"HIV-Symptome" - wie sie dich verrückt machen

Dieses Thema im Forum "HIV Phobie" wurde erstellt von GAKC100, 18. Februar 2020.

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  1. GAKC100

    GAKC100 Neues Mitglied

    Liebe Forenmitglieder,

    meine im weiteren Verlauf folgende Geschichte richtet sich an all diejenigen, die in den letzten Tagen einen RK hatten und nun die 6 Wochen zumHIV-Test „symptomfrei überstehen müssen“. Ich hoffe, dass meine Erfahrung euch etwas erleichtert und euch hilft, die Zeit bis zum Test sorgenfrei zu bewältigen.

    Kurz zu mir. Ich bin Student im 5ten Semester und habe das letzte halbe Jahr in China verbracht – mein Auslandssemester. Hier lernte ich eine tolle Chinesin kennen, mit welcher ich mich auf Anhieb verstand. Nach mehreren Treffen kam es auch zum GV. Leider verlor ich unter der Dusche dann die Kontrolle und hatte nach anfänglich geschütztem GV mehrfach ungeschützten GV. Auch war etwas Blut im Spiel, da sie kurz zuvor ihre Periode hatte. Da sich das Mädchen ein Verhütungsstäbchen einpflanzen hat lassen, musste ich mir hinsichtlich einer ungewollten Schwangerschaft keine Gedanken machen.

    Jedoch schoss mir nach den Risikokontakten immer wieder eine Sache durch den Kopf –HIV. Anfänglich war ich sehr besorgt, doch ich sprach das Thema offen an und mir wurde von ihr versichert, dass sie gesund sei. Auch habe ich sie ja kennengelernt und sie wirkte für mich auf Anhieb als ein „vernünftiges Mädchen“ – was ja an sich nichts heißen mag. Ich habe nicht weiter nachgebohrt und ihr vertraut. Auch habe ich in den ersten Wochen nach den Risikokontakten keinerlei Symptome entwickelt, welche auf eine HIV-Infektion hätten hinweisen können.

    Inzwischen weiß ich, dass es keine genauen Symptome für HIV gibt, doch das Nichtvorhandensein von Fieber oder Hautausschlag beruhigte mich schon sehr. Nichtsdestotrotz hatten wir nach den insgesamt 5 ungeschützten Vorfällen keinen ungeschützten Sex mehr. Offensichtlich war ich mir bei ihr doch nicht ganz so sicher, wie ich es mir selbst vorzumachen versuchte.

    Dummerweise ist dann nach weiteren 3 Wochen beim Sex mit ihr das Kondom geplatzt. Es war das einzige Mal, wo wir auf ein chinesisches Kondom zurückgegriffen haben. Das Kondom hatte eine Größe von 48mm, ich brauche jedoch 56mm. Bereits beim Überziehen habe ich gemerkt, dass es sehr eng ist. Doch offensichtlich dachte ich mir „wird schon nicht reisen“. Tja, es ist gerissen und diesmal war ich nervös. Innerlich dachte ich mir „verdammt, noch mehr Wochen ohne Symptome durchhalten“.

    Diese Einstellung ist natürlich Schwachsinn, denn wie gesagt, es gibt keine eindeutigen HIV-Symptome. Jedoch lies mich nun das Thema HIV nicht mehr los und ich fing an Stunden über Stunden auf Internetseiten zu recherchieren. Je mehr Zeit ich in die Recherche steckte, desto schlimmer fühlte ich mich. Ich realisierte leider nicht, dass ich meine ganze Aufmerksamkeit und Energie dem Thema „HIV“ widmete.

    Ein Freund sagte mir einst „Where awareness goes, energy flows“. Dieser Satz trifft es in meinem Fall voll auf den Punkt. Mein ganzer Tag drehte sich nur noch um HIV und ich bekam immer mehr und mehr Angst. Ich hoffte Tag für Tag aufs Neue, dass ich keine der aufgelisteten „Symptome“ bekomme. Auch wusste ich, dass einige Infektionen völlig symptomlos verlaufen, doch mein Gehirn arbeitete nicht mehr rational. Es ging für mich nur noch darum, die kommenden Wochen symptomfrei zu überstehen.

    Nun, was denkt ihr? Was passierte wohl? Was passiert, wenn man sich den ganzen Tag vor Fieber, Hautausschlag, Müdigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen, Appetitlosigkeit und geschwollenen Mandeln fürchtet? Richtig, ich bekam all das. Es fing mit Kopfschmerzen an. Offensichtlich blendete ich aus, dass ich in meinem Leben (vor allem in der Prüfungsphase, in der ich mich nun auch wieder befand) schon oft Kopfschmerzen hatte. Zu der Zeit dachte ich nur „Oh nein, ein HIV-Symptom“. Ich verbrachte nahezu den ganzen Tag auf meinem Zimmer, lag viel im Bett und las zahlreiche Berichte im Internet. Das man da müde wird, keinen Hunger hat, weil es vor lauter Angst einem den Magen umdreht, und man Muskelschmerzen bekommt ist ja wohl klar. So klar war mir das in der Situation jedoch überhaupt nicht.

    Dann setzte das Schicksal offensichtlich nochmal einen drauf. Die vom Robert-Koch-Institut erwähnten Schluckbeschwerden traten auf und wurden so schlimm, dass ich einen Arztbesuch nicht länger vor mir hinschieben konnte. Der Arzt diagnostizierte eine akute, eitrige Mandelentzündung. Nun brach bei mir Panik aus. Panik, wie ich sie noch nie erlebt habe. Eine Mandelentzündung, jetzt? Bitte lass das nur einen dummen Zufall sein.

    Ich war weiterhin in Kontakt mit der Chinesin und fragte sie nun ganz konkret, wann sie ihren letztenHIV-Test gemacht habe und ob sie danach ungeschützten GV hatte. Sie sagte, Anfang des Jahres wurde ein Test auf sämtliche STD gemacht und danach hätte sie 2 One-Night-Stands gehabt, jeweils geschützt.

    Das konnte mich beruhigen, doch irgendwie war ich mir immer noch nicht ganz sicher. Und dann wurde ich Zeuge davon, wie klein die Welt doch manchmal ist. In der chinesischen Austauschuni lernte ich einen anderen Deutschen kennen, der „mein Mädchen“ auch kannte. Er hatte sie in Deutschland bei einem Festival kennengelernt und zu Beginn des Auslandssemesters in China getroffen. Dort hatte er mit ihr mehrfach ungeschützten GV.

    Ich fragte den Jungen ob er sich denn keine Gedanken über STD machen würde und er sagte nur „Nein, also darüber habe ich noch nie nachgedacht!“ Ab diesem Moment brannten bei mir alle Sicherungen durch. Meine Ängste waren stärker denn je, ich brach den Kontakt zu dem Mädchen mehr als nur unrühmlich ab und steigerte mich in die Symptome so arg rein, dass es immer schlimmer wurde.

    Ich schlief ein mit Gedanken wie „Bitte lass mich keinen Nachtschweiß haben“ nur um festzustellen, dass ich um 03:00 schwitzend aufwachte. Als ich dann wieder beim Arzt war, um meine Atemwege zu prüfen (die Mandeln waren so stark angeschwollen, dass ich stellenweise Atembeschwerden hatte) dachte ich mir „Bitte lass mich keinen Hautausschlag haben“ nur um festzustellen, dass mein ganzer oberer Rücken und mein Hals voller roter Pusteln war. Die Ärztin machte anschließend ein Blutbild auf Entzündungen. Es wurde jedoch nichts gefunden.

    Ich steigerte mich immer mehr und mehr rein, dachte an nichts anders als an HIV, hörte auf zu leben und sorgte mich den ganzen Tag. Ich verschwendete Tag für Tag mit Sorgen. Irgendwann konnten meine Freunde mein Gejammer nicht mehr hören und verboten mir das Thema HIV anzusprechen. Ich machte also nicht nur mich fertig, sondern nervte auch mein Freundschaftsumfeld. Ich zog nicht nur mich selbst herunter, sondern auch meine Freunde.

    Als die Wartezeit dann endlich ein Ende nahm, war ich bereits wieder in Deutschland angekommen. Voller Sorge bin ich zumHIV-Test gegangen. Mir wurde Blut entnommen und ich musste eine Woche warten. Hier hörte ich nun jedoch auf mich zu sorgen. Ich verbrachte die Zeit mit meiner Familie, meinen Freunden und in der Natur. Das half enorm! Ich schenkte dem Thema HIV keine Aufmerksamkeit mehr und schon ging es mir besser. Was sagte ich vorhin? „Where awareness goes, energy flows.“

    Nach einer Woche bekam ich dann mein Ergebnis. Ich war so nervös wie nie zuvor. Meine Abiturprüfung oder meine Grundlagenorientierungsprüfungen in der Uni waren Nichts dagegen. Nach Sekunden, die sich wie Stunden anfühlten, kam dann das Ergebnis:

    „Wir haben nichts bei Ihnen gefunden. Sie haben sich nicht infiziert.“
     
    Jh1995, Ab78 und devil_w gefällt das.
  2. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Super reflektiert. Toll wiedergegeben.
    Ich hoffe für Dich, dass Du nun wieder völlig entspannt sein und Dich voll und ganz auf Dein Studium konzentrieren kannst.
     
  3. Ab78

    Ab78 Mitglied

     
  4. Ab78

    Ab78 Mitglied

    Bin eben zufällig hier drüber gestolpert.

    Also ganz ehrlich hast Du Dir hier wohl sehr viel Mühe gemacht den Text zu schreiben und man kann sehr gut erkennen dass Du wirklich grosse Angst hattest und nach ewig gefühlter Zeit kam dann doch eine erfreuliche Nachricht.

    Ich kann genau nachvollziehen wie Du diese Situation durchlebt hast, denn ich war in einer sehr ähnlichen und manchmal bekomme ich immer noch einiges an Panik....

    Für mich war damals vor Jahren meineHIV Diagnose natürlich schon ein Schock,
    Deshalb hatte ich das so wie Du es beschrieben hast mit den gleichen Befürchtungen, aber wegen einer anderen, schweren Krankheit......denn Positiv bin ich ja schon und hatte dann natürlich doppelt so viel Angst obendrauf noch Krebs zu haben...
     
  5. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Bitte nicht alles zitieren sondern nur entscheidende Bereiche... und dann im selben Posting schreiben. Danke.
     
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