Noch jemand der es niemand erzählt?

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von GanzNormal, 10. November 2014.

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  1. GanzNormal

    GanzNormal Neues Mitglied

    Hallo,

    ich suche dringend Leute in ähnlicher Sitution und wollte fragen, ob es das hier gibt....

    Wir sind eine relativ normale Familie (nach außen auf jeden Fall, mein Mann und ich haben im gegenseitigen Einverständnis ein sehr intensives Sexleben auch mit anderen gehabt, aber das ist eigentlich eher unwichtig....).

    Nun, jetzt hat mein Mann vor 4 Wochen die Diagnose "positive" (ich hasse dieses Wort seitdem - habe zwar Matthias Buch direkt gelesen, trotzdem versuche ich das Wort aus meinem Wortschatz zu verbannen) bekommen.
    Wir wissen noch nicht so richtig wie wir damit umgehen sollen, da sich unser Leben dadurch sehr ändert und ich denke das ist normal und ich muss mir/uns Zeit geben.
    Was jedoch direkt klar war und auch nicht diskutiert werden kann/soll, wir werden es niemandem erzählen (um uns - aber v.a. auch unsere Kinder zu schützen, - in Zeiten wo Jugendliche virtuell wegen ganz andererer Dinge furchtbar gemobbt werden, ist das für uns gar keine Frage).
    Für mich ist das allerdings sehr schwer, ich finde es eigentlich extrem wichtig darüber zu reden. Aber mit wem.....

    Gibt es hier Leute die es auch niemandem erzählt haben, die Familie haben und wie geht ihr damit um - kann man auf Dauer einfach so tun als ob nichts wäre? Wird es einfacher? Oder noch schwieriger?

    LG
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Guten Abend!

    Ihr seid gar nicht so alleine mit der Situation. Es gibt in meinem direkten Umfeld eine Menge Leute, die sich nur ganz gezielt geoutet haben, wenn die entsprechende Vertrauensbasis da ist.

    Ihr seid auch nicht gezwungen, Euch zu outen, sondern könnt das komplett selbst bestimmen. Dass Redebedarf da ist, ist nur zu leicht nachzuvollziehen. Ich kann da nur empfehlen, sich bei einer Aidshilfe nach einer psychosozialen Beratung zu informieren - und/oder (bitte nicht lachen) Gespräche mit einem Pfarrer zu führen. In beiden Fällen gilt die Schweigepflicht, und manchmal ist es nicht der Rat, den man sucht, sondern einfach nur eine Möglichkeit, den aufgestauten Sprachschwall loswerden zu wollen.

    Ich gehe mit Dir/mit Euch völlig konform, dass es in Eurer Situation - gerade für zum Schutz der Kinder - besser ist, den Ball flach zu halten. Es gibt übrigens ein Buch über genau diesen Punkt: »Ich muss Euch was erzählen ...« von Dieter Niemeyer. Auch hier haben die Eltern beschlossen, die Kinder erst einzuweihen, wenn sie alt genug sind, um zu verstehen und auch, um sich wehren zu können.

    Alternativ könnt Ihr Euch auch hier im Forum auslassen. Das ist der Vorteil der Anonymität. Fragen / Gedanken / Wünsche usw. könnt Ihr hier abladen und wir werden, wo immer es möglich ist, gerne helfen.

    Auf Dauer kann man dennoch nicht unbedingt so tun, als wenn nichts wäre. Aber, wenn Dein Mann mit der Therapie beginnt und die Werte in die richtige Richtung streben (Helferzellen rauf, Viruslast runter), bekommt sogar eineHIV-Infektion einen Hauch von »Normalität«, weil man unter bestimmten Umständen nicht mehr ansteckend ist.

    Das Einzige, worum ich Euch dringend bitten möchte: Sobald Fragen oder Unsicherheiten auftreten - sofort damit rausrücken - hier oder beim Arzt. Das Schlimmste sind Fragen, die keine Antworten haben, weil sie nie gestellt wurden ...
     
  3. GanzNormal

    GanzNormal Neues Mitglied

  4. Pingu

    Pingu Neues Mitglied

    Ich habe es niemandem gesagt

    Ich bin nun etwa drei Jahre anHIV erkrankt. Dank der Therapie führe ich ein komplett normales Leben:
    - Arbeite genauso hart wie vorher
    - Treibe häufig Sport
    - Pflege meinen Freundeskreis
    - Und habe Sex wie vorher auch

    Wieso niemand etwas von meiner HIv Erkrankung wqeiss, wenn doch alles normal ist?
    Genau deshalb! WEIL ICH KEINERLEI EINSCHRÄNKUNGEN HABE sehe ich keinen Grund mit irgendjemandem darüber zu sprechen.

    Klar, mein Leben kann sich sehr schnell ändern, ich kann gesundheitliche Probleme bekommen und sehe mich dann vielleicht gewzungen mich zu erklären. Aber bis dahin, wenn interessierts? Wenn kümmert es?

    Meiner Meinung nach, muss ich das Thema HIV nur mit einer Partnerin diskutieren. Ich lebe aber seit Langem alleine und muss mich somit auh nicht erklären.

    Ich möchte niemandes Gefühle verletzen, nur aufzeigen dass man mit HIV nicht zwingend zum Selbstbemitleider werden muss der sein Leid jedem aufzwingt.
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Pingu,

    eins mal vorab: ÜberHIV zu sprechen, heißt nicht, zum »Selbstmitleider« zu werden.

    Jeder hat die freie Wahl, es öffentlich zu machen oder nicht. Nur - ganz entre-nous - wenn kein Betroffener davon erzählt, blühen bei den Nicht-Betroffenen die schlimmsten Falschheiten.

    Ich z. B. habe mich dafür entschieden, meine Infektion und den Umgang damit öffentlich zum machen, um das Pferd von der - wie ich finde - richtigen Seite her aufzuzäumen. Letztlich hoffe ich, damit zu helfen, dass HIV als eine existente Krankheit aus der Schmuddelecke herauskommt ... wovon auch Du profitieren würdest. Wenn das klappt - und ich bin in meinem bescheidenen Bereich auf dem besten Wege dazu - ist allen, auch Dir, geholfen.

    Nur - wie gesagt: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Und jede Entscheidung ist richtig. Es ist nur falsch, andere wegen ihrer Öffentlichkeitssuche zu diskriminieren. Und das machst Du gerade ...
     
  6. GanzNormal

    GanzNormal Neues Mitglied

    Guten Abend,

    ich finde nicht, dass Pingu jmd. diskriminiert.

    Finde es gut, dass Du schreibst, dass du keinerlei Einschränkungen hast und somit kein Bedürfnis irgend jemand davon zu erzählen- für mich völlig ok und nachvollziehbar.

    Da du von Therapie schreibst gehe ich davon aus, dass du Medikamente nimmst, somit wird deine Viruslast extrem gering sein, deshalb schränkt es dich auch beim Sex nicht ein (du schreibst, dass du Verkehr wie vorher auch hast). Aber ich hoffe, du passt trotzdem überdurchschnittlich auf, dass du niemandem anstecken kannst - schränkt es dich vom Kopf her dann nicht doch ein? Kann man es wirklich komplett ausblenden?

    Da die Werte von meinem Mann eigentlich recht gut sind nimmt er (bisher) keine Medikamente, medizinisch ist es nicht erforderlich. Da ja niemand weiss, wie die Langzeitnebenwirkungen sind kann das sinnvoll sein. Dadurch schränkt es den Sex aber erheblich ein. Zwar wissen wir, dass die Gefahr mit Kondom extrem gering ist, aber trotzdem ist da eine Blockade im Kopf, und den unbeschwerten Sex wie vorher werde ich nie wieder haben....

    Mir würde es gut tun, mal mit jemandem zu reden, das letzte was man will ist allerdings Mitleid..... - aber das bekommt man ja beiHIV eher selten, da man "es ja selber schuld" ist..... Und solche Kommentare brauche ich natürlich auch nicht, mal sehen irgendwann werde ich es jmd. erzählen....
    Anderen allerdings nie,..... - diese Krankheit ist leider so unglaublich negativ belegt, - verrückt......

    Matthias, ich habe das Buch "ich muss euch was erzählen" jetzt gelesen und fand es super, - ist natürlich (wie alle Bücher zum Thema) medizinisch gesehen nicht auf dem aktuellsten Stand aber trotzdem super interessant, wie die damit umgegangen sind, obwohl sie natürlich in der Öffentlichkeit auch den Bonus der "Unschuldig infizierten" haben.

    VG
     
  7. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Klar ist das medizinisch nicht (mehr) aktuell. Aber ich habe es empfohlen, weil es diese »Wie sag ichs meinem Kinde«-Frage gut darstellt. Die meisten Bpücher (inkl. meinem) gehen ja eher mit dem persönlichen Umgang um; wenn Kinder im Spiel sind, sieht da alles noch einmal anders aus. Und der Bonus ist nur oberflächlich. Ich kenne eine junge Frau, die bei der Geburt infiziert wurde und dieselben Diskriminierungen erfährt wie andere auch.

    Ja, da möchte ich mich bei Pingu entschuldigen - da bin ich zu weit übers Ziel hinausgeschossen. Ich bin gerade in der Situation, beratungsresistenten Menschen erklären zu müssen, was Diskriminierung eigentlich bedeutet und muss bei Adam und Eva - hier dem lateinischen Ursprung »unterscheiden« - anfangen ...
     
  8. [User gel

    [User gel Poweruser

    Selber schuld an HIV kann man ja so auch nicht sagen. Es gibt ja auch Menschen die damit leider geboren wurden. Es ist nicht immer Eigenverschulden!
     
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