Diagnose HIV positiv - Leitfaden

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Marion, 16. Juli 2009.

  1. Marion

    Marion Administrator HIV-Symptome.de Team

    Im Rahmen der letzten zwei Jahre, haben sich viele hilfreiche Lösungsansätze in äußerst differenzierten Diskussionen entwickelt. Diese Lösungen sind zwar per se nie "Ideallösungen", können jedoch dazu beitragen, Betroffenen und Angehörigen das Leben massiv zu erleichtern.

    Ich habe innerhalb der letzten Monate nicht nur sehr viel Zeit in das Forum investiert, sondern auch noch viel Zeit damit verbracht, die Diskussionen zu analysieren.

    Ziel des Ganzen war es, einen Leitfaden für HIV Positive und deren Familien zu entwickeln. In diesem Zusammenhang ist der folgende, 10 Punkte umfassende Leitfaden entstanden. Er hilft HIV Positiven und deren Partner, Familien und Bekannten dabei, die - zunächst verwirrend erscheinende - Situation besser zu meistern. Sinn und Zweck des Ganzen ist keine individuelle Lebenshilfe (dafür gibt es Psychologen & Psychiater), sondern eben schlicht und ergreifend ein Überblick über das was ist und was noch auf einen zukommt.

    Ich freue mich daher, Euch den folgenden Leitfaden zu präsentieren. Da dieser aber immer wieder erweitert werden soll, ist Eure Mithilfe gefragt. Bitte postet in diesem Thread unter dem Leitfaden Eure Verbesserungsvorschläge. Nachdem wir diese diskutiert haben, werden Eure Vorschläge dann ggf. direkt in den Leitfaden integriert. Ihr könnt also aktiv dazu beitragen, vielen Menschen zu helfen!

    1.) Hilfe bei Profis suchen

    Die folgenden Profis sind ideale Anlaufstellen:

    Psychologen & Psychiater

    Örtliche Aidshilfe

    HIV-Sprechstunde beim Hausarzt (Gibt es leider nur selten! Falls vorhanden: undbedingt aufsuchen!)

    Schwerpunktklinik oder Schwerpunktmediziner / Infektiologen (Absolut immer ratsam!)

    2.) Weitere Informationen beschaffen

    Internet (Portale und Communities) - besonders herausragend sind die Informationen beim Robert-Koch-Institut (RKI) unter http://www.rki.de - das RKI überwacht die HIV Epidemie und verfügt über die wohl fundiertesten Daten in Deutschland und ist weltweit führend!

    Bücher - hier besonders empfehlenswert: "Leben mit Aids" und zum Verständnis der körperlichen Prozesse "Klinische Infektiologie" - siehe https://www.hiv-symptome.de/hiv-buecher/

    Andere Betroffene - Jeder Schritt sollte mit Bedacht erfolgen! Affektives Handeln oder Kurzschlussreaktionen helfen niemandem weiter! Lieber einen Rat mehr einholen, als einen zu wenig! Gerade deshalb sollte man auch den Austausch mit anderen HIV Patienten suchen. Es gibt wirklich Sinn, sich ggf. einer örtlichen Selbsthilfegruppe anzuschließen oder auch im Internet den Dialog mit anderen Infizierten zu pflegen. Diese verfügen ggf. über Erfahrungswerte (u.a. in Bezug auf den Versicherungsschutz etc.) und können hilfreiche Tipps geben, die Aussenstehende nicht geben können.

    3.) Informationen über Versicherungsschutz, Berufsunfähigkeit etc. einholen

    Dies kann für den Rest des Lebens von elementarer Wichtigkeit sein! Deshalb: erst nach Rücksprache mit den Profis an die Versicherungen heran treten. Dann hat man alle Infos, die man benötigt.

    4.) Medizinische Ergebnisse und Befunde abwarten und Handlungsempfehlungen der Ärzte befolgen

    Gerade bei der Medikation im Rahmen einer Antiretroviralen Therapie (ART/HAART) ist es unbedingt erforderlich, dass man die Dosis und die Einnahmezeiten strikt einhält! Das selbe gilt für eine kontinuierliche ärztliche Überwachung. Es ist elementar wichtig, dass man einen "guten Draht" zu seinem Arzt hat und die Termine nicht schleifen lässt!

    5.) Lebenswandel gemäß ärztlichen Tipps umstellen

    Bewegung, Sport und eine Nahrungsumstellung können elementar wichtig sein!

    6.) Familie/Freunde und ggf. Arbeitgeber involvieren

    Auch wenn es zu sozialer Ausgrenzung des Infizierten kommen könnte, halte ich diesen Schritt für elementar wichtig. Erstens, weil sich somit von Anfang an die "Spreu vom Weizen" trennt und man daher weiß, auf wen man "bauen" kann und zweitens, weil dadurch eine Gefährung Dritter (z.B. bei einem Unfall) ausgeschlossen bzw. minimiert wird.

    Beim Arbeitgeber wiederum scheiden sich die Geister. Je nachdem, welches Verhältnis man zu seinem Arbeitgeber hat und vor allem welche Form von Arbeit man durchführt, kann es aber durchaus sinnvoll sein, auch ihn zu involvieren. Einfach, damit keine Missverständnisse auftauchen (z.B. bei wichtigen Arztterminen).

    Es gibt aber Konstellationen, in denen Ärzte oder Psychologen zu anderem Handeln raten. Daher: lieber vorab mit den Profis oder anderen Betroffenen sprechen und Erfahrungswerte einholen!

    7.) Safer Sex

    Auch bei guter Verträglichkeit der Therapie darf das HI Virus niemals in Vergessenheit geraten. Gerade deshalb gilt: Sex nur nach Information des Partners! Und selbst dann: immer geschützt! Sollt einmal ein Kondom reissen, so sollte sich der Partner umgehend ins Krankenhaus begeben und die Ärzte informieren. Es gibt die Möglichkeit, eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) zu machen. Diese kann den Partner in den aller meisten Fällen trotzdem vor einer Infektion schützen!

    Wichtig: Die Möglichkeit einer PEP wird sehr oft vergessen oder nicht bedacht! Unbedingt im Hinterkopf behalten!!!

    Auch wenn der Partner ebenfalls HIV+ ist, ist geschützer Verkehr elementar wichtig! Die HIV Typen können sich unterscheiden - im worst case kommt es zu einer Doppelinfektion beider Partner, was sich sehr negativ auf den Krankheitsverlauf und die Lebenserwartung auswirken kann! Von anderen Infektionen mal ganz zu schweigen. Von daher: immer safe!

    8.) Prävention bzgl. Unfällen etc.

    Zur Sicherheit von Rettungspersonal & Co. sollte immer ein Kärtchen im Geldbeutel mitgeführt werden, in dem die HIV Infektion vermerkt ist. Sollte es z.B. zu einem Unfall mit Personenschaden kommen, dann möchte man die Rettungskräfte ja nicht unnötigen Gefahren aussetzen! Ist man selbst bewusstlos, so kann man auch nicht mehr warnen!

    Auch, wenn viele sagen, dass Rettungskräfte immer Schutzhandschuhe tragen ist noch lange nicht gesagt, dass dieser Schutz genug ist. Nicht umsonst tragen Ärzte und Krankenschwestern z.B. bei der Operation von HIV Patienten mehrere Lagen Schutzhandschuhe und zusätzliche Schutzausrüstung (besonders schützende Brillen etc.).

    Im Übrigen kann es vorkommen, dass man als HIV positiver Patient von einem Arzt abgewiesen wird. Meist aus Angst, dass sich der Mediziner selbst infiziert. Dies aber natürlich nicht mit der Begründung, dass man keine HIV Patienten behandelt, sondern auf Basis von besonderen Schwierigkeiten oder einem fachlich besonders komplizierten Fall oder Ähnlichem. Damit muss man rechnen! Im "worst case" schickt einen der Arzt dann in eine Schwerpunktklinik oder in Einrichtungen wie eine Uniklinik. Das sollte aber auch nicht weiter tragisch sein, denn gerade bei nicht akuten Dingen spielt es eh keine Rolle. In einem Notfall wird einen aber kein Arzt abweisen (können). Gerade deshalb plädiere ich dafür, auch hier immer wahrheitsgemäß die HIV Infektion angzugeben. Im Übrigen weiß man so oder so sehr schnell, wohin man gehen muss. Auf jeden Fall, wenn man Punkt 1 dieses Leitfadens beachtet hat!

    Besonders heikel ist es, als HIV Patient zu reisen. So lapidar es klingt, aber viele Länder verbieten HIV Positiven die Einreise! Hier sollte man sich vorab informieren und wenn möglich die Reiseziele mit Bedacht wählen.

    9.) Im Zweifel immer einen Arzt aufsuchen

    Gerade im Rahmen des AIDS Vollbilds kann jede Infektion verherend sein. Es ist daher unbedingt erforderlich, dass auch bei Kleinigkeiten eine medizinische Aklärung erfolgt.

    10.) Kopf hoch!

    Im Rahmen einer HIV-Infektion kann es zu unterschiedlichsten Nebenwirkungen und Effekten kommen. Von körperlichen bis hin zu psychosomatischen Effekten (z.B. erektile Dysfunktion) ist alles denkbar und kann alles vorkommen. Dieses Auf- und Ab kann sehr schlauchend und erschöpfend für die Infizierten sein.

    Wichtig ist: auch bei nicht Infizierten gibt es derartige Problemsituationen öfter als man glaubt! Nicht umsonst sind Psychopharmaka welche der am häufigsten verschriebenen Medikamente der Welt! Diese Info zu haben, hilft also immer dann weiter, wenn man denkt, dass alles "Mist" ist. Anderen geht es auch schlecht - vielen noch viel schlechter; und dazu braucht es auch keine HIV Infektion.

    Wenn man sich dessen bewusst ist und wenn man zeitgleich noch auf einen guten familiären oder freundschaftlichen Background bauen kann, hat man die bestmöglichen Chancen, die Krankheit zu meistern und mit ihr und nicht gegen sie zu leben. Das letztere bringt einen nicht weiter, sondern laugt nur aus. Die Krankheit zu akzeptieren ist daher elementar wichtig für alle Betroffenen, Familien und Freunde.
     
  2. Unser Tipp Frage jetzt einen Arzt! HIV-Symptome.de

Die Seite wird geladen...
  1. Unser HIV Forum nutzt Cookies. Details zur Nutzung von Cookies auf unseren Seiten findest Du hier und unter "Weitere Informationen":

    Information ausblenden