HIV in anderen Ländern

Dieses Thema im Forum "AIDS-Forum" wurde erstellt von Willow, 14. Juni 2012.

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  1. Willow

    Willow Neues Mitglied

    Hallo zusammen,
    Kindern und ich möchte mich vorab vorstellen. Ich bin 36 Jahre alt, Mutter von 3 komme aus Bremen.
    Ich bin auf dieses Forum nur zufällig aus Verzweiflung gestossen.

    Schön dass es euch gibt.....

    Ich möchte die Geschichte von meinen kleinem Bruder ( 35 Jahre) erzählen.

    Mein Bruder ist wie ich auch in Deutschland geboren und wurde 2005 ausgewiesen. Drogensucht-Beschaffungskriminalität-und keine gültige Aufenthaltserlaubnis.

    1996 haben wir von ihm erfahren, dass er sich mit gebrauchten Nadeln infiziert hat.

    Er hat Jahrelang immer ohne Medikamente gelebt, bis er 2005 abgeschoben wurde. Immer topfit, sein Arzt hat sich gewundert, dass es keinerlei Symptome gab, die überhaupt irgendeine Krankheit andeuten-nicht mal ein Schnupfen.

    In der Türkei ging es natürlich so weiter, Alkohol bis zum abwinken, nur die Drogen hat er gelassen.

    Letzes Jahr ist AIDS ausgebrochen, abgemagert auf 43 Kilo, Lungenentzündung, Pilzinfektionen, Durchfall.......... usw.

    Seine Ärztin hat ihm HUSTENSAFT verschrieben und nach Hause geschickt.
    Der Zustand hat sich täglich verschlechtert. Das Krankenhaus hat ihm die Aufnahme verweigert, weil seine "grüne Karte"
    abgelaufen war. Dafür hätte er ca 30-40 Banken in der nächsten Stadt abklappern und sich bescheiningen lassen müssen, dass er über kein Vermögen verfügt.
    Mit viel Ärger, Wut und auch Schmerzen, wurde er nach 14 Tage ins Krankenhaus aufgenommen.

    Nach drei Tagen war er "gesund" und wurde entlassen mit einer großen Tüte voll Medikamente. Zitat "Wenn er die nimmt dann wird alles gut"


    Gestern ist mein Bruder verstorben, erhatte die AIDS-Demenz. Hat sich tagelang eingekotet hat immer nur Namen Zahlen aufgesagt. Selbst der Krankenwagen, der am Freitag gerufen wurde hat ihn nicht mitgenommen obwohl er in diesem Zustand war.

    Es freut mich, das es wenn man den richtigen Arzt und ein funktionierendes Gesundheitssytem hat, gaaaaaaaaanz lange mitHIV leben kann.
    Resumee:

    In der Türkei gibt es tatsächlich Menschen, die ihm jedes Jahr am Weltaidstag gratuliert haben.

    Ärzte die Behandlungen verweigern, weil auf der Akte HIV-positiv steht.

    Zahnärzte die keine Zähne behandeln.

    Sanitäter die apathische Menschen liegen lassen.

    Das darf nicht sein........ :evil:

    Bitte macht weiter mit diesem Forum, schade dass ich euch erst jetzt gefunden habe.


    Danke für euer Ohr ( auge)
     
  2. Revilo

    Revilo Mitglied

    Mein aufrichtiges Beileid

    ich wünsche Dir die Kraft mit dem Erlebten und dem Verlust klar zu kommen. Für Deinen Bruder hat das Leiden, das vermutlich nicht mehr besser geworden wäre ein Ende.

    Es ist nur zu hoffen, dass deine Beobachtungen und Erfahrungen in der Türkei nicht die Regel sondern die besonders schlimme Ausnahme sind.

    Allerdings scheint sich die weltweite Großwetterlage (nicht nur in Bezug aufHIV) einzutrüben. Ich denke in dem Zusammenhang an die neuen "Schwulengesetze" in Russland ... welche die "schwule Propaganda" unter Strafe stellen und damit auch negativen Einfluß auf die HIV-Arbeit haben werden. Leider wird das HIV-Thema vorwiegend nur innerhalb der Gaycommunity öffentlich thematisiert bzw. man hat in diesen Kreisen den Mut offen damit umzugehen. Das wird, zumindest in RUssland, jetzt deutlich schwerer werden ... ich frage mich, ob solche Tendenzen der Weg in einen neuen Faschismus sind?!? :x

    Viel Glück ...
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Willow,

    es tut mir unendlich leid zu lesen, was Deinem Bruder widerfahren ist und ich wünsche Dir und den Deinen die Kraft, damit umgehen zu können.

    Du hast ein paar Dinge angesprochen, die leider nicht nur für die Türkei gelten, sondern auch in Deutschland immer noch anzutreffen sind.

    Es gibt in der Tat auch in unserem Land noch Ärzte, dioeHIV-positive Menschen nicht behandeln - egal, wie dumm ihre Ausrede dafür sein mag. Es gibt allerdings auch immer noch Patienten, die von ihren Ärzten erwarten, dass sie HIV-Patienten in einem anderen Sprechzimmer behandeln.

    Es gibt auch in Deutschland immer noch viel zu viele Zahnärzte, die HIV-positive Patienten nicht behandeln, weil sie glauben, sie müssten danach ihre Instrumente extra sterilisieren. Manchmal frage ich micht, was die in hrem Studium über die Sterilisation gelernt haben.

    Auch wenn es jetzt merkwürdig klingt ... aber ich musste zunächst grinsen, als ich das hier las:
    Mein erster Gedanke war: Wow ... die kennen den Welt-Aids-Tag! Aber dann entglitten mir sämtliche Gesichtszüge, als ich erkannte, was wirklich dahinter steckte ... :(

    Eines versprechen wir Dir: Wir werden hier - und auf anderen Ebenen - weitermachen.

    Alles Gute!
     
  4. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Das tut mir echt leid was da gelaufen ist.Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

    Auf solche misstände muss doch mal hingewiesen werden, die Türkei will ja schließlich auch in die EU.

    Liebe grüße aus Bremen nach Bremen
     
  5. Willow

    Willow Neues Mitglied

    Hallo ihr Lieben,
    vielen vielen Dank für dei warmen tröstenden Worte.
    Zu Matthias: ich wusste nicht, das es in Deutschland auch so ist, dass Ärte, die Stunden mit Übertagung von Erregern auch verschlafen haben. Aber es ist doch traurig, dass Menschen vom Fach noch immer so aufHIV reagieren.. Da kann man ja nicht mal mehr sagen, dass HIV mit den Grundkenntissen zum ALLGEMEINWISSEN GEHÖREN SOLTE.

    Weldaidstag ist eine super Idde, aber aus meiner Sicht fehlt da was: IHR ALLE SEID DIE HELEDEN DES ALLTAGES.

    zu Revilo: auch Dir danke ich aus ganzem Herzen für deine Anteilnahne, ich habe gedacht: Ich bekomme keine Antwort, weil ich ja auch nichts gefragt habe. Aufklärung kann es nie genug geben auch Russland wird irgendwann dieses akzeptieren müssen, man kan nicht so tun als wenn Dinge nicht vorhanden sind.
    Kinern erzählt man Geschichten um einzuschlafen, aber Erwachsene brauchen die Wahrheit um endlich aufzuwachen.
    Danke

    zu Mircstra:
    Das war auch mei erster Gedanke: Ihr wollt in die EU??????
    Geht erst einmal mit Menschen würdig um.

    Ich wollte mir ein T-Shirt drucken lassen mit deer Worten "DEUTSCHE ÄRTZE SIND BESSER" aber die Türken können ja kein deutsch in der
    Türkei. Und Matthias hat mir gesagt, dass dieses Problem auch in Deutschland vorhanden ist. Ich kann nicht verstehen warum?!

    Warum ist man nur OK, wenn man in die DIN Norm passt????

    Sorry für meinen schreibwise aber es geht nicht in meinen Kopf.
    Jeder hat seine DASEINSBERECHECHTIGUNG
    Egal welche Einstellung, Religion oder Hautfarbeman man hat.
    Aber ich werde das Gefühl und auch meine Eindrücke nicht los, dass es Menschen gibt (nicht 1oder2 nein,ein ganzes Nest) aber alle reden wild drauf los. Sogar das aberissene Brot war infiziert, da hat niemend das mehr angerührt.

    danke euch allen
     
  6. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Ich kann sagen das die Leute immer noch viel zu Wenig aufgeklärt sind.

    Ich hatte bis vor ein paar Jahren auch Angst vor dem ganzen. Wenn man unwissend ist , dann ist es einfach eben leichterHiv Positive auszugrenzen und sie zu diskrimieren als sich mit der Materie zu beschäftigen.

    Leider seh ich das heutzutage immer noch. Sogar in meinem Freundeskreis.

    Wie gesagt , ich war auch unwissend und Ängstlich bevor ich an so ne Typen wie Matthias geraten bin. Und das ist garantiert alles andere als Negativ gemeint :)

    Man muss immer wieder und immer weiter versuchen die Menschen wachzurütteln
     
  7. lost

    lost Bewährtes Mitglied

    Hallo Willow,

    mein herzliches Beileid!
    Es tut mir so leid, Die Geschichte Deines Bruders zu lesen, gleichzeitig macht es mich aber auch so richtig wütend.

    Auch in Deutschland gibt es Ärzte, dieHIV-positiven Patienten die Behandlung verweigern oder diskriminieren, bis sie freiwillig eine andere Praxis suchen.

    Glücklicherweise gibt es hier aber auch anders denkende und handelnde Ärzte und viele Hilfsorganisationen.
    Deswegen musste ich gerade ganz schön schlucken, als ich gelesen habe, wie Dein Bruder behandelt, bzw. nicht behandelt wurde.
    Ich bin gerade heute unheimlich dankbar, hier in Deutschland zu leben, wo ich die nötige Unterstützung bekomme. Ich bin nämlich heute in ein betreutes Wohnprojekt gezogen, weil auch bei mir das Virus mein Hirn zerfrisst... und dann lese ich ausgerechnet am Tag meines Umzugs diese Geschichte, die mir noch mal vor Augen führt, wie gut ich es eigentlich trotz meiner Einschränkungen habe.
    Anstatt damit zu hadern, dass ich nicht mehr allein wohnen kann, sollte ich lieber dankbar sein, dass ich das auch gar nicht muss.

    Vielen Dank fürs Schreiben. Deine Zeilen haben mich sehr berührt und ich finde es total gut, dass Du darüber schreibst. Das sollten viel mehr Angehörige tun, (anstatt sich für ihre infizierten Familienmitglieder zu schämen :roll: ).

    Ich wünsche Dir alles Liebe, ganz viel Kraft und Trost, um mit diesem harten Verlust fertig zu werden.
     
  8. roadrunner

    roadrunner Neues Mitglied

    Hallo Willow,

    mein Beileid zum Verlust deines Bruders.......wenn man das so liest, wie
    man deinen Bruder in der Türkei behandelt hat, dann bin ich sprachlos............

    Ich selber bin negativ, aber meine Frau ist positiv, und war vor 4 Monaten wegen AIDS im Krankenhaus.
    Ablehnung oder Ausgrenzung ist mir dort in kleinster Weise widerfahren....

    umso mehr betrübt es mich, zu hören wie es in der Türkei war....bzw. ist.

    Aber ich verstehe nicht, wenn er doch zuerst in Deutschland war, mitHIV+ Status, so konnte er trotzdem abgeschoben werden?
    Dies ist doch nur dann zulässig, wenn eine adäquate ärztliche Versorgung in dem jeweiligen Land gewährleistet ist oder?

    Mir würde jetzt sehr viel einfallen zu diesem Thema, aber ich bin grad innerlich etwas aufgewühlt, daher lass ich es lieber....

    Nochmals, mein Beileid....
     
  9. Mircstar

    Mircstar Bewährtes Mitglied

    Da scheint eh einiges schief zu laufen.

    Menschen die in Abschiebehaft sitzten wird in vielen Ländern ( Darunter z.b Großbritannien ) der zuhriff zu den Medikamenten verwehrt
     
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