Mein Partner ist HIV positiv

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Exception, 1. Februar 2013.

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  1. Exception

    Exception Neues Mitglied

    Hallo liebe Community,

    aller Anfang ist schwer und ich denke es könnte mir helfen, ein paar Dinge die mich mehr als belasten von der Seele zu schreiben.

    Ich bin homosexuell und habe im Dezember jemand kennen gelernt. Eine ganz normale kennenlernphase in der beide Ihre Zuneigung füreinander entdecken. Beim Geschlechtsverkehr haben wir natürlich von anfang an verhütet. Als wir eines Abends betrunken von einer Party kamen haben wir nicht so recht aufgepasst und das Kondom ist gerissen. Glücklicherweise ist es uns aufgefallen bevor er in mir drin gekommen ist. Dummerweise habe ich dann doch trotz aller Vorsicht und in der Hitze des Gefechts geschluckt als er in meinem Mund ejakulierte.

    Mein Test war lediglich ein paar Wochen her, als negativ gewertet worden und er war der Erste mit dem ich seit dem Testergebnis Sex hatte. Ich hielt es also für das Einfachste wenn er einen Test machen würde, nur um sicher zu gehen.

    Unglücklicherweise stellte sich der Test als Positiv heraus. Natürlich hat uns das ganz schön den Boden unter den Füßen weg gezogen. Natürlich mache ich mir große Sorgen mich infiziert zu haben aber in erster Linie möchte ich für ihn da sein.

    Das ganze ist nun 5 Wochen her und es gibt gute und wirklich sehr schlechte Tage. Ich habe mich sehr intensiv in das Thema eingelesen und möchte ihm auch das größtmögliche Gefühl von "Normalität" geben und haben auch ab und an auch noch Sex. Ich habe manchmal das gefühl das er sich zu wenig mit dem Thema auseinander setzt. Das soll nicht heißen, dass ihm meine Sicherheit nicht wichtig wäre. Er weiß nicht einmal ob er mit mir zusammen bleiben will wenn ich negativ sein sollte weil er wirklich große Angst hat mich an zu stecken.

    Ich weiß nicht was ich tun soll. Auf den Sex verzichten bis meine Ergebnisse da sind und er mit der Therapie beginnt? Ich will ihm nicht vor den Kopf stoßen oder das Gefühl geben abgelehnt zu werden. Ich habe das Gefühl das ich sehr viel organisiere und mir sehr viel Wissen aneigne und er das ganze von sich weg drückt. Es ist verständlich, weil er zur Zeit Klausuren schreibt. Aber ich würde gerne mit ihm Selbsthilfegruppen besuchen, vielleicht auch bei Arztbesuchen dabei sein auch um mich selbst sicherer zu fühlen weil ich manchmal wenn ich alleine bin, Nachts mit einer panischen Angst wach werde. Ich bewundere seine Stärke und fühle mich so schwach zur Zeit. Ich bin mir im klaren darüber das es zu diesem Thema kein Patentrezept gibt. Wie sind eure Erfahrungen, gibt es hier User die vielleicht selbst (noch) negativ sind und einenHIV positiven Partner haben?

    Ich bedanke mich jedenfalls im Voraus, sollte es sich jemand antun diesen Text zu lesen und mir vielleicht einen Rat zu geben.
     
  2. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Guten Abend,

    natürlich wird Dein Text gelesen. Als erstes möchte ich Dir aber ein dickes Lob aussprechen, denn Du hast einen Satz geschrieben, den ich sehr gut finde - der Rest des Textes ist aber auch gut, nur dieser Satz sticht eben hervor.
    Diesen Satz meine ich.

    Natürlich gibt es kein Patentrezept. Ich lebe mit einemHIV-Negativen Menschen zusammen und er verhält sich mir gegenüber ganz normal.

    Dir wird es sicher helfen, wenn Du Selbsthilfegruppen besuchst und Dir wird sicherlich auch helfen, wenn Du zu den Arztbesuchen mitgehst. Auf Sex musst Du nicht verzichten. Inwieweit es zu einer Infektion kommen kann, ich denke das weißt Du. :wink:

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft und Euch beiden natürlich alles erdenklich Gute. Wenn Du weitere Fragen hast, einfach schreiben.

    LG
    Chris
     
  3. Exception

    Exception Neues Mitglied

    Ich danke dir wirklich und es beruhigt mich, endlich eine Antwort zu erhalten. Wir sind beide wirklich überfordert. Zu allem Überfluss ist natürlich vor ein paar Tagen ein Kondom gerissen.

    Glücklicherweise haben wir direkt in einer Klinik, 4 Stunden nach dem Vorfall, eine PEP Medikation auftreiben können. Nehme die Tabletten nun seit 4 Tagen und die Nebenwirkungen halten sich in Grenzen.

    Allerdings habe ich natürlich panische Angst mich infiziert zu haben. Ich war bei seinem Termin dabei um seine aktuellen Werte zu bestimmen. Die Ergebnisse kommen nächste Woche, doch er weiß nicht ob er mit den Medikamenten anfangen soll weil sein Körper bisher sehr gut selbst damit Fertig wird.

    Wenn ich das ganze nochmal mit einem blauen Auge überstehen sollte habe ich natürlich Angst das so etwas nochmal passiert und mir wäre wesentlich wohler wenn er die Therapie beginnen würde. Sicher kling das egoistisch weil ich mein Ansteckungsrisiko senken möchte. Aber ich bin immer mehr ein psychisches Wrack und ihm geht es mit dieser Angst auch nicht viel besser. Ich bete erstmal das meine Tests die nächsten Monate negativ ausfallen und danach werden wir weiter sehen.
     
  4. Exception

    Exception Neues Mitglied

    Mir ist klar, dass wir uns zusätzlich besser um das Thema Safersex informieren sollten. Welches Gleitgel bzw. welche Kondome. Finde es schon sehr erschreckend das nun schon das zweite mal so etwas passiert. Zumal ich als aufnehmender Part ein entsprechend höheres Risiko habe.

    Ich verstehe nicht wie das passieren konnte. Ich vermute, dass wir ein falsches Gleitgel benutzen und nicht darauf achteten das es auch Latexverträglich ist.
     
  5. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Guten Morgen,

    wann er mit den Medikamenten anfangen sollte, das vermag ich nicht zu sagen, denn da hat der Arzt noch ein Wörtchen mitzureden :)

    Allerdings wird der Arzt mehrere mögliche Kombinationen anbieten und er sollte sich auf eine festlegen, die seinen Tagesrhythmus nicht sonderlich stört. Ich selber nehme Truvada und Isentress und vertrage diese seit März 2010 sehr gut.

    Ein gerissenes Kondom ist nie gut. Da Dein Freund noch nicht unter Medikamenten steht, ist das Risiko natürlich weit höher, daher ist diese PeP eine gute Entscheidung gewesen.

    Das Ihr beiden im Moment noch überfordert seit, das ist klar. Aber auch das wird sich bald legen und Euer Alltag bekommt dann wieder eine gewisse Routine. Bei mir und meinem Freund war das am Anfang nicht anders, aber nach 2 Monaten waren da alle Probleme und Fragen beseitigt und der Alltag kam wieder zurück.

    In diesem Sinne, liebe Grüße

    Chris
     
  6. Flag The Clock

    Flag The Clock Neues Mitglied

    Ich kenne mich mit den konkreten medizinischen Details nicht aus, deswegen kann ich dazu nicht mehr sagen als die, die hier schon gepostet haben. Aber ich möchte etwas dazu sagen, dass Dein Freund sich nicht mit dem Thema beschäftigt. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das so übermäßig was mit seinen Klausuren zu tun hat. Ich denke, er hat einfach Angst vor der Konfrontation, was ja auch völlig verständlich ist. Auch trotz Medikation ist das immer noch ein großer Brocken, den man verdauen muss. Und da Du dich ja viel mit dem Thema auseinander setzt und ihm damit ja auch helfen willst, denke ich, dass es gut ist, wenn Du einfach die Rolle übernimmst, ihn damit zu konfrontieren. Das hört sich jetzt erst mal sehr funktional an und man könnte auch fürchten, dass er davon angepisst ist. Aber man kann das ja so oder so machen. Und erst recht, wenn er Deine Sorge und Deine Anteilnahme spürt, kann er Dir da eigentlich nicht böse sein. Das mit den Selbsthilfegruppen finde ich auch eine gute Idee, aber das klingt eher nach Schritt 2. Schritt 1 wäre erst einmal, dass er seine Situation wirklich erkennt und deren Konsequenzen kennen und akzeptieren lernt. Denn einfach gar nichts zu unternehmen kann nicht die richtige Lösung sein.
    Das alles hier ist allerdings meine persönliche Meinung, falls Du denkst, ein solcher Ansatz würde nicht ziehen - Du kennst Dich und Deinen Freund sicherlich besser als ich.
     
  7. Exception

    Exception Neues Mitglied

    Vielen Dank für eure Antworten, eure Tipps und eure Anteilnahme! Ich bin der Meinung, dass wir das psychisch erstmal verdauen müssen und momentan leide ich unter extrem psychischem Druck, selbst positiv zu sein. Ich habe ihn gebeten, das wir erstmal auf den Sex verzichten bis ich meine Gewissheit habe noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein und dann warten wir den Rat seines Arztes ob und wann mit der Medikation begonnen werden kann. Ich hoffe das meine Entscheidung uns nicht entzweit, aber ich leide zur Zeit unter Todesängsten und wüsste selbst nicht wie es weiter geht wenn ich mich auch infiziert habe.

    Danke nochmal euch allen für euer Feedback!
     
  8. Flag The Clock

    Flag The Clock Neues Mitglied

    Ich finde, das hört sich sehr vernünftig an, auch wenn es hart klingt - aber die situation erfordert das auch. Ich wünsche Dir bzw. euch noch viel Glück und alles Gute!
     
  9. galaxy2013

    galaxy2013 Neues Mitglied

    Ich finde es super, wie du mit dem Thema umgehst!
    Bin selber Homosexuell....

    Ich denke bei so einer Diagnose beginnen die meisten mit dem Schubladen denken "typisch schwul"

    es wird also schwerer jemanden zu finden.....


    euch aufjedenfall weiterhin viel Erfolg!
     
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