Austausch Phobiker 2

Dieses Thema im Forum "HIV Phobie" wurde erstellt von labellevie1, 15. März 2019.

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  1. labellevie1

    labellevie1 Neues Mitglied

    Da der andere Beitrag geschlossen wurde, würde ich gerne auch meine Erfahrung hier teilen:

    Ich selber bin Bi und habe/hatte gerne Sex.
    Seit zwei- drei Jahren mehr auch mit Männern. Anfangs hatte ich gar keine grossen Sorgen. Doch ich fing an mich zu ekeln vor diesen One - Night- Stands, die sich aus einer App heraus ergeben habeb. Solange man aber nicht die richtige Person findet ist es eine schnelle und einfacher Lösung zur Befriedigung zu kommen.

    Ich hatte noch nie ungeschützten Verkehr!
    Und doch packte mich irgendwann die Angst. Am schlimmsten war es als ich die Gürtelrose bekommen habe und man mir sagte, dass es ungewöhnlich ist diese in so jungen Jahren (24) zu bekommen. Man liest überall dassHIV auch eine Ursache sein könnte hierfür. Neben diesen Schmerzen die ich hatte, bin ich wahnsinnig geworden. Als es mir besser ging, habe ich einen Test machen lassen der negativ war.

    Sicherlich blieb es nicht nur bei diesem Test. Es folgten alle paar Monate ein neuer, um sicher zu sein. Ich habe aufgehört Sex zu haben, so wie ich es vorher hatte. Ich selber bin gerne aktiv. (Noch nie passiv gewesen)

    Ich habe aber auch darauf verzichtet.
    Was ist dann passiert ich habe Chlamydien bekommen. Das hat alles gesteigert. Ich habe noch mehr Angst bekommen. Ich bin nicht sicher mir passiert eine Sache nach der anderen.

    Die Chlamydien wurden behandelt und dennoch hatte ich lange danach immernoch etwas schmerzen beim Wasserlassen.

    Also habe ich auch aufgehört Oralverkehr zu haben. Ich wurde ängstlicher und vorsichtiger. Wenn es zu einen Treffen kommen sollte dann nur zum
    Befriedigen mit der Hand. Ich dachte damit bekomme ich diese Angst hin. Falsch Gedacht ich habe sie immernoch. Was ist wenn Sperma / Lusttropfen auf meine Eichel kommt. Was ist wenn er mir versehentlich ins Auge oder Mund spritzt, was ich nicht möchte.

    Ich selber weiss ich habe kein Risiko gehabt. Und doch packen mich immer wieder diese Gedanken. Ich versuche mir das immer und immer wieder einzureden. Ich kann ja nicht jedes mal einen Test machen. Zuletzt Anfanf November einen Test gehabt. Hatte seit über einem Jahr kein richtigen Geschlechtsverkehr. Oralverkehr seit dem letzten Test auch nicht, wenn dann nur mit der Hand, wo gar kein Risiko besteht.

    Seit einigen Monaten habe ich extremst verspannte Nacken und Rückenprobleme.
    So schlimm, dass ich beim Schmerz nicht klar denken kann oder teilweise das Gefühl habe meine Hände werden schwacher und mir ist schwindlig. Ich hab so Angst gehabt die letzten Wochen, weil ich nicht weiss was mit mir ist. Jeder Orthopäde sagt Stress, wenig Sport. Bieten mir Spritzen an und Schmerzmittel.

    Ich war im Krankenhaus stationiert deswegen. Man hat MRTs gemacht vom Rücken der Brust und sich den Kopf angeschaut, sieht alles ok aus. Blutwerte ebenfalls normal. Ich habe dort zum erstenmal auch von meiner Angst gesprochen, aber hatte das Gefühl die Ärtze nehmen das nicht so ernst. Als ob ich Schauspielern würde und Sie auf den Arm nehmen will.

    Die Angst selber kommt immer wenn ich diese Schmerzen habe. Ich merke wie meine Rückenmuskulatur verkrampft und ich wie benebelt bin. Das kommt und geht. Glaube dass es aber auch von meinen Gedanken kommt.

    Jetzt suche ich einen Therapeuten. Ich muss diesen Problemen Nachgehen ich kann so nicht weiterleben. Ich habe Angst dass ich mein Umfeld und meinen Job verliere. Suche grad nach wem passendes und habe die AIDSBeratung kontaktiert, ob Sie mir jemanden empfehlen können. Mir wäre lieb, wenn es jemand ist der Erfahrung mit diesem Thema hat und eventuell selber Bi/Homosexuell ist. Leider ist der Experte seit zwei Wochen krank und kommt
    hoffentlich Montag wieder, damit ich mit Ihm reden kann. Das warten macht einen verrückt. Mal gehts mir gut mal wieder schlecht. Erkenne mich schon kaum
    wieder. Bin eigentlich ein total lebensfroher Mensch und unternehme sehr viel und motiviere andere. Dass es mal in so eine Richtung geht, hätte ich niemals Gedacht.

    Das ist meine Story - Ich übertreibe oder?
    Mir ist es bewusst ehrlich, ich weiss nur nicht wie ich das in den Griff bekomme.
     
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  2. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Hallöchen und Mahlzeit,


    Zunächst:
    Mich freut es sehr, dass du schreibst, weiter freut es mich auch, dass du aus freien Stücken den Weg zu einem Therapeuten planst.

    Ich bin bald 32 Jahre alt, ebenso lange bin ich homosexuell,- ich denke, dass du für dich selbst in einem Prozess steckst, in dem dir möglicherweise klar wird, dass du dich sehr zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlst und das ist völlig okay.

    Ich kenne deine Vorgeschichte nicht, denke aber, dass du dich selbst nicht so hart ins Gericht nehmen solltest, Bi- und/oder Homosexualität ist keine Krankheit, keine negativ behaftete Eigenschaft, nichts verwerfliches oder moralisch untragbares, sondern eine völlig normale, sexuelle Ausrichtung.

    Oft gaukelt einem die Psyche altbackenes vor:
    "HIV, das gibt's doch nur in der Gayszene".
    Du wirst lachen, aber das höre ich in unserer Beratungsstelle oft, auch in der Selbsthilfe und das ist, milde ausgedrückt, absoluter Käse. Deswegen wird "Sperma", das immer mal im Spiel ist bei Männern, die Sex mit Männern haben, als potentiell gefährlich eingestuft, weil es ja zu den infektiösen Körperflüssigkeiten gehört.

    Doch ist es nicht viel mehr so, dass man gerade nach dem ersten, gleichgeschlechtlichen Kontakt zwanghaft versucht, dem Norm-Gefasel der Psyche irgendwie zu entfliehen, die dir einredet, dass heterosexuelle Kontakte doch für dich mit viel weniger Angst und Sorge einhergehen würden? ;)

    Das ist nur die Stimme, die dich blockiert.
    Abgesehen davon, dass es dem HI-Virus wirklich rille ist, ob du Männlein oder Weiblein, ob du hetero/bi/homo/pan oder transsexuell bist,- es ist nicht wichtig und auch nicht von Relevanz.

    Du bist wichtig.
    Deine Gefühle, deine sexuellen Bedürfnisse und dein Glück sollten im Vordergrund stehen und wenn du verantwortungsvoll mit dir und deiner Gesundheit umgehst, ist es auch unwichtig, mit welchem Geschlecht du wie viel Sex und vorallem: Welchen Sex du hast.

    Du kannst jede Art von Sex genießen, aber mit Köpfchen und mit Schutz.

    Ich kenne die App von der du sprichst sehr gut,- es ist alles möglich und klappt schnell und unkompliziert und wenn du das geniesst oder gerne möchtest, was spricht dagegen?

    Egal welche App, egal welches Geschlecht, egal welcher HIV-Status,- Schütze dich und alles ist möglich und das ist gesünder, wie deinen Reizen einen Riegel vorzuschieben.
    Am schönsten ist der Sex doch, wenn wir tun worauf wir und unser Partner/unsere Partnerin Lust haben, ohne unnötige Ängste. :)
     
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  3. realex

    realex Mitglied

    Hallo @labellevie1

    auch wenn wir nicht die gleichen Probleme / Phobien haben, kann ich dich gut verstehen.
    Freut mich auch zu hören das du einen Therapeuten suchst, dass wird dir bestimmt helfen. Ich selber hatte schon 2 Sitzungen und denke bin auf dem richtigen Weg.
    Mittlerweile komme ich auch langsam von meine Ängste weg. Bald geht es mir wieder viel besser wie letztes Jahr :)

    Ich wünsche dir alles gute :)
     
  4. labellevie1

    labellevie1 Neues Mitglied

    Wow - ich heule grad wirklich !

    Zeitgleich habe ich starke Rückenschmerzen und Verspannungen und versuche mich abzulenken. Ich lese das gerne was ihr schreibt weil ich, weiss dass Ihr recht habt und ich mir diesbezüglich keine Sorgen machen muss. Weil es mir gut geht !!

    Ich bin Gesund mir fehlt an nichts. Ich muss es nur im inneren irgendwie verarbeiten.

    Hoffe sehr, dass man Montag mir einen Kontakt nennt und ich auch schnell drankomme.

    Ich glaube auch, dass ich so denke weil ich eventuell komplett Hetero sein will. Aber ich habe einige Gründe wieso ich es nicht offen ausleben werde und auch nicht muss. Es ist mein Leben und wenn ich das im geheimen mache steht es mir zu. Ich muss nur lernen, dass ich nicht so grosse Angst davor haben soll.

    @realex Hat dein Therapeut dir einen rat gegeben, was du machen kannst, wenn du diese Angstattackrn bekommst ?
     
  5. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Wenn du zwanghaft versuchst etwas zu sein, was du offenbar aber nicht bist, wird es für dich selbst sehr schwierig letztlich zu deinem eigenen Glück zu finden. Sicher ist es legitim sich zu verstecken, du musst dich aber immer fragen wovor du dich versteckst..
    Zudem ist es egal, welche Sexualität du auslebst. Wieso unterhalten wir uns über Hetero, Homo oder Bisexualität?
    Weil es offenbar der Gesellschaft wichtig ist, so wichtig, dass wir uns verstecken müssen? Nö.

    Es muss egal sein, wer welche Sexualität auslebt. Vielleicht klingt das drastisch, aber wenn wir uns selbst schon diskriminieren und verstecken, ist das doch ein gefundenes Fressen.

    Wessen Meinung fällt für dich denn so sehr ins Gewicht, dass du dir selbst dein Glück nicht zugestehen willst?

    Es ist dein Leben. Das lebst nur du!

    Selbstverständlich.

    Wovor?
    HIV oder deiner Sexualität?
    Ich kann dir sagen, dass du vor beidem keine Angst zu haben brauchst. Vor HIV allerhöchstens mal Respekt, aber Angst ist wirklich übertrieben.
     
  6. realex

    realex Mitglied

    @labellevie1

    Bei mir sind die Ängste anders als bei dir. Ich hatte kein Angst mich bei GV anzustecken sondern beim alltäglichen Situationen. Seit dem ich meine Sitzungen habe geht es mir wieder besser.

    Bei Sitzung spricht man bisschen über Vergangenheit und über dinge die Ängste auslösen. Es kann bei dir andere Ursachen haben aber ich kann einen Therapeuten nur weiter empfehlen.
    Noch kann ich dir sagen, dass es wirklich sehr sehr hilft, die Übertragungswege zu kennen.

    Wenn das alles in dein Kopf drinnen ist.. dann geht es dir wieder gut :) :)
     
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  7. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Sorry, aber das kann man nicht ändern. Du kannst auch drei Beine oder zwei Köpfe haben wollen … Du hast keine andere Chance, als Dich so anzunehmen, wie Du bist. Wir sprechen hier ja nicht über eine Geschlechtsumwandlung – wir sprechen darüber, dass Du Dich mit Gewalt einer im eigenen Kulturkreis vorherrschenden Mehrheitsmeinung unterwerfen willst, von der wir alle wissen, dass – egal um welchen Kulturkreis es sich handelt – diese »Mehrheitsmeinung« von einer religiösen Minderheit in die Welt gesetzt wurde.

    Denk einfach mal daran, dass jeder Mensch mit sich selbst als Gabe zur Welt gekommen ist …und jeder Mensch daran mitwirken kann, diese Welt zu verbessern, zu einem lebenswerten Planeten zu machen. Män ändert aber nichts, wenn man so sein will wie alle … man ändert nur etwas, wenn man neue Wege geht.

    Du fühlst Dich schuldig, weil Deine Sexualität nicht der Mehrheitsmeinung entspricht – dabei ist es die Mehrheit, die daran schuld hat, wenn es Menschen wie Dir oder mir oder uns allen – aus welchen Gründen auch immer – schlecht geht. Du begehst im Prinzip Selbstmord an Deiner Seele, weil Du glaubst, die anderen wollen das so.

    Wir sind hier – und das sage ich klipp und klar – einHIV-Forum. Und eine HIV-Phobie ist und darf keine Stellvertreter-Angst für psychische Probleme sein. Das ist HIV-Positiven nicht fair Gegenüber, das ist nicht fair Deinem Problem gegenüber … und es ist definitiv nicht fair Dir selbst gegenüber.
     
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  8. Wyoming

    Wyoming Poweruser Poweruser

    Ausser, wenn du ein Einhorn sein willst.
    Dann sei ein Einhorn! :D

    100% Zustimmung.
     
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