Mitbewohner HIV-Positiv

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Annilein, 11. April 2017.

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  1. Annilein

    Annilein Neues Mitglied

    Hallo zusammen.
    Ich lebe in einer WG mit 5 anderen Mitbewohnern.
    Einer unserer Mitbewohner hat sich gestern getraut und. Der ganzen WG erzählt, dass er HIV positiv ist.
    Er hat es wohl selbst erst letzte Woche erfahren und der Schock sitzt bei ihm noch tief. Wir haben ihm unsere Unterstützung bei Arzt Besuchen etc. angeboten und gehen ansonsten normal weiter mit ihm um. Er ist ja schließlich immer noch der selbe nette Kerl wie vorher.
    Ich schäme mich fast, dass mir heute Nacht einige Fragen aufs Bett gekommen sind, die ich ihm nicht stellen möchte, um ihm Lein unangenehmes Gefühl zu geben.
    Letztes Wochenende hatten wir eine ziemlich wilde WG-Party.Ich hatte an dieser leider doll eingerissene Mundwinkel, die bei Bewegung aufplatzen und sehr schmerzten. Ich habe mir mit meinem positiven Mitbewohner trotzdem Gläser, Pinneken, Zigaretten und die Shisha geteilt. Ich weiß, dass er auch sehr oft offene Mundwinkel und Wunden an den Lippen hat (Er kaut immer drauf rum).
    Bestand durch das teilen nun ein Rosiko für mich?
    Mir ist klar, dass ich mich im normalen Alltag nicht anstecken kann, aber wie sieht es aus, wenn Wunden im Spiel sind?
     
  2. Unser Tipp Frage jetzt einen Arzt! HIV-Symptome.de

  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Annilein,

    zunächst einmal ein riesiges »Daumen hoch« für Euren Mitbewohner, dass er sich getraut hat, schon so schnell und so offen über die Infektion zu sprechen. Das ist selten – aber es zeigt, dass Ihr ein gutes Team seid! Das merkt man auch daran, dass Ihr ihn unterstützen wollt. Klasse!

    Du musst Dich für die Fragen nicht schämen – denn bei Dir/Euch sind sie jetzt ein Teil des Alltags. Aber trotzdem: Auf den beschriebenen Wegen kann man sich nicht infizieren. Es müsste schon eine Menge Blut im Spiel sein – und da wäre schon der ganz normale Hygieneanspruch um Weg. Blutende Lippen oder Mundwinkel wären ein (theoretisches) Problem beim intensiven Küssen – im Normalfall sind Lippen aber trocken und spröde, selbst bei eingerissenen Lippen ist nur die sehr dünne Lippenhaut eingerissen, nicht aber die darunter liegende Schicht.

    Ich will jetzt keine unnötige Werbung machen – aber vielleicht hilft ihm und/oder Euch mein Buch (siehe Signatur), das ich u.a. auch für diejenigen geschrieben habe, die sich plötzlich mit einer HIV-Infektion auseinandersetzen müssen. Bei mir klappt's, nebenbei erwähnt, schon 25 Jahre …

    Hat er denn einen guten Arzt? Sonst schaut mal unter http://www.dagnae.de – da stehen viele gute Schwerpunktpraxen drin.

    Alles Gute – und unbekannterweise liebe Grüße an Euren Mitbewohner! HIV ist zwar immer noch unheilbar, aber mittlerweile sehr gut behandelbar. Mit der antiretroviralen Therapie (die von allen Krankenkassen übernommen wird) sinkt die Viruslast recht schnell, so dass das Virus im eigenen Körper keinen Schaden mehr anrichten – und auch nicht weitergegeben werden kann. Und das sind doch schöne Aussichten!
     
  4. Annilein

    Annilein Neues Mitglied

    Ja, ich bin mir sicher, dass es ihn einiges an Überwindung gekostet hat mit uns zu sprechen.
    Aber im Nachhinein war er um so mehr erleichtert.
    Das Buch werde ich ihm direkt heute abend empfehlen.

    Sehe ich es nun also richtig, dass das Blut (also sein Blut) deutlich sichtbar hätte gewesen sein müssen an der Zigaratte/Shisha oder dem Glas?
    Oder hätte selbst dann kein Risiko bestanden?

    Ich kann also auch in Zukunft weiter ausgelassen mit ihm feiern und muss nicht jedes Mal das Glas oder die Zigarette untersuchen, selbst wenn ich eingerissene Mundwinkel habe?

    Eine Frage zum küssen habe ich trotzdem noch, auch wenn es in meinem Fall keine Rolle spielt.
    Wird nicht generell gesagt, dass küssen save ist? Auch mit rissigen Mundenwinkeln oder Lippen, weil die Menge die so an Flüssigkeit ausgetauscht wird, nicht ausreicht?
    Ich meine, sowas hätte ich mal gelesen.
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Oh – da schein ich das Wichtigste ja vergessen zu haben …

    Also: Blut, das an der Luft ist – egal ob an Türklinken, Zigaretten, Gläsern o.ä. – ist kein Risiko, weil das HI-Virus an der Luft recht schnell inaktiv wird.

    Beim Küssen ist es so, wie Du schreibst: das Risiko ist zwar da, aber nur theoretischer Natur, da einerseits die Eintrittspforte nicht groß genug ist, andererseits auch die Anzahl der übertragenen Viren nicht ausreicht. Wir sprechen hier ja nicht von Lippen, aus denen das Blut schwallweise rauskommt, sondern von kleinen Wunden. das Gleiche gilt übrigens auch für kleine Zahnfleischverletzungen und – auch wenn sie woanders sind – Nagelbettverletzungen.

    Anderrs wäre es, wenn ein offener Herpes vorliegt. Da kann auch praktisch Vieles übertragen werden – auch HI-Viren die dann quasi huckepack den Wirt wechseln. Aber auch negative Menschen haben mit offener Lippenherpes wohl nur wenig Lust zum Knutschen :)

    Im Prinzip überträgt sich HIV nur sehr schwer; zumeist bei ungeschütztem Geschlechtverkehr oder wenn eine notwendig große Menge infiziertes Blutes in eine Verletzung gelangt. Eine Shisha gemeinsam benutzen ist kein Problem, aber z.B. Spritzen gemeinsam zu benutzen, ist ein großes Risiko.

    Andere infektiöse Körperflüssigkeiten sind Vaginal- und Darmsekret (hier müsste allerdings auch große Mengen aufgenommen werden) und Muttermilch. Letzteres aber nur zur Vervollständigung …
     
  6. Annilein

    Annilein Neues Mitglied

    Super, vielen vielen Dank für die ausführlichen Beschreibungen.
    Das wird uns für das zukünftige Zusammenleben helfen.

    Abschließend habe ich noch eine Frage:
    Meiner anderen WG Mitbewohnerin wurden vor 6 Wochen die Weisheitszähne rausoperiert. Sie hat wie sie sagt, immer noch tiefe Krater im Kiefer, aber es blutet nichts. Sie hat, genau wie ich, aus dem selben Glas getrunken bzw. mit uns Shisha geraucht.

    Wenn ich jetzt alles richtig verstanden habe, besteht hier ja auch null Risiko, oder?
    Würde man sowas überhaupt noch als offene Wunde bezeichnen?
     
  7. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Wie bezeichnet man eine Wunde, die nicht blutet? Garantiert nicht als offen« ;)
     
  8. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Hallo Annilein, auch von mir beide Daumen hoch, dass ihr euren Mitbewohner unterstützen wollt. Gerade wenn er die Diagnose selbst erst frisch erfahren hat und es euch gleich mitgeteilt hat, ist er sicherlich selbst erstmal in der "Findungsphase", ihn dann mit Fragen zu überschütten, wäre für ihn vielleicht auch momentan nicht sehr hilfreich. Deshalb gut, dass Du Dich ans Forum gewandt hast. Der Arzt meines Mannes (HIV-Spezialist) hat mir damals gesagt, dass in den 80igern eine sogenannte Haushaltsstudie durchgeführt wurde, bei Familien wo eine Person positiv und die andere Person negativ ist. Resultat: im normalen Alltag gibt es keine Ansteckungsgefahr. Wichtig ist, dass man bei Versorgung von Wunden die normalen hygienischen Maßnahmen ergreift. Sobald euer Mitbewohner in antiretroviraler Therapie ist und seine Viruslast dauerhaft unter Nachweisgrenze ist er sowieso nicht mehr ansteckend. Ich drücke ihm die Daumen, dass er über den ersten Schock hinweg kommt und bald wieder in die Zukunft schauen kann. Wichtig ist noch, dass er einen guten Arzt hat, am besten in einer Infektologie. Nichts gegen Hausärzte, aber auch wie bei anderen Sachen, sollte man zum Facharzt gehen. Und die örtlichen AIDS-Hilfen sind auch sehr gute Ansprechpartner für alle offenen Fragen seiner- und eurerseits.
     
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