Freund ist positiv

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von tomtom, 6. Februar 2014.

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  1. tomtom

    tomtom Neues Mitglied

    Hallo, ich habe mich gerade hier angemeldet, weil ich Eure Hilfe benötige. Mein Lebenspartner ist positiv. Er ließ sich letzten September testen und es traf uns ziemlich unvorbereitet, als er das Ergebnis bekam. Wir rechneten nicht damit. Wo und wann er sich ansteckte, kann er nicht sagen. Es kann schon vor unserem Beziehungsbeginn gewesen sein. Das ist jetzt aber für mich nicht mehr so wichtig. Die Diagnose hat uns eher noch enger zusammengeschweißt. Irgendeine unsichtbare Barierre oder sowas gibts bis heute nicht zwischen uns. Ich hatte wohl sehr viel Glück. Wir hatten fast 10 Monate ungeschützten AV Verkehr und ich bin trotzdem negativ geblieben. Mein Mann hatte bei seinem ersten Test ca. 600 CD4 Helferzellen und eine Viruslast von knapp 2000. Also eigentlich nicht tragisch. Andere Werte waren alle unauffällig. Er fing trotzdem mit der Therapie an. Er nimmt jetzt Eviplera und war in kürzester Zeit unter Nachweis. Er verträgt die Tabletten ganz ordentlich. Ich habe den Eindruck, dass er jetzt häufiger müde und schneller erschöpft ist. Er schläft auch nicht mehr so gut. Aber er nimmt die Tabletten jetzt auch erst 6 Wochen und vielleicht wird das auch noch besser.

    Jetzt aber zu meinem Problem. Ich komme mit seinerHIV Infektion einfach nicht so klar. Ich habe keine Angst, dass ich mich anstecke, ich liebe ihn auch über alles und ich verurteile ihn nicht wegen der Infektion. Ich habe aber einfach so fürchterlich Angst um ihn. Die Angst ist, zumindest aktuell, bei seinen Werten unbegründet, aber ich behandel ihn wie ein rohes Ei und fange an ihn zu bemuttern. Gibt es hier Leute, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich und die mir Tipps geben können. Wie würdet Ihr mit so einer Situation umgehen? Meine Gedanken kreisen die ganze Zeit um schlimme Dinge, die wegen seiner Infektion passieren könnten....
    Gruss
    tomtom
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Tomtom,

    schön, dass Du mit Deinen Fragen zu uns gefunden hast (auch wenn der Anlass nicht gerade schön ist ...).

    Zunächst einmal muss ich den Hut vor Dir ziehen, weil Du die Infektion Deines Mannes nicht als Trennungsgrund siehst. Da haben andere Menschen leider ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich finde das super!

    Dann: Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Schlafstörungen sind leider nicht ungewöhnlich. Sie können leichter werden, aber müssen nicht. Ich empfehle gerne, sich gelegentlich beim Sport auszupowern, damit man darüber die Schlafstörungen »übertölpelt«. Kann klappen, muss aber nicht. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

    Und dann erinnerst Du mich an einen meiner letzten Freunde, der ebenfalls kene Angst vor der Infektion hatte - aber Angst davor, dass ich vor ihm sterben können und seine bis dahin investierten Gefühle ins Leere laufen würden. Ich habe ihn dann - obwohl er in der Schweiz lebt - mal mit zu meinem Doc genommen, der ihn ordentlich aufgeklärt hat.

    Nun zu Dir: Lass' die Bemutterung. Dein Mann ist ein ganz normaler Mensch, der lediglich ein paar (Rest-)Viren mehr im Körper hat als andere Menschen. Der vielleicht ein wenig mit seiner Kraft haushalten muss wg Schlafstörungen etc. Aber das war's. Wir Positiven wollen keine Sonderbehandlung ... und vor allem wollen wir nicht, dass sich andere Menschen mehr Sorgen machen als wir selbst. Ich habe mit meinen besten Freunden Kämpfe ausgefochten, bis sie akzeptiert hatten, dass ich die Infektion angenommen hatte, ohne sie weiterhin mehr als nötig zu beachten. Jeder geht damit anders um - aber eins muss klar sein: Er braucht keine Schonung - aber er soll klar sagen, wenn er Ruhe oder dergl. haben will. Aber das würde in jeder völlig gesunden Beziehung ebenso passieren.

    Ergo: Nimm Deinen Mann so wie er ist - und nicht so, wie Du ihn befürchtest.
     
  3. tsunami_xe

    tsunami_xe Neues Mitglied

    Hallo Tomtom,

    ich darf auch mal ein bisschen mitschreiben.
    Bin auch knapp 2 Jahre Partner eines positiven Mannes gewesen, war zu dieser Zeit noch negativ.
    Am Anfang habe ich auch mit Argusaugen auf jeden falschen Huster gewacht und war teilweise sehr bemutternd.
    Wie matthias schon geschrieben hat, wollen wir keine besondere Behandlung. In meinem Falle brauchts das auch nicht, ich bin asymptomatisch positiv und habe bis jetzt nur mit den Nebenwirkungen der Medi´s zu kämpfen.
    BTW, der Mann der vor mir positiv war ist immer noch mein Mann bzw Partner, irgendwie habe ich mich infiziert im laufe der Zeit. Leider weiss keiner von uns wie das passiert sein kann, wir vermuten eine Kondompanne.
    Zu der Zeit meiner Infektion hatte mein Partner eine immens hohe Virenlast und ich denke, das hat auch mit dazugespielt.
    Wenn du noch weiter schreiben möchtest, nur zu...
    :lol:
     
  4. Traumpaar

    Traumpaar Bewährtes Mitglied

    Hi Tomtom,
    mir ging/geht es ähnlich. Bei meinem Mann wurde auch letztes Jahr im SeptemberHIV festgestellt, wir haben nie damit gerechnet, da wir jeder 3 Test im Abstand von je 3 Monaten gemacht hatten. Er jedoch im Ausland, ob da die Test so sicher waren, anscheinend ja nicht. Ich bin negativ.
    Am Anfang habe ich auch auf jede Kleinigkeit geachtet, auf jeden Huster. Es ging ihm sicherlich auf den Keks, aber es war ja für uns beide Neuland. Mittlerweile muss ich sagen, das ich immer weniger daran denke und wir einfach unser Leben genießen, Pläne schmieden etc.. Wir sind in Frankfurt in Behandlung, also er, ich komm immer mit. Der Arzt hat uns auch die Angst genommen und aufgeklärt, wie heutzutage die Krankheit verläuft etc. oder eben nicht verläuft. Diese ganze Zeit hat uns noch mehr zusammengeschweißt. Ich kann mir mittlerweile auch gar nicht mehr vorstellen, das das Thema HIV noch so ein stigmatisiertes Thema ist, weil es für uns einfach jetzt im Leben dazu gehört. Klar rede ich mit keinem darüber, außer in der Familie, mein Mann möchte es nicht, das respektiere ich. Also alles in allem, unser Leben verläuft langsam wieder in ruhigen und normalen Bahnen.
    LG und alles Gute Traumpaar
     
  5. tomtom

    tomtom Neues Mitglied

    Danke für Eure lieben Tipps und die Antworten. In unserer Ehe (wir haben neben der deutschen Lebenspartnerschaftsurkunde auch nen dänischen Trauschein :)D). ) kehrte wieder echte Normalität ein. Ich habe mir im März, von einer Psychologin der örtlichen Aidshilfe, ziemlich "den Kopf waschen lassen". Die (übertriebenen) Verlustängste waren zum großen Teil eher ein Problem von mir, dass durch dieHIV Infektion meines Partners demaskiert wurde. Als ich das erkannte, löste sich die Angst fast aufgenblicklich vollständig auf, obwohl sich ja eigentlich an der Situation nichts änderte. Die Psyche kann manchmal echt seltsam sein. Seit zwei Monaten gehe ich jetzt viel gelassener mit der Situation um.

    Bei meinem Mann ließen die Nebenwirkungen der Therapie weiter nach. Er wird zwar jetzt am Abend nach der Evipleraeinnahme kurz müde und er schläft meistens dann so 20-30 Minuten ein, ist aber sonst wie er schon immer war. Auch Sport ist jetzt wieder ohne Probleme machbar.
    Nervig ist eher, dass man Eviplera zu einer Mahlzeit einnehmen muss und so nicht ganz so flexibel ist. Aber das ist Jammern auf ziemlich hohem Niveau. ^^

    Wenn das hier andere Paare lesen. Lasst Euch nicht unterkriegen, genießt weiter das Leben, schaut dass ihr möglichst schnell wieder sowas wie einen Alltag bekommt und habt vor allen keine Angst vor der HIV-Therapie. Wir wohnen in München und helfen jetzt auch gern anderen in einer ähnlichen Situation. Schreibt uns einfach ne PN. :)
     
  6. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ist hier deaktiviert wegen Spam und weil manche gewisse User regelrecht zugemüllt haben mit PNs in denen sie hundertmal dasselbe fragten.
     
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