Aus dem Alltag einer 'Positiven'

Dieses Thema im Forum "AIDS-Forum" wurde erstellt von Gesi, 15. August 2012.

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  1. Gesi

    Gesi Neues Mitglied

    Möchte einfach aus meinem 'positiven' Alltag berichten - dieses Erlebnis ist leider einmal wieder der Beweis dafür, wieviel Unwissenheit, Ignoranz und diffuse Ängste das THemaHIV bei manchen Menschen aufdecken kann:

    Bin seit '97 positiv, 2003 hatte ich den ersten 'Crash': ganz schlechte Werte und noch 'ne innere TBC; noch längst nicht davon erholt - die HIV-Werte wurden immer schlechter - bekam ich Anfang 2004 eine PCP und wurde ab da medikamentös eingestellt und seitdem gehts zum Glück wieder bergauf. Heute ist meine Ratio 0,9! Das ist sehr schön, aber trotzdem plagen mich Ängste und Probleme (ich leide 'Trichotillomanie', der 'Lust sich Haare, Wimpern auszureissen' und meine Haut an kleinen Stellen aufzukratzen) - also melde ich mich zu einer Verhaltenstherapie an. Nach langem Warten kam dann endlich der Erstgesprächs-Termin - verlief aus meiner Sicht auch ganz gut und wir verabredeten uns zu regelmäßigen Treffen. Das 2. Mal, als ich voller Hoffnung und natürlich fatalerweise mit Riesen-Erwartungen dort hin kam, eröffnete die Therapeutin mir, dass sie selbst an Neurodermitits leidet (sie hatte fast 'rohe' Hände, das war mir gleich aufgefallen; und nach dem 1. Gespräch wurde mir schon nicht mehr die Hand zum Abschied gegeben) und SIE nun Angst hätte, sich wg. meiner Kratzerei bei mir mit HIV zu infizieren...und sie würde mich an einen Kollegen übergeben (d.h. wieder lange Wartezeiten). OK - das ist einerseits legitim, denn so eine Therapeutin kann mir bestimmt nicht helfen, aber ich bin dadurch in so ein tiefes Loch gefallen - fühle mich total diskriminiert. Es ist nun wirklich nicht so, dass mit blutenden Stellen durch die Gegend renne. Nun frage ich mich, was für Therapeuten werden auf die Menschheit los gelassen. Die Gefahr, sich bei jemanden, der es vielleicht übernicht weiß, ob er HIV- oder z. B. Hepatitis-infiziert ist, und der zufällig einen kleinen, unbemerkten Schnitt an der Hand hat, ist m. E. wesentlich größer, als sich bei jemanden wie mir, deren Viruslast sich seit Jahren stabil unterhalb der Nachweisgrenze befindet, anzustecken.

    GOTT, LASS' HIRN VOM HIMMEL FALLEN!

    Sorry, aber ich bin fix & fertig mit den Nerven - und es ist leider nicht das 1. Mal, dass med. Personal geradezu unfähig mit uns Infizierten umgeht. 21. Jahrhundert? Aufgeklärtheit?!? Da muss verdammt nochmal GANZ VIEL passieren....

    Abschließend sei noch gesagt, dass ich zum Glück ganz viel Unterstützung von meinen größtenteils nicht betroffenen Freunden und Familienangehörigen bekomme, und dafür bin ich wirklich sehr dankbar!

    Hat hier vielleicht jemand Ähnliches erlebt? Kann jemand meine Enttäuschung verstehen?!?
     
  2. guterHoffnung

    guterHoffnung Mitglied

    Hallo Gesi,

    zuertmal tut es mir leid, dass du so ein Pech mit der Therapeutin hattest. Leider hat sich nicht jeder so viel informiert wie wir es haben. Daher sicher die Angst der Therapeutin. Mein Therapeut hat, Gott sei Dank, ganz toll reagiert und mir am Ende der Stunde gesagt, daß ich mir keine Gedanken machen müsse und ihn das nicht beinträchtigt. Er gibt mir auch weiterhin die Hand jedes mal. Tatsache ist aber, daß er sich die eine Stunde Zeit dafür genommen hat um darüber nachzudenken. Das fand ich okay.

    Ein anders Beispiel. Meine Nichte, die nicht weiß dass ich positiv bin, sagte zu mir vor kurzem jemand hätte ihr die Hand gegeben und dann erst im Nachhinein gesagt, daß er postiv sei. Darufhin fand sie denjenigen doof, und dass er es hätte ihr sagen müssen, bevor er ihr die Hand gibt. Da dachte ich mir nur...Gott sei dank habe ich noch nichts gesagt und was wäre wenn sie wüßte. Nachdem wir uns doch zur Begrüßung fest umarmt hatten ;) Dazu muss ich nun noch sagen, daß sie zum medizinischen Personla einer Hamburher Klinik gehört und doch auch aufgeklärt sein sollte.

    Ein anders Beispiel. In der Uniklinik Kiel machte der Oberarzt der Neurologie eine Untersuchung bei mir mit einem Gerät, mit dem er mir in die Augen blickte. Dafür mußte er auf ca. 10 cm an mein Gesicht heran kommen. Er hatte einige junge Ärzte bei der Visite dabei. Nach der Untersuchung sagte er zu den jungen Ärzten, dass diese Untersuchung bei mir Lehrbuchmäßig funktionieren würde und er gerne ihnen die Chance geben würde mich auch zu untersuchen. Aber keiner wollte.

    Dennoch ging es mir nicht schlecht damit und ich dachte mir nur wie arm ich das finde, dass selbst Ärzte es nicht besser wissen. Vielleicht dachten sie ich würde sie anfallen wenn sie mir so dicht kommen und sie beißen. Bestimmt haben sie das HI Virus mit dem gefürchteten T-Virus aus Resident Evil verwechselt
    Das kann schonmal vorkommen.
    Nein im Ernst, in dem Moment war es mir nicht wichtig aber ich dachte im Nachhinein, was wäre wenn diese Untersuchung für mich wichtig gewesen wäre und es hätte sie keiner machen wollen...

    Naja, lange Rede kurzer Sinn...ich denke es gibt ängstliche und aufgeklärte Ärzte und Therapeuten. Auf jeden Fall wünsche ich dir ganz viel Glück bei deinem nächsten Therapeuten!!
    LG
     
  3. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Gesi,

    natürlich kann ich deine Enttäuschung verstehen. Leider gibt es auch beim medizinischen Personal noch viel Unwissenheit. Besonders Zahnärzte tun sich hier oft durch Unkenntnis hervor. Allerdings darf man von solchen Erlebnissen nicht auf die Ärzteschaft allgemein schließen.

    Ich bin auch der Auffassung, dass nur der Therapeut gut für Dich ist, der Dich so annimmt, wie Du bist ... also mit allem und auch mit allen Viren (so denn bei der ART bzw. HAART noch welche da sind).

    Ich weiß nicht, wo Du wohnst ... aber gibt es in Deiner Nähe vielleicht eine Aidshilfe, die Dir entsprechend disponierte Therapeuten empfehlen kann?
     
  4. Marion

    Marion Administrator HIV-Symptome.de Team

    @ ariakus

    Sorry, aber ich muss immer noch herzhaft lachen!! Super Vergleich! :lol: 8)
     
  5. Gesi

    Gesi Neues Mitglied

    Vielen Dank!

    Hi ihr Lieben, die mir so prompt geantwortet haben! Bin wirklich sehr dankbar für eure tröstenden Worte....manchmal braucht man einfach das Gefühl, einfach verstanden zu werden!!!!! @ariakus: ja, dies ist auch nicht mein einziges Erlebnis gewesen, habe ähnliche Erfahrungen immer wieder machen müssen! Habe trotzdem meinen Humor nicht verloren - dein Vergleich mit Resident Evil finde ich klasse!!! Vielen Dank für deine lieben Wünsche!
    @matthias: Du hast vollkommen Recht - und ich wollte auch nicht pauschalisieren. Nur: dieses Mal ist 'mein' Fass einfach übergelaufen.
    Ja, ich wohne in HH, war dort auch bereits in der AHH, aber die meisten Therapeuten haben echt Aufnahmestopp, es ist total schwierig geworden. War dort sogar auch schon bei einem ganz lieben Menschen, der mich regelmäßig beraten und mir geholfen hat. Auch dir herzlichen Dank!!!!
    @Marion: :lol:
     
  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Hi Gesi,

    ich weiß nicht, welcher Dein Schwerpunktarzt ist, aber beim ICH (Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg, gibt's an drei Stellen) oder einem der anderen in der dagnä* zusammenschlossenen Ärzte kann man Dir in der Therapeutenfrage vielleicht auch weiterhelfen: http://www.dagnae.de/mitglieder/seite-1/r/hamburg--5/


    (* dagnä: Deutsche Arbeitsgemeinschaft niedergelassener Ärzte in der VersorgungHIV-Infizierter e.V.)
     
  7. Gesi

    Gesi Neues Mitglied

    Hi Matthias! Bin bei einer m. E. sehr kompetenten niedergelassenen Schwerpunktärztin, fühle mich dort bestens aufgehoben. Die AHH empfahl mir früher schonmal die PsychotherapeutischeHIV-Ambulanz im UKE - DAS war dann überhaupt nicht meine Welt, passte leider nicht. Werde aber auf alle Fälle dieser Tage mal wieder bei der AHH vorbei schauen - vielleicht gibts' Therapeuten-Neuzugänge'! Guter Tipp - danke!

    Mein Glas war gerade 'halb-leer' - langsam wird's wieder 'halbvoll'!

    Deine Leseproben finde ich absolut sympatisch - hatte meinen sonstigen Galgenhumor ('Das Leben endet tödlich' ist auch genau mein Lieblingsschnack!) verdrängt/nicht zugelassen/wie-auch-immer....Recht hast du!!!' Das letzte Positive in meinem Leben war meinHIV-Test' (auch immer wieder gern genommen...;)

    ...in diesem Sinne...liebe Grüße aus Hamburg...Gesi
     
  8. guterHoffnung

    guterHoffnung Mitglied

    @ Marion: Dankeschön, hab mich selber darüber gefreut, dass mir dieser Vergleich eingefallen ist :wink:
     
  9. guterHoffnung

    guterHoffnung Mitglied

    Bye the way, mir wurde von der Aidshilfe Kiel der Schwerpunktarzt [Edit by Admin - Name entfernt!] dringend empfohlen...kennt den jemand?!
     
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