HIV Phobie - Für alle Betroffenen

Dieses Thema im Forum "HIV Phobie" wurde erstellt von Brantl, 26. September 2016.

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  1. Brantl

    Brantl Mitglied

    Hallo miteinander,

    ich habe vor einigen Monaten einen Thread erstellt zu einem Zeitpunkt an dem es mir persönlich verdammt schlecht ging, da ich der festen Überzeugung unterlag, mich mitHIV angesteckt zu haben.

    Grund für diese Überzeugung war ein ungeschützer Oralverkehr bei einer Frau. Es wurde mir mehrfach sehr eindringlich bestästigt, dass Oralverkehr bei der Frau keine Risikosituation darstellt und zur Übertragung nicht genügend infektiöse Flüssigkeit vorhanden sei, auch bei hohem Virenload.

    Beruhigen konnte mich das bestenfalls nur für wenige Stunden. Nach einigen Tagen stand ich kurz vor dem Kreislaufkollaps, da ich mich weder entspannen noch schlafen konnte. Es war wirklich keine schöne Zeit.

    Nachdem 14 quälende Tage ins Land geggangen sind, bin ich in ein Labor gefahren, um einenPCR Test machen zu lassen. Der Test war lediglich auf HIV I und verschiedene Subtypen ausgelegt. HIV II war nicht abgedeckt. Ich habe den Test dennoch gemacht, um ein vorläufiges Ergebnis zu haben. Es war negativ und ich konnte einen Tag lang aufatmen. Am Abend war ich jedoch bereits am googlen nach Verbreitungsraten von HIV II in Europa und speziell Deutschland. Ich fand heraus, dass diese Form des Virus auch in Deutschland sehr sehr selten vorhanden ist und zack, da war sie schon wieder da, die Panik. Wieder lag ich nächtelang wach und konnte nicht schlafen im Gedanken an ein mögliches falsch negatives Ergebnis oder am Gedanken daran, vllt an HIV II infiziert zu sein.

    Es war defintiv nicht zuträglich, dass ich ungefähr zu diesem Zeitpunkt auch meine ersten Symptome entwickelte, die direkt in die Richtung HIV deuteten (zumindest bei mir im Kopf). Ich entwickelte die stärkste Rachenentzüngung, die ich bisher je hatte, zudem kamen Kopfschmerzen hinzu und Aussschläge am gesamten Körper - vorwiegend am Oberkörper. Als ich das Fiebertermometer anlegte und dieses mir 39 Grad anzeigte, war es um mich geschehen. Ich erlitt einen Kreislaufzusammenbruch und musste ärztlich behandelt werden.

    Am Folgetag bin ich direkt in die städtische Schwerpunktpraxis für HIV gerannt (Ich hatte Glück, dass in meiner Stadt so etwas existiert und ich direkt einen Akuttermin bekommen konnte). Nach endloser Wartezeit hat mich der Doktor empfangen und meine Beschwerden begutachtet. Auch der Arzt hat versucht mich zu beruhigen und sagte mir, dass eine Übertragung des Virus über diesen Weg nahezu ausgeschlossen sei. Aufgrund meiner Symptomatik meinte er jedoch, dass das Pfeiffersche Drüsenfieber auf diese Weise durchaus ausbrechen könne. Mir wurde Blut abgeneommen, wir haben einen HIV Antigen/Antikörper test veranlasst und zusätzlich nach Antikörpermarkern für das Eppstein Bar Virus gesucht. Das war ca. vier Wochen nach der "Risikosituation".

    Die Ergebnisse waren zwei Tage später in der Praxis. Der Arzt meinte zu mir ich könne mich beruhigen, der Test sei negativ gewesen und nach 4 Wochen sei dies schon eine sehr gute Tendenz in die richtige Richtung. Zusammen mit demPCR Test könne man HIV bereits recht sicher ausschließen. Der Test zeigte allerdings keine Akutantikörper für das Eppstein Bar Virus an. Scheinbar hatte ich dieses bereits in der Vergangenheit. Die Symptome waren also nicht dem Pfeifferschen Drüsenfieber geschuldet.

    Und genau das veranlasste mich selbstverständlich wieder in Panik zu fallen. Direkt auf dem Heimweg von der Praxis begann ich wieder zu googlen und die einzige logische Erklärung schien wieder HIV zu sein.

    Es folgten erneute 2 Wochen, in denen sich Panik und ein paar gute Stunden die Klinke in die Hand gaben. Ständige Gefühlsschwankungen: Ich schaute mir die Testergebnisse an und beruhigte mich damit, dann dauerte es wenige Stunden und ich war wieder fix und fertig.

    Nach 6 Wochen machte ich dann erneut einen Antigen/Antikörper test der neusten Generation und wie ihr euch bereits denken könnt war das Ergebnis wieder "negativ". Nach sechs Wochen musste das Ergebnis jetzt aber einfach stimmen. Die Symptome, welche nachwievor vorhanden waren, konnten nicht von HIV stammen - oder doch?

    Und wieder war das Internet mein großer Peiniger. Anstelle mich nun abschließend endlich zu beruhigen und meine Viruserkrankung ausheilen zu lassen, fing ich erneut an nach Wahrscheinlichkeiten zu suchen. DIe Antikörperbildung könnte ja verzögert sein, da ich aufgrund der Erkrankung ein geschwächtes Immunsystem hatte oder der Test nach sechs Wochen sei nur für HIV I sicher, nicht aber für HIV II oder der Test nach 6 Wochen wäre genau im Übergang gemacht worden, bei dem Antigene keine Reaktion mehr zeigen aber Antikörper noch nicht entwickelt waren. Also logische Konsequenz erneut Panik und schlaflose Nächte.

    In den sechs Wochen habe ich im Schnitt vllt 3-4 Stunden pro Nacht geschlafen. Ich war körperlich vollkommen am Ende, die Symptome wollten nicht nachlassen auch nach 4 Wochen nicht. Noch immer Halsschmerzen und ein entzündeter Rachen, noch immer Muskelschmerzen und totale Schlappheit. Nur das Fieber war zurückgegangen.

    Ich machte erneute Test nach 8 und 12 Wochen. Alle fielen Negativ aus.

    Erst nach dem 12 Wochen Test konnte ich aufatmen und wusste, dass die Symptome defintiv nicht durch HIV ausgelöst werden, sondern einen anderen Hintergrund haben müssen. Daraufhin bin ich erneut zum Arzt und dieser hat wiederum Blut abgenommen. Meine Blutwerte waren okay, der Arzt gab mir die Empfehlung endlich mal abzuschalten und mich zu entspannen. Genau das tat ich dann auch endlich: Ich konnte wieder entspannen und mich zurücklegen. Allein dies hat mir gefehlt. wie sich herausstellte. Die Symptome waren nach einer weiteren Woche nahezu vollständig abgeklungen. Was blieb, war die Schlappheit für ganze 3-4 Monate lang war ich so schlapp, dass ich nicht aus dem Haus gehen konnte. Ich dachte bereits an das "Erschöpfungssyndrom" doch war mir das googlen hiernach zu wider geworden. Es dauerte 5 Monate bis ich vollständig auskuriert war und wieder bei bester Laune auf dem Fußballplatz stand.

    Aus der Geschichte habe ich gelernt, dass die Sorgen, die ich mir gemacht habe vollkommen umsonst waren. Wenn es kein Risiko gegeben hat, dann bringen auch die Sorgen nichts und das googlen nach möglichen Sonderfällen verschärft die Situation nur. Selbst dann, wenn ein RK vorliegt ist die Wahrscheinlichkeit einer infektion recht gering. so dass Sorgen an dieser Stelle nicht angebracht sind und nur unnötige Symptome hervorrufen. Selbst eine positive HIV Infektion ist es nicht wert 5 Monate flach zu liegen und sich psychisch dermaßen fertig zu machen.

    An alle, die sich derzeitig in einer ähnlichen Sitation befinden kann ich nur sagen: Hört auf zu googlen und hört dafür auf das, was die Leute hier im Forum schreiben oder euch bei den Beratugsstellen sagen.

    Selbst dann, wenn es wirklich zu einer infektion gekommen sein sollte, ist HIV heute kein Todesurteil mehr und vor allem auch keine Krankheit, die euch in eurem Leben oder euren Zielen im Weg steht. Lasst euch nicht unterkriegen und macht es einfach genau gegenteilig zu mir! Wenn ihr Panik bekommt, dann macht einen guten Film an oder schreibt eure Gedanken in einem Tagebuch nieder. Sucht euch Aktivitäten, die euch vom Grübeln ablenken und lasst vor allem die Finger vom Internet.

    Ich hoffe, dass der Text einigen hier behilflich ist, die sich in einer ähnlichen Sitation befinden.

    MIr geht es jedenfalls wieder blendend und ich habe eine neue Partnerin gefunden, die ich hoffentlich nicht so schnell wieder verlieren werde.

    Viel Glück und macht es gut!
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Brantl,

    vielen, vielen Dank für die ausführliche Schilderung ... und vor allem für die Schlussfolgerung. Vielleicht hilft es ja dem Einen oder Anderen ... aber vor allem hat es wohl Dir geholfen, und das freut mich sehr.

    Alles, alles Gute für die neue Beziehung!
     
  3. Angst2015

    Angst2015 Mitglied

    Schön das es dir wieder besser geht.
    Machte das gleiche durch wie du und war
    Monate lang gefangen in Angst und Panik.

    Das schlimme an so einer Phobie
    ist das anzweifeln der Negativen
    Ergebnisse.
    Ich steigerte mich in der Zeit bis zum
    Test so tief hinein das mich dann auch
    ein Negativ nur kurz beruhigte.

    Diese Angst brachte mich dazu
    10HIV-AK !!!
    und 2 HIVPCR zu machen,
    und unzählige STi Tests.

    Wie lang ist das jetzt her bei dir seit
    diesem Kontakt.
     
  4. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Hallo Brantl,
    schön dass Du Dich mal wieder gemeldet hast und noch schöner, dass es Dir wieder gut geht und herzlichen Glückwunsch zur neuen Freundin.
    Vielen Dank für diese tolle Selbstreflexion.
    Ich hoffe, dass sie von Einigen gelesen und auch verstanden wird und ihnen somit hilft.
     
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