Mein RK, die Ungewissheit und Wartezeit.

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Need4Certitude, 8. Februar 2020.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Need4Certitude

    Need4Certitude Neues Mitglied

    Hallo Liebe Community,
    Achtung, es wird ein langer Beitrag!!!

    ich (W, 24) habe wirklich lange überlegt, ob ich mich hier anmelden, oder stille Leserin bleibe. Ich lese schon seit dem 23.12.2019 hier mit, und habe in der Zeit unglaublich viel dazu gelernt, was ich bis dato nicht über das Thema wusste. Ich habe bei vielen Beiträgen richtig mitgefiebert, musste aber auch oft die Augen rollen, bei Themen, wo offensichtlich keinerlei Risiko bestand.

    Jedenfalls war heute mein psychischer Zustand mit an seinem Tiefpunkt, (in der Weihnachtszeit auch, aber da wollte ich es mir nicht so anmerken lassen). Deswegen wollte ich mir das ganze Mal von der Seele schreiben (habe noch mit niemandem drüber gesprochen) und eure Einschätzung hören.

    Warum seit dem 23.12?. Weil ich seitdem, genau 2 Wochen nach meinem RK, sehr starke Symptome bemerkt habe. Bin zum Glück durch Google relativ schnell auf euch gestoßen, bevor ich mich durch Symptome googeln fertig gemacht habe!

    Zunächst einmal zu meinem Risikokontakt. Diesen hatte ich am 07.12, es war zwei Mal (!) ungeschützer GV, wobei er auch beide Male in mir kam (er ist übrigens beschnitten, habe ich auch dank euch gelernt, dass es einen minimalen Effekt hat, der mich aber kein bisschen beruhigt). Das mit dem RK war sehr naiv von mir, da ich, damals rosarote Brille, den Herren erst 6 Wochen kannte, und wie gesagt total verblendet, da verknallt. Dazu war es mein erster GV, ich bin zwar aufgeklärt, aber war dennoch unsicher, und habe wirklich gemerkt, wie die Theorie sich von der Praxis unterscheidet. Achso, habe übrigens auch geblutet, er meinte selber bevor er seinen Penis rausgezogen hat, "glaub hast geblutet, ist aber nicht schlimm". Kam mir rüber, als hätte er mit sowas schon Erfahrung, aber er war sehr gelassen. Soviel dazu.

    Bereits wenige Tage nach dem RK hatte ich ein Symptom, und zwar stark riechender Ausfluss, dass ich schon Angst hatte, mein Umfeld würde es riechen. Da wurden beim FA, durch eine Urinprobe Clamydien diagnostiziert, die ich leider nur von dem besagten RK haben kann.

    Mein RK hat sich bei mir entschuldigt, ist, auf Nachdruck von mir (!) zum Arzt um die Medikamente zu besorgen, hat beteuert, dass er sich regelmäßig testen lässt und Angst vor Geschlechtskrankheiten hat. Er meinte, er kann es nur von seiner letzten Bekanntschaft haben und versuche diese zu kontaktieren. Soweit so gut, ich hab an kein Risiko mehr gedacht. Mein unangenehmer Ausfuss waren nach der Einnahme der Medikamente auch schon weg.

    Problem nur, dass ich genau 2 Wochen nach dem RK, am 23.12. sehr viele, grippeähnliche Syptome bekommen habe, wobei ich diese 2 Wochen am Stück sehe intensiv hatte: Durchgängige Ruheschmerz (in den Gliedern) und Durchfall, hin und wieder starke Kopfschmerzen, einige Male Nachtschweiß, juckende Schmerzen am After. Dieses unangenehme Jucken am After hab ich bis heute hin und wieder, dachte erst an Hämmoroiden. Da ich so gut gut wie nie krank bin, habe ich diese Symptome als doppelt so schlimm empfunden und wahrgenommen. Ich weiß, das ist psychisch bedingt, aber habe auch Appetitlosigkeit und dadurch an Gewicht und auch an Kraft verloren.

    Seitdem zieht mein Leben nur noch an mit vorbei, bin psychisch komplett neben der Spur, ich funktioniere einfach nur. In den zufälligsten Momenten kommt der Gedanken hoch, dass ich mich eventuell angesteckt haben könnte, auch mit anderen GK, und die Clamydien, von denen er ja auch nicht wusste, es eventuell begünstigt haben.

    Diese Unsicherheit, das "was wäre wenn", ist echt nervenaufreibend und lässt mich nicht wirklich ruhen. Bin nicht mehr ich selbst, momentan voll nachdenklich und traurig, dass ich meine Gesundheit eventuell gefährdet habe.

    Auch traurig bin ich, da mein RK aufgrund unserer räumlichen Entfernung kurze Zeit nach dem GV gesagt hat, dass er zwar Kontakt haben, aber so keine Beziehung eingehen kann. Momentan haben wir dadurch nur noch virtuellen Kontakt, aber ich sehe z.B. in Social Media, dass bei ihm alles bestens zu sein scheint, während ich mir echt Sorgen mache, dass er nichts von einer möglichen Krankheit weiß.

    Ich habe mich im Nachhinein auch gefragt, warum mein RK, der viel erfahrener als ich ist, mich aber genauso kurz kannte, nicht auf einen Schutz bestand, obwohl er mir sagte, dass er "Angst vor GK" hat. Diese Tatsache, und Dinge die ich im Nachhinein über sein Risikoverhalten erfahren habe, die er mir natürlich nicht gesagt hat (z.B. viele wechselnde Partner, GV im Club Klo), macht mir Sorgen, dass er Schutz generell vernachlässigt.

    Ich will erst nach den 12 Wochen einen Schnelltest bei der Aidshilfe machen,

    1. Da ich gelesen habe, dass meistens Blut aus der Fingerkuppe genommen wird, und ich Angst vor Spritzen habe (ich weiß, das ist kein rationaler Grund...)

    2. da ich einfach direkt das Ergebnis haben möchte, und mich nicht noch einige Tage psychisch quälen möchte (natürlich würde ich mir durch einen Labortest die Zeit verkürzen, andererseits bin ich total die Grüblerin, und würde die Wartezeit noch schlechter als jetzt ertragen).

    Wenn ich das Ergebnis vom Schnelltest dann direkt am Testtag habe, kann ich entweder dann damit abschließen, oder dementsprechend den weiteren Weg einläuten. Dafür fühle ich, im Falle eines positiven Test, zwar mental gar nicht bereit, aber ich habe durch dieses Forum wirklich verstanden, wie wichtig es ist, wenn man frühzeitig mit der Medikation anfängt und mit der Zeit auch lernt, damit umzugehen.

    Habe auf jeden Fall allein durch meinen psychischen Stress gelernt, dass ich, zumindest ohne den Status zu kennen, keinen GV mehr ohne Schutz haben möchte. Aktuell hab ich es sowieso nicht... Fühle mich nicht wohl in meiner Haut.

    Werde übrigens auch alle weiteren Tests auf GK durchführen lassen, da mit meinem Körper definitiv etwas nicht stimmt, und ich die Syptome mir nicht nur im Bezug auf meine Psyche erklären kann... (kam ja erst nach den Symptomen). Ich erwarte leider irgendeine der Krankheiten, da ich meinen Körper aktuell echt nicht verstehe. Habe zwar auch jobbedingt seit Anfang des Jahres viel Stress und komme kaum zur Ruhe, aber Stress hatte ich oft genug, aber nie solche Symptome.

    Meine Fragen, neben eurer Einschätzung,

    Erstens: meint ihr ich soll schon nach 8 Wochen einen Test machen? Habe das hier mehrfach gelesen, dass es auch aussagekräftig ist. Ich würde dann auch mit dem Thema abschließen und, bei einem negativen Ergebnis, mir auch nicht weiter Sorgen machen. Könnte andererseits gar nicht damit umgehen, wenn irgendwie 4 Wochen später herauskamen, dass es doch positiv ist (Apropos: Wie würde das denn kommuniziert, wenn es doch anonym ist?

    Zweitens: Clamydientest. Den hab ich nach der Medikation beim Frauenarzt prüfen lassen, der war dann negativ. Den würde ich nicht nochmal wiederholen. Auf der Seite der Aidshilfe steht zum Test bei Clamydien: Clamydien/Tripper. Wird dabei beides zusammen getestet oder heißt das, da Clamydien behandelt wurden, brauch ich quasi auch keinen Test auf Tripper?

    DANKE für eure Zeit, euer Verständis und schon Mal danke für die Antworten.

    Dank des Forums weiß ich, dass ich gar nicht Mal soooo viel über die, nun chronische Krankheit, wusste, wie ich dachte (und bin mir sicher, meinem Umfeld geht es genauso). Bzw. wirklich die veralteten Infos hatte, und gar nicht über die tollen Fortschritte informiert war, die ein sogut wie normales Leben mit der Krankheit ermöglichen.

    Natürlich hoffe ich inständig auf ein negatives Ergebnis. ABER ihr habt mich sensibilisiert für das Thema, und aufgezeigt, dass man, im "schlimmsten Fall", lernen kann, mit einem positiven Test umzugehen, und z.b. dank der Medikamente auch noch Kinder kriegen kann, ohne Partner oder Kind anzustecken (das ist mir natürlich wichtig).

    PS: Ich werde euch, wenn es soweit ist, vom Testergebnis berichten. Kann aber jetzt schon mal sagen, dass ich wirklich Angst davor habe und hoffe, dass ich das nervlich durchhalte...

    VG und schönes Wochenende :)
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo liebe Userin!
    Das ist nicht schlimm. Immerhin hast Du ja lesefreundliche Absätze eingefügt :)
    Ungeschützter Verkehr ist ein Risiko, ja. Wenn er in Dir kommt, erhöht das das Risiko. Wenn er beschnitten ist, ist das für ihn günstiger, aber nicht für Dich.
    Das ist Mist, kann aber passieren … und vor allem behandelt werden. Gut, dass Du das so früh bemerkt und gegengesteuert hast! Wenn Du daraus aber ein erhöhtes Risiko fürHIV ableiten willst (»Der hatte Clamydien, dann hat er auch HIV«), liegst Du falsch. Eine bei Dir vorhandene STI könnte die Ansteckung mit HIV eventuell begünstigen … andersherum klappt das aber nicht.
    Grippeähnliche Symptome deuten in 99,9% aler Fälle auf Grippe bzw. einen grippalen Infekt hin. Im Winter sogar zu 99,99% … die anderen genannten Symptome haben mit HIV nichts zu tun oder sind rein stressbedingt.
    Sorry … auf ein Kondom hättest auch Du bestehen können. Ungeschützter Verkehr ist, solange es sich nicht um eine Vergewaltigung oder den Bruch einer Absprache handelt, einvernehmlicher Sex. Du hast die gleichen Rechte wie jeder andere am Sexualakt beteiligter Mensch. Aber auch die gleichen Pflichten!
    Aha … da liegt der Hase im Pfeffer und der Hund begraben. Die emotionale Komponente, sich einem Mann hingegeben zu haben, der aber nicht den erhofften Erwartungen entspricht, ist aber kein Infektionsweg! Das ist eher Traurigkeit und kann, wenn man nicht aufpasst, zu Bösartigkeit und übler Nachrede führen. Da bist Du ja weit von entfernt … aber glaube mir: Wir haben hier im Forum und im wahren Leben schon eine Menge erlebt … gerade bei enttäuschten Frauen.

    Nun aber mal zum Wichtigsten:
    Warum? Es gibt das Gesundheitsamt, bei dem man einen Labortest nach 6 Wochen machen kann + vielleicht drei Tage warten auf das Ergebnis … also alles zusammen 6,5 Wochen. Du hättest also schon am 20.1. einen Test machen können, dessen sicheres Ergebnis Du spätestens seit dem 24.1. hättest.

    Damit sind Deine Gründe für den Schnelltest unwichtig. Du schlägst Dich unnötigerweise mit Problemen herum und hast Dich in unserem Forum mit Fragen angemeldet, die seit mindestens zwei Wochen hätten abschließend beantwortet sein können. Die »Angst vor Spritzen« sollte wohl vor der Alternative »Angst vor HIV« in den Hintergrund treten. Wenn nicht … bitte sehr: Das ist dann Deine persönliche Baustelle. Dafür sind wir nicht da. Da gibt es nur einen Ratschlag:

    Ab zum Labortest ins Gesundheitsamt. Der ist kostenlos und anonym.

    Wobei ich Dir aber in einem Punkt zustimme: Mach auch die Tests auf die anderen STI. Auch hier kann das Gesundheitsamt beraten und testen.
     
    Need4Certitude gefällt das.
  3. Need4Certitude

    Need4Certitude Neues Mitglied

    Hallo Matthias, vielen Dank für die ausführliche Antwort und den Denkanstoß.

    Klar, emotional hat es mich mitgenommen, aber ich will ihm nichts Böses. Ich will nur meinen gesundheitlichen Status erfahren.

    Ich hatte am Anfang beim Gesundheitsamt geschaut, aber, vielleicht bin ich auch falsch informiert, gesehen, dass die Tests dort nur bei "Keine Krankenversicherung oder Arbeit in der Prostitution" angeboten werden, sonst nur eine Beratung, wo einem gesagt wird, wo man sich dann testen lassen kann. Deswegen dachte ich an die Aidshilfe, wo Beratung und Test (kostenpflichtig) in einen Angeboten wird.

    Ich rufe werktags Mal beim Gesundheitsamt an und frage nach.

    VG
     
  4. Need4Certitude

    Need4Certitude Neues Mitglied

    Hallo Ihr Lieben.

    Ich wollte mich ja noch rückmelden, und zwar sind alle Test negativ ausgefallen, wederHIV, noch eine andere STI. Lediglich der Frauenarzt vermutet eine bakterielle Vaginose, die leicht behandelt werden kann.

    Hier nochmal ein Appell an alle, die sich aufgrund von Symtomen verrückt machen und sich in etwas reinsteigern, was nur im Kopf da ist (wie ich). Lasst das! Es wird hier oft geschrieben, wie es ist: Symptome sind unspezifisch, demnach bedeuten sie gar nichts. Die einzige Sicherheit bietet ein Test.

    Danke nochmal für die Rückmeldung Matthias, eure Arbeit hier im Forum und eure Zeit.

    Viele Grüße und alles Gute
     
    devil_w und matthias gefällt das.
Die Seite wird geladen...
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Unser HIV Forum nutzt Cookies. Details zur Nutzung von Cookies auf unseren Seiten findest Du hier und unter "Weitere Informationen":

    Information ausblenden