Mein Bruder ist HIV-Positiv

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Bonny90, 21. Dezember 2012.

Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Bonny90

    Bonny90 Neues Mitglied

    Nachdem ich jetzt schon einige Nächte nicht mehr richtig schlafen kann, da mir wer weiß was alles durch den Kopf geht, habe ich mir gedacht, ich setzte mich mal vor den PC und schreibe hier ein paar Zeilen nieder.

    Vielleicht kann mir ja jemand der auch betroffen ist einige gute Ratschläge und Denkanstöße mit auf den Weg geben.

    Nun zu meiner Geschichte.

    In dieser Geschichte geht es um mich und meinen Bruder.

    vor ca. 20 Jahren habe ich erfahren, dass mein Bruder Homosexuell ist. Ich muss zugeben, dass ich damit schon meine Probleme hatte. Nicht weil ich spießig bin (vielleicht bin ich das ja ein wenig), nein, ich weiß nicht, ich wollte es irgendwie nicht wahrhaben. Es war für mich nicht "normal" und ich wollte doch immer, das mein Leben und mein Umfeld "normal" laufen. (klingt doch spießig). Nach der Zeit konnte ich gut damit umgehen. Mein Bruder und ich hatten wieder ein sehr gutes Verhältnis und ich habe auch ab und an einen Freund von ihm kennen und mögen gelernt.
    Mein Bruder wurde dann auch der Patenonkel meiner 1. Tochter. Wir hatten viel Kontakt...er wohnt ca. 120 km von uns weg in einer Großstadt...wir wohnen in einem kleinen "Bauernkaff". Aber egal.

    In den letzten Jahren hat sich dann aber irgendwie etwas verändert. Der Kontakt ließ merklich nach. Mein Bruder hatte wenig Zeit für uns als seine Familie. Er zieht sich immer mehr zurück und lebt sein eigenes Leben. Wenn man ihn einlädt zu Geburtstagen, Taufen oder ähnliches hat er nie Zeit zu kommen. Auch meine Tochter, die mitlerweile 16 Jahre alt ist, ist nicht mehr gut auf ihn zu sprechen, da er auch mehrfach ihren Geburtstag vergessen hat oder Versprechen nicht einhält. Nachdem wir vor ca. 2 1/2 Jahren einen großen Streit hatten, meldet er sich kaum noch bei mir. Wenn dann nur zum Geburtstag oder wenn er etwas braucht. Und dann ist das Gespräch eher sachlich und kühl zwischen uns. Der Bezug zu ihm ist kaum noch da. Ehrlich gesagt, wenn ich ihn jetzt anrufen würde, ich wüsste nicht, was ich mit ihm reden sollte. Das allein ist schon schlimm, denn er war ja doch immer mein kleiner Bruder und jetzt ist so eine riesige Distanz zwischen uns.

    Und dann kam der Hammer. Als ich vor ein paar Tagen bei meiner Mutti zum Kaffee war, meinte sie, sie müsse mir noch was sehr wichtiges sagen. Sie trage es jetzt schon fast 2 Jahre mit sich rum und es schmerzt ihr in der Seele, dass es etwas gibt, von dem ich nichts wüsste.
    Und dann hat sie mir das einfach so auf den Tisch geknallt. Hat nur zu mir gesagt, ich zitiere, "dein Bruder hat Aids.....er war immer so müde und hat sich beim Arzt mal gründlich durchchecken lassen, dabei haben sie es festgestellt. Er meine, er hätte sich wohl bei seinem früheren Freund vor 4 Jahren angesteckt. Er hätte aber nichts bemerkt bis dahin.

    Ich habe gar nicht reagiert...ich habe auch in diesem Moment nichts gefühlt. 2 Jahre- und ich wusste nichts. Meine Mutter sagte, sie wollte mich nur schonen, da ich ja zu der Zeit eine Fehlgeburt hatte und es mir sehr schlecht ging. Ich dann ja wieder schwanger war und mich da sehr schonen musste. Ja, uns so verging die Zeit....
    Sie hat mir dann noch erzählt, dass er eben vor ein paar Tagen angerufen habe und ihr erzählt hätte, das er ab jetzt täglich eine Tablette nehmen müsse. Er habe Probleme mit den Zähnen gehabt und da meinte seine Ärztin, er muss diese Tabletten nehmen und wenn er jetzt damit anfängt die Tabletten zu nehmen, müsse er dies für immer tun.Habe ein totales Gefühlschaos. Mal bin ich total verzweifelt und traurig, dann aber wieder wütend und frage mich wie das passieren konnte...warum hat er nicht aufgepasst, warum hat er sich nicht geschützt. Dann kommt wieder eine Angst..wie fühlt er sich jetzt. Ist er "nur"HIV+, oder wie meine Mutter sagte hat er AIDS? Ich weiß nicht, wie weit sich meine Ma da auskennt...ich weiß nur durch lesen, das es da ja doch einen Unterschied gibt.
    Ich kann doch jetzt nicht einfach bei meinem Bruder anrufen und sagen - he, ich weiß es jetzt auch. Wie siehts aus.

    Ich weiß nicht was ich damit anfangen soll. Ich weiß nicht genau was ich fühle oder denke. Ich habe sehr viel Angst. Was ist mit meinen Kindern, wenn er zu Besuch kommt, können wir uns anstecken. Auf was müssen wir achten. Was ist mit ihm...wird er jetzt sterben? Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten werde, vor dem ersten Treffen habe ich Angst. Was sage ich - er ist mir so fremd - und wird mir immer fremder. Ich weiß eigentlich gar nichts. Mir schwirrt nur der Kopf. Hat er sich deshalb so von mir entfernt. ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Nicht wie ich mich verhalten soll.

    Hat jemand einen Ratschlag für mich?
     
  2. keldan

    keldan Neues Mitglied

    Rede einfach mit ihm.
    Ruf ihn an, frag ihn ob er Zeit für dich hat, und ob ihr beide euch nicht auf ein Kaffee treffen wollt, da du mit ihm einiges zu klären hast.

    Ich verstehe es total, wie es ihn geht. Ich bin in der umgekehrten ähnlichen Situation.
    Ich binhiv+, habe auch eine Schwester mit Kinder, und als ich es ihr erzählte, hat sie auch das weinen angefangen. Sie hat mich gedrückt und gemeint, das es ihr so weh tut.
    Sie hat selbst immer damit gehadert das ich schwul bin. Aber seit diesem Moment, als ich es ihr erzählte, ist sie ganz anders zu mir. Sie fragt immer ob ich meine Tabletten nehme, ob es mir gut geht, und was der Arzt zu meinen Werten sagt.
    Sie und ihr Lebensgefährte haben totale Angst, weil ich jetzt ganz alleine viel weiter weg ziehe.

    Es tut aber sehr gut, das sie jetzt versteht wie es mir geht.
    Ich denke mal, deinen Bruder wird es auch so gehen! Wenn er merkt das seine Familie trotz alledem zu ihm stehen.

    Und anstecken könnt ihr euch gar nicht, es seit denn ihr habt Flüssigkeitsaustauch in Form von Sex (was ich ja nicht hoffe^^) oder Bluttransfusion .... also keine Bange....
     
  3. Bonny90

    Bonny90 Neues Mitglied

    Danke

    Vielen Dank für Deine Zeilen.
    Mit jedem Tag werden meine Gedanken etwas klarer.
    Was Du schreibst , beschreibt genau meine momentanen Gedanken.

    Ich denke immer, wie werden wohl seine Werte sein, nimmt er die Tabletten, die er nehmen muß auch wirklich regelmäßig. Hat er einen Schwerpunktarzt.....als ob ich eher eine Beschützerrolle einnehmen würde.

    Anrufen kann ich ihn glaub ich noch nicht. So weit bin ich noch nicht. Aber ich möchte ihm einen Brief schreiben. Das ich ihm zeigen kann, das ich in Gedanken ganz feste bei ihm bin, und es mir unendlich leid für ihn tut..auch wenn ich momentan noch nicht direkt mit ihm darüber reden kann.
    Ich hoffe ganz fest, er versteht meine Situation und meine Angst und Unwissenheit.

    LG Nicole
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Re: Danke

    Um Gottes Willen!

    Du hast ihn nicht »beschützt«, als er sich geoutet hat ... da hätte er es brauchen können. Wenn Du jetzt wegen einer Krankheit - und mehr als eine chronische Krankheit istHIV nicht mehr - glaubst, auf ihn zugehen zu müssen, ist das Falschheit pur.

    Du musst auf deinen Bruder zugehen - wenn Du es willst - egal, ob er krank ict oder nicht. Die Viren sind da - sorry - scheißegal.
     
  5. Bonny90

    Bonny90 Neues Mitglied

    @matthias

    Das Du mich hier so abkanzelst, hätte ich nicht gedacht.

    Ich sitze hier mit Tränen vorm PC und fühle mich so missverstanden von Dir.


    ich habe hier meine Geschichte niedergeschrieben und wenn ich alle Einzelheiten hinzugefügt hätte, wäre dieser Text wohl doppelt so lange geworden.
    Ich weiß nicht, wie Du darauf kommst, das ich meinen Bruder als er sich geoutet hat nicht beschützt hätte.
    Sicherlich ja ich gebe zu, meine 1. Sätze und Gefühle waren nicht die wie:" He, ja, Du bis schwul - super - toll - warum hast du das nicht eher gesagt...oder so ähnlich.
    Als ich es erfahren habe, war ich grade mal 19 Jahre alt. In einer schlimmen Verfassung nach einer sehr schlechten Beziehung und noch sehr labil. Was vielleicht mein Satz in meiner Geschichte bedeutet, wenn ich schrieb, dass ich eigentlich wollte, das mein Leben mal normal verläuft. und dann kam eben dieses Thema auch noch dazu-
    Kleinkaffmäßig eben...
    Es war aber nicht so, dass ich meinen Bruder links liegen ließ. Ich war zu der Zeit dann sehr viel bei ihm in München. Wir haben miteinander Party gemacht, er hatte einen Freund, den ich auch sehr mochte und ich habe ihn aufgefangen, als diese Beziehung in die Brüche ging. Habe ihn gestärkt, als er in der Arbeit wegen seiner Neigung gemobbt wurde.
    habe ihn darin bestärkt sich zu outen bei unseren Eltern.
    Ich hatte nie das Gefühl, ich hätte ihn im Stich gelassen.
    Mit 25 habe ich dann eine Tochter bekommen, und hätte ich seine "Neigung" nicht akzeptiert, dann hätte ich ihn nicht als Patenonkel ausgewählt. Meine Tochter war auch sehr oft bei ihm in München zu Besuch, wir haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Uns alles erzählt.

    Dadurch verstehe ich Deinen krassen Vorwurf nicht.

    Irgendwann hat sich alles verändert. Bei meinen Besuchen habe ich immer mehr gemerkt, dass ich irgendwie nicht "dazu gehöre". Mein Bruder führt ein komplett anderes Leben als ich. Wir hatten immer weniger gemeinsam. Mit seinen Bekannten kam ich auch nicht mehr so recht klar. Natürlich dar ich auch nicht leugnen, dass auch ich mich sicherlich verändert habe. Ich war ja nun verheiratet und hatte Kinder und lebte in "Kleinkaff". Mit der Großstadt kam ich noch nie klar.

    Auch wurden seine Besuche immer weniger. Auch hat er meine Eltern immer seltener Besucht. Meine Ma hat dann mich immer gefragt, ob ich wüsste, was los sei und ob er wieder einen Freund hätte usw.
    Mein Bruder macht Tavestie-Shows. Und investiert darin natürlich sehr viel Zeit und Kraft. Ich habe mir diese Shows auch oft angesehen, aber dadurch hatte mein Bruder noch weniger Zeit und Gedanken für uns.
    Ich möchte aber auch nicht, dass sich aus meinen Zeilen liest, dass ich meinem Bruder an dieser Klufft die Schuld gebe. Nein. Ich bin die Ältere und hätte da mehr investieren müssen...eher hinterfragen was los ist.

    Natürlich war ich in letzter Zeit nicht gut auf ihn zu sprechen, da er sich einfach die Zeit nicht genommen hat. Wenn ich ihn angerufen habe, war entweder der Zeitpunkt schlecht oder er hatte irgendwie so keine Zeit. Irgendwann habe ich dann auch nicht mehr so oft angerufen und dann war eben totale Funkstille.
    Es hat mir furchtbar leid getan, aber ich konnte dann auch nicht aus meiner Haut. Wie so was eben läuft. Hast Du für mich keine Zeit, dann habe ich für dich auch keine mehr. Ich wusste nichts von der Infizierung, ich habe noch nicht mal was geahnt.
    Ich liebe meinen Bruder sehr und es schmerzt mich total, dass er dies in seinem Leben ertragen muss. Wir haben jetzt seit guten 2 Jahren gar nichts voneinander gehört.
    Und natürlich habe ich Angst, bin total unwissend, möchte nichts falsch machen. Und habe auch schlechte wie gute Gedanken, wie auch sehr viele hier.
    Ich habe doch nur Angst was falsch zu machen. Und das ich durch meine Unwissenheit nicht weiß wie ich mich verhalten soll.
    Ich liebe meinen Bruder sehr und mache mir Vorwürfe, dass ich daran die Schuld tragen könnte. Wenn unser Kontakt nicht abgebrochen wäre, hätte ich ihm wie früher immer wieder sagen können, das er sich gut schützen soll, das er auf sich aufpassen soll...
    und jetzt ist erHIV+ und ich habe keine Ahnung und Angst...und natürlich mache ich mir Gedanken um meine Familie - aber ich dachte eben, hier bin ich mit meinem Durcheinander, mit meiner Unsicherheit der Krankheit - entschuldigung - der Infizierung gegenüber , dem Verhalten gegenüber meinem Bruder nach 2 Jahren Funkstille - ja, ich dachte, hier bist Du richtig.
    Danke für die Hilfe
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ich glaube, DU hast nicht verstanden, worum es geht.

    In Deinem Posting machst Du Deinem Bruder Vorwürfe, dass er sich verändert habe, was dazu geführt hat, dass Euer Kontakt abgebrochen ist. Nun hast Du von seiner Infektion erfahren und bist plötzlich besoffen vor Familiensinn.

    Was ich gesagt habe: DU musst auf Deinen Bruder zugehen, wenn er Dir wirklich etwas bedeutet. Dabei ist es völlig egal, ob er krank ist oder nicht. Und »beschützen«, wie Du schreibst, musst Du ihn auch nicht. Das kannst Du auch nicht. Du bist schon mit seiner Homosexualität zu Beginn umgegangen, als sei sie »nicht normal«. Nicht die Homosexualität ist nicht normal, sondern der Umgang der anderen damit.

    HIV-infizierte Menschen brauchen keinen Schutz - sie brauchen Verlässlichkeit. Die hat er bei Dir in den letzten Jahren ja nicht gefunden. Warum sollte er sie nun suchen? Überdenke erst einmal Dein Verhältnis zu Deinem Bruder und wo Du vielleicht Fehler gemacht hast ... und fang endlich an, Dich für Deinen Bruder - SO WIE ER IST - zu interessieren. Die Infektion ist untrennbar mit ihm verbunden - und so lange Du den Kranken in ihm siehst, Dich aber für den Menschen nicht interessiert, ist Deine Trauer nicht echt.

    Übrigens kanzele ich Dich nicht ab. Ich will Dir nur helfen zu verstehen. Es kommt aber auf Dich an, ob Du verstehen WILLST oder nicht.
     
  7. Bonny90

    Bonny90 Neues Mitglied

  8. realist

    realist Mitglied

    hi nicole,
    das ist natürlich ein sehr persönliches thema. ich weiis ja nicht, was vor 2,5 jahren zwischen euch vorgefallen ist. ich weiss auch nicht, wie dein bruder so emotional gestrickt ist.
    um mal auf der sachlichen ebene zu bleiben, du musst wegen der infektion keine berührungsängste mit deinem bruder haben. vielleicht isthiv ja auch eine neue chance, eure differenzen beizulegen und einen neuanfang zu starten. einen brief zu schreiben ist sicher ein anfang, aber ganz ehrlich, mich würde das anstelle deines bruders eher befremden. nimm dir ein herz, und ruf ihn doch an, besser noch, besuch ihn. solchen situationen stellt man sich nach meiner erfahrung besser.
    die infektion kann nicht ungeschehen gemacht werden, sie ist jetzt bestandteil im leben deines bruders. gut wäre, wenn du dich gut über das thema informierst und auch damit zum ausdruck bringst, dass du dich für das leben deines bruders interessierst. mathias hat schon auch recht, es geht um deinen bruder, nicht darum, dass er schwul ist oder positiv.
    ich wünsche dir die erforderliche empathie.

    lg realist
     
  9. Bonny90

    Bonny90 Neues Mitglied

    @ matthias
    ich weiß nicht, es ist sehr befremdend und erschreckend, wie hier geschrieben wird.

    Ja, ich habe es gelesen und darüber nachgedacht.
    Und doch, ich verstehe es, was Du meinst
    Ich gebe Dir in dem Punkt Recht, wenn Du sagst, die Krankheit meines Bruders soll nicht der Anlaß sein, den Kontakt wieder aufzunehmen.

    Und das mir das so vorgehalten wird, dass ich jetzt wo er krank ist besoffen bin vor Familiensinn kränkt mich sehr.

    Eine falsche Reaktion, die ich im Alter von 19 Jahren gemacht habe, vielleicht auf Grund meiner Erziehung. Wir sind in einem Bauernkaff aufgewachsen und ziemlich spießig erzogen worden.
    So wie es für mich immer hieß von meinem Vater: erst Freund, dann Haus bauen, dann heiraten und ins Haus ziehen und dann erst Sex haben.

    Soll keine Entschuldigung sein, aber eine kleine Erklärung dafür, das man im Leben nicht immer, wie es sich leider immer erst später rausstellt, richtig reagiert, sondern wohl eher so, wie es einem Vorgelebt wird. Oder nicht?
    Aber das heißt doch nicht für mich, dass ich meinen Bruder nicht liebe und annehme und akzeptiere wie er ist. Ich habe damals rotz und wasser geheult als er nach München gezogen ist. Weil wir uns auch so gut verstanden haben und er ja auch der Patenonkel meiner Tochter ist. Aber ich habe ihm dass doch nicht vorgeworfen. Ich habe es insoweit akzeptiert, dass ich meinte, er fühlt sich wohl in der Großstadt wohler. Grob gesagt, es gibt wohl in der Großstadt mehr Schwule als in einem Kaff mit 10 Häusern. Wo man ja schon schief angeguckt wird, wenn man eine schiefe Nase hat.
    Aber so bin ich nun mal aufgewachsen und erst mit dem Alter bin natürlich ich auch offener und klüger dem Gegenüber geworden.
    Aber das mir dies hier vorgehalten wird, verstehe ich nicht.
    Natürlich habe ich auch immer wieder versucht den Kontakt zu halten, aber irgendwie wollte es mir nicht gelingen.

    Aber ich glaube nicht, dass sich mein Bruder von mir abgewendet hat, weil er sich nicht akzeptiert fühlt und weil er schwul ist.
    der Streit vor 2,5 Jahren hatte mit meinen Eltern zu tun. Und mein Bruder hat sich da ziemlich rausgehalten und ich hier hab das dann alles abbekommen. Und da haben wir uns zeimlich in die Haare gekriegt.

    Ich glaube aber, jede erklärung von mir ist egal. Ich bin schon in eine Schublade gesteckt...
    trotzdem habe ich viele Denkanstöße von Euch bekommen..
    Ich habe hier wohl nur nicht erwartet, dass ich persönlich angegriffen werde. Und wenn ich mir um die Krankheit keine Sorgen machen brauche und auch keine Angst haben muss um meinen Bruder, frage ich mich, warum gibt es dann hier dieses Forum?
     
  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Bonny,

    ich habe Dich nicht persönlich angegriffen bzw. angreifen wollen. Aber ich erlebe in den mittlerweile 20 Jahren, die ich positiv bin, immer noch und immer wieder Reaktionen, die mich an Ernsthaftigkeit der Menschen zweifeln lässt. Da gab es jahre/jahrzehntelang keinen Kontakt - und nur wegen einer wie auch immer gearteten Krankheit machen sich dann verloren gegangene Familiengefühle breit. Und wenn dann noch der »Beschützerinstinkt« ins Spiel kommt, dann kriege ich eine Krise.

    Wer positiv ist, ist krank, aber nicht tot. Er ist krank, aber nicht lebensunfähig. Er ist krank, aber nicht schutzlos ausgeliefert. Er ist krank, aber nicht doof.

    Ich hätte viel lieber von Dir gelesen, dass Dich das Wissen um die Infektion dazu gebracht hätte, auf Deinen Bruder zuzugehen. Stattdessen lese ich: »Ich kann doch jetzt nicht einfach bei meinem Bruder anrufen und sagen - he, ich weiß es jetzt auch. Wie siehts aus.« Natürlich kannst Du das ... und wenn Du ehrlich wissen willst, wie es bei ihm aussieht, dann machst Du das auch. Aber Du versteckst Dich hinter »Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten werde, vor dem ersten Treffen habe ich Angst. Was sage ich - er ist mir so fremd - und wird mir immer fremder. Ich weiß eigentlich gar nichts. Mir schwirrt nur der Kopf. Hat er sich deshalb so von mir entfernt. ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Nicht wie ich mich verhalten soll.« - d.h. Deine eigene Befindlichkeit steht im Vordergrund - dort, wo eigentlich Dein Bruder stehen sollte. Wenn ich lese, dass die Viren wichtiger sind als der Mensch selbst, dann reagiere ich so harsch. Vielleicht verstehst Du das.

    Und übrigens: Ich bin auch ein »kleiner Bruder«. Und ich habe auch nicht immer viel Zeit für die Familie gehabt. Aber meine Familie hat nie den Kontakt abgebrochen - und ich auch nicht. Wir haben uns gegenseitig den Raum gegeben, den wir brauchten. Aber wenn's drauf ankam, waren alle da.

    Und dass sich Menschen verändern, ist normal. Das Umfeld, die soziale Situation, der Beruf, die Interessen und Prioritäten bleiben nicht immer dieselben - und auch nicht immer die gleichen wie bei anderen Menschen. Man nennt das Entwicklung ... und ein Satz wie »Er zieht sich immer mehr zurück und lebt sein eigenes Leben« zeigt mir, dass er und Du sich voneinander weg entwickelt habt. Was ist den so schlimm daran, wenn er »sein eigenes Leben« führt? Das machst Du doch auch. Nur ... Du hast es so geschrieben, dass es wie ein Vorwurf klingt. Dabei ist das völlig normal.

    »Ehrlich gesagt, wenn ich ihn jetzt anrufen würde, ich wüsste nicht, was ich mit ihm reden sollte.« Zum Beispiel genau das. Damit er merkt, dass Du den Bezug wiederhaben willst. Weil er Dein Bruder ist.
     
  11. keldan

    keldan Neues Mitglied

    Ich muss den anderen einfach recht geben.

    Du solltest kein Brief schreiben, das macht es nicht besser, auch wenn deine Absichten vielleicht ehrlich sind. Ruf ihn einfach an! Gerade vor Weihnachten ist es doch viel schöner!
     
Die Seite wird geladen...
Status des Themas:
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
  1. Unser HIV Forum nutzt Cookies. Details zur Nutzung von Cookies auf unseren Seiten findest Du hier und unter "Weitere Informationen":

    Information ausblenden