Moin vom deich.

Dieses Thema im Forum "Vorstellungen" wurde erstellt von deich, 14. November 2018.

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  1. deich

    deich Neues Mitglied

    Moin!

    Da ich jetzt schon 1-2 Fragen im Forum gestellt und beantwortet bekommen habe, ist es Zeit, mich mal ordentlich vorzustellen. Und vielleicht auch mal meine Geschichte runterzuschreiben.

    Also: Hallo zusammen!
    Nennt mich „deich“, ich bin männlich, homosexuell, fast 30 und aus Hamburg. UndHIV positiv.


    Letzteres kam so:

    Im Dez. 2016 war ich beruflich in Berlin. Habe da abends mit Kollegen ordentlich getrunken. Nachts im Hotel hatte ich noch Lust „irgendwas“ zu unternehmen und entschloss mich kurzerhand in eine Schwulensauna zu fahren. Dort hatte ich geschützten, aktiven Geschlechtsverkehr mit einem Italiener. Der fragte mich irgendwann, ob er mir „nur ganz kurz“ das Kondom abziehen kann. Ich fragte ihn, ob er denn gesund sei – das bejahte er und setzt sich wieder auf meinen Schoß, das Kondom war weg.

    Das ging keine Minute weiter, ich brach ab. Es machte keinen Spaß, ich war eh zu betrunken und kehrte ins Hotel zurück.

    Am nächsten Morgen wachte ich völlig zerstört auf. Verkatert und zerfressen von Schuld, denn: Ich war zu dem Zeitpunkt seit 3 Jahren in einer glücklichen, monogamen Beziehung. Und dieser Sauna Besuch ging natürlich komplett gegen meine Prinzipien.

    Erst 2-3 Tage dämmerte es mir, dass ich ja ungeschützten Verkehr mit einem Fremden hatte. Wenn auch nur kurz, aktiv und mit jemanden, der sich als „gesund“ bezeichnete. Trotzdem wuchs die Sorge in mir. Ich recherchierte, wie hoch das Risiko bei aktivem Sex ist. Überlegte, wie lange der Akt ohne Gummi ging. Erinnerte mich daran, dass ich auch seinen Hintern geleckt habe. Beobachtete, ob ich Symptome an mir feststelle ... aber es gab keine.

    Zu dem Zeitpunkt nahm ich an, dass ein Test erst in 3 Monaten Sinn macht. Also entschloss ich mich, zu warten. Den Verkehr mit meinem Freund reduzierte ich drastisch und wenn, dann nur geschützt. Den wahren Grund nannte ich ihm nicht.

    3 Monate sind eine lange Zeit. Ich begann langsam, den Gedanken zu verdrängen. Die Statistik war ja eigentlich auch auf meiner Seite. Nur manchmal wurde es mir plötzlich mulmig, wenn ich daran dachte. Eines Abends nach der Arbeit bekam ich aber aus heiterem Himmel Herzrasen und unfassbaren Schwindel. Ich wusste nicht, was da geschieht, dachte an einen Herzinfarkt. In der Notaufnahme wurde ich durchgecheckt, Blutbild gemacht - es war alles ok. Man sagte mir, es könne eine Panikattacke gewesen sein.

    Zur Sicherheit sollte ich bei meinem Hausarzt ein Langzeit-EKG machen, um mein Herz zu checken. Und weil mir diese vermeidliche Panikattacke das Thema HIV wieder in den Kopf jagte, fragte ich auch nach einemHIV Test.

    Das EKG Ergebnis war natürlich fein. Aber mit meiner Blutprobe stimmte etwas nicht. Angeblich. Ich wurde gebeten noch mal zu kommen, um noch mal Blut abnehmen zu lassen. „Manchmal löst sich der Klebezettel von der Probe oder das Blut wird im Labor verunreinigt“, sagte die Arzthelferin. Aber ich hatte Stress.

    Das ging eine gute Woche so. Ich rief immer an, aber das Ergebnis ließ auf sich warten, ich wurde immer vertröstet. Bis mein Hausarzt mich irgendwann zurückrief - ich saß gerade im Büro bei der Arbeit. Es sagte mir, dass das Ergebnis ganz und gar nicht negativ aussähe und dann verstand ich ihn kaum. Ich hörte nur noch einen Piepton in meinen Ohren.

    Einen Tag später war ich in der HIV Klinik. Es wurde erneut getestet und 360.000 HI Viren gezählt. Mir war klar: mein Leben ist vorbei. Und meine Gedanken waren nur bei meinem Freund. Denn ich hatte irre, irre Angst, ihn angesteckt zu haben.

    Nach 3 Wochen Therapie (Genvoya) wurde ich erneut getestet und lag schon unter der Nachweisgrenze, das fand selbst der HIV Arzt schnell. Ich aber war in einer sehr depressiven Phase. Ich hatte meinen Freund betrogen und wurde mit HIV dafür bestraft, so zumindest die Gedanken. An diesem Punkt suchte ich auch professionelle Hilfe und bemühte mich um einen Therapieplatz, den ich dann 3 Monate später auch bekam.

    Das ist jetzt 1 1/2 Jahre her. Mein Freund wurde mehrmals gestestet, immer negativ. Und er ist noch heute mein Partner. Ich bin immer noch in Therapie, weil mich die Infektion schon sehr zermürbt, aber bin froh, dass er nichts abbekommen hat.

    Grundsätzlich hat sich eher in Grauschleier über mein Leben gelegt. Ich habe weniger Lust an meinem Job und Leidenschaften wie Essen, Sport, Freunde, Kunst … und gehe einfach etwas geknickter durch die Welt.

    Vor 8 Monaten wurde zudem High Risk HPV bei mir entdeckt und ich wurde bislang 3 Mal deswegen operiert. Das hat mir definitiv noch mal einen Dämpfer gegeben und gezeigt, dass ich nicht nur emotional sondern auch gesundheitlich einfach nicht mehr auf der Höhe bin.

    Trotz alledem merke ich dennoch eine Tendenz. Es wird besser! „Zeit“ ist ein wichtiger Faktor. Auch, wenn es manchmal ein Auf und Ab ist … es wird besser.
     
  2. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Servus Deich!

    Und - auch wenn der Anlass sicher kein schöner ist: Herzlich Willkommen im Forum!

    Wow. Das ist in der Tat schnell, aber sehr gut. Eine tolle Ausgangsposition!

    Finde ich klasse, dass ihr so zueinander steht, ehrlich. Das hab ich von vielen meiner Klienten leider schon ganz anders mitbekommen dürfen. Weiter so! ;)

    Das steht dir auch zu. Lass dir Zeit, so viel, wie du brauchst.

    Nach Regen folgt doch immer wieder Sonnenschein. Deine Tendenz behält sicherlich Recht. Ich drücke dir alle Daumen, dass es dir psychisch sehr schnell viel besser geht.

    Wenn du Fragen hast,- hier im Forum sind ganz viele, sehr nette Betroffene anwesend.
    Einige davon sind schon viele Jahre betroffen, manch' einer bereits Jahrzehnte.
    Löcher sie mit Fragen, wann immer dir danach ist :)
     
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  3. deich

    deich Neues Mitglied

  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo deich,

    schon Deine schonungslose Offenheit adelt Dich. Und Dein Freund ist knorke.
     
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  5. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Guten Abend @deich , herzlich willkommen und genau die genannte Zeit musst Du Dir geben und Du wirst sehen, es wird alles besser.
     
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  6. Achduje

    Achduje Neues Mitglied

    Hallo der Herr deich! :)
    Das klingt doch halbwegs optimistisch, was du schreibst. Ich wünsch dir, dass sich der "Grauschleier" immer mehr lichten wird in Zukunft! Solche "nun ist alles vorbei"-Gedanken hatten sicher viele am Anfang. Da kann ich auch ein Lied von singen! (ich halte auch einen Zeitraum von 1 bis 2 Jahren "danach" noch für eine recht kurze Zeit danach. Das empfinde sogar ich noch so, obwohl es bei mir schon 4 Jahre sind!)
    Was den schnellen Erfolg der Viruslast von 3 1/2 tausend auf unter Nachweis nach nur 3 Wochen Therapie angeht: Hier muß man auch immer bedenken, zu welchem Zeitpunkt in der Akutphase (ich nehme an, dass es die Akutphase bei dir war) die Viruslast bestimmt wurde. Es ist durchaus möglich, dass ein, zwei Wochen zuvor noch ein Wert im Millionenbereich herausgekommen wäre und sich die Viruslast eh im Absteigen befand. Ohne Therapie hätte sie sich irgendwo eingependelt, womöglich in einem niedrigen Bereich. Es ist ja möglich, dass es bei dir so ähnlich wie bei mir gewesen wäre. Ich hatte OHNE Therapiestart nach einem Monat eine Messung mit einer Viruslast von ca.100 ! (also beinahe unter Nachweis!) Ca. 1 bis 2 Monate zuvor waren es 2,5 Millionen! So etwa ist also durchaus möglich und von daher wundert es mich nicht, dass du in dieser sehr kurzen Zeit durch Therapie bereits unter die Nachweisgrenze gelangt bist. Es wäre interessant zu wissen, ob da Wirtsfaktoren oder die jeweilige Virusvariante eine Rolle spielen. Das ist natürlich schwer zu eruieren usw., aber auch egal.
    Ich wollte nur mal anmerken, dass das so ungewöhnlich nun auch nicht ist, aber natürlich SEHR erfreulich!!
    Schön, dass du einen Partner hast, der zu dir hält! Das ist enorm viel wert! Alles Gute! :flowers:
     
  7. Achduje

    Achduje Neues Mitglied

    Sorry, ich meinte oben natürlich über Dreihunderttausend, nicht 3 1/2 Tausend. Das wären ja 3500. Mit dem korrekten Schreiben von Zahlen müßte man sich auskennen ;)
     
    haivaupos gefällt das.
  8. deich

    deich Neues Mitglied

    Habe ich ausgerichtet. Danke, @matthias ;)

    Das ist krass, @Achduje - Ich hab bislang nicht gehört, dass es "von alleine" so weit runtergehen kann. Interessant! Mein Schritt von 360.000 bis zu unter der Nachweisgrenze ging zwar flott, dafür bin ich aber durchgängig mit den CD4 Werten unterhalb der Norm. Da ist jeder Körper wohl anders. Aber ich freue mich, dass ich meine Werte/Erfahrungen mit euch vergleichen/teilen kann :)
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Die Viruslastlinie verläuft in einer Parabel … ich hatte bei meiner ersten Messung 430.000 und bei der zweiten, drei Monate später, 51.000 Kopien. Das sind aber nur Momentaufnahmen, die sich wieder ändern können, bis sich die Viruslast einpendelt … oft so um die 100.000 Kopien herum – wenn man keine Therapie macht.
     
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