Ansteckung auf ca. 600 einpendelt. Na super. Für mich hieß das, ok, du hast dich angesteckt, dein Körper hat einfach noch keine Antikörper gebildet. Mein Arzt hat zwar gesagt, dass das durchaus normale Werte sind, aber ich wollte das einfach nicht glauben.

    Deshalb nochmals zum Mitschreiben: Nur derhiv-Test ist aussagekräftig!

    Meine Geschichte geht aber noch weiter, denn es geht mir heute weiterhin sehr schlecht. Ich habe ca. 2 Monate nach dem Kondomplatzer eine extreme Müdigkeit entwickelt, die bis heute anhält. Es geht soweit, dass ich bis zu 10 Stunden täglich schlafe. Es fühlt sich an wie eine Dauergrippe, die mit starken kognitiven Einbußen einhergeht. Ich bin in der Forschung tätig und habe aufgrund dieser Probleme meine Arbeit stark einschränken müssen. Ich arbeite nur noch zu ca. 50%, mehr geht einfach nicht. Die Ärzte haben ein chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) diagnostiziert. Dabei handelt es sich um eine chronische Krankheit, die man noch nicht so gut versteht, und für die es keine standardisierte medizinische Behandlung gibt. Man hat beobachtet, dass CFS oft mit einer banalen viralen Infektion beginnt oder nach Phasen von intensivem Stress. Man denkt, dass bei Menschen, die an CFS leiden, das neuroimmunitäre System aus den Fugen geraten ist. Ihr könnt ja mal danach googlen. Bei mir ist es wohl so, dass die PEP und die hiv-Panik als Ursachen in Frage kommen. Tja. Nun sitze ich hier und kann kaum noch meiner Arbeit nachgehen. Das ist wirklich sehr niederschmetternd.

    Zweite Schlussfolgerung: Die PEP ist keine leichte Behandlung! Also vermeidet es wenn möglich, euch in eine Situation zu bringen, die eine PEP nötig macht! Falls es aber doch zu einer Exposition kommt, dann macht halt die PEP, aber versucht dabei, euch nicht 3 Monate lang (oder länger) fertig zu machen. Das schlägt auf die Gesundheit! Mein Leben hat sich seither völlig verändert. Ich hoffe jedoch, dass ich eines Tages mit dieser Erschöpfung einigermaßen klar kommen werde.

    Ich wünsche allen viel Gesundheit... und play safe!

    Euer Basti.
     
  2. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Guten Abend

    Auch mal wieder hier? Danke für Deinen Erfahrungsbericht.

    Uff... CFS ist keine einfache Diagnose. Ich hoffe, dass Du es schaffen wirst Dein Arbeitspensum mit der Zeit wieder zu erhöhen. Würde ansonsten auf die Dauer eine Versicherung einspringen oder wie würe das dann gehen? Du hast ja damit auch ne massive Einbusse beim Gehalt.
     
  3. Bastian

    Bastian Neues Mitglied

    Hallo liebe Alexandra,

    Tja... Ich weiß auch nicht genau, wie das versicherungstechnisch aussieht.

    Na ja, ich hoffe einfach weiter, dass ich aus dieser Situation bald wieder rauskomme!

    Alles Liebe,
    Basti
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. November 2018
  4. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Basti

    Darf ich mal fragen in welche Richtung Deine Forschung geht? Medizin? Chemie? Reine Neugierde.

    Wäre echt doof, wenn Du den Anschluss verlierst. Wäre bei einem Stellenwechsel auch nicht von Vorteil.

    Bei uns in der Schweiz ist es so, dass man sein Gehalt über die Krankenkasse versichern kann - oder über den Arbeitgeber. Ich bekäme bei einem Ausfall mein Gehalt eine zeitlang weiterhin und müsste dann entweder wieder arbeiten können oder teilweise auf die Invalidenrente zugreifen - sofern sie bewilligt wird. Hat mich halt interessiert wie das in Deutschland so ist.

    Ich hoffe sehr, dass Du bald wieder "normal" arbeiten kannst.
     
  5. Bastian

    Bastian Neues Mitglied

    Ich hoffe wirklich, dass ich weiterhin arbeiten kann. Deswegen ist dieses blöde CFS ja auch so schlimm für mich. Na ja, wird wohl für alle schlimm sein!
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 8. November 2018
  6. Bastian

    Bastian Neues Mitglied

    Ich mal wieder....

    Der Alptraum hört irgendwie nicht mehr auf. Nachdem ich ja über ein Jahr lang keinen Sexualkontakt mehr hatte, habe ich mir gesagt, dass ich wieder versuchen sollte, diesem natürlichen Bedürfnis nachzugehen.
    Ok, vor drei Wochen also Oralsex gehabt, natürlich alles safer. Und jetzt habe ich tatsächlich eine schlimme Halsentzündung, mit weißen, abwischbaren Flecken. Für mich sah das nach einer Candidose aus... Heute war ich bei der Ärztin, die gemeint hat, dass es auch was anderes sein könnte. Sie hat insbesondere Syphilis hervorgehoben. Sie meinte: Falls es denn Syphilis ist, muss ich wieder einenHIV-Test machen, denn Syphilis undHIV werden oft gleichzeitig übertragen.

    Mann, jetzt geht dieser Stress wieder los... Na ja, jetzt warten wir halt mal die Tests ab. Mal schauen.

    Ich hab ja immer gemeint, Oralsex ohne Sperma sei bezüglich HIV unbedenklich... aber meine Ärztin meinte, dass es eben nicht so eindeutig ist.

    Na ja...

    Liebe Grüße,
    basti
     
  7. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hm... ich weiss nur, dass bei einer Geschlechtskrankheit bei Dir im Mund die Zellen aufnahmefähiger wären. Aber die Menge an Vaginalsekret bzw. der Speichel reichen nicht für ne Infektion.
     
Die Seite wird geladen...
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Unser HIV Forum nutzt Cookies. Details zur Nutzung von Cookies auf unseren Seiten findest Du hier und unter "Weitere Informationen":

    Information ausblenden