Meine Panne und die Zeit danach (inkl. PEP)

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Trauerwolke, 7. November 2018.

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  1. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Guten Morgen, Community,

    ich habe in den letzten Tagen etwas erlebt, das ich hier niederschreiben möchte, um vielleicht mit den Dingen besser zurecht zu kommen und vielleicht anderen zu helfen.

    Ich hatte am Samstag (03.11.18) 23:30 Uhr Geschlechtsverkehr mit einem mir unbekannten Mann (MSM). Ich war der passive Part, habe ihm ein Kondom angelegt und dann haben wir mit dem Spass begonnen.

    Da ich dann einen Stellungswechsel wollte (wegen anstrengender Körperhaltung) habe ich gesehen, dass das Kondom gerissen ist und seine Eichel freilag.

    Ejakulat konnte ich keine feststellen. Ebenso war kein Blut vorhanden. Aus Schock habe ich nach seinemHIV-Status gefragt, was er mir mit einem „Also, naja. Klar bin ich negativ.“. Unterstellen möchte ich ihm nichts, aber vertrauensvoll ist anders :). Meinen Status (April, negativ) habe ich ihm natürlich auch genannt.

    Jetzt ist es passiert. Kondomriss/platzer.

    Ich bin also ins nächstgelegene Uniklinikum gefahren und habe mich der Ärztin der Notaufnahme anvertraut.

    Diese hat mich aufgeklärt, dass das Risiko gering, aber vorhanden sei. Mir wurde die Möglichkeit der PEP aufgezeigt und ich aufgeklärt. Vier Wochen der Medikamenteneinnahme und ein Test sechs Wochen danach und es ist ausgestanden.

    Nach einem Schnelltest, Blutbild, Puls- und Blutdruckmessung wurde ich nochmal gefragt, ob ich das wirklich machen möchte. Schnelltest negativ, Blutbild in Ordnung. Der Rest auch.

    Ich habe die PEP angenommen und auch gleich um 03:00 Uhr (also knapp 03:00 Stunden später) die erste Dosis von zwei Tabletten (Isentress und Tenovofir) eingenommen mit der Bitte, am Montag sofort in der Infektionolgie der Uniklinik vorbeizukommen. Dort erhalte ich dann die vollständige Medikation (vier Wochen) und es werden weitere Tests gemacht.

    Am Sonntag war ich sehr nervös über den bevorstehenden Uniklinik-Besuch. Aber es muss sein. Der erste Schritt war getan, weitere müssen folgen.

    In der Uniklinik war mit dem Arztbericht der Notaufnahme alles klar. Das Personal wusste Bescheid. Nach 20 Minuten Wartezeit war auch schon der junge Arzt vor Ort und bat mich ins Zimmer. Er wollte die Geschichte nochmal hören und hat mich nochmals über Einnahme, das gegebene Risiko einer Infektion („Sie sind auf der sicheren Seite, aber komplette 100% gibt es in der Medizin leider nicht. Sehr gut, dass Sie so früh mit der Medikamenteneinnahme begonnen haben. Damit können Sie einen kühlen Kopf bewahren.“) aufgeklärt und über den Ablauf informiert. Vier Wochen PEP + sechs Wochen Wartezeit und dann einen Test. Rein formell einfach nochmal nach 3 Monaten.

    Danach standen Fragen zu Allergien und Krankheiten an und Untersuchungen folgten. Sichtprüfung HPV, nochmal Blutbild, Urinprobe.

    Wie ich die Medikamente vertrage, kann ich zu dem Zeitpunkt mit „Gut, ausser ein wenig Magengrummeln.“ beantworten.

    Ich bekomme Nummern, EMail-Adressen etc. um „im Falle eines Falles“ Kontakt aufzunehmen. Der leitende Arzt kommt ebenfalls nochmal vorbei um den Fall „abzuschließen“.

    Nach einer Woche soll ich beim Hausarzt ganz viele Werte (stehen auf dem Arztbrief) kontrollieren lassen.

    Mit einem wiederholten „Da wird nix passieren, aber es gibt keine 100%.“ werde ich verabschiedet.

    Nach dem vierstündigen Klinikaufenthalt hole ich meine Medikamente und begebe mich auf dem Weg in die Innenstadt der Großstadt in der alles passierte.

    Ich bin dabei auch zufällig an der AIDS-Hilfe vorbeigekommen und dachte mir, ich möchte das bitte alles nochmal in Ruhe erzählen, da die letzten Tage recht hektisch und aufwühlend waren. Ein Berater hatte spontan Zeit und hat sich die Geschichte angehört. Er meinte: „Alles richtig gemacht. Verhütet. Trotz Panne schnell reagiert und PEP eingenommen.“ Er lobt mich, dass ich einen klaren Kopf bewahren konnte. Auch er sagt, dass es gut ausgehen wird.

    Zu diesem Zeitpunkt bin ich beruhigt, bekomme ebenfalls Kontaktdaten und soll ihn doch bitte auf dem Laufenden halten. Nach einem großen Dankeschön und einer Spende an die AIDS-Hilfe gehe ich noch in die Fußgängerzone und fahre anschließend nach Hause.

    Am Dienstag (06.11.18) war ich bei meiner Hausärztin und habe schon einmal angefragt, wie es mit den anstehenden Tests steht, ob sie was vorbereiten müssen etc. Sie hat sich den Arztbrief angesehen und meinte ebenfalls, dass es gut ausgehen wird. „Bis nächste Woche!“

    Stand aktuell:

    Ich nehme meine Medikamente regelmäßig ein (fast minutengenau) und vertrage sie eigentlich ganz gut. Gerade hatte ich Durchfall und mir kommt es vor, als würde mein Hals ein wenig unter dem Kehlkopf schmerzen. Das mag aber evtl. auch an der Anspannung liegen. Ich weis es nicht. Ansonsten verspüre ich keine allzu starken Nebenwirkungen, ausser die gerade beschriebenen.

    Jetzt heißt es also noch 3,5 Wochen Tabletten nehmen und dann die sechs Wochen abwarten. Ich habe derzeit alles getan und muss es nun aussitzen.

    Aktuell nimmtich das Ganze schon mit („Was wäre wenn?“) aber damit möchte ich mich gar nicht zu lange beschäftigen. Denn bringen wird es eh nichts.

    Danke, dass ich mir das alles niederschreiben durfte. Ich werde - wenns klappt - regelmäßig updaten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. November 2018
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Wow .... ich bin immer mal wieder erstaunt, wofür Ärzte eine PEP verschreiben .. aber gut, nun ist es so und ich bin ja auch kein Arzt.

    Jetzt heißt es, die PEP durchhalten und dann nochmal 6 Wochen, Du sagtest es bereits.

    Nunmal zu den Fakten.. er ist nicht in Dir gekommen, das minimiert Dein Risiko ganz erheblich. Und Blut gab es auch keins, das minimiert sein Risiko ebenfalls.

    Mach Dir nicht zu viele Gedanken, Du hast alles richtig gemacht. Der Kondomplatzer ist doof, aber nun nicht mehr zu ändern.

    Behalte Deinen (mittlerweile) klaren Kopf... ich finde das sehr gut, dass Du anscheinend inzwischen recht aufgeräumt reagierst.

    Lass die Finger von Dr Google .. wenn Du Fragen hast.. frag uns oder die AIDS-Hilfen.


    Und auf die Frage : Was wäre, wenn ....

    Du bist hier bereits lange genug dabei, um zu wissen, wie es sich mit einerHIV-Infektion lebt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. November 2018
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  3. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

     
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  4. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Klingt zwar ein wenig nach Mücke -> Elefant, aber nix desto trotz wünsch ich dir gutes Gelingen mit deiner PEP :cool:
     
  5. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Das gestehe ich mir jetzt (!) ja auch ein. Aber „mittendrin“ hab ich halt anders reagiert.

    Wurscht. Jetzt ist es rum und muss durchgezogen werden!
     
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  6. ole

    ole Neues Mitglied

    wann ist denn deiner Meinung nach das Verschreiben von PEP berechtigt?
     
  7. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Ungeschützter insertiver oder rezeptiver, vaginaler oder analer Geschlechtsverkehr mit eine(r)(m) bekannt bzw. nachweislichHiv-Positiven Partner(in), der/die nicht in Behandlung ist, beispielsweise.

    Bei einer erfolgreich behandelten Infektion (in Behandlung) sprich konstanter VL unter Nachweis, besteht ohnehin kein Übertragungsrisiko.
     
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  8. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Es gibt strenge Richtlinien für die Verordnung einer PEP und ein Kondomplatzer OHNE Samenerguss ist so ein extrem minimales Risiko, dass es mich wundert, dass dafür eine PEP verordnet wurde.
    Wird auch nicht von der KK übernommen.
     
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  9. ole

    ole Neues Mitglied

    d.h. bei ungeschützter Sex mit einer unbekannten Person bzw. dessen Status unbekannt ist (one night Stand) würde man keine PEP verschrieben bekommen?
     
  10. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    ole. les halt mal was ich geschrieben habe. Da hast Du nämlich die Antwort auf D eine Frage. Kommt auf den Arzt drauf an. Aber die PEP sind hammerharte Medikamente, die häufig starke Nebenwirkungen haben und sie wird NICHT von der Krankenkasse bezahlt. Nur in ganz ganz wenigen Ausnahmefällen und das ist auch gut so
     
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  11. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ole ...

    ... ungeschützter Verkehr gilt als Risiko, ja. Aber bei einem Kondomplatzer ohne Erguss ist die Wahrscheinlichkeit eines Risikos deutlich minimiert.
    Es kommt auch nicht darauf an, was wir meinen, sondern auf den Arzt. Es gibt aber leider immer noch Ärzte, die beiHIV nicht auf dem aktuellen Stand sind. Deshalb sollte ein Schwerpunktarzt oder eine Infektionsambulanz aufgesucht werden.
    Wenn - wie in diesem Falle - aber offensichtlich immer noch ein Risikogruppendenken herrscht, muss man das auch mal hinterfragen.

    Im eingangs geschilderten Fall erkenne ich kein Risiko. Entweder wurde er hier verkürzt wiedergegeben oder in der Uniklinik wurde dramatisiert. Das ist meine Einschätzung.

    Die PEP ist weder Aspirin noch Allheilmittel.
     
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  12. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Danke für die Beiträge.

    Meine Version ist die „ungekürzte Version“ die ich auch so in der Uniklinik wiedergegeben habe. Wie und warum die Ärztin das so entschieden hat, habe ich natürlich nicht gefragt. Hab ja schließlich auch nicht Medizin studiert. Daher stelle ich ihre Entscheidung gar nicht in Frage.

    Wie ich aber schon gesagt habe, bin ich jetzt dabei, werde die Medikamente zuende nehmen. Fertig. Hatte gestern auch stärker Durchfall und mal Bauchweh. (Falls interssant) Aber das kann auch ein wenig der Aufregung geschuldet sein. Nichts Genaues weiß man nicht.

    @devil_w: man bekommt nachträglich von der Kasse dann noch Post mit Hinweis auf Kosten? Hatte solch ein Vorgehen ja noch nie. Bin für jede Info dankbar.
     
  13. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Das kann natürlich sein. Sollten dieses Beschwerden weiter anhalten, geh zum Arzt. Natürlich am besten zu der Dokterschen, die Dir die Medikamente verschrieben hat.
    Die nutzen nämlich nichts, wenn die gleich wieder in der Toilette landen.

    Das kann durchaus passieren. Du könntest Deine KK anrufen und nachfragen.
     
  14. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Hallo Lottchen, der Durchfall war nicht unmittelbar sondern Stunden danach. Jetzt - eine Std. nach Einnahme - ist z. B. gar nichts. Wie gesagt, sind ja keine Smarties. Muss sich der Körper ja wohl erst daran gewöhnen.

    Die KK werde ich mal anrufen, ja.
     
  15. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    In der Regel ja. Nur weil ein Arzt ein Rezept ausgestellt hat, heißt es nicht, dass die Kasse das auch bezahlt. Normalerweise hätte die Apotheke Dich schon drauf hinweisen müssen. Und da bei Dir ja nur ein extremst geringes Risiko vorlag und eine PEP eigentlich unnötig gewesen wäre, kann es gut sein, dass die Kasse dir noch eine Rechnung über mehrere Hundert Euro präsentieren wird.
    Du hast ja die Präparatenamen, kannst die Preise ja mal googeln, damit Du weißt, was da auch Dich zukommen wird. Isentress ist sehr teuer, dürfte so bei 800 € liegen. Das Tenovofir ist das Generikum vom Truvada und liegt momentan glaub ich zw 50 und 70 €.
     
  16. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Ich habe eigentlich immer nachgefragt, wie es mit der Kostenübernahme aussieht (falls es die gibt). Notaufnahme, Arzt, Apotheke und Aidshilfe meinten, dass die Kosten übernommen werden.

    Die Medikamente hast du richtig erraten. Dann kann ich mir das googlem sparen. Danke.

    Naja, wenn es so ist, ist es so. Dann kann ich das auch nicht ändern. Bin deswegen ja auch nicht böse. Wollte es eher von der rein informellen Seite her wissen.

    Dankeschön :).

    Mit der Ärztin hab ich telefoniert. Den Durchfall hält sie nicht für bedenklich, da er ja auch schon wieder besser wurde. Wenns schlimmer wird, soll ich mich melden.
     
  17. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Hallo Community,

    ich melde mich mal zwischendrin wieder. Die Medikamente vertrage ich mittlerweile gut. Kein Durchfall mehr oder sonstige Nebenwirkungen.

    Aber in den letzten Tagen musste ich ab und an an Matthias Aussage denken:
    Wieso eigentlich nicht @matthias ? Möchtest du mir kurz auf die Sprünge helfen und meine Aussage ggf. berichtigen? (Lottchen meinte ja, ich soll mich melden, wenns was gibt.)

    * Kein Ejakulat beim Analverkehr
    * kein sichtbares Blut (d. h. Menge wäre für eine Übertragung zu wenig, da lange und viel Blut auf eine offene Wunde eingearbeitet werden müsste? Was ist mit der Analschleimhaut und Rissen?)
    * Lusttropfen enthält zwar wohl Samen, aber für eine Übertragung wären zu wenig HI-Viren inbegriffen. Gilt das eigentlich nur für OV oder generell?
    * Analschleimhaut für aktiven Partner gefährlich
    * (Wie verhält sich das mit der Schleimhaut des Penis und der Analschleimhaut?

    So gesehen sind ja keine Flüssigkeiten geflossen, die für eine Infektion relevant wären und somit würde ich auch auf deine Aussage kommen, Matthias, oder sehe ich hier etwas falsch?

    Mir kam der Gedanke gestern beim Spazierengehen und ich dachte, ich frage einfach mal nach :).

    Heute Abend werden meine Blut- und Urinergebnisse besprochen, wie mein Körper die Medikamente verträgt.

    Liebe Grüße

    Wolke
     
  18. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Wolke,

    genauso meinte ich das. Ich sehe wirklich kein Risiko bzw. ein so geringes, dass es vernachlässigbar ist.

    Übrigens: Wenn der Lusttropfen zu wenig Viren für eine Übertragung enthält, dann is ihm auch egal, wo und wie er seinen Weg nimmt … oder sind z.B. Dieselautos bei Nacht weniger emissionsreich als bei Tag? :)
     
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  19. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    Lieben Dank, @matthias :-D!

    Der Spruch am Ende ist so doof, dass er schon wieder sau lustig ist :)!!

    Aber ich verstehe, was du mir damit sagen willst. Ich danke dir für die Unterstützung @matthias !
     
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  20. Trauerwolke

    Trauerwolke Neues Mitglied

    16 Tage nach Risikokontakt war ich jetzt beim Schwerpunktarzt. Hat nochmal ein Blutbild (Werte sind in Ordnung) und einenHIV-Test inkl. P24 gemacht. Der war negativ.

    Er meinte, „die PEP haben Sie lehrbuchmäßig (Zeit) angefangen!“ und „das Risiko war minimal und dann nehmen Sie noch die PEP. Das wird alles gut ausgehen!“

    Bei der PEP habe ich jetzt 50% genommen.

    Einen neuen Termin für Januar habe ich auch schon.

    Mensch :) *tiefdurchatme*
     
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