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Dieses Thema im Forum "Infektion" wurde erstellt von Shankaria, 2. Januar 2013.

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  1. Shankaria

    Shankaria Neues Mitglied

    hallo

    vorab möchte ich klarstellen das ich weiß das nur einhiv test richtig auskunft gibt über eine mögliche infizierung.

    ich hätte trotzdem mal eine frage:

    mir ging es in letzter zet nicht so gut, war sogar vor weihnachten im ukh weil ich plötzlich zusammenbrach.
    die schickten mich weiter zum lkh - dort wurde auf der internen ein laborschnelltest gemacht.
    leukozyten erhöht (13.250) leberwerte erhöht ...
    alles nur gering, aber doch.
    bin 22 - raucherin.
    hatte im oktober einen wirklich gravierenden risikokontakt - ich werde mich auch demnächst testen lassen.
    ich bin nur leider psychisch gar nicht in ordnung, mir geht es auch wieder richtig schlecht, weiß nicht wie ich mit einer infektion umgehen soll.
    weiß nicht ob ich damit leben könnte.

    hat irgendjemand ahnung ob meine erhöhten werte vl auch aufhiv schließen lassen?
    ich meine mal irgendsowas gelesen zu haben wegen erhöhten leberwerten und leukos bei einer infektion.

    bin richtig verzweifelt- kann auch nicht schlafen und bin kurz vorm umkippen.
    bitte helft mir. irgendwie.
     
  2. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Wenn nur einHIV-Test Aufschluss über eine evtl. Infektion gibt, dann gibt es auch keine Umwege, über die manHIV erkennen kann. Deine anfängliche Klarstellung führst Du leider selbst ad absurdum.

    Es gibt Tausende von anderen Indikationen, die die von Dir bezeichneten Auswirkungen haben ... warum muss es denn unbedingt HIV sein? Und wenn der RK im Oktober war - wieso hast Du dann nicht im Dezember schon einen Test machen lassen? Vor allem nicht, als Du ohnehin schon im UKH warst?????

    Wenn man einen Test hinauszögert, verringert sich nicht das Risiko einer Infektion - aber es erhöht sich auch nicht. Die Infektion ist da oder nicht - egal, ob Du einen Test machst.

    Es fragt sich nur, wie man eine evtl. tatsächlich vorhandene Infektion behandelt. Und da gilt: Je früher erkannt, umso besser behandelbar.

    Und auf der anderen Seite: Je früher man (nach der Wartezeit von mind. 8 Wochen) ein negatives Ergebnis hat, umso früher ist man auch erleichtert ...
     
  3. ocean

    ocean Neues Mitglied

    Hi Shankaria,

    ich befuerchte, dass Dir hier keiner so richtig helfen kann, wie Du es Dir vorstellst. Du hast wahrscheinlich eh schon Google rauf und runter, so wie es nun mal jeder zunaechst macht, und dabei festgestellt, dass es alles gibt - die, die sich krank fuehlen, erhoehte Werte haben und dann auch tatsaechlichHIV positiv sind; die, die sich gar nicht krank gefuehlt haben und trotzdem positiv getestet werden; und die, die sich groesste Sorgen machen, weil sie bestimmte Symptome und auffaellige Werte aufweisen, aber letztlich und zum Glueck negativ sind. Das ist erfreulicherweise auch die klare Mehrheit.

    Wenn Du das Gefuehl hast, Du packst das nicht alleine, dann brauchst Du Hilfe. Wenn Du niemanden im Freundeskreis hast, von dem Du glaubst, er steht den Test zusammen mit Dir zuverlaessig durch, geh zu einer Beratungsstelle. Davon gibt es genuegend.

    Ich drueck Dir jedenfalls feste die Daumen.
     
  4. Shankaria

    Shankaria Neues Mitglied

    hey leute, danke für eure antworten.
    ich gehe freitag zum hausarzt, muss sowieso noch einen bluttest machen lassen und werde gleichhiv auch testen lassen.
    auch wenn ich jedesmal fast ohnmachtig werde wenn ich nur dran denke.
    hiv ist meine größte angst.
    wohne in österreich, noch dazu in einem kleinen kaff.
    wüsste nicht mal wo ich mir die richtige hilfe holen könnte..
    mein problem ist das ich mir mittlerweile zu 80% sicher bin das ich mich infiziert habe.
    ich hasse mich dafür diesem einen menschen so vertraut zu haben.
    er ist definitiv ein risikokontakt. auch wenn er auf meine fragen ob er hiv hat immer geantwortet hat: er glaubt nicht, er weiß es nicht.
    ich fühle mich einfach so allein, obwohl ich einen wunderbaren freund habe, der mich bei einem positiven ergebnis jedoch bestimmt verlassen wird da es beim fremdgehen passiert ist.
    ich hätte auch freunde denen ich mich anvertrauen könnte, aber sie alle wissen ja nicht wirklich was über hiv.
    ich habe gehofft das ihr hier mir vl einfach nur ein bisschen die angst vor der krankheit selbst nehmen könnt.
    das ich nicht allein bin.
    das ich nicht automatisch gleich sterben muss.
    mein leben ist momentan wieder mal gar nciht leicht, habe eben probleme mit der psyche, war auch für 2 monate wieder ganz toll, hab wieder lebensmut gefasst und dann begann ich diesen fehler..
    und das wort positiv würde mich wahrscheinlich komplett zerstören.
    doch dann gibt es menschen wie matthias, die mir mut geben.
    doch in meinem kranken kopf hängt die idee fest das bei mir alles schlecht laufen wird.
    therapie kein erfolg, ständig krank, kein lebensmut, meine liebe verloren...
    versteht ihr?
    aber ich danke für eure antworten.
    ich muss noch ein wenig stark bleiben bis das ergebnis da ist.
    ich hoffe ich schaffe es.

    Glg
     
  5. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Es gib in jedem Bundesland eine Aidshilfe - schau nach unter http://www.aidshilfen.at/. In Bregenz und Innsbruck z.B. war ich jüngst auf Lesereise, in Salzburg 2010. Die Leute da und auch bei den anderen Aidshilfen sind kompetent hilfsbereit, hören zu und können Dir auch alle Infos geben, die Du brauchst - selbst, wenn Du »nur« Angst hast und gar nicht infiziert.

    Schön, wenn Du das weißt - aber es hat keinen Einfluss auf die Realität. Man kann ein Virus nicht her- und nicht wegbeten. So wenig Ahnung, wie Du offensichtlich überHIV hast ... woher nimmst Du diese »Sicherheit«?

    Ich empfehle Dir, sofort Schluss zu machen, wenn Du Deinem Freund nicht einmal eine Reaktion einräumen möchtest. Offensichtlich hast Du kein Vertrauen zu ihm. So wunderbar kann er ja nicht sein, wenn andere Früchte süßer aussahen ... Fremdgehen isz keine schöne Nebenbeschäftigung - aber Du bist nicht die erste und wirst auch nicht die letzte sein. Freunde sind oftmals viel verständnisvoller, als man annehmen mag. Aber es muss ja einen Grund gegeben haben, warum Du fremdgegangen bist. Jetzt tut es Dir leid und Du bestrafst Dich selbst mit dem Gefasele über eine angebliche HIV-Infektion. Warte den Test ab - in Selbstmitleid zerfließen kannst Du dann immer noch ...

    Du ja auch nicht ...

    Ich denke, dass die reine Existenz von Menschen wie ChrisLDK, mir oder anderen hier im Forum zeigt, dass Du weder alleine bist, noch automatisch sterben wirst. Allerdings muss ich Dir einen Zahn ziehen: Sterben wirst Du - wie jeder andere auch. Aber ich z.B. werde nicht wegen der Infektion sterben, sondern an Altersschwäche. Und das, obwohl ich schon über 20 Jahre positiv bin. Merkste was?

    Richtig bemerkt: kranker Kopf.

    Nö.
     
  6. ocean

    ocean Neues Mitglied

    Shankaria, Du hast Dir die Diagnose ja schon selber gestellt - Probleme mit der Psyche. Jeder darf Angst haben. Aber Du bist in einen Strudel geraten, der Dich immer weiter runterzieht. Ueberleg, wie Du da raus kommst, und ob Du nicht professionelle Hilfe brauchst. Drueck die Daumen fuer morgen!
     
  7. ocean

    ocean Neues Mitglied

    P.S.

    Holla die Waldfee, ganz schoen harte Bandagen, mit denen hier gekaempft wird...
     
  8. Cameron1970

    Cameron1970 Neues Mitglied

    Ich find's gut!
    "Harte Bandagen" weisen darauf hin, dass man das Gegenüber als autonomen Menschen ernst nimmt.
    Zuviel Rücksichtnahme hat für mich immer einen sehr, sehr merkwürdigen Beigeschmack (wobei es natürlich Ansichtssache ist, wann es "zuviel" ist oder wäre; trotzdem gilt der erste Satz).

    LG,
    Cam
     
  9. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ocean,

    wenn Du zitierst, dann zitiere bitte auch den Zusammenhang. Es geht hier nicht um »harte Bandagen«, sondern darum, dass manche Leute in Selbstmitleid zerfließen, wie schlecht die Welt ist - obwohl sie selbst die Fehler gemacht haben ...
     
  10. ocean

    ocean Neues Mitglied

    Matthias, der Zusammenhang ist überschaubar, und ich sage lediglich meine Meinung, so wie es hoffentlich jeder hier machen darf. Ich finde die (ironischen? ich weiß es nicht) Beziehungsempfehlungen nach wie vor fehl am Platz.
     
  11. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ocean,

    selbstverständlich darfst Du Deine Meinung sagen ... aber überlege einmal ganz kurz: Da geht jemand fremd und hat Angst, sich mitHIV infiziert zu haben. So weit, so gut (bzw. schlecht). Übrigens: Dass 99% derjenigen, denen das passiert, ein negatives Testergebnis haben, lasse ich erst mal außen vor ...

    Dann bekommt jemand ein schlechtes Gewissen und hat Angst, dass man vom Partner verlassen wird, weil man ja - was noch gar nicht feststeht - HIV-infiziert ist. Der Partner wird also konditioniert: Er wird gar nicht gefragt, wie er reagieren würde - es wird vorausgesetzt, dass er die Beziehung beendet.

    Es geht auch gar nicht mehr darum, ob der Seitensprung die Beziehung in Frage stellt - nein, es geht ausschließlich nur noch um HIV. Plötzlich ist also, der, der fremdgegangen ist, »Opfer« - und nicht mehr »Täter«. Und - da wirst Du mir rechtgeben - wer fremdgeht, stellt seine Beziehung aktiv in Frage - denn ohne Grund oder Anlass macht man es nicht. Ich meine das nicht im moralischen Sinne, sondern als realistische Betrachtungsweise.

    Mein Kommentar ist also alles andere als eine »Beziehungsempfehlung«: Hier werden die Angst vor der HIV-Infektion und die daraus evtl. resultierenden Folgen wichtiger genommen als die Beschäftigung mit dem eigenen Fehlverhalten und die daraus resultierenden Folgen. Es werden also Ursache und Wirkung umgekehrt. Und das - finde ich - ist ein Schlag ins Gesicht aller derer, die wirklich positiv sind. Und vor allem ins Gesicht der negativen Partner, die trotz der Infektion ihres Partners die Beziehung aufrecht erhalten.
     
  12. Shankaria

    Shankaria Neues Mitglied

    ich möchte mich nochmal einblenden:
    das themahiv ist schon lange ein thema meiner "psyche" - sag ich jetzt mal so.
    hab auch mit meinem freund bereits drüber gesprochen, er hat keine angst davor und war auch sehr verständnisvoll.
    wir haben einenhiv test machen lassen - negativ.
    voriges jahr lief es dann immer schlechter.
    er IST wunderbar - doch zugleich hat er mich fast erdrückt vor lauter besitzergreifung.
    daraufhin hab ich mich in eine andere "beziehung" geflüchtet.
    das lief einige zeit nur über email, vertrauen wurde aufgebaut, ich fühlte mich sehr gut mit ihm.
    und egal wie oft oder wie sehr ich mit meinem freund drüber sprechen wollte, das einzige das zurück kam waren vorwürfe wie viel er für mich getan hätte (unter anderem auch derhiv test) und wie sehr er mich liebt und das er wenn ich nicht mehr da bin nicht weiß wie sein leben weitergeht.
    jedesmal tränenströme,kurz vorm zusammenklappen.
    ein faktor ist wohl dabei auch das er mit seinen 27 jahren schon extrem viele familienmitglieder verloren hat.
    cousins onkel vater...
    ich konnte ihm das doch nicht antun!
    andererseits konnte ich auch so nicht weiterleben - deswegen meine flucht in diese "affäre".
    geschlafen hab ich mit diesem mann genau 1-mal.
    wie gesagt, das vertrauen war da, er war genau das was ich brauchte.
    natürlich bin ich selber schuld das ich es danach ohne kondom zulies, aber in dem moment verschwendete ich keinen gedanken an eine krankheit sondern habe nur den moment genossen.
    erst danach hab ich erfahren, das er oft und ohne kondom mit verschiedenen leuten geschlafen hat.
    davor hat er nicht mal den anschein erweckt und wenn dann nur von seiner 3 jahre langen beziehung gesprochen.
    er ist mittlerweile 23.
    mir IST klar, das ich selbst schuld dran trage.
    ich zerfließe auch nicht in selbstmitleid.
    ich glaube gerade der faktor dass wenn ich mich infiziert habe ICH selbst schuld bin, macht mich zusätzlich kaputt.
    und mein freund würde mich NIE wegen HIV verlassen, wir haben in den fast 4 jahren genügend durchgemacht. (vor allem er mit mir und meiner psychischen erkrankung).
    aber er würde mich wegen dem Fremdgehen verlassen - oder vielleicht auch nicht.
    klar das ich ihm hiermit was unterstelle - aber genau so einen satz hat er mir gegenüber schonmal geäußert.
    in der phase wo es gar nicht lief zwischen uns: "hättest du mich wenigstens betrogen, dann könnte ich endlich gehen."
    nur zur erklärung.
    mir geht es dank eurer antworten - ob nett gemeint oder nicht- td schon viel besser.
    danke euch dafür.

    Glg
     
  13. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Shankaria,

    auch wenn manche meiner Antworten nicht »nett« klingen, so sollen sie doch vor allem eins: Leute zum Denken anregen. Es hilft niemandem, wenn die anderen »dutzi-dutzi« machen - aber man selbst nicht aus seiner eigenen Gedankenwelt herauskommt.

    Offensichtlich bist Du ja durch die Antworten hier zum Denken angeregt worden - und einige Deiner Unsicherheiten scheinen sich ja - wenn auch noch nicht ganz gelegt - zumindest abgeschwächt zu haben.

    Hilfe ist in meinen Augen auch immer Hilfe zur Selbsthilfe. Wir können Deine Probleme nicht lösen, aber wir können Dir aufzeigen, in welche Richtung Du denken solltest. Ich weiß, wasHIV betrifft, wovon ich spreche. Und ich weiß auch, dass zu viele Menschen zu wenig über HIV wissen, um evtl. Gefährdungen oder Risiken richtig einzuschätzen. Die meisten Risikokontakte, über die hier geschrieben wird, sind aber keine ... sondern nur Kulminationen von diffusen Ängsten aufgrund Unkenntnis oder Gewisssensbissen nach Fehltritten. Erst wenn man die mal herausgefiltert hat, ist es viel einfacher, über das wirkliche Thema zu sprechen. Und das hilft dann auch ...
     
  14. ocean

    ocean Neues Mitglied

    Matthias, danke für die ausführliche Antwort, das macht es mir leichter zu verstehen, worauf Du vorher hinaus wolltest.

    Wie Du sicher gesehen hast, bin ich erst seit kurzer Zeit angemeldetes Mitglied, ich verfolge das Forum seit knapp zwei Wochen. Ich würde mich daher bis dato als eher außenstehender Beobachter betrachten. In dieser Zeit hab ich mich das ein oder andere Mal über die für mich wahrgenommene Heftigkeit der Antworten gewundert. Weniger über eine Heftigkeit bei der x-ten Frage einer Person zum gleichen/ähnlichen Thema, sondern dann, wenn eine „dumme“ Frage gestellt oder stärkere Ängste gezeigt werden. Und das hat mich zu der Frage geführt, welchen Raum wir eigentlich der Angst zugestehen. Wir leben ja in einer Gesellschaft, in der jeder zu funktionieren hat, in der alles effizient abgearbeitet werden soll und Ängste als Schwäche gelten. Dabei ist Angst ein wichtiger Mechanismus bei Mensch wie Tier, um das Überleben zu sichern. Und nur die Beschäftigung und Verarbeitung der eigenen Angst führt zu einem positiven Ergebnis, nicht die Verdrängung. Und Menschen sind ganz unterschiedlich, wie stark sie zu Ängsten neigen und wie sie damit umgehen.

    Ich will den Threat nicht „sprengen“ und verspreche, am Ende auf Shankaria zurückzukommen. Ich würde nur gerne meine Perspektive auf Angst und die von Dir angesprochenen Themen geben, und dazu muss ich ein wenig ausholen.

    Ich hatte Mitte November einen von mir in fahrlässiger Weise völlig unterschätzten Risikokontakt. Zwei Wochen später begann eine Art Erkältung, über 4-5 Tage hatte ich starke Gliederschmerzen, nur nachts, mit leichtem Fieber und Nachtschweiß. Ich dachte zu dem Zeitpunkt überhaupt nicht anHIV, das Ganze kollidierte mit dem Wintereinbruch, ich wunderte mich aber noch, da ich sowas so singulär vorher noch nie gehabt hatte. In den folgenden zwei Wochen kam und ging der Nachtschweiß, bis er zum Wochenende vor Weihnachten schließlich erst mal blieb. Ich googelte also am Samstag interessehalber die möglichen Ursachen dafür, und wäre fast zur Salzsäule erstarrt, als ich auf HIV gestoßen bin. Plötzlich vielen die Mosaiksteinchen an ihre Plätze. Aber nein, konnte das wirklich sein? Foren rauf und runter gelesen, Statistiken zu Infektionsrisiken gewälzt; dazu das praktische Problem, dass Weihnachten war, die anonymen Beratungs-/Teststellen geschlossen und mein Hausarzt auch nicht da. Außerdem waren noch nicht mal sechs Wochen seit dem Risikokontakt vergangen.

    Ich weiß gar nicht ganz genau, wie ich die paar Tage durchgestanden habe. Es war ein Wechselbad von „alles wird gut, es ist nichts“ und „jetzt ist es vorbei“. Diffuse Ängste, die wahrscheinlich ganz normal sind, wenn man von doch sehr tiefgreifenden Veränderungen betroffen sein könnte.
    Am zweiten Weihnachtsfeiertag wusste ich, dass ich am nächsten Tag einen Soforttest in einer Arztpraxis machen lassen konnte. Ich hatte zwar Angst davor (obwohl es genau das war, was ich wollte – Gewissheit haben), aber irgendwie war ich auch ruhiger. Ich hab ich mir einen kleinen Glücksbringer gekauft; nicht dafür, dass das Testergebnis negativ ausfallen wird, sondern dass ich das Beste daraus mache, egal was herauskommt. Dass ich in Zukunft vorsichtiger bin, anderen von meiner Erfahrung erzähle. Dass ich im Fall der Fälle so bleibe, wie ich bin, mich nicht unterkriegen und mir die Zukunft nicht nehmen lasse.

    Ich glaube, ich war ziemlich regungslos und hab fast wie ein Außenstehender auf die Szenerie geschaut, als der Arzt am nächsten Tag auf den Teststreifen schaute und meinte „Ja, da ist was“. Ich dachte mir nur „Irgendwie hast Du’s ja gewusst“. Doof natürlich, denn es hätte auch alles mögliche Harmlosere sein können, so wie es Gott-sei-Dank bei vielen der Fall ist. Aber für mich war es die Diagnose HIV.

    Mir geht es seitdem erstaunlich gut; ich habe mich um einen Spezialisten gekümmert, die weiteren Untersuchungen auf den Weg gebracht, über Selbsthilfegruppen informiert, und ansonsten erste Planungen für dieses Jahr gemacht. Ein oder zwei Mal hatte ich einen psychischen Einbruch für kurze Zeit; ich habe meinen kleinen Glücksbringer aus der Tasche gezogen, mir selbst gesagt „Du A****** hälst Dich gefälligst an das, was Du Dir vorgenommen hast!“ und die Tränen runtergeschluckt. Keine Ahnung, ob das psychologisch gesehen gut war, mir hat’s geholfen. Vielleicht kommt der richtige Einbruch erst noch. Ich weiß nämlich, dass ich trotz allen Gefühls der momentanen Stärke (und dass es mir eigentlich gut geht) eins habe: Angst. Angst davor, wie es weitergehen wird. Wann ich Medikamente brauche, wie es mit Nebenwirkungen aussehen wird, welche potenziell vorhandenen Krankheitsdispositionen durch den Virus verstärkt werden. Wie eine Beziehung sein wird. Was passiert, wenn mein Arbeitgeber mal davon erfährt. Etc., etc. Auch wenn ich mich bewusst mit vielem noch gar nicht auseinander setzen kann und möchte, ich merke es an meinen Träumen, wie mich das Thema beschäftigt.

    Erstaunlicherweise mache ich dem Mann, der mich infiziert hat, keine Vorwürfe. Warum erstaunlicherweise? Ich weiß, dass ich selber schuld bin, weil ich mich nicht ausreichend geschützt habe. Man kann das Blatt drehen und wenden wie man will, letztlich ist man für sich selbst verantwortlich. Trotzdem dachte ich, dass es eine Phase der Aufarbeitung sein würde/könnte, erst mal meine ganze Wut auf ihn zu lenken. Eine Art Befreiung. Nur verspüre ich keine Wut. Zumindest noch nicht.

    Und damit bin ich auch wie versprochen wieder bei Shankaria: Ich weiß, dass mein Fall anders gelagert ist als ihrer. Trotzdem kann ich mich gut in sie hineinversetzen. Ich kann die Angst nachempfinden, eventuell HIV positiv zu sein. Mit all den Konsequenzen, die das nach sich ziehen würde. Die Angst, vielleicht plötzlich alleine dazustehen. Die Wirklichkeit würde wahrscheinlich anders aussehen, aber die Psyche ist halt mal damit beschäftigt, sich in düsteren Bildern den Weltuntergang vorzustellen. Bei mir war das zum Glück nur eine vergleichsweise kurze Spanne, aber ich habe sie auch durchlebt. Ich hatte nie einen Seitensprung, eine kürzere offene Beziehung ja, so dass ich nur spekulieren könnte, wie ich reagieren würde. Ich kann mir aber zumindest vorstellen, dass jemand für sich zunächst das Thema HIV geklärt braucht, ehe er/sie sich um die nächste „Baustelle“ kümmern kann. Und dass man für Ersteres anfangs durch ein (beim einen kleineren, beim anderen größeren) Tal der Tränen und vielleicht auch des Selbstmitleids geht – warum nicht? Solange man sich in einem dynamischen Prozess der Aufarbeitung befindet, mögen zwar Ursache und Wirkung umgekehrt sein, aber ist das automatisch schlecht? Ich finde es sehr problematisch, wenn man darin verharrt, aber in einer grundsätzlichen Absolutheit die Verdamnis darüber auszusprechen, damit kann ich nicht viel anfangen.

    Der Schlag ins Gesicht der HIV Positiven und deren HIV negativen Partnern. Ein starkes Bild, das mich länger heute Nachmittag beschäftigt hat. Denn die Frage für mich ist: wann schlage ich? Schon bei der Angst davor, mich mit einem HIV negativen Mann zu daten, der (noch) nicht weiß, dass ich positiv bin? Bei dem alleinigen Gedanken daran, meinem Partner nichts von der Infektion zu sagen? Für mich ist das offen und ungeklärt – ich befürchte nur, dass ich in meiner aktuellen Phase recht kräftig schlage. Weil ich Angst habe.

    Ich weiß seit einer Woche, dass ich positiv bin. Vielleicht darf ich mir auch einfach noch Zeit für meine Angst gönnen.
     
  15. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi ocean,

    das mit den Ängsten verstehe ich ja ... aber es ist diese Form von Beratungsresistenz, die mich stört. Im Ausgangsposting steckt bereits ein kognitiver Widerspruch (»Ich weiß, dass nur ein Test Aufschluss geben kann« - »Weiß vielleicht jemand, ob der und der Wert Aufschluss geben kann?«).

    Im zweiten Posting kommen dann bruchstückhafte Aussagen, die zum Teil un- oder zumindest missverständlich sind ... zum Teil aber auch konkret beantwortet werden. Wir können hier aber nur das beantworten, was geschrieben wird. Wenn Du Dich recht erinnerst, warfst Du mir vor, »Beziehungsratschläge« zu geben. Das dritte Posting der TE hat mir gezeigt, dass ich in meiner Einschätzung eigentlich gar nicht so falsch lag. Das sind Erfahrungswerte, die man nach etlichen Jahren in diesem Forum mitbekommt.

    Angst ist eine von der Natur eingerichtete Schutzfunktion, völlig richtig. Aber Angst entsteht durch Unwissenheit, durch Furcht vor etwas, das »anders« oder »ungewohnt« ist. Und damit - das ist eine Folge der modernen Zivilisation - beschäftigen sich die wenigsten Menschen, die meisten verdrängen sie - auch wenn es - da gebe ich Dir völlig recht - der komplett falsche Weg ist.

    Nur: Die Neigung zu Ängsten ist immer auch eine Frage, wie weit ich Wissen, Aufklärung, Antworten an mich herankommen lassen möchte. Oder - im andern Extrem: Wie weit ich mich der Angst ergebe. An dieser Stelle stecken Menschen dann in Angstkreisläufen - oder schlimmer: Angstspiralen, die letztlich wesentlich schlimmer sein können oder sogar sind als das sie auslösende Ereignis. Dann muss man diese Spirale aufbrechen, wenn man wirklich Hilfe leisten möchte. Und das geht nur, wenn man sehr deutlich die Position des »Advocatus diaboli« ... die gegenteilige, »böse« Position einnimmt.

    Das Schlimmste aber sind die »diffusen Ängste«. Sie entstehen aus Unwissenheit und dem Unwillen oder der Unfähigkeit, etwas dazuzulernen. Diese Art von Ängsten finden wir insbesondere imHIV-Bereich extrem oft ... nämlich immer dann, wenn sich Menschen einer Situation (»habe ich mich vielleicht infiziert?«) gegenübersehen, die sie für sie selbst nicht erwartet haben, weil »man« doch weiß, dass immer nur die anderen davon betroffen sein können.

    So viel zum Thema »Angst und Psychologie«. Natürlich darf man auch hier anderer Meinung sein ... ich spreche lediglich aus meiner subjektiven Erfahrung.

    Übrigens gibt es auch hier keine »dummen« Fragen. Es gibt nur dumme Angewohnheiten, z.B. das Internet rauf- und runter zu googeln und den dort aufgefundenen teilweise wild widersprechenden »Informationen« mehr Glauben zu schenken als Menschen, die sich mit dem Thema besser auskennen (hier, beim Arzt, im Gesundheitsamt, bei Aidshilfen).

    Und zum Thema »Schlag ins Gesicht«: Hier hast Du mich missverstanden. In einer Partnerschaft sind zwei Menschen mit Ansprüchen, Wünschen und Vorstellungen zusammen. Wenn nun der eine dem anderen hinter dessen Rücken vorwirft, ihn bei einer festgestellten HIV-Infektion sowieso zu verlassen, dann verkennt er (oder sie), dass es Millionen von Fällen gibt, in denen eine Krankheit - gleich welcher Art, so auch HIV - Menschen zusammengeschweißt hat. Vorverurteilungen - ohne dass der Partner überhaupt einmal gefragt worden ist (!!!) zeigen doch schon einen Bruch in der Vertrauensbasis. Und sie belegen, dass man sich dann wenigstens darauf berufen können möchte, dass man wegen der Infektion verlassen wurde. Wo das eigentliche Beziehungsproblem wirklich steckte, wird dann lieber ausgeblendet. Man könnte ja selbst Schuld haben ...

    Ich bin seit über 20 Jahren positiv und hatte Beziehungen und hatte und habe Sex. Auch - und viel öfter - mit negativen Partnern. Mein entspannter Umgang mit etwas, was sowieso nicht veränderbar ist, macht es mir und anderen leicht, den Urtrieben zu folgen und sie zu befriedigen. Übrigens mit Ansage!

    Wenn Dich Angst schützt, ist sie »gut«. Wenn sie Dich hemmt, ist sie »schlecht«.

    Und das sage ich nicht nur Dir, sondern auch Shankaria und allen anderen. Wenn Du Dich ausquatschen willst, machen wir das lieber in einem eigenen Thread. Ich finde einige Positionen (durchaus positiv) kommentierungswert, aber möchte den Thread hier nicht noch mehr sprengen ...

    Und noch eine Ergänzung: Menschen wenden sich an dieses Forum mit Fragen, die wir gerne beantworten. Aber: Wir beantworten sie inhaltlich so, wie wir das für richtig befinden - nicht so, wie es der Fragesteller vielleicht erwartet. Da gibt es zum Teil durchaus diametrale Unterschiede ...
     
  16. ocean

    ocean Neues Mitglied

    Danke, Matthias, für die lange Antwort. Können wir gerne bei Gelegenheit in einem eigenen Threat vertiefen.
    Viele Grüße
    Alex
     
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