HIV - auch ein Thema bei der Polizei - Interviewanfrage

Dieses Thema im Forum "Hausarbeiten, Uni und Forschung" wurde erstellt von Anna S., 2. August 2013.

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  1. Anna S.

    Anna S. Neues Mitglied

    Hallo liebe Forumsmitglieder,

    ich bin 23 Jahre alt, wohne derzeit in der Nähe von Fulda und absolviere ein Studium für den gehobenen Dienst bei der Hessischen Polizei und befinde mich derzeit im fünften von sechs Semestern. Neben diversen Modulprüfungen in Form von schriftlichen Prüfungen, Hausarbeiten und Vorträgen ist es uns vergönnt eine 30-50 seitige Abschlussarbeit zu schreiben, an der ich gerade arbeite.

    Mein Thema "Strafrechtliche Probleme im Zusammenhang mitHIV-Infektionen" habe ich gewählt, nachdem wir im Unterricht die strafrechtliche Bewertung einer HIV-Infektion diskutierten: Wie ist jemand zu bestrafen, der in vollem Bewusstsein über seine eigene Erkrankung und alle damit verbundenen Folgen mit einer anderen Person den Geschlechtsverkehr ausübt? Ergebnis meiner Arbeit soll eine Diskussion über die "angemessene" Bestrafung eines solchen Täterverhaltens sein.

    Auch wenn es bei dieser Arbeit freilich zum größten Teil um die strafrechtliche Kernproblematik geht, so will ich eben auch die Krankheit HIV selbst auf einigen Seiten erörtern. Dazu gehört eine allgemeine, sachliche Darstellung der Krankheit. Weiterhin würde ich gerne auch die Ansichten einer HIV-positiven Person - gerne auch mehrerer :) - zu diesem Thema mit Einbringen. Dies würde ich gerne duch eine Art offenes Interview erreichen, zu dem ich mir bereits einige Eckpunkte überlegt habe:

    1) Vorstellung der Person wie: Alter & Geschlecht, Seit wann HIV-Positiv?, aktuelles Stadium der Krankheit, ...

    2) evtl. eine allgemeine Fallschilderung: ist bekannt, wer Sie infiziert hat (ohne Namen zu nennen, nur ja oder nein); gab es eine Gerichtsverhandlung zum Fall? Falls ja: mit welchem Ausgang? Wie empfanden sie die Strafe; Falls nein: Hätte man sich eine Strafe gewünscht? Was wäre angemessen? Ist solch ein Täterverhalten überhaupt angemessen zu bestrafen (aus ihrer Sicht)?

    3) Schilderung über ein Leben mit HIV, werden Einschränkungen empfunden, Umgang der Mitmenschen mit HIV; HIV - ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft? Umgang mit der Diagnose HIV, ...

    Wie gesagt soll es sich hier um grobe Richtlinien für ein Interview handeln. Es ist mir besonders wichtig die psychischen Folgen einer Infektion anschaulich darzustellen, da dies auch für die strafrechtliche Bewertung von Belang ist und ich ebendies am Ende meiner Arbeit diskutieren möchte: Kann sich eine Strafe allein an den durch eine HIV-Infektion zu erwartenden körperlichen Folgen bemessen? Oder muss vielmehr auch die psychische Wirkung mit einbezogen werden?

    Es wäre mir lieb, wenn ich dieses Interview in einem persönlichen Gespräch durchführen dürfte und bin gerne bereit auch weitere Strecken in Kauf zu nehmen. Aber ich freue mich auch über jeden Email- bzw. telefonischen Kontakt.

    Ein solches Interview kann nach Wunsch auch anonym erfolgen, bzw. ich werde Namen nach einem persönlichen Gespräch nicht in die Arbeit mit einbringen.

    Falls noch Fragen offen geblieben sein sollten, so werde ich diese gern beantworten - gerne auch über meine Emailadresse. Ansonsten bleibt mir vorerst nur zu sagen, dass ich mich sehr darüber freuen würde und sehr dankbar wäre, wenn sich jemand bereit erklären würde, ein Interview durchzuführen.

    Mit lieben Grüßen
    Anna

    PS: hier noch mein Email-Kontakt: anna-stomps(at)web(dot)de
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ui ui ui, Anna ...

    ... aber erst einmal guten Tag!

    Das ist ein sehr schwieriges Thema, weil schon der Titel der Hausarbeit ausgesprochen kontraproduktiv ist - und er bereits eine Vorverurteilung enthält, der ich in aller Deutlichkeit widersprechen muss.

    Alle Fachgesellschaften - dagnä, DAH, DAIG - haben eine klare Position gegen die KriminalisierungHIV-positiver Menschen bezogen. Warum?

    Weil die Verantwortung für die Gesundheit nicht an den Sexualpartner übertragen werden kann. Jeder ist für seine Gesundheit selbst zuständig und muss - auch ohne gefragt zu werden - gerade bei Personen mit unbekanntem Serostatus Schutzmaßnahmen ergreifen bzw. verlangen. Das ist sowohl Recht wie auch Pflicht.

    Wenn der Geschlechtsverkehr einvernehmlich - sprich: mit von beiden Seiten akzeptierten Bedingungen - ausgeführt wird, muss klar sein, dass auch die Verantwortung einvernehmlich geteilt wird. Wer sich bei einvernehmlich ausgeführtem Geschlechtsverkehr infiziert, trägt seinen Teil der Verantwortung selbst.

    Es kann und darf nicht angehen, dass positive Menschen »gezwungen« werden, sich zu outen - in einer Situation, in der die antiretrovirale Therapie bei über 60% der Infizierten für eine dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegende Viruslast sorgt und diese Menschen damit praktisch nicht mehr ansteckend sind.

    Wenn positive Menschen, die von ihrer Infektion (nicht unbedingt Erkrankung! Das ist durchaus etwas anderes!) wissen, kriminalisiert werden, führt das letztlich dazu, dass sich Leute nicht testen lassen, um im Falle des Falles von ihrem Unwissen zu profitieren. Das wird zur Folge haben, dass die Infektionsraten steigen - was ein gefährliches Produkt dieser Haltung ist.

    Anders sieht die Sache aus, wenn HIV als »Waffe« eingesetzt wird. Das macht aber im Höchstfall nur ein Bruchteil der etwa 80.000 positiven Menschen in Deutschland. Ich schätze den Anteil auf 0,01%. Das Unwissen über HIV hingegen - auch bei der Polizei - schätze ich auf 80%.
     
  3. Anna S.

    Anna S. Neues Mitglied

    Hallo Matthias,

    ich fürchte ich habe mein Thema falsch bzw. nicht ausreichend dargestellt.

    Zunächst darf ich dir erst einmal zustimmen, dass das Wissen überHIV bei der Polizei nicht unbedingt so umfangreich ist, wie es sein sollte. Auch ich habe mir nach unserer Unterrichtsdiskussion eingestehen müssen, dass ich nicht allzu viel weiß, was unter anderem ein Grund dafür war, dieses Thema zu wählen. Weiter gehe ich auch davon aus, dass ein solches Wissen auch bei Richtern und Staatsanwälten nicht unbedingt bestmöglich vorhanden ist. - Wobei ich gelesen habe, dass bei Gerichtsverhandlungen Gutachter mit einbezogen werden, was diesen Umstand etwas ausgleicht.

    Es geht keines Falles um eine Vorverurteilung aller HIV-Positiven. Es geht rein sachlich um die strafrechtliche Bewertung. Hier will ich mich nur auf die Fall-Variante des einvernehmlichen Geschlechtsverkehres beschränken; d.h. alle Gewaltdelikte wie Vergewaltigung und ähnliches bleiben außen vor.

    Ich muss sagen, dass ich mich gerade über diese kritische Anwort freue, denn ich will in meiner Arbeit keines Falles zu dem Ergebnis kommen, dass eine Alleinschuld immer beim Infizierten liegt. Es geht um die Einbeziehung der heutigen medizinischen Möglichkeiten, der tatsächlichen Ansteckungsrisiken, die Eigenverantwortung beider Sexualpartner.

    Es soll ja gerade um die PROBLEMATIK der strafrechtlichen Bewertung eines solchen Falles gehen, daher sehe ich mein Thema als solches nicht als vorverurteilend. Ich schätze eher meine "Eckpunkte für das Interview" haben diesen Eindruck erweckt. Ich möchte dieses Interview eben dafür nutzen HIV nicht nur medizinisch darzustellen, sondern aus der Sicht betroffener Personen - gerne auch kritisch in Bezug auf die deutsche Rechtsprechung.

    Denn auf den ersten Blick würde man vielleicht meinen, wer HIV positiv ist trägt die Verantwortung, denn dieser hätte es ja in der Hand, ob andere sich anstecken oder nicht. Eine Meinung, die ich im Gespräch mit Studienkollegen und Freunden häufig erlebte.

    Strafrechtlich bedeutet dies beispielsweise grundsätzlich zunächst:
    Bei einvernehmlichem Geschlechtsverkehr, und der Kenntnis beider Sexualpartner über die Infektion des einen geht die Sache strafrei aus.

    Kritisch wird es ja besonders dann, wenn einer der beiden nicht von der Infektion des anderen weiß:

    Kann das "Nicht-Nennen" der eigenen Infektion strafrechtlich der Hauptgrund sein, den HIV-positiven zu verurteilen? Dies würde eine HinweisPFLICHT bedeuten, welche dann zwar nicht im Gesetz definiert ist, aber sich eben aus solcher Rechtsprechung ergäbe. Kann das rechtens sein, oder liegt hier eher ein Konflikt mit dem Grundgesetz vor?

    Weiter kommt es ja auch darauf an, in welchem Verhältnis die beiden zu einander standen - wenn eine in diesem Fall nun neu infizierte Person nachweislich ständig wechselnde Geschlechtspartner hat, so steht hier ja auch eine erhebliche Eigenverantwortung im Raum.

    Dann gibt es Fälle, in denen ein infizierte Person von sich aus zwar nichts gesagt hat, aber sich alle Mühe gab eine Ansteckung zu vermeiden, wie Verhütung mittels Kondom bzw. Medikamente. (Gerade über die heutigen medizinischen Möglichkeiten eine Ansteckung auf das Minimum zu reduzieren weiß ich nicht besonders viel)

    Aber es gibt eben auch eben jene Fälle in denen Menschen über ihre Frustration ihrer Infektion bewusst versuchen möglichst viele andere Menschen anzustecken.

    Ich möchte diesesThema gerne aus beiden Perspektiven beleuchten: Aus der Sicht des Opfers und des Täters (wenn man es so nennen kann).

    Denn bei der strafrechtlichen Bewertung sollte doch letztlich die Intention des "Täters" wichtig sein.

    Wie gesagt: Für solch kritische Antwort bin ich sehr dankbar, denn ich stehe vor der Problematik, dass in den Lehrbüchern des Strafrechts, auf welche ich derzeit Zugriff habe, häufig von einer Hautpverantwortung des Infizierten ausgegangen wird und einige obengenannter Gedankengänke unbeachtet bleiben. Daher würde ich mir eben auch ein persönliches Gespräch wünschen, da ich denke, dass sich daraus mehr ergibt, als aus ein paar Fragen, die ich dann per Mail an Freiwillige versende.

    Lieber Gruß
    Anna
     
  4. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Jo ... dann Nägel mit Köpfen. In meiner Signatur findest Du meine Website, und da meine Kontaktdaten. Vielleicht können wir ja wirklich mal ein »Date« ausmachen ... und Berlin ist sowieso schön :))

    Alternativ bzw. ergänzend kann ich Dir natürlich auch *aufdieeigeneschulterklopf* mein Buch empfehlen :)
     
  5. Anna S.

    Anna S. Neues Mitglied

    Super, vielen Dank schon mal. :)

    Über weitere "Freiwillige" würde ich mich sehr freuen.

    Lieber Gruß
    Anna
     
  6. ChrisLDK

    ChrisLDK Poweruser

    Guten Morgen ...

    natürlich stehe ich auch gerne Rede und Antwort.

    Was das Thema angeht, so sehe ich das wie Matthias und reagiere auch entsprechend darauf. Gerne aber würde ich Deine Fragen beantworten.

    Vielleicht können auch wir mal ein "Date" ausmachen :)

    LG
    Chris
     
  7. Aymaraa

    Aymaraa Bewährtes Mitglied

    Hallo Anna

    ich bin zwar selber negativ, habe aber einen positiven Partner. Hilft dir das auch weiter? Ich denke, er würde auch mit am Interview teilnehmen. Kann ihn nur leider grade nicht fragen.

    Leider gibt es hier ja keine PN-Funktion mehr und meine Kontaktdaten möchte ich hier nicht veröffentlichen. Aber wenn du sowieso mit Matthias Kontakt aufnimmst, ist er vielleicht so lieb dir zu verraten, wo du mich auf FB findest.
     
  8. Anna S.

    Anna S. Neues Mitglied

    Hallo Aymaraa, Hallo Chris

    ich freue mich sehr, dass ihr euch bereit erklärt habt meine Fragen zu beantworten.

    @Chris: Ich habe dir bereits eine Email geschrieben. :)

    @Aymaraa: Ich würde mich freuen, wenn ich ein persönliches Gespräch mit dir und deinem Partner führen dürfte; ich selbst wohne in der Nähe von Fulda, vielleicht ist das nicht allzu weit von euch weg. Alternativ können wir auch gerne ein Telefon-Interview machen, bzw. ich könnte die Fragen auch per Mail versenden. Leider habe ich kein FB-Profil. Daher würde ich dich gerne bitten, mir eine kurze Email zu schreiben. Meine Emailadresse: anna-stomps(at)web(dot)de.

    Ich würde mich freuen bald von euch zu hören

    Ganz lieber Gruß
    Anna
     
  9. Anna S.

    Anna S. Neues Mitglied

    Danke !

    Hallo liebe Forumsmitglieder,

    meine Arbeit steht nun kurz vor ihrer Fertigstellung.

    Interviewpartner brauche ich daher nicht mehr.

    Lieben Dank an Matthias für die Beantwortung meiner Fragen. =)

    Lieber Gruß
    Anna
     
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