Abwarten und Tee trinken?

Dieses Thema im Forum "HIV-Test" wurde erstellt von whitesheep, 5. September 2020.

  1. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Hallo zusammen :D

    Ich bin neu hier und stöbere schon seit Tagen durch dieses Forum rum.

    Ich denke, ich suche ich ein paar beruhigende Worte, bis ich endlich einen Test machen kann.

    Ich bin eine Frau, die sich immer Gedanken um Geschlechtskrankheiten macht. Ich spreche auch offen mit den Männern darüber, wenn es zu mehr kommen soll, weil es mir Sicherheit gibt. Und natürlich bietet ein Kondom noch weit aus mehr Sicherheit.

    Nun ja, in meiner letzten, 6 monatigen Partnerschaft kam es auch mal zum GV ohne Schutz. Er hatte 3 Monate zuvor einen Test gemacht, was das nicht benutzen eines Kondoms natürlich nicht rechtfertigt. Und was ich auch nicht wirklich beweisen kann. Und vor knapp 3 Wochen habe ich mit meiner derzeitigen Liebelei auch ohne Schutz geschlafen. Jedoch ohne Ejakulation (falls diese Information irgendwas bringt o_O). Warum auch immer - seit dem mache ich mich etwas verrückt.

    Und seit dieser Gedanke wirklich permanent in meinem Kopf ist, hatte ich eine Mandelentzündung, blutiges Zahnfleisch und dicke Lymphknoten am Hals. Die Psyche macht da viel aus, dass weiß ich, doch sobald ich mich beruhigen kann und mal 1-2 Tage nicht daran denke, kommt das nächste „Symptom“. Vor ein paar Tagen haben meine Nasennebenhöhlen blutigen Schleim produziert (da hatte ich auch noch dicke Mandeln) und aktuell eine Reizblase :oops:

    Ich weiß, ihr habt hier echt viel komisches Zeug lesen müssen und ein wenig schäme ich mich, mich mit meinem Wahnsinn bei euch auszuheulen, aber irgendwie weiß ich mich nicht anders zu beruhigen. Ich kann auch mit niemandem darüber reden.

    Ich kenne beide Männer sehr gut und auch schon über viele Jahre. Ich hab auch zu beiden einen guten Draht, was mich eigentlich beruhigt.

    Ich hatte solch einen Situation schon mal vor ein paar Jahren, wo ich mich auch damit verrückt gemacht habe. Manchmal denke ich, dass das so ein Psycho-Ding ist, weil ich gerne Sex habe, aber im Nachhinein immer mit einem schlechten Gewissen.

    Jetzt hab ich noch 3-4 Wochen bis ich einen Test machen kann. Ich hab schon überlegt, den Mann vorzuschicken. Ich weiß nur nicht, wie ich ihm das sagen soll, ohne das er sich vor den Kopf gestoßen fühlt.

    Genug von mir. Ich danke euch erstmal fürs durchlesen und vielleicht kann mich der ein oder andere ja ablenken oder beruhigen, bis es soweit ist. :)
     
  2. LottchenSchlenkerbein

    LottchenSchlenkerbein Poweruser Poweruser

    Ungeschützter Sex birgt einHIV-Risiko, das ist nun mal so.

    Ist eine wichtige Information, minimiert es doch das Risiko ganz erheblich.

    Den Test kannst du 6 Wochen nach dem GV machen, und die anderen STI, die viel möglicher sein können, nicht vergessen.
     
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  3. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Ich weiß. Danke dir, für die schnelle Antwort.

    Deshalb dachte ich mir, ich melde mich an und schreib mir meinen Kummer mal von der Seele, als mich noch weitere Wochen, bis zum Test, bekloppt zu machen :)
     
  4. devil_w

    devil_w Poweruser Poweruser

    Woher soll die Infektion kommen, wenn keine Ejakulation stattgefunden hat?
    Ja, es können ein paar wenige Viren unter der Vorhaut sitzen, aber eben nur ein paar wenige und für eine Infektion braucht es viel infektiöses Sekret.
    Dass der Lusttropfen für eine Infektion nicht reicht, dürfte Dir ja hier schon mehrfach aufgefallen sein.
     
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  5. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Ich weiß :oops: aber mit meinem Partner damals war das ja anders. Und nach ihm hab ich schon ein paar mal den Gedanken im Kopf gehabt, einen Test zu machen.

    Ich will kurz vorab erwähnen, dass ich damit leben könnte, wenn ich es hätte, aber nicht, wenn es jemand wegen mir bekommt.

    Der letzte hat immer wegen des Kondoms gejammert. Ich hab mehrmals gesagt „was ist wenn ich was habe oder wenn du was hast“ und erwähnt, dass ich ohne für keine gute Idee halte, weil ich mich seit dem letzten ungeschützten GV nicht testen lassen habe etc. aber nach mehreren Nächten miteinander war der Gedanke weg. Und nach dem Akt direkt wieder da. Wahrscheinlich sind es diese Gewissensbisse die mich und meinen Körper gerade so reagieren lassen.

    Ich mach einfach demnächst den Test und bis dahin versuche ich mich abzulenken und weniger im Netz rumzuforschen.

    Aber dieses Forum ist eine gute Hilfe. Hab hier viel gelesen und vieles hat mich beruhigt. Vor allem Berichte mit vermeintlich allen einhergehenden Symptomen dieser Welt und einem negativen Testergebnis am Ende.
     
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  6. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Guten Morgen!

    Nun also auch ich. :)

    Auch wenn ein Test medizinisch nicht notwendig erscheint, ist es immer sinnvoll, seinen Status zu kennen … gerade, wenn man darauf erpicht ist, »es« im Fall des Falles nicht weiter zu geben.

    Kurze Info dazu: WerHIV-positiv getestet wird, kann schnell mit einer Therapie beginnen (ART = antiretrovirale Therapie), deren Ziel es ist, die Viruslast unter die Nachweisgrenze zu senken. Das geht mittlerweile relativ schnell und bedeutet, dass dort, wo keine Viren mehr nachweisbar sind, sie im eigenen Körper keinen Schaden mehr anrichten und auch nicht weitergegeben werden können.

    Und noch ein Wort zur ART: Sie wurde 1996 als Dreier-Kombi (drei Wirkstoffe) vorgestellt. Damals musste man viele Tabletten bzw. flüssige Medikamente nehmen. Bei einem Freund von mir waren es 36 Stück (6 Tabletten alle 4 Stunden). Das ist aber schon gaaaanz lange vorbei. Heute nehme ich, der schon seit 28 Jahren positiv ist, 2 Tabletten am Tag … und wer frisch diagnostiziert ist, muss oft nur noch 1 Tablette am Tag nehmen, um das Ziel zu erreichen.

    Das aber nur als Info. Bei DIr sehe ich – zumindest nach dem, was Du geschrieben hast, zu urteilen – kein Risiko. Aber auch Dir muss ich ins Gewissen reden bzw. Deine Meinung stärken: Kein Mann ist es wert, seine eigenen Prinzipien beim Thema Schutz über Bord zu werfen. Und »jammern« ist nun mal kein Schutz … ;)
     
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  7. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Guten Morgen :)

    danke für die ausführliche Antwort und die beruhigenden Worte. :D

    Ich hab hier viel von dir gelesen und bin immer wieder erstaunt, wie gut du damit umgehst. Ich glaube in den 90ern war die Diagnose auch sehr hart für dich. Da klang es aber auch wie ein Todesurteil.

    Deswegen möchte ich deine Sorgen von damals mit denen, die Menschen wie ich heute haben, nicht mal annähernd messen. Ich glaube, dass das gesellschaftliche Ansehen den größeren Stress in einem auslöst, als die Krankheit selbst. Vor allem im Bezug auf das weitergeben des Virus und die damit einhergehende schuld.

    Aber das ein normales Leben möglich ist, weiß ich. Du bist das beste Beispiel dafür. Aber die Stärke muss man als Mensch erstmal besitzen, alles um sich herum auszublenden und weiterhin das beste aus sich herauszuholen, ohne seinen Alltag von einer Krankheit bestimmen zu lassen.

    Und ja, für niemandem sollte man seine Prinzipien über Board werfen. Das hab ich jetzt davon. So führe ich zwar unter anderen Umständen einen Test, aber ich mach einen.
     
  8. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Da hast Du ein weises Wort gesprochen. Leider ist das auch heute oft noch so. Ich mache ja viele Schulveranstaltungen anhand meines Buches »Endlich mal was Positives« über meinen Umgang mitHIV, aber interessanterweise sind es oft die Lehrer, die mehr lernen als die Schüler. Die Lehrer müssen nämlich von den alten Bildern runter … die Schüler haben die gar nicht mehr auf dem Schirm. Trotzdem – oder gerade deswegen – erzähle ich ihnen davon, damit sie sich ein Bild davon machen können, was Ausgrenzung bedeutet.

    Leider muss ich hier im Forum immer wieder feststellen, dass bei 20 bis 30-jährigen die alten Bilder wieder im Kopf sind, obwohl die real gar nichts davon mitbekommen haben können. Da frag ich mich: Wer pflanzt die dort ein? Und wann haben Leute wieder Angst vor der Pest oder der Cholera? Auf der anderen Seite gibt es einen nonchalanten Umgang mit Covid-19, als hätte es die Spanische Grippe nie gegeben …

    Übrigens ist die Furcht vor HIV auch heute noch der Grund, warum Schwule grundsätzlich kein Blut spenden dürfen, es sei denn, sie hatten 12 Monate keinen Sex. Das gilt auch für feste Partnerschaften und Ehen. Da kann man sich doch nur an den Kopf packen …
     
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  9. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Also das mit dem Blutspenden wusste ich nicht. Das Homosexuelle das ausschließlich unter besonderen Vorraussetzungen dürfen. Das ist doch diskriminierend! Letzten Endes checken die das Blut sowieso ab, da spielt die sexuelle Orientierung gar keine Rolle. Wahnsinn! Und das im 21. Jahrhundert.

    Ich weiß auch nicht wo dieser Wahn herkommt und warum der überhaupt ausgelöst wird. Ich kann es nicht mal bei mir selber erklären, obwohl ich bestens aufgeklärt bin was Übertragungswege, RK‘s und ein Leben mitHIV angeht. Ich führe es bei mir auf die Psyche zurück, wobei die Schuld an einer möglichen Infektion wohl die schwächste Ausrede ist, mit sich selbst klarzukommen. Total dumm von mir!

    Trotzdem sehr gut von dir, dass du das alles machst. Die Welt braucht Menschen wie dich, die einen darüber aufklären können und den Leuten die Vorurteile aus den Kopf nehmen. Das ist zwar ein harter Job, aber es lohnt sich schon, wenn nur 2 von 50 verstanden haben, was eigentlich Realität ist.

    So ein objektiver Austausch tut gut. Genau das habe ich gebraucht. Mal darüber reden zu können, ohne dumm angeguckt zu werden. Und dann noch mit Leuten, die selbst damit leben und trotzdem ihr Leben genießen. Deshalb ein großes Dankeschön an dich. :)

    Ich hoffe, dass sich die Aufklärungsarbeit von Leuten wie dir irgendwann mal bezahlt macht.
     
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  10. matthias

    matthias Moderator HIV-Symptome.de Team

    Noch schnell dazu:

    Ich bin mit Krankheit groß geworden. Mein ältester Bruder litt 16 Jahre an einem Gehirntumor, wurde 5 x operiert und starb mit 30 Jahren, als ich 17 war. Das hat mich ziemlich geprägt. Vor allem sein Optimismus und sein positives Denken haben mich sehr beeinflusst.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, hat michHIV damals kaum interessiert. Ich hatte es, es war tödlich … aber jeden Tag daran denken zu müssen, hätte mich wohl eher in den Selbstmord getrieben als alles andere. Verdrängung hat geholfen … und dann kam ja irgendwann die ART, auch wenn ich zunächst davon nicht überzeugt war. Zu stark waren die Nebenwirkungen. Erst ein sehr guter Schwerpunktarzt hat mir den Weg dazu geebnet. Er ist mittlerweile (leider) im Ruhestand, aber ich bin ihm sehr dankbar. Aber auch mit seinem Nachfolger kann ich gut. Der kannte mich bei unserem ersten Zusammentreffen schon aus der Zeitung *lach* … Das ist dann die halbe Miete …

    Und: Ich bin heute noch dankbar, dass ich damals kein Internet hatte. Alleine das hätte mich wohl schon umgebracht. Heute erkranken ja viel mehr Leute am »Morbus Google« als an tatsächlichen Krankheiten …
     
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  11. whitesheep

    whitesheep Neues Mitglied

    Das tut mir wirklich leid. Dennoch schön zu hören, dass dein Bruder dir so viel mitgeben konnte. Vor allem an Mut, Stärke und Optimismus, auch wenn die Umstände schöner hätten sein können...

    Verdrängung. Ich glaube so gehen viele mit ihrem Schicksal um, bis man sich der Realität stellt. Egal um was es geht. Und sieh dich heute an: finde das einfach wahnsinnig gut!

    Das gilt für alle hier. Jeder hat hier sein Päckchen zu tragen, dass ihr trotzdem so aktiv seid und für andere ein offenes Ohr habt - ich hab großen Respekt davor. :)
     
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