Guten Abend zusammen

Dieses Thema im Forum "Vorstellungen" wurde erstellt von wachgerüttelt, 21. Mai 2019.

  1. wachgerüttelt

    wachgerüttelt Neues Mitglied

    Guten Abend zusammen, ich bin Mitte 50, seit 5 Jahren geschieden mit zwei erwachsenen KIndern und hatte vor etwa drei Jahren mein inneres coming out (mit meiner Ex-Frau habe ich mittlerweile gesprochen, mit den Kindern noch nicht) und habe seit einiger Zeit eine Fernbeziehung (sehen uns nur alle zwei/drei Monate). Am Wochenende war ich in einer Sauna und hatte dort ungeschützten aktiven AV mit mehreren Männern. Ich bin ca. 8 Stunden danach ins Krankenhaus und bin seitdem auf PEP. Nun kommt in zwei Wochen mein Freund überraschenderweise zu Besuch - was nun bei mir einige Fragen aufwirft und hoffe hier auf Antworten darauf.....
     
  2. Unser Tipp Frage jetzt einen Arzt! HIV-Symptome.de

  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Guten Abend,
    ungeschützter Verkehr als Aktiver ist weniger risikoreich als als Passiver. Trotzdem ist es natürlich ein RK. Aber mal ganz ehrlich: Du hast gerade eine Lebensphase, die alles durcheinanderbingt. Kommt die Angst daher? Tatsächlich haben wir in Deutschland etwa 90.000 Menschen mit HIV, von denen 75% dank Therapie unter der Nachweisgrenze und nicht mehr ansteckend sind. Das heißt, die Chance, sich anzustecken ist real deutlich geringer als gefühlt.

    Du hast es geschafft, Dir über Deine sexuelle Orientierung klar zu werden – das ist nicht einfach – aber das heißt ja nicht, dass Du Dich sofort mit HIV ansteckst. Trotzdem empfehle ich Dir, lieber geschützten Sex zu betreiben, um Dich in der neuen Situation erst einmal zurecht zu finden.

    Ob die PEP wirklich notwendig war, kann ich – können wir – nicht beurteilen … aber ich befürchte, dass sie aufgrund des Gedankens, dass homosexueller Verkehr vielleicht doch verwerflich sei … sprich: Du alte Verhaltensweisen übernommen hast … als »Entschuldigung« verstanden wird.

    Letztlich ändert sich nichts: Du hast einen Freund, aber hattest auswärtigen Sex. Hier ist kein Unterschied, ob Du einen Partner oder eine Partnerin hast. Du bist – wie man so schön sagt – fremdgegangen. Und im Zweifelsfall ist das schlechte Gewissen – dass man fremdgegangen ist – der Auslöser für die Angst, sich dabei irgendetwas geholt zu haben …
     
  4. wachgerüttelt

    wachgerüttelt Neues Mitglied

    Danke Mathias, für die schnelle Antwort.

    Mag sein, dass die PEP vielleicht übertrieben erscheint und klar ist safer sex sinnvoller. Ich hatte auch den Gedanken, dass es schon Pech sein müsste, sich angesteckt zu haben - aber ich wollte das Risiko - wenn ich es schon nicht schaffte im entscheidenden Moment safe sex zu praktizieren - zumindest danach soweit es irgendwie geht reduzieren.

    Natürlich habe ich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Freund und schäme mich auch dafür. Ich werde mich jetzt zumindest noch meinen Kindern gegenüber outen und offen zu ihm als Freund stehen sowie nach Wegen suchen, öfter mit meinem Freund zusammen sein zu können- das hat mich diese Situation gelehrt, in die ich mich da selbst reinmanövriert habe. Vor allem, da er als jemand, der seit seiner Jugend offen zu seinem Schwulsein steht sehr viel Geduld und Verständnis für meine schwierige Situation aufbringt und mich in keiner Weise unter Druck setzt.
     
  5. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Wenn es sich für dich richtig anfühlt und du dir das reichlich überlegt hast, finde ich das klasse von dir und wünsche dir dabei nur das Beste!

    Ich bin 31 Jahre alt und genauso lange bin ich homosexuell, auch ich gehe damit völlig offen um und hatte das grosse Glück, dass sowohl meine Familie, als auch mein Freundes und Kollegenkreis immer hinter mir gestanden haben, obgleich ich auch verstehen kann, dass es vielen in dieser Beziehung nicht so gut geht, wie mir.

    Ein grosser Schritt von dir war, dass du deine Ex-Partnerin bzw. die Mutter deiner Kinder eingeweiht hast, das finde ich klasse.

    Es ist dein Leben, du hast nur dieses eine, lebe so, wie du glücklich bist. :)

    Dafür wünsche ich dir alles Gute!
    Zum Risiko hat @matthias schon alles gesagt, was wichtig ist, dem stimme ich zu 100% zu.
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    @wachgerüttelt – Wenn ich Deine Zeilen lese, kann ich feststellen, dass Du den Nick in jeder Hinsicht mit Bedacht gewählt hast. Nur eine Bitte: Lass' es langsam angehen. Du hast einen Weg beschritten, der Dich schon über einen längeren Zeitraum beschäftigt hat. Deine Umgebung hat in dieser Frage überwiegend noch keinen einzigen Schritt unternehmen können. Versuche jetzt nicht, alles auf einmal und vor allem alles »mit Gewalt« (im übertragenen Sinne) nachzuholen.

    Ich drücke Dir auf jeden Fall die Daumen.
     
  7. wachgerüttelt

    wachgerüttelt Neues Mitglied

    Danke für die schnellen, klaren und offenen Antworten.
    @matthias: Verstehe ich Dich richtig, dass Du meinem Vorhaben mich gegenüber meinen Kindern zu outen für übereilt hälst und auch mein Vorhaben nach Wegen zu suchen, die Fernbeziehung zu intensivieren? Wobei ich noch ergänzen möchte, dass die Überlegung, mich nach drei Jahren gegenüber meinen Kindern zu outen, schon seit einiger Zeit bei mir akut ist - durch das letzte Wochenende habe ich jetzt das Gefühl, dass es jetzt die richtige Zeit dazu ist.
     
  8. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Wenn du das dringende Bedürfnis hast dein "Coming out"* durchzuziehen, dann mach' das. Obwohl es niemanden etwas angeht mit wem du "ins Bett" gehst und was du da machst...

    * Und nur damit die Begrifflichkeiten stimmen:
    Coming out = du offenbarst jemandem, dass du schwul bist
    Outing = du wirst von jemandem "verpetzt", dass du schwul bist​
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nein, so meinte ich es nicht.

    Was ich meinte: Du hast Deinen Kindern gegenüber drei Jahre Vorsprung, in denen Du Dir selbst den Weg in – na, sagen wir es mal leicht dramatisch – ein »anderes Leben« geebnet hast. Die Hauptaufgabe besteht darin, Deinen Kindern jetzt nicht nur die Tatsachen, sondern auch Deinen Weg zur Erkenntnis zu vermitteln und sie sozusagen mitzunehmen, damit sie vielleicht besser verstehen.

    Letztlich kann die Wahrheit oft verletzend sein … die Ehrlichkeit ist es aber niemals. Ehrlich zu sein, ist essenziell. Du hast halt derzeit zwei sehr unterschiedliche Baustellen … aber ich wünsche Dir alles Gute, den Weg, den Du eingeschlagen hast, auch mit voller Kraft und reinem Herzen zu gehen.
     
  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Jetzt wirste aber päpstlicher als der Papst. »Sich outen« ist ein »Coming-out«. Das ist das Schöne an reflexiven Verben ;)
     
  11. wachgerüttelt

    wachgerüttelt Neues Mitglied

    @matthias : Danke für die Klarstellung und den Hinweis, nicht nur die Tatsache (ich bin schwul und habe einen Freund), sondern auch meinen Weg zu dieser Erkenntnis zu vermitteln. Ich weiß, es wird nicht einfach, aber ich fühle immer deutlicher, dass es für mich der richtige Weg ist...
     
    haivaupos und matthias gefällt das.
  12. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Dazu kann man eigentlich nur gratulieren.
    Ich finde ohnehin, dass man den richtigen Zeitpunkt so nicht definieren kann.
    Richtig ist es dann, wenn du das so fühlst, da sind Tipps von uns eher nebensächlich. ;)
     
  13. wachgerüttelt

    wachgerüttelt Neues Mitglied

    Ein kurzes Update:

    An Christi Himmelfahrt waren meine Kinder, meine Ex-Frau und mein Freund zusammen für vier Tage in einer größeren Gruppe unterwegs. Ich habe dann die Gelegenheit genutzt und habe - nachdem ich das am Wochenende davor mit meiner Ex-Frau besprochen hatte - mit unseren Kindern gesprochen und Ihnen erklärt, dass mein Freund nicht nur eine Reisebekanntschaft / -begleitung ist, sondern ich eine Beziehung mit ihm habe. Die Reaktion war völlig entspannt..... und ich entsprechend erleichtert.

    Und ich habe auch mit meinem Freund gesprochen - ein sehr schweres und emotionales Gespräch. Auch wenn die Wahrheit manchmal schmerzt, aber die Ehrlichkeit und die offene Aussprache hat mich / uns auch weitergebracht.....

    Auch wenn das ganze auf den ersten Blick nichts mit HIV zu tun hat, glaube ich, dass die emotionalen Verwirrungen (nicht offen gelebte Homosexualität, fehlende Offenheit in der Beziehung, Unehrlichkeit gegenüber sich selbst) das eigene Verhalten und auch den Umgang mit dem Risiko beeinflussen.....

    Daher auch das Update.....
     
    Flying_samantha und devil_w gefällt das.
  14. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Wow, das war sicherlich ein großer, aber wichtiger Schritt für Dich und für Deine Beziehung. Super, dass Du das geschafft hast und wirst sehen der Rest (wahrscheinlich Negatives Testergebnis) wird auch noch.
     
  15. Flying_samantha

    Flying_samantha Bewährtes Mitglied

    Das hört sich toll an. Dann kann es ja nur noch aufwärts gegen. Respekt an dich, dass du den Mut zusammen genommen hast und reinen Tisch gemacht hast. Und natürlich für das Outing.
    Lg
     
  16. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Irgendwie bedingen sich Dinge immer gegenseitig … und mit diesem ersten Schritt hast Du wahrscheinlich schon ganz andere »gordische Knoten« zumindest bearbeitet. Alles auf einmal und sofort klappt nicht. Aber ohne ersten Schritt geht gar nichts. Insofern: Mache Schritt nach Schritt, und versuche nicht, Dich selbst überholen zu wollen … Du machst es gerade sehr richtig.
     
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