Behandlung von HIV-Patienten

Dieses Thema im Forum "Leben mit HIV" wurde erstellt von Marion, 11. Juli 2009.

  1. Marion

    Marion Administrator HIV-Symptome.de Team

    So liebe Leute,

    da in einem anderen Thread die Thematik "Behandlung von HIV Patienten" angeklungen ist, hier mal ein Thread dazu, der auch die ärztliche Sichtweise wiedergibt.

    Wie besprochen habe ich gerade einen auf Medizinrecht spezialisierten Rechtsanwalt darum gebeten, hier in den kommenden Wochen (er hat gerade sehr viel zu tun...) ein Statement zur rechtlichen Situation zu schreiben. Es interessiert doch sehr, was Ärzte unter welchen Umständen dürfen und insbesondere auch, ob Patienten dem Arzt gegenüber eine HIV Infektion verschweigen dürfen oder ob sie sich dann ggf. strafbar machen. Darum geht es in diesem Thread also nicht - das überlassen wir dem Justitiar!

    Wie wir alle wissen, muss ein Arzt theoretisch gesehen immer jeden Patienten behandeln. Es besteht jedoch die Möglichkeit Patienten (ggf. sogar durch erfundene Gründe) abzuweisen und an eine Uniklinik oder vergleichbare Institutionen zu verweisen. Das ist und bleibt natürlich ein großes Problem und sollte daher hier auch mal diskutiert werden.

    Aufgrund der aufgekommenen Thematik habe ich vorhin noch mit einem befreundeten Arzt gesprochen. Er hat mir mitgeteilt, dass er noch nie einen HIV Patienten abgewiesen hat, aber dass dieses Thema auch für Ärzte und alle Beteiligten (Krankenschwestern, Dentallabore etc.) nicht leicht ist.

    Einfach deshalb, weil man i.d.R. das Behandlungszimmer, Stühle und Liegen doppelt und dreifach desinfiziert, die Kleidung auch bei nicht blutintensiven Eingriffen direkt in die Wäsche wirft und auch Instrumente ggf. mehrfach desinfiziert werden - einfach, um die eigene Gesundheit und die der anderen Patienten nicht zu gefährden. Das wiederum verursacht natürlich deutliche Mehrkosten und einen zeitlichen Mehraufwand für den Arzt bzw. die Praxis.

    Da ich vorhabe, eine Online-Kartei anzulegen, in der man regional nach Ärzten suchen kann, habe ich natürlich noch etwas mehr nachgehakt:

    Laut seiner Kenntnis sei es für viele Ärzte nicht denkbar, dass sie sich z.B. in eine Kartei eintragen lassen, in der ausschließlich Praxen genannt werden, die HIV Patienten immer behandeln - einfach aus Gründen der Reputation. Laut seiner Aussage haben viele Ärzte Angst davor, dass dann andere Patienten aus Angst vor einer Infektion die Praxis meiden.

    Diese Standpunkte habe ich in dieser Form noch nicht gesehen!

    Gesetzt den Fall, das trifft zu - finde ich es besonders krass, dass die Gesellschaft praktisch für eine Ausgrenzung derer sorgt, die sich um HIV Patienten sorgen! Das ist meiner Meinung nach ein Skandal erster Güte! Das verbinde ich mental direkt mit Sippenhaftung...

    Ich habe daher nochmal ein bischen recherchiert und bin auf einige Seiten gestoßen, auf denen darüber geschrieben wird, dass dem Arzt nicht eine volle Kostenübernahme der erforderlichen (oder freiwilligen) (Mehr-)Maßnahmen zugesichert wird.

    Das müsste meiner Meinung nach absolut an vorderster Stelle stehen und staatlich zugesichert werden! Anscheinend gibt es zwar eine Pauschale für den Mehraufwand, aber diese dürfte in vielen Fällen eben nicht kostendeckend sein. Es besteht daher für den Arzt das Risiko eines Minusgeschäfts, was ja auch nicht Sinn und Zweck sein kann.

    Ein ziemlich heikles Thema! Was meint ihr dazu?

    ...
     
  2. Unser Tipp Frage jetzt einen Arzt! HIV-Symptome.de

  3. Jacky_DA

    Jacky_DA Bewährtes Mitglied

    Ich verstehe nicht so ganz, was Du mit Mehraufwand meinst? Du meinst, Ärzte/Krankenhäuser haben einen Mehraufwand, wenn sie HIV-Patienten behandeln? Falls ja: wieso? Es muss doch sowieso immer gewährleistet sein, dass Instrumente etc. steril sind. Wenn dafür mehrfach desinfiziert werden muss, dann ist dies eben so. Es gibt ja zig andere Krankheitserreger, die sich weitaus einfacher übertragen als das HIV und auch solche, die "schwieriger zu elimineren" sind. Zudem: die Vorsicht sollte ja nicht erst gegeben sein, wenn die Behandelnden etc. wissen, dass sie einen hiv-positiven Patienten behandeln. Was ist denn mit den positiven Menschen, die von ihrer Infektion überhaupt nichts wissen?

    Ich kann irgendwie z.B. nicht nachvollziehen, warum man bei Behandlung eines HIV-Patienten die Kleidung in die Wäsche schmeißen sollte, bei der Behandlung eines Menschen mit Hepatitis-A/B/C, Schweinegrippe oder sonwtwas nicht? Das ist für mich irgendwie blödsinnig. Warum wird bei einer anderen Krankheit nicht doppelt und dreifach infiziert, bei HIV schon?

    Mal ganz davon abgesehen, dass wir doch alle wissen, dass HIV bei "gemeinsamer Nutzung eines Stuhles/einer Krankenliege" auf keinen Fall übertragen werden kann. Solche Aussagen schüren meiner Meinung nach nur die Angst vor HIV und die damit einhergehende Diskriminierung.
     
  4. Marion

    Marion Administrator HIV-Symptome.de Team

    Das würde ich auch gerne wissen! Ich kann Dir diese Fragen aber auch nicht beanworten - das wäre natürlich sehr interessant zu wissen.

    Ich glaube jedoch, dass es einfach daran liegt, dass man - wenn man schon von einer Infektion weiss - absolut auf Nummer Sicher gehen will und daher der Mehraufwand entsteht.

    Dass es diesen Mehraufwand gibt, ist ja unstrittig, wie ja alleine die Tatsache zeigt, dass es eine gesonderte Pauschale für eben diesen Mehraufwand gibt - auch, wenn diese wiederum auch nicht halbwegs kostendeckend sein kann.

    Zudem gehe ich davon aus, dass ein Arzt spätestens dann die Kleidung wechselt, wenn er von einer unheilbaren, infektiösen Krankheit weiss. Dies könnte auch daher zu klinischen Praxis gehören. Ich habe gerade einen Freund angerufen, der in einer sehr großen Klinik in der Amulanz arbeitet - leider war er gerade unterwegs. Sein Statement diesbezüglich werde ich dann die Tage veröffentlichen ... das Thema interessiert mich sehr! Insbesondere, weil kaum jemand darüber spricht bzw. schreibt!

    Update: Übrigens haben wir gerade den 3000. Artikel geschafft. :)
     
  5. Saparot

    Saparot Neues Mitglied

    Hmmmm ein wirklich sehr interessates Thema, denn auch meine Ex Frau wurde von unserem Hausarzt an eine Klinik verweisen oder wahlweise an eine Schwerpunktpraxis.

    Um so mehr ich darüber nachdenke komme ich zu dem Schluss, daß es ja wirklich nicht sein kann, daß ein Patient .... ja man muß sagen ..... abgewiesen wird - auch wenn die eigentliche Abweisung anders formuliert wird.

    In unserem Fall war es dann mit erheblichem Mehraufwand verbunden, denn sowohl die nächstgelegenen Schwerpunktpraxen als auch die Klinik war mit dem auto nicht unter 1,5 Stunden zu erreichen.

    Ob es wohl bei meiner zukünftigen Frau gleich sein wird ???? Daß sie letztlich "abgweisen" wird ?????


    Viele Grüße von Saparot
     
  6. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Ja, es ist leider so. Manche Aerzte weisen HIV-pos. Patienten ab. Und leider darf ein Arzt einen Patienten abweisen. Er muss ihn nur bei Notfallbehandlungen annehmen. D.h. wenn einem Arzt Dein Gesicht nicht gefällt kann er Dich an jemand anderen verweisen.


    Eine Behandlung eines HIV-Patienten bei einem Schwerpunktarzt muss natürlich sein. Denn er ist ein Spezialist auf dem Gebiet HIV.

    Lieben Gruss
    Alexandra
     
  7. Saparot

    Saparot Neues Mitglied

    Was die Spezialisierung der Ärzte angeht hast Du mit Sicherheit recht, nur erinnere ich mich nur allzu gut daran wie schwer es für meine Ex Frau war schon wieder zu einem anderen Arzt zu gehen.

    Vertrauen in einen Arzt ist sicher das wichtigste.

    Sicher baute sich dann mit der Zeit ein Vertrauen zu diesem neuen Arzt auf, aber es war zu keinem Zeitpunkt das gleiche wie beim Hausarzt.

    Außerdem war da noch die Sache mit der Fahrstrecke - das war schon immer ziemlich heftig ....


    Viele Grüße von Saparot
     
  8. AlexandraT

    AlexandraT Moderator HIV-Symptome.de Team

    Eigentlich sollte ein Hausarzt einen HIV-Patienten nicht abweisen. Denn HIV kann er sich bei einer Routinekontrolle ja nicht einfangen. Nur bei der Blutabnahme muss man aufpassen. Ich finds komisch...zumal man ja als Arzt bei jedem Patienten davon ausgehen muss, dass er ein HIV-Patient sein könnte.

    Gruss
    Alexandra
     
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