Mein Partner ist positiv

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Patricia, 30. November 2020.

  1. Patricia

    Patricia Neues Mitglied

    hallo zusammen und danke für die aufnahme. ich bin 48 jahre alt, weiblich und wohne in der schweiz. ich bin seit drei monaten in einer festen partnerschaft. gestern habe ich per zufall ein medikament entdeckt, welches mein partner nimmt. dadurch erst habe ich erfahren, dass erHIV positiv ist. ich erhoffe mir hier auch die seiten, sorgen und ängste von HIV positiv getesteten menschen in bezug auf beziehung resp. partner zu lesen.
     
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

  3. Limitless

    Limitless Neues Mitglied

    Hey Patricia,
    Hast du ihn zur Rede gestellt oder hast du im Internet geguckt für was das Medikament ist?
     
  4. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Grüezi Patricia

    Uii... unschön es so zu erfahren. Hattet ihr denn schon Gespräche zum ThemaHIV und gab es ungeschützten Sex? Setz Dich, wenn nicht schon geschehen, mit ihm zusammen und rede mit ihm darüber.
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Patricia – oder besser «hoi»! :)
    Ich finde es gut, dass Du Dich informieren willst, aber ich würde tatsächlich erst einmal mit ihm darüber sprechen. Wobei ich diese Formulierung …
    … sehr deutlich zurückweisen muss.HIV gehört wie jede Krankheit – und vieles Anderes – zur sogenannten »Informationellen Selbstbestimmung«, die sich in Deutschland aus dem Grundgesetz speist, in Österreich in der Verfassung verankert ist und in der Schweiz zum »Grundrecht auf Privatsphäre« zählt. Das bedeutet, dass Dein Partner nicht verpflichtet ist, seine Infektion offenzulegen – auch Dir nicht. Nach gesundem Menschenverstand sollte er es besser tun, aber das entscheidet er selbst.

    Lass an dieser Stelle lieber uns »das Internet« sein. Im Netz findest Du viele alte und z. T. falsche Informationen.

    Ich kann Dir aber eins schon mal sagen: Wenn er Medikamente nimmt, sorgt er dafür, dass seine Viruslast unter die Nachweisgrenze gedrückt wird, was wiederum bedeutet, dass das Virus bei ihm keinen Schaden mehr anrichtet – und er es auch nicht mehr weitergeben kann. HIV ist also heute so gut behandelbar, dass man eigentlich kaum noch ein Wort darüber verlieren müsste … wären da nicht jede immer noch viel zu vielen Stimmen, die einfach nicht begreifen wollten, dass von HIV heutzutage bei Behandlung weniger Gefahr ausgeht als z. B. von aktuell Covid-19.

    Also: Wenn Du Fragen hast frag ihn oder uns. Vielleicht hilft Dir auch mein Buch »Endlich mal was Positives« über meinen Umgang mit HIV, der mittlerweile schon kurz vor dem 30. Jahrestag steht. Auf jeden Fall kannst Du uns löchern … ;)
     
  6. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Na das ist ja mal gediegen...
    Dein Partner sollte vielleicht an der Ausbaubarkeit seiner Kommunikation arbeiten ;)
    Wenn du Fragen hast her damit, wir sind da nicht so schüchtern :cool:
     
  7. Patricia

    Patricia Neues Mitglied

    guten morgen zusammen und vielen dank für die nette begrüssung und matthias für deine info.

    ich versuche mich kurz zu halten, wie ich von der infektion erfahren habe. ich versuche auch, eure fragen zu beantworten. sonntag nachmittag sah ich eben, wie er ein medikament nahm. auf meine frage, was das sei, antwortete er, es sei für seine niereninsuffienz. ich habe das medikament trotzem gegoogelt und das zog mir den boden unter den füssen weg. weil bis jetzt musste ich mich mit dem themaHIV noch nie auseinander setzen und entsprechend war ich zu dem zeitpunkt fest der meinung, dass das immer noch in jedem fall ansteckend sei. und ja matthias, ich habe am sonntag und auch gestern sehr viel gegoogelt...

    wir haben uns im sommer kennengelernt, da zeigte er mir einen aktuellenhiv test, welcher negativ war. darum hatten wir immer ungeschützten verkehr.

    gestern morgen konnte ich dann mit seinem arzt telefonieren und dieser versicherte mir, dass eine ansteckung ausgeschlossen sei. er sei seit jahren sehr gut eingestellt und geht alle sechs monate in die kontrolle. diese info, dass HIV-infizierte unter behandlung nicht ansteckend sind, war ganz neu für mich und ich konnte das auch nicht wirklich glauben. im laufe des tages tauchten noch mehr fragen auf und ich ruf die hotline infektiologie des unispitals zürich an und konnte dort mit einem arzt reden. dieser bestätigte die aussage seines arztes aufgrund meiner infos, die ich weitergeben konnte. ich fragte ihn auch, ob das heutzutage "normal" sei, dass paare, wo einer HIV+ ist, aber unter der nachweisgrenze, ungeschützten verkehr haben und er bejahte dies.

    ich konnte mit ihm noch nicht wirklich darüber reden. ich war derart unter schock und auch sehr sehr enttäuscht. ich weiss auch jetzt nicht, wie oder was ich mit ihm reden oder umgehen soll. das habe ich ihm so auch gesagt. ich bin da im moment total blockiert. ich war noch nicht mal wütend, was mich eigentlich wundert.

    ich hätte es gerne vorher gewusst, dann hätte ich mich in ruhe mit dem thema auseinander setzen können und selbst bestimmen, ob ich ungeschützten verkehr mit ihm haben möchte. so hat er einfach so für mich entschieden, was mich sehr verletzt hat.

    ich kann seine seite durchaus auch nachvollziehen. er sagte mir, er hatte grosse angst, mich deswegen zu verlieren. zudem wollte er mich nicht belasten, weil er weiss, dass ich unter einer angst- und panikstörung leide. aber ich bin ehrlich, das vertrauen hat da schon einen erheblichen knick erhalten. so sind im moment meine gefühle.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Dezember 2020
  8. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Kannst Du den Block bitte etwas auseinander nehmen? Danke.
     
  9. tim2705

    tim2705 Neues Mitglied

    Mich würde mal interessieren, wie das sein kann?

    da du ja schreibst

    Wie kann bei einem HIV+ der Test negativ ausfallen? Es gibt doch kein falsch-negativ
     
  10. Patricia

    Patricia Neues Mitglied

    mir wurde gesagt, das medikament drückt die virenlast runter und darum istHIV im blut oder anderen körperflüssigkeiten nicht mehr nachweisbar, resp. unter einer gewissen grenze.
     
  11. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Das ist falsch. Der Test detektiert Antikörper – und die sind immer nachweisbar, egal wie niedrig die Viruslast ist. Dass die Viruslast unter die Nachweisgrenze geht, ist wiederum richtig. Trotzdem ist ein Infektion immer erkennbar.
    Zweimal nein. Wenn Du ehrlich bist, hättest Du nichts »in Ruhe« gemacht und auch nicht für oder gegen ungeschützten Sex entschieden. Du hättest geblockt – was verständlich ist. Aber mach Dir bitte nichts vor.

    Und er hat das auch nicht »für Dich« entschieden. Er hat etwas gewusst, was Du nicht wusstest und ist verantwortungsvoll damit umgegangen. Das ist tatsächlich die Realität, die man nur sehr schwer anerkennen kann (oder will). Und er hat jedes Recht der Welt dazu.

    Hast Du eigentlich ohne sein Wissen mit dem Arzt telefoniert? Ich hoffe nicht. Das wäre nämlich für mich ein Grund zur Trennung … sowohl von Dir wegen mangelndem Vertrauen und Eingriffs in die Privatsphäre wie auch vom Arzt wegen Bruchs der Schweigepflicht. Da bin ich ganz radikal. So etwas geht gar nicht. Beides.
     
  12. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Das muss kein aktueller oder auch kein eigener Test gewesen sein. Und das ist, wasHIV betrifft, auch völlig egal. Niemand ist verpflichtet, seinen Status bekanntzugeben. Und die regelmäßige Kontrolle wie auch die regelmäßige Einnahme der Tabletten zeigt den verantwortungsvollen Umgang mit der Infektion, die dadurch niemanden mehr gefährdet … weder ihn selbst noch andere.

    Ich kann durchaus verstehen, dass da manche Leute ihre Probleme mit haben … aber deshalb anderen Leuten andere Probleme (persönlich, körperlich oder psychisch) zu bereiten, löst weder das eine noch das andere Problem.

    Wir (bzw. Ihr) sollten mal runterkommen von der Einstellung, dass HIV-positive Menschen eine Bringschuld hätten. Die existiert grundsätzlich nicht … aber die Forderung danach zeigt, wie rückständig die Gesellschaft mit dem medizinischen Fortschritt immer noch umgeht. Solange man nicht selbst betroffen ist, kann man alles sagen, was man will … die tatsächliche Einstellung zeigt sich erst, wenn der Fall im näheren Umfeld auftritt. Das ist nicht nur bei HIV so, das gilt z. B. auch für die aktuelle Virusgeschichte.
     
  13. Patricia

    Patricia Neues Mitglied

    @matthias: aber warum stand denn auf dem test "negativ"? sorry, ich verstehe jetzt grad gar nichts mehr... ich hab den test doch gesehen.

    wie gesagt, das sind im moment meine gefühle... aber es ist für mich schon mal hilfreich, die sichtweise aus der anderen perspektive zu lesen... wenn auch ich mich noch nicht sortiert habe.

    er hat den arzt angerufen und ihm gesagt, er dürfe mir über alles auskunft geben. ich kann ihn auch zu seinem nächsten termin begleiten.
     
  14. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Siehe oben. Es kann ein anderer, ein gefälschter oder was auch immer Test gewesen sein. Das ist auch völlig egal, weil er das darf.
    DAS wollte ich lesen :) … und ich empfehle Dir auch die Begleitung.

    1. verständlich
    2. wichtig
    3. das dauert etwas, aber es wird klappen

    Es mag etwas kalt und hart klingen: Die Welt, die gerade für Dich zusammengebrochen scheint, ist für ihn schon mit dem Testergebnis zusammengebrochen, und drohte ein weiteres Mal zusammenzubrechen, wenn er es Dir sagen würde. Und wie recht er mit seiner Vorahnung hatte, zeigt sich ja jetzt. Im Wettbewerb des »Weltzusammenbrechens« führt er also mit 2:1.
     
  15. tim2705

    tim2705 Neues Mitglied

    Moralisch stimme ich dir da voll und ganz zu. Aber in einer Partnerschaft sollte man schon offen und ehrlich sein. Ich kann beide Seiten verstehen. Vermutlich war er aber einfach noch nicht soweit um mit Ihr darüber reden zu können.

    Mich hat eher das wissenschaftliche interessiert.
     
  16. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nicht nur vermutlich.
    Da war nix Wissenschaftliches im Spiel … ;)
     
  17. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    @Patricia – wundere Dich nicht. Ich habe Dein Thema umbenannt und in »Leben mitHIV« verschoben, da wir über die Vorstellung schon weit hinaus sind. Hier ist es richtig aufgehoben, da ja auch die Partner:innen, wenn auch indirekt, mit HIV leben (müssen).
     
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  18. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

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  19. Patricia

    Patricia Neues Mitglied

    deine sehr klaren und direkten worte öffnen mir nach und nach die augen... vor allem, dass ich durch mein verhalten seine angst, mich zu verlieren, verstärkt habe. das war mir so gar nicht wirklich bewusst, da ich nur mit mir alleine und der angst vor einer ansteckung beschäftigt war:(
     
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  20. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Wenn es einPCR Test war, kann negativ drauf gestanden haben, weil die Viruslast unter Nachweisgrenze ist
    Bei einem Antikörpertest wäre definitiv positiv drauf gestanden.
     
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