HIV im Theater

Dieses Thema im Forum "Hausarbeiten, Uni und Forschung" wurde erstellt von selby, 4. Februar 2014.

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  1. selby

    selby Neues Mitglied

    Hi allerseits,

    ich bin Schauspielerin und meine nächste Rolle istHIV positiv. Ich bin bei meiner Vorbereitung in dieses Forum gestolpert und habe schon jede Menge herumgelesen. Ich habe dennoch ein paar Fragen, die ich sehr gerne mit direkt Betroffenen besprechen würde, um ein möglichst authentisches und lebensnahes Theatererlebnis mit dieser Krankheit gewährleisten zu können.
    Ich hoffe es findet sich jemand, der die Muße hat, mich dabei zu unterstützen. Über jede Hilfe, Anregung bin ich dankbar!

    Also, meine Rolle hat seit 4 Jahren HIV. Sie hat sich direkt nach ungeschütztem Sex testen lassen und auch direkt eine Therapie begonnen. (Welche Therapie, wird nicht gesagt.)
    Nun soll meine Rolle einen Kreislaufzusammenbruch auf der Bühne bekommen. Sie selber sagt dazu, sie verträgt ihre Medikamente nicht gut und muss sie von ihrem Arzt neu einstellen lassen. Sie übergibt sich mehrfach im Verlauf des Stückes. Laut Textbuch nimmt sie Viriat.

    Meine Fragen: Kommt es im Verlauf einer schon längerfristigen Therapie zu solchen Unverträglichkeiten? Übelkeit, Erbrechen, Kreislaufkollaps? Ist Viriat noch ein aktuelles Medikament? Wieviele Medikamente, konkret Pillen muss man "normalerweise" täglich schlucken, und wie sehen sie aus? Wir verwenden derzeit in den Proben TicTac, dabei ist aber klar, dass das unrealistisch ist. Kann man nebenher Schmerzmittel wie Aspirin etc. einnehmen?
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo selby,

    hier ein paar Grundanmerkungen:

    1) Das Medikament heißt Viread und ist noch im Handel (Beipackzettel)

    Bei Tenofovir (so heißt der Wirkstoff) sind Wechselwirkungen zu anderen Medikamenten (z.B. Aspirin) lt. Beipackzettel nicht bekannt.

    2)
    Das ist zwar wünschenswert, aber etwas lebensfremd. Der Schritt in eine Therapie ist sehr schwer, weil sich die Betroffenen erst einmal klarmachen müssen, dass die Pillen ab sofort lebenlang Begleiter sein werden. Ob Tenofovir alleine gegeben werden kann oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen gegeben werden muss, ist vom jeweiiigen Fall abhängig. Pauschal lässt sich dazu nicht viel sagen. oder aber so viel, dass es die Dauer des Stückes radikal ändern würde.

    3) Dass man Medikamente jenseits der Nebenwirkungen nicht gut verträgt, kann passieren. Ich persönlich habe allerdings noch niemals von Kreislaufzusammenbrüchen aus diesem Grund gehört. Zudem würde es von mangelnder Compliance (Zusammenarbeit Patient und Arzt) sprechen, wenn der Patient nicht schon frühzeitig auf Unverträglichkeiten hinweisen würde. Man kann aber alsHIV-positiver Mensch auch Kreislaufzusammenenbrüche erleiden, die überhaupt nichts mit der Infektion zu tun haben. Hier scheint mir das Drehbuch doch sehr überzudramatisieren.

    4) Ohne Nebenwirkungen ist die Therapie selten zu haben. Magenprobleme, Übelkeit, Müdigkeit sind die häufigsten. Dabei kann es auch zu Erbrechen kommen - aber jeder »normale« Positive ... vor allem, wenn er oder sie bewusst früh mit der Therapie beginnt ... würde das sofort seinem Arzt mitteilen. Denn Erbrechen bedeutet, auch die Tabletten wieder zu erbrechen ... und damit den Therapieerfolg zu gefährden. Auch hier finde ich das »überdramatisch«.

    5) Die Anzahl der Pillen ist unterschiedlich. Ich nehme 9/Tag, ich kenne welche, die nehmen 26/Tag. Das sind aber beides Fälle von Alt-Infektionen. Bei einer vor vier Jahren entdeckten Infektion - wenn sie denn tatsächlich »frisch« ist - würden wohl Gaben von 1-2 Tabletten/Tag ausreichen. Nur - TicTacs sind das nicht. Ein Bild von (meinen) Tabletten kannst Du Dir im Film in meiner Signatur machen.

    Übrigens: Vier Jahre Therapie sind nicht unbedingt »längerfristig«. Die nach wie vor gültige Kombinationstherapie (HAART bzw. ART) wird seit 1996 eingesetzt (mehr als 17 Jahre) ... und das zuerst (mit zweifelhaften Erfolgen) eingesetzte AZT wurde 1987 (vor 27 Jahren) von der FDA zugelassen.

    Macht Ihr das Stück auf einer »normalen« Bühne, einer Off-Bühne oder für Schulen? Wer ist Eure Zielgruppe ... und: Worum geht es denn im Stück? Ist HIV das Hauptthema oder eine Randerscheinung? Soll durch die Thematisierung etwas 'rübergebracht werden? Wenn ja, was?
     
  3. selby

    selby Neues Mitglied

    Hi Matthias,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort, das hilft mir schon mal jede Menge weiter!
    Das Theater ist eine Privatbühne, zählt aber als 3.größtes Theater Aachens. D.h. wir sind professionell und erreichen sehr viele Menschen mit unseren Produktionen, da wir übers ganze Jahr nahezu komplett ausverkauft sind.
    Ich bin in Gesprächen mit meiner Regisseurin (die auch gleichzeitig die Autorin des Stücks ist), und wir werden gemeinsam daran arbeiten, meine Figur so "korrekt" wie möglich darzustellen. Ich stimme dir zu, dass gewisse Dinge überdramatisch wirken, allerdings ist das natürlich auch ein theatrales Mittel, um Dinge hervorzuheben oder deutlicher zu machen auf einer Bühne.

    Das ThemaHIV ist nicht das Kernthema des Stückes, aber doch ein wichtiges Thema. Meine Figur outet sich ca. nach der Hälfte, es geht um Vorurteile und den Umgang mit dieser Krankheit vom nahen sozialen Umfeld...
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Sach ma ...

    ... hast Du denn 'ne Originaldose Viread? Ich kann Dir eine besorgen. Meld' Dich einfach via eMail (siehe Kontaktdaten auf meiner Website - Link unten).
     
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