Ein bisschen besorgt und eine Frage...

Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Michael1971, 2. Mai 2018.

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  1. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Hallo Ihr Lieben,

    seit kurzer Zeit lese ich hier still mit, nun habe ich mich durchgerungen mich zu registrieren und Euch kurz zu meiner Geschichte zu befragen. Habt Dank fürs Lesen, ich hoffe ich bekomme nicht von Euch die volle Breitseite ab.

    Nun... Ich bin bi, lebe in fester Beziehung mit einer Frau und habe vor ca. 8 Wochen meinem homophilen Drang nachgegeben. Ich habe einen Kerl in der Kneipe kennengelernt, wir sind zu ihm nach Hause und haben ein bisschen herumgefummelt. AV wollten wir beide nicht, einfach nur ein bisschen rummachen halt. Die Ausrede mit dem Alkohol zieht übrigens nicht, ich war nüchtern und wusste genau was ich tat. Es kam nicht einmal zum OV, denn nachdem er während des Befummelns seine Vorhaut über meine Eichel stülpte (ich bin beschnitten), hatte ich schnell die Befürchtung dass es ihm gleich kommen könnte, was dann ja ggf. ein Risiko in SachenHIV darstellt, und habe seine Vorhaut von meiner Eichel zurückgerollt. Ich hatte keine Stoppuhr dabei, aber das Ganze dauerte geschätzte 10 bis 20 Sekunden. Es ist ihm nicht gekommen und die Nummer mit "Und wenn jetzt Blut dabei war?" klemme ich mir auch, denn das hätte ich trotz Halbdunkel irgendwie gemerkt, denke ich. Dennoch war es ein bisschen feucht auf meiner Eichel, und ich traue mich kaum das hier verpönte (weil eigentlich längst geklärte) Wort "Lusttropfen" auszuschreiben. Aber vermutlich genau diese dürften für die Feuchte auf meiner ansonsten trockenen Eichel verantwortlich sein.

    Ja, ich habe den Leitfaden gelesen. Und nicht nur den, sondern auch die vielen anderen Threads hier, in denen immer steht: "Lusttropfen ist nicht infektiös." Und ja, ich lese das gern, denn es beruhigt mich ja.

    Was ich letzte Woche getan habe (nachdem ich bei meiner Partnerin zur Beichte war), ist mich auf Syphilis, Chlamydien und Gonokokken testen zu lassen. Alles negativ. Warum schreibe ich hier nun dennoch? Also, bevor ich Euer Forum gefunden habe, habe ich die Hotline der BZGA angerufen. Ist halt erstmal das Naheliegendste. Ihr ahnt was kommt, denn dort sagte man mir, dass der Lusttropfen auf der Eichel ein Risiko darstellt. Ein Anruf bei der Aidshilfe Düsseldorf unterstützt hingegen Eure Aussage, dass man im Jahr 2018 davon ausgeht, dass der Lusttropfen nicht infektiös ist, egal ob bei AV, OV oder wie oben beschrieben. RKI hingegen kann sich wiederum nicht dazu durchringen zu schreiben, dass der Lusttropfen nicht infektiös ist. Unseriöse Seiten der Kategorie www.hiv-macht-gruene-fuesse.de habe ich erst gar nicht angeklickt, und auch das Med1-Forum war übrigens schon mal lesbarer.

    Was mich nun beschäftigt ist die Uneinigkeit der genannten, ernstzunehmenden Quellen. Bei allen (!) anderen Körperflüssigkeiten sind sich alle einig, in diesem Fall jedoch (noch) nicht? Bitte nicht verkehrt verstehen, ich will keine Quellen gegeneinander ausspielen und schon gar nicht Euren Standpunkt in Frage stellen. Das liegt mir fern und das steht mir auch nicht zu. Ihr werdet eine solche Aussage mit der nicht vorhandenen Infektiösität ja nicht aus dem hohlen Bauch heraus geschrieben haben, behaupte ich.

    Und damit stehe ich da mit meiner Rest-Unsicherheit, bei der mir vermutlich nur ein Test weiterhilft. Feuer frei, haut's mir um die Ohren.

    Fürs Protokoll, und um die nun (zurecht!) kommenden Fragen schon mal zu beantworten:

    Nein, ich gehe nicht automatisch davon aus, dass der Mann HIV+ ist und nicht unter Therapie steht.

    Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen wegen des Seitensprungs.

    Ja, ich weiß dass ich deswegen übertriebene Ängste habe. Dass das nicht vernünftig ist, ist mir ebenfalls bewusst.

    Vielen Dank fürs Lesen!
    Micha
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Mai 2018
  2. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hallo Micha

    Der Leitfaden bei Med1 kommt teilweise von Leuten die heute nur noch hier unterwegs sind.

    Aerzte, Berater etc. die neueres Wissen haben werden Dir sagen, dass der Lusttropfen nicht infektiös ist. Früher ging man davon aus, dass er es bei GV und AV ist...aber man hat manche Meinung seither geändert. DieHIV-Tests kann man früher machen, Stichverletzungen hat man in Sachen Risiko neu eingestuft....es tat sich einiges.
     
  3. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Hallo Alexandra,

    Zwei Sätze, die runtergehen wie ein guter spanischer Roter. Das von Dir bezeichnete "neuere Wissen" kommt demnach nicht so schnell bei allen Stellen an. Aber gut, ich erinnere mich an ein Gespräch vor ca. 10 Jahren mit der hiesigenHIV-Beartung hier vor Ort. Damals hieß es noch dass der Lusttropfen selbst oral noch ein Risiko darstellt. Und bei meinem Telefonat mit dem Kollegen der BZGA bin ich vielleicht an denjenigen geraten, der bei der letzten Fortbildung gefehlt hat?

    Danke jedenfalls für Deine eindeutige Antwort! Den Test benötige ich demnach nur für die Ruhe im Kopf. Mal sehen, vielleicht stellt sich die Ruhe auch "von selbst" ein. Aussagen wie Deine stützen das jedenfalls.

    Lieben Gruß,
    Micha
     
  4. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Den Test würde ich machen....denn dieses fiese schlechte Gewissen und die Zweifel kommen immer in unpassenden Momenten. Ich denke, Deiner Psyche hilft der Test und sicher auch Deiner Partnerin wenn sie sieht, dass Du keine Krankheit eingefangen hast bei dieser Aktion. NebenHIV gibt es ja auch leicht übertragbare Sachen wie Tripper, Chlamydien, Herpes etc.
     
  5. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Siehe Eingangsposting. Tripper, Chlamydien und Syphilis wurde kürzlich negativ getestet. Gegen Hepatitis B bin ich geimpft.

    Aber Du hast schon nicht Unrecht, was den Test angeht. Wäre ein sauberes Ende, und die wackeligen Knie auf dem Weg dorthin gehören wohl dazu...

    Lieben Gruß,
    Micha
     
  6. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Syphillis würde ich sicherheitshalber nach insgesamt 12 Wochen nochmal wiederholen, da die Inkubationszeit dafür in wenigen Fällen bis zu 12 Wochen dauern kann.
    HIV kannst Du ausschließen. Lusttropfen ist nicht infektiös.
     
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  7. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Hallo devil_w,

    und Danke für den Tip mit dem Syphilistest nach 12 Wochen. Werde ich machen. Wenn ich schon dieses Frühjahr die Testorgie durchziehe, dann kommt's darauf auf nicht mehr an.

    Ist es ein Zeichen meiner Ängstlichkeit, wenn ich diesen Satz nicht oft genug lesen kann? Vermutlich ja. Egal, tut gut.

    Lieben Gruß,
    Micha
     
  8. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Aengstlichkeit und schlechtes Gewissen gemeinsam......
     
  9. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Ja, da würde ich zustimmen. Ich hoffe nur, dass ich nicht Gefahr laufe, bei zukünftigen Nicht-RKs (und als solchen kann man meine Geschichte wohl bezeichnen) wieder zum Test zu laufen. Auch wenn derzeit Angst nicht wegzudiskutieren ist, so empfinde ich mich nicht als Phobiker. Und wer kennt sie nicht, die Dauertester trotz nicht gehabtem RK? Da will ich auf keinen Fall hin...
     
  10. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Das hat nichts mit Phobie zu tun.... aber so kannst Du abschliessen und Deine Frau kann es auch.
     
  11. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Tja, willkommen im Club :D;)
    Ist halt ziemlich aussichtslos dagegen anzukämpfen auf Dauer...
    Das nennt sich "Docking" :D

    Keine Sorge, davon bekommt man keinHIV. :)
    Wenn du unbedingt einen Test machen willst, dann mach' halt. Schadet nix, bringt endgültige Gewissheit/Sicherheit. Auch wenn er für deinen (diesen) "Ausflug an's andere Ufer" überhaupt nicht notwendig ist :cool:
     
  12. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Ja, halte ich auch für sinnvoll. Damit hätte die Geschichte auch ein offizielles Ende.
     
  13. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Wieder was gelernt, Danke dafür! :)

    Hinsichtlich der nicht gegebenen Ansteckungswahrscheinlichkeit seid Ihr Euch ja alle erfreulich einig. Wirklich erstaunlich, dass dieses Wissen noch nicht so von den offiziellen Stellen wie BZGA publiziert wird. Hat vermutlich auch rechtliche Gründe (eventuelle Regressansprüche, oder so...).

    Sagen wir mal so: Wäre ich Single, würde ich mir das mit dem Test überlegen, denn ich kenne meinen negativen Serostatus vor dieser Geschichte. Aber im Gesamtkontext bin ich da bei Alexandra. Zumal ich mich kenne und auch hier Alexandras Einschätzung teile, dass Zweifel und das schlechte Gewissen gerne mal unangemeldet vor der Tür stehen.

    Lieben Gruß und schönen Dank für Dein Posting!
    Micha
     
  14. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Nicht nur vermutlich. Offizielle Stellen sind angehalten, in ihrer letztlich nur theoretischen Kommunkation auch das geringstmögliche Risiko zu berücksichtigen. Wir hingegen gehen jeweils von den aktuell geschilderten Fällen aus und können so eine praxisnähere Antwort geben.

    Auch ich hab ‘was gelernt. Vielen Dank! ;)
     
    Michael1971, haivaupos und Mantarochen gefällt das.
  15. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Hallo Matthias,

    ...und auch an Dich einen recht schönen Dank für Deinen Beitrag.

    Ja, das ist gut nachvollziehbar mit dem Bezug zum jeweils geschilderten Fall und das macht dieses Forum hier ja so wertvoll. Ihr berücksichtigt Umstände wie Dauer, Druck, Menge, Reibung und ähnliches, während die bekannten Hotlines hier nicht mehr differenzieren. Ist vermutlich auch okay, ich will BZGA (und ähnliche) da gar nicht kritisieren. Die machen ihren Job und den machen sie sicher gut.

    Lieben Gruß,
    Micha
     
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  16. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Da mir dieser Sachverhalt neu war und ich neugierig war, habe ich heute nochmal bei der (oben schon mal zitierten) Aidshilfe Düsseldorf angerufen. Nicht wegen meines Nicht-RKs, sondern wegen der unterschiedlichen Aussagen zum Lusttropfen. Es wird hier niemanden erstaunen, dass das was Matthias gesagt hat, nahezu wortgleich von den Düsseldorfern gesagt wurde, nämlich:

    Der Kollege am Telefon sagte: "Die BZGA wird zumindest zur Zeit NIEMALS sagen, dass der Lusttropfen nicht infektiös ist. Das DÜRFEN die als offizielle Stelle auch gar nicht, wenngleich die Lebensrealität ganz klar sagt: Kein Risiko. Nie. Egal bei welcher Sexualpraktik."

    Matthias und alle anderen Sachkundigen hier wird das nicht verwundern, mich schon ein wenig. Denn für den besorgten Anrufer bei der BZGA ist das schon ein wenig unbefriedigend, aber formaljuristisch vermutlich nicht zu ändern.

    Naja, der Vollständigkeit halber wollte ich das noch anführen. Allen einen schönen Abend!

    Lieben Gruß,
    Micha
     
  17. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Die BzGA ist eigentlich keine Anlaufstelle. Dafür gibt es z.B. die AIDS-Hilfen. Die telefonische Beratung der Aidshilfen hat die bundesweit einheitliche Nummer 0180 33 19411.
     
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  18. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Gut zu wissen und abgespeichert.

    Da werde ich aber jetzt nicht auch noch anrufen. Was meine Story angeht, so ist Dank Euch auch inzwischen alles gesagt.
     
  19. haivaupos

    haivaupos Poweruser Poweruser

    Das verhält sich da ganz ähnlich wie bei dem Thema ob nun ein erfolgreich therapierter Mensch das Virus sexuell weiter geben kann oder nicht...
    Alle Studien beweisen eigentlich, dass es kein Übertragungsrisiko mehr gibt. Es kann aber wissenschaftlich auch nicht zu 100% ausgeschlossen werden. Und das ist auch der Grund dafür, warum dir eine "offizielle Stelle" nicht sagen wird, dass es da kein Risiko gibt. "Unter dem Mantel der Verschwiegenheit" allerdings schon...
    Hat eben rechtliche/juristische Gründe :cool:
     
  20. Michael1971

    Michael1971 Mitglied

    Hallo Ihr Lieben,

    als Threaderöffner möchte ich mich nochmal kurz zu Wort melden. Kommenden Dienstag habe ich meinen Testtermin, aber das ist nicht der Grund für mein heutiges Hallo. Vielmehr ist es mir ein Bedürfnis Euch mitzuteilen, wie sehr mir Euer Leitfaden in den letzten Wochen über Zeiten des Zweifels und der Angst hinweggeholfen hat. Immer wenn die Kollegen "Hätte, Wenn, Wäre" von hinten angeschlichen kamen, habe ich mir die für mich relevanten Punkte durchgelesen, obwohl ich sie beinahe schon auswendig kannte. Und immer, aber wirklich immer ist es mir dadurch gelungen, wieder runterzufahren. Dieses Grundlagenwissen ist wirklich ein wahrer Schatz. Insbesondere den Satz der Nicht-Infektiösität des Lusttropfens, sowie die eigentlich doch überschaubaren Übertragungswege (ungeschützter GV/AV, Sperma- und/oder Blutaufnahme beim OV, Kontakt infektiöser Sekrete mit frischen, akut blutenden Wunden) sind eben die hard facts, die die Hirngespinste immer wieder klein haben aussehen lassen. Die meisten anderen Quellen, die wir ja hier schon zur Genüge besprochen haben, die sich eben auch rein theoretische Infektionsmöglichkeiten offenhalten und die mit der Lebensrealität nicht mehr so viel gemein haben, die machen einen eher bekloppt als dass sie einen schlauer machen.

    Und ja, man kann um die Googelei auch einen Bogen drum machen. Geht sogar sehr gut. Wenn ich das schon schaffe, dann schafft das jeder. Einfach mal die Googelei sein lassen. Ins Internet darf jeder schreiben was er will. Ungeprüft. Das Web ist wie eine Klowand, auf der jeder was er möchte hinpinseln darf. Ich könnte jetzt und hier in mehrerenHIV-Foren verbreiten, dass ich mich per passivem OV infiziert habe (diese Einträge gibt es, und niemand kennt die Motivation hinter diesen Schreiberlingen). Das würden andere Hilfesuchende lesen und wären wiederum zutiefst verunsichert. Hilft das? NEIN!! Im Gegenteil. Daher habe ich mich in den letzten Wochen strikt daran gehalten, keine Hotlines mehr anzurufen und als Infoquelle ausschließlich dieses Forum hier zu nutzen. Ich habe es an anderer Stelle schon mal erwähnt, aber ich habe nirgends diese wertvolle Mischung aus Fachwissen gepaart mit der Beurteilung der einzelnen individuellen Fälle gefunden.

    Was für mich auch wichtig ist: Durch das Querlesen anderer Threads hat HIV zumindest bei mir ein wenig von seinem Schrecken verloren. Ja, es ist unheilbar. Aber es ist gut therapierbar und wäre nicht das Ende aller Dinge. Zugegeben, dieses Bild hatte auch ich noch im Kopf, bevor ich mich vor wenigen Monaten damit beschäftigte. Sollte der Test positiv ausfallen (was wohl eher unwahrscheinlich ist), dann isses halt so und dann wird das Leben nach einer Stress- und Schockphase weitergehen. Aber eines hört ganz sicher auf: Die Ungewissheit. Die finde ich nämlich am schlimmsten.

    Allen Sachkundigen ein fettes, fettes DANKE bis hierhin!

    Liebe Grüße,
    Micha

    PS: Wenn Matthias mal im Raum NRW unterwegs ist, würde ich gern seine Lesung besuchen. Alter (und jünger aussehender) Berliner, ich halte ein Auge auf Deine Website!
     
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