HIV-Symptome - meine Geschichte

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von xxdavidgxx, 28. September 2014.

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  1. xxdavidgxx

    xxdavidgxx Neues Mitglied

    Hallo liebe Community,

    Der Grund, wieso ich meine Geschichte erzählen will, ist, um anderen Leuten Hoffnung zu schenken, die denken, dass sie sich angesteckt haben könnten. Genau solche Geschichten haben mir persönlich geholfen, die Hoffnung bis zum Schluss nicht ganz aufzugeben.

    Ich bin ein 21-jähriger Student aus der Schweiz. Meine Geschichte beginnt in Russland, wo ich den August 2014 verbracht habe. Kurz zu mir - ich bin homosexuell und habe selbst osteuropäische Wurzeln. Da meine Familie und Verwandten wie die meisten Osteuropäer ziemlich homophob sind, sehe ich momentan keine Möglichkeit, mich irgendwie bei ihnen zu outen. Aus diesem Grund koste ich in meiner Heimatstadt auch nicht wirklich das Schwulenleben aus, da ich zu grosse Angst davor habe, von jemandem gesehen zu werden, der es meinen Brüdern oder Eltern erzählen könnte.

    Zurück zur Geschichte: Den letzten Monat habe ich in St. Petersburg, Russland verbracht, wo ich mit anderen Studenten aus meiner Uni einen Sprachaufenthalt machte. Fern von meiner Heimat und Familie empfand ich ein sehr erlösendes Gefühl von Freiheit. Da St. Petersburg eine ziemlich westliche und tolerante Stadt ist, kam ich auf die Idee, den Schwulenausgang auszuprobieren. Also fing ich an, in Schwulenclubs auszugehen und mit verschiedenen Männern auf Grindr zu chatten. Obwohl ich täglich Sexangebote bekam, getraute ich mich nie wirklich, mich mit jemandem zu treffen. Der Gedanke, in Russland zu einem Wildfremden nachhause zu gehen, war einfach ein bisschen zu beängstigend. Eines Abends jedoch, als ich mit meinen Freunden in einer Bar sass und schon den einen oder anderen Drink hatte, verabredete ich mich spontan mit einem Typen von Grindr zum Sex. Ich ging zu ihm nachhause, verbrachte die Nacht dort und ging den nächsten Tag kurz nachhause mich umziehen und dann wie gewöhnlich an die Uni. Am selben Tag fiel mir mal ein, dass ich mir nicht sicher war, ob wir ein Kondom benutzt hatten. Obwohl ich weiss, dass er vor dem Eindringen gesagt hatte, er würde eins überziehen, habe ich das Kondom nie wirklich mit eigenen Augen gesehen. Ich redete mir ein, dass bestimmt alles mit rechten Dingen zugegangen sei und verdrängte den Gedanken sogleich wieder. Doch nicht für lange.

    Zwei Wochen nachdem ich zurück in der Schweiz war, wachte ich mit einem leichten Fieber und einer Rachenentzündung auf. Der erste Gedanke der aufkam war - Shit, habe ich mich mitHIV angesteckt? Ich nahm den Kalender hervor und zählte die Tage: es waren genau 3 Wochen und 3 Tage seit dem Risikokontakt vergangen. Dazu muss ich sagen dass ich 4 Wochen zuvor in Russland schon mal krank war, zum Zeitpunkt als ich dort Sex hatte, war ich immer noch ein bisschen krank, weshalb ich es für sehr unwahrscheinlich hielt, dass ich so kurz nacheinander krank geworden sein könnte.
    Da fing der ganze Albtraum an: jeden Tag googlete ich stundenlang nur noch HIV-Symptome und jede Internetseite, die ich fand, bestätigte meine Ängste nur.
    Die meisten Neuinfizierten entwickeln nach 3 Wochen die ersten Symptome. Die häufigsten Symptome sind dabei Fieber, Rachenentzündung und Hautausschlag. Ich hatte leichtes Fieber, Schüttelfrost, Nachtschweiss, eine Rachenentzündung, Halsweh, Schluckbeschwerden, weisse Punkte im Rachen und Aphten im vorderen Mundbereich. Die Tatsache, dass meine Nase nicht lief beunruhigte mich noch mehr. Normalerweise, wenn ich eine Erkältung oder Grippe habe, bekomme ich eine stark laufende Nase. Für mich stand schon fest - es können nur HIV-Symptome sein. Nach ca. 4 Tagen war das Fieber weg und mein Hals wieder in Ordnung. Obwohl es mir besser ging, beunruhigte es mich nur noch stärker, denn die Tatsache, dass eine Grippe länger als 4 Tage dauert, konnte nur darauf hinweisen, dass es sich definitiv um HIV-Symptome handelt. Nach 4 Tagen fing ich auch an, ganz viele Pickel im Gesicht zu bekommen. Vor allem auf und um die Nase herum. Natürlich ging ich gleich auf google und versuchte herauszufinden, ob es sich um einen HIV-Ausschlag handeln könnte. Natürlich fand ich die Info, dass der Ausschlag meistens so 4 Tage nach dem Fieber kommt, was natürlich wieder perfekt auf meine Situation zutraf.
    Eine Woche lang fühlte ich mich einfach nur hundsmiserabel und mir war zu gar nichts zumute. Ich hatte keinen Appetit und nahm 2 Kilos ab. Ich erzählte zwei von meinen Freunden von meinen Ängsten und sie ermutigten mich dazu, einen Schnelltest machen zu gehen. Ich hatte jedoch einfach zu grosse Angst vor dem Resultat. Alles machte einfach perfekt Sinn und eine HIV-Infektion war die einzig logische Erklärung für meine grippenähnliche Symptome, die keine Grippe sein konnten, da sie zu kurz dauerten und dazu noch genau 3 Wochen nach meinem Risikokontakt auftauchten. Ich war mir nicht sicher, ob ich beim Analverkehr verhütet habe, bei dem ich den passiven Teil übernahm, in einem Land, in dem 1% der ganzen Bevölkerung HIV-positiv ist und wahrscheinlich die Mehrheit davon schwule Männer sind.
    Da ich mich im Kopf schon damit abgefunden habe, dass ich nun HIV habe, entschied ich mich 8 Tage nach dem Auftreten der Symptome doch dazu, einen Test zu machen. Ich hatte ja nichts mehr zu verlieren und vielleicht fällt der Test durch irgendein Wunder doch negativ aus. Und wenn nicht, kann es ja nur von Vorteil sein, die Therapie möglichst früh zu beginnen.
    Ich fragte also eine Freundin, ob sie mich zur HIV-Anlaufstelle für schwule Männer begleiten würden und nach meinen Vorlesungen gingen wir gemeinsam dorthin, um den Test zu machen. Ich konnte mich den ganzen Tag an der Uni gar nicht konzentrieren und stand die ganze Zeit den Tränen nahe. Meine Freundin und ich sprachen kaum miteinander und warteten nervös auf die Resultate. Dann kam der Moment der Wahrheit - der Test fiel negativ aus.
    Ich kann mir bis heute nicht erklären, woher meine Symptome kamen, aber ich will es auch nicht mehr wissen und bin einfach nur froh negativ zu sein. Ich bin schon mit einem seltenen Gen-Deffekt zur Welt gekommen, weshalb ich schon um einiges eingeschränkt bin in meinem Leben und jeden Tag Medikamente nehmen muss. Ein positives HIV-Resultat hätte mir einfach den Rest gegeben und ich weiss nicht, ob ich bereit gewesen wäre, mit zwei Krankheiten weiterzuleben.
    Die ganze Erfahrung hat mir jedoch die Augen geöffnet und gezeigt, wie schnell so etwas passieren kann und wie wichtig es ist, jedes Mal sicherzustellen, dass ein Kondom benutzt wird. Es hat mich auch erneut daran erinnert, was wirklich wichtig im Leben ist und wie lächerlich eigentlich die Probleme sind, auf die ich in meinem Studentenalltag sonst so stosse.

    Was ich eigentlich damit sagen wollte ist: Macht euch nicht wahnsinnig durch unsinniges googeln. Der Zeitpunkt, die Situation, die Symptome - alles kann stimmen und trotzdem muss es noch nichts heissen! Der einzige Weg ist, einen Test zu machen! Auch wenn das Ergebnis positiv ist, hat es nur Vorteile, denn je früher man mit der Therapie beginnt desto besser. Wir leben in guten Zeiten, in denen Menschen mit HIV und anderen Krankheiten ein langes und glückliches Leben führen können. Die Medizin und Behandlungen entwickeln sich Jahr für Jahr weiter und werden immer besser.
    Ich hoffe, dass diese Geschichte einigen Leuten Hoffnung geben wird und ihnen einen Teil ihrer Ängste abnehmen kann. Und an alle die HIV haben: Gebt nicht auf! Bleibt tapfer und stark, nehmt euer Leben und Glück in die Hand und macht das Beste daraus! HIV hindert euch kein bisschen daran, alle eure Träume trotzdem zu verwirklichen :)
     
  2. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Kannst Du vielleicht noch ein paar Abschnitte mehr einfügen? Solche grossen Texte sind am Bildschirm oder auch am Handy schwer zu lesen. Danke.
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi David,

    danke für Deine ausführliche Geschichte. Sie ist wirklich fast schon »typisch« für viele vergleichbare Situationen.

    Nur mit dem Satz »Die meisten Neuinfizierten entwickeln nach 3 Wochen die ersten Symptome« bin ich nicht einverstanden (aus welcher Quelle hast Du den?): Eine nicht unbeträchtliche Anzahl von Infektionen - so auch meine - verlaufen symptomlos.

    Es ist also kein Verlass auf »Symptome«, wie auch kein Verlass auf das Ausbleiben.

    Ansonsten hoffe ich, dass sich andere User Deine Geschichte zu Herzen nehmen.
     
  4. dardevil

    dardevil Neues Mitglied

    man rechne

    hallo zusammenich will hier nicht irgendwie als Besserwisser oder Kontrolleur auftreten, oder jemandem wieder ein schlechtes Gewissen einreden, aber ich muss schreiben, da es mich nicht mehr loslässt weil :
    der xxdavidxx schreibt, 3 Wochen und 3 Tage nach dem Risikokontakt hätten die Symptome angefangen. Weiter schreibt er, dass er 8 Tage nach dem Auftreten der Symptome einen Test gemacht habe. je nach dem wie man das jetzt genau rechnet, ergibt das eine Wartezeit von ca. 32 Tagen oder 4,5 Wochen zwischen Risikokontakt und Test.
    Kann da überhaupt von einem sicheren Resultat gesprohen werden oder will der xxdavidxx nochmals einen Test machen oder habe ich was falsch verstanden und das war nur ein Zwischenbericht?
     
  5. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    dardevil... schreibst Du von einem eigenen PC aus?
     
  6. [User gel

    [User gel Poweruser

    Ich antworte mal allgemein: unter sehr guten vorraussetzung kann eine 4-6 wochen Frist ausreichen. Aber erst nach der 8. Woche gilt er als sicher.
     
  7. dardevil

    dardevil Neues Mitglied

    hallo Alexandra
    wieso fragst du ob ich von einem eigenen PC schreibe?
    gestohlen habe ich den nicht :)
    aber hier schreibe ich von einem PC im Geschäft.
     
  8. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Und Du hast hier schon mehrere Accounts benutzt oder sind Deine Arbeitskollegen hier auch aktiv? Das Geschäft in dem Du arbeitest hat eine fixe IP. Ein gelöschter User wie auch mind. 3 andere aktive User schreiben mit dieser IP. Deswegen frage ich.
     
  9. Felix123

    Felix123 Mitglied

    Und ich frage mich, wieso man so viele Accounts braucht.

    Mir reicht einer :)
     
  10. dardevil

    dardevil Neues Mitglied

    Ja, Alexandra hat recht, ich stehe dazu.
    Ich habe so viele Accounts weil ich seit ca. 3 Jahren tatsächlich eineHiv Phobie habe. Ich habe mich mittlerweile geschämt, nochmals Fragen mit dem selben Account zu stellen.
    Tut mir leid, meine Phobie habe ich mittlerweile dank intensiver Unterstützung, ca. 50HIV Test in 3 Jahren und wochenlanger Internetrecherche "ausgeheilt". Ihr könnt nun diesen Account sperren, ansonsten würde ich mich gerne zukünftig zum einen oder anderen Thema äussern.
     
  11. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Also pass' ma uff: Schämen muss sich hier niemand – dazu ist das Thema zu wichtig. Und wenn Fragen sind, sind wir dazu da, die zu beantworten. Und das machen wir auch gerne, vorausgesetzt, es ist nicht 10x dieselbe Frage in einem Thread.
     
  12. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Bei Dir fiel mir auf, dass Du schweizerdeutsche Begriffe verwendest wie "im Geschäft".....manche User erkennt man an der Schreibweise. Finde ich aber gut, dass Du dazu stehst. Nutz bitte einfach nur einen Account. Einigen wir uns auf diesen neuen aktuellen?

    Korrektur 6.10.14: "Begriffe" klingt besser als "Befriffe" :wink:
     
  13. Moe

    Moe Bewährtes Mitglied

    Deine Geschichte kenne ich nur zu gut..was in unserem Kopf Tag und Nacht abgeht, wenn wir uns in was hinein steigern belastet auch unser Immunsystem. Ich glaub die Angst die man sich durch diese blöden Symptome macht, ist schlimmer als zu wissen, dass man positiv ist. Ich bin glücklich mal einen Denkzettel bekommen zu haben.
     
  14. dardevil

    dardevil Neues Mitglied

    Hallo Alexandra
    herzlichen Danke, ja gerne können wir uns auf diesen Account einigen.
    Und du hast recht, ich bin Eidgenosse, hätte so viel zu erzählen überHIV-Test's, Aussagen von CH-Aidshilfen, von CH-HIV Spezialisten, von CH-Laboren welcheHIV Test's durchführen...
    Ich lasse das aber zum jetzigen Zeitpunkt, würde ein unendlicher Text werden. Vielleicht schreibe ich beim einen oder anderen Thema etwas von meinen Erfahrungen dazu.
     
  15. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Da wirst Du wohl viele offizielle und nicht offizielle Meinungen gehört haben. :wink: Manchmal hab ich das Gefühl, dass jeder Experte seine eigene Meinung hat und vertritt.

    Würde mich/uns freuen wenn Du hier im Forum mitschreiben würdest.
     
  16. [User gel

    [User gel Poweruser

    Schweizer also. Na dann sage ich mal: "Frede isch met der!" (ist der einzige satz den ich kann). wuerde mich auch freuen!
     
  17. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Och, Dir bringen wir schon noch Schweizerdeutsch bei. :lol:
     
  18. [User gel

    [User gel Poweruser

    Na hoffentlich. Die Sprache interessiert mich naemlich wirklich.
     
  19. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Sie ist nicht einfach...so klein die Schweiz ist... überall unterschiedliche Dialekte. Und eigentlich haben wir ja 4 Landessprachen.

    Am beschte verliebsch di i e Schwiizerin und lernsch eso unseri Schproch.
     
  20. [User gel

    [User gel Poweruser

    4 Sprachen? ich dachte es waeren 3? und was ist die hauptsprache? die jeder Schweizer versteht? also deutsch koennen ja die meisten, oder?
     
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