Kein Vertrauen in N=N

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Pandine, 15. Juni 2021.

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  1. Pandine

    Pandine Neues Mitglied

    Hallo ihr lieben,

    kurz vorab alle „wichtigen Infos“ :D ich bin, hetero eine junge Frau ( 23 ) und seit 2 1/2 Jahren in Therapie und jetzt seit genau 2 Jahren unter der Nachweisgrenze :) als Medikament nehme ich Bictarvy.

    Immer wenn ich mich mit Leuten aus meinem Umfeld unterhalte versuche ich diese öfters überHIV aufzuklären. Ich erzähle nicht direkt das ich selbst positiv bin, sondern kläre die Menschen einfach auf. Manchmal ( Gott sei Dank aber echt selten ) Stoß ich immer wieder auf Personen die meinen das es doch unmöglich sei HIV positiv zu sein und das Virus nicht übertragen zu können, Stichwort n=n.

    Eigentlich stört mich diese Aussage nicht, seit dem ich aber einen Partner habe der von meiner Infektion weiß und mit dem ich Sex ohne Kondom habe, erwische ich mich selbst wie ich immer wieder an n=n Zweifel. Habt ihr Tipps wie ich es endlich akzeptieren kann das ich HIV nicht übertragen kann? Ich bin generell ein sehr skeptischer Mensch und in Hinsicht auf HIV bekommt mir das leider nicht so gut :D

    mein Partner wird jetzt schon bald operiert und ich gehe davon aus, sofern er es möchte, er vor der OP auch auf HIV getestet wird. Seitdem ich das weiß habe ich tatsächlich die Angst bekommen das ich ihn doch evtl angesteckt haben könnte.. ich möchte diese Gedanken echt nicht haben aber sie kommen einfach manchmal hoch :( zumal es für mich einfach nur eine unnötige Belastung ist.
    Ich nehme sehr konsequent meine Medikamente, aber ich weiß das ich zb einmal evtl ( ich kann es nicht zu 100% sagen ) meine Tablette vergessen hatte und wir danach Sex hatten... jetzt habe ich natürlich etwas Angst das dort was passiert sein könnte...

    Mit meinen Partner möchte ich nicht darüber sprechen, da ich ihn dadurch unnötig Sorgen bereite. Ich als HIV positive Person sollte der Therapie ja eigentlich vollständig vertrauen...

    Ich habe mich aufgrund dessen auch dazu entschlossen mir evtl. doch professionelle Hilfe zu suchen, sollte jemand also einen guten Psychologen in berlin kennen: immer her damit :D bis dahin habt ihr ja vielleicht Tipps für mich wie ich der Therapie mehr vertrauen schenke :)

    Lg
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nein – da ist nichts passiert. Die moderne ART ist »überlappend«, d. h. das einmalige Vergessen der Einnahme hat keinerlei Auswirkung. Ich habe sogar mal 10 Tage auf die Pllen verzichtet – nach Rücksprache mit dem Arzt – weil ich ins Ausland wollte, alsHIV noch ein Einreisehindernis war … und meine Werte hatten sich danach nicht mal einen Hauch verändert.

    Wir leben alle in der Situation, dass wir als kleines Häuflein Menschen, die sich regelmäßig untersuchen lassen und daher ihre Gesundheit sehr gut einschätzen können, gegen einen Mauer aus Vorurteilen und Unkenntnis ankommen müssen. Dass man dabei selbst in Zweifel gerät, kann dabei leider mal passieren. Ich finde die Idee mit der professionellen Hilfe gut, weil es so scheint, als hättest Du ganz versteckte Schuldgefühle. Die musst Du aber nicht haben, denn wenn Dein Partner von der Infektion weiß und sich auf ungeschützten Sex einlässt, ist das vorrangig seine Entscheidung.

    Allerdings lassen sich nicht so einfach alle Studien durch schlichte Zweifel wegdiskutieren: N = N. Punkt.

    Wegen des Psychologen: Frag Deinen SPA. Die haben ja auch ein ärztliches Netzwerk. Der ak aids berlin (Regionalverband der Schwerpunktärzte) z. B. hat auch Mitglieder in diesem Fachbereich: https://www.ak-aids-berlin.de/psychologie/ bzw. mit einer entsprechenden Zusatzausbildung: https://www.ak-aids-berlin.de/psychoanalyse-psychotherapie/
     
  3. Pandine

    Pandine Neues Mitglied


    Danke für deine Antwort Matthias :) ja ich habe leider extreme Ängste, da ich kurz nach meiner Infektion öffentlich geoutet wurde. Damals wurde mir unter anderen unterstellt ich würde bewusst ein Risiko in Kauf nehmen Menschen anzustecken ( dabei ist nie etwas passiert ... ) seitdem habe ich Angst das vielleicht doch mal etwas passiert und die Anschuldigungen wahr werden..

    Vielen Dank für den Link, ich werde dort mal stöbern. Ich wechsel ( aufgrund von Umzug ) meinen Schwerpunktarzt, hatte mir dann auch vorgenommen sie persönlich beim erst Gespräch nach einer Therapie Möglichkeit zu fragen. :)
     
  4. Pandine

    Pandine Neues Mitglied

    Achso eine Sache wollte ich los werden um vielleicht auch Menschen die frisch von ihrer Infektion erfahren Mut zumachen. Ich hatte mir eben meine Vorstellung durchgelesen das war im März 2019... und ich klang mehr als verzweifelt :D Ich lebe jetzt seit 2 1/2 Jahren mitHIV und abgesehen von der „ wie sage ich es wem und wie“ Problematik komme ich gut damit zurecht :). Auch wenn man sich nach der Diagnose kein normales Leben vorstellen kann, sobald die Therapie beginnt ( so war es zumindest bei mir ) wird es alles zum „Alltag“

    Seitdem ich positiv bin lebe ich auch viel bewusster ich weiß nicht weshalb aber ich mache viel mehr mit meinen Leben :)
     
    Lokilein gefällt das.
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Oh Gott … ja, das kann ich Dir nachfühlen … und irgendwie auch wieder nicht. Denn ich habe ja das (zweifelhafte) Glück, als schwuler Mann ohnehin grundsätzlich positiv zu sein (nach Volkes Meinung), da kann man ja kaum tiefer sinken. Für heterosexuelle Männer und besonders für Frauen ist der öffentliche Umgang mit einerHIV-Infektion noch einmal völlig anders. Da wünsche ich Dir viel Kraft!

    Übrigens bist Du nicht alleine. Ich habe durch mein Buch und meine Arbeit zum Thema HIV in den letzten 12 Jahren viele Menschen kennengelernt, u.a. auch eine Schweizer Aktivistin, die 1992 positiv getestet wurde und schon früh mit der ART begonnen hat. Sie hat 2002 und 2006 gesunde Kinder zur Welt gebracht, wird aber selbst heute noch iriitiert gefragt, wie sich sich das trauen könne, wo sie doch bald sterben müsse …

    Wenn Du da für Berlin ein paar Tipps brauchst, melde Dich einfach.

    Das ist eine völlig normale Reaktion. Ich habe auch erst einmal mein Adressbuch durchforstet und reduziert, weil ich keinen Ballast mehr mitschleppen wollte. Und ich habe – so komisch das (für viele Negative) klingen mag – viel mehr Spaß am Leben, weil ich weiß, wie leicht es bedroht werden kann. Da werden die Momente kostbarer …
     
  6. Pandine

    Pandine Neues Mitglied

    hallo Matthias,

    ich werde die Praxis an der Kulturbrauerei wählen, vielleicht kennst du sie ja :)

    um nochmal auf n = n zurückzukommen.. ich denke du kennst dich da rechtlich auch gut aus. Ich hätte nämlich vor ca einem Jahr ( war natürlich unter der Nachweisgrenze ) einen one night stand und wir hatten, Sex sowohl mit als ohne Kondom... ist natürlich nicht so dolle gibt ja noch andere STis. Rechtlich hätte ich da folgende Frage, ich habe ihn nichts von meiner Infektion mitgeteilt da ich bei einmaligen Sachen sowieso mit Kondom verhüte und ich ehrlich gesagt der Meinung bis das einmalige Geschichten nichts davon wissen müssen. Ob mit oder ohne HIV..
    Ich frage mich nur manchmal wie es rechtlich aussieht, wenn wir jetzt mal annehmen das er von Geschichten hört das HIV positiv bin er mich darauf anspricht. Bin ich verpflichtet ihm es mitzuteilen? Immerhin bestand keine Gefahr der Übertragung, und möchte ich auch kein „Fass“ aufmachen. Oder wie sieht’s es generell rechtlich aus? Ich gehe nicht davon aus das mein jetziger Partner jemals auf die Idee kommt mich anzuzeigen :D aber letztlich ist es ja nur meine Pflicht darauf zu achten das ich mein gegenüber schütze. Und das mache ich ja mit Kondom oder n=n?! Oder ist es völlig irrelevant und man geht direkt von einem straftbestand aus ?

    Liebe Grüße
     
  7. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Dein Gegenüber ist für sich selbst verantwortlich und somit auch für seinen Schutz !
    Ausserdem schützt Du ihn ja schon durch Deine Therapietreue.

    Generell gilt - Jeder volljährige und nicht entmündigte Mensch ist für sich selbst verantwortlich, auch für den Schutz der eigenen Gesundheit.

    Also lass diese Gedankengänge ganz schnell wieder nach.
     
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  8. Pandine

    Pandine Neues Mitglied


    Vielen Dank für deine Antwort. Zu Beginn meiner Infektion ( und als es gerade in diversen Kreisen erzählt wurde ), wurde mir immer wieder von Leuten an den Kopf gehalten man könne mich anzeigen. Dazu muss ich erwähnen das ich bevor ich unter die Nachweisgrenze kam nie Sex ohne Kondom hatte. Es ging viel mehr um den Punkt das ich meinem gegenüber die Infektion verschweige. Eine Anzeige kann aber doch eigentlich nur erfolgen wenn eine Infektion bewusst übertragen wurde? Es ist echt unglaublich das ist so viele banale Ängste habe nur, weil mir Menschen ( die sich nicht ansatzweise mitHIV auskennen ) Sachen eingeredet haben.

    Mein armer Partner den nerve ich auch die ganze Zeit damit, weil ich es einfach nicht wahr haben kann das es für ihn kein Problem ist
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    So einfach ist das leider (noch) nicht.

    Strafrechtlich gesehen ist ungeschützter Sex ohne Hinweis auf eine vorliegende Infektion immer noch Körperverletzung. Das basiert auf einem Grundsatzurteil des BGH aus dem Jahr 1988 (!). Allerdings hat sich mittlerweile auch bei den meisten Gerichten herumgesprochen, dass bei ART und Therapietreue mit VL unter NWG eine Übertragung nicht möglich ist. Im Falle des Falles wäre das immer eine Frage, auf welchen Richter man stößt. Allerdings stünde Dir in einem solchen Fall die Deutsche AIDS-Hilfe garantiert zur Seite. Andererseits ist man aber lt. des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung aber nicht zur Preisgabe einer vorliegendenHIV-Infektion verpflichtet. Im Prinzip reden wir hier also über theoretische Sachverhalte … man sollte es halt nur mal gehört haben.

    Dann grüß Frau Dr. K. von mir sehr herzlich. Wir mögen uns nämlich sehr gerne :) Aber auch ihr Kollege ist sehr empfehlenswert. Letztlich also: Gute Wahl!
     
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  10. Pandine

    Pandine Neues Mitglied


    Hallo Matthias:),

    das mache ich. Sie wurde mir von meinem jetzigen Arzt auch empfohlen. Ich habe mal eine allgemeine Frage, wo du mit Sicherheit der richtige Ansprechpartner bist. Die Frage wollte ich letztes Schon beim meinem Arzt stellen, da ich aber sowieso nach berlin ziehe kannst du mir da mit Sicherheit eher was zu sagen..
    ich meine, bitte nimm mir das nicht böse wenn ich das falsch in Erinnerung habe, von dir hier mal gelesen zuhaben das es Labore gibt die die genau Viruslast nachweisen können. Also diese nicht mit <20 sondern der expliziten Zahl angeben. Kennst du solch eine Anlaufstelle in berlin? Mich würde nämlich mal Interessen wie gering meine Viruslast Genau ist.. LG :)
     
  11. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Das kannst Du mit Frau Dr. K. besprechen, diese Info dürfte kein Problem sein.
     
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