AIDS – Acquired Immune Deficiency Syndrome

AIDS steht als Abkürzung für das Acquired Immune Deficiency Syndrome, was übersetzt „erworbenes Immundefekt-Syndrom“ bedeutet. AIDS wird seit 1981 als eigenständige Erkrankung betrachtet und gilt als sogenannte Pandemie. Eine Pandemie ist eine Infektionskrankheit, die nicht örtlich beschränkt ist, d.h. sich global ausbreitet. Auslöser von AIDS ist eine Infektion des menschlichen Organismus mit dem Humanen Immundefekt Virus (HIV bzw. HI-Virus), wodurch eine Immunschwäche ausgelöst wird. Die HI-Viren befallen insbesondere Zellen des körpereigenen Abwehrsystems und zerstören sie.

Eine Infektion mit dem HI-Virus bleibt häufig lange Zeit unbemerkt, da das Vorhandensein der Viren im Körper zunächst keine spürbaren Symptome hervorruft. Meistens kommt es einige Wochen nach der Infektion zu einer Abwehrreaktion des Körpers mit Fieber und Abgeschlagenheit, was aber häufig mit einer Grippe verwechselt wird. Erst nach einer variablen, meist über Jahre andauernden Inkubationszeit (Zeitspanne, zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Symptome) kommt es zu schlussendlich zu der Erkrankung AIDS. HIV ist dafür verantwortlich, dass das Immunsystem des Menschen systematisch zerstört wird, indem sog. CD4-Helferzellen durch das HI-Virus eliminiert werden.

Die kontinuierliche Abnahme der im Körper vorhandenen CD4-Helferzellen führt zu einer zunehmenden Abwehrschwäche des Immunsystems. Das stark eingeschränkte Immunsystem macht es anderen Krankheitserregern einfach, den Körper zu schwächen. Es kommt zu AIDS, einer spezifischen Kombination verschiedener Symptome. AIDS stellt die letzte Phase einer Infektion mit dem HI-Virus dar, daher ist es besonders wichtig, HIV nicht mit AIDS gleichbedeutend zu verwenden. Es gibt bisher keinen wirksamen Impfstoff gegen HIV.

AIDS Definition

Weltweit ist die Klassifikation anhand der CDC-Klassifikation die Gängigste. Hier werden die Infektionen mit HIV in drei Kategorien von A-C eingeteilt (klassifiziert). Die Klassen A und B enthalten symptomlose Infektionen und mit HIV in Verbindung gebrachte Symptome. Kategorie C beinhaltet jene Erkrankungen, die das erworbene Immundefekt-Syndrom definieren. Dazu zählen folgende Krankheitsbilder:

  • Candidose (Besiedlung mit Candida-Pilzen) der Bronchien, Luftröhre, Lungen oder der Speiseröhre
  • Zytomegalievirus-Infektionen (außer Leber, Milz, Lymphknoten)
  • Enzephalopathie: krankhafte Veränderungen des Gehirns
  • Herpes-simplex-Infektionen: chronische Ulzera (Geschwüre), die länger als einen Monat andauern; oder Bronchitis, Lungenentzündung, Speiseröhrenentzündung
  • Histoplasmose: Pilzinfektion, primär Befall der Lunge
  • Infektion mit Mycobakterien
  • Kaposi-Sarkom: bestimmte Form der Krebserkrankung
  • Kokzidioidomykose, Kryptokokkose: spezifische Arten von Pilzbefall
  • Kryptosporidiose: spezifische Durchfallerkrankungen, ausgelöst durch Sporentierchen
  • Lungenentzündung (Pneumonie) unterschiedlicher Ursache häufiger als zweimal jährlich
  • Lymphome: Vergrößerung der Lymphknoten (darunter gutartige und bösartige Ausprägungen)
  • Progressive multifokale Leukenzephalopathie: Erkrankung des zentralen Nervensystems
  • Salmonellen-Septikämie
  • Tuberkulose
  • Toxoplasmose
  • Wasting-Syndrom: ungewollte, starke Gewichtsabnahme (Verlust von mehr als 10 Prozent des Körpergewichts) durch Durchfälle, teilweise in Verbindung mit Fieber
  • Zervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs)

Nach den CDC-Richtlinien ist eine Diagnose nur nach erfolgtem und positiv bewertetem Test auf HIV möglich. Erst nach einem Bestätigungstest gilt die Diagnose AIDS als gesichert. Zusätzlich werden nach CDC-Klassifikation die Laborwerte über die Anzahl CD4-Helferzellen in drei Kategorien von 1-3 eingeteilt. Eine Anzahl ab 500 CD4-Zellen / µl zählt in Kategorie 1, unter 500 bis 200 in Kategorie 2 und weniger als 200 CD4-Zellen/µl in Kategorie 3.

Übertragung von HIV

Die Ansteckung mit HIV erfolgt in erster Linie über Körperflüssigkeiten wie Blut, Samenflüssigkeit, Vaginalsekret, Muttermilch und Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit. Das HI-Virus, das sich in den benannten Körperflüssigkeiten des Infizierten befindet, kann bei der nicht-infizierten Person in den Blutkreislauf gelangen, falls es in Kontakt mit dem Blutkreislauf kommt. Trifft also infizierte Körperflüssigkeit auf eine offene Wunde (z.B. in der Schleimhaut des Mundes, der Binde-, Anal-, Vaginal- oder Nasen-Schleimhaut), so kann das HI-Virus ungehindert in den Blutkreislauf der bislang HIV-negativen Person gelangen und sich dort ausbreiten. Körperflüssigkeiten wie Speichel, Tränenflüssigkeit, Urin oder Schweiß gelten als nicht infektiös.

Die meisten Infektionen entstehen durch ungeschützten Vaginal- oder Analverkehr, aufnehmenden Oralverkehr und die Nutzung bereits gebrauchter, HIV-kontaminierter Nadeln zum intravenösen Drogenkonsum. Medizinisches Personal ist zudem durch Nadelstichverletzungen gefährdet. Die Verwendung von Bluttransfusionen stellte lange Zeit ein hohes Risiko für eine Ansteckung mit HIV dar. In Deutschland werden seit 1985 die Blutspender routinemäßig auf HI-Viren getestet, was das Risiko einer Ansteckung stark minimiert. Ein Restrisiko bleibt allerdings bestehen, da innerhalb der ersten ca. 25 Tage nach einer Neuinfektion des Blutspenders mit HIV der Routinetest für Blutspender noch keine Infektion erkennt.

Schwangere Frauen, die das HI-Virus in sich tragen, stecken das Ungeborene nicht zwangsläufig mit dem Virus an. Eine Übertragung von HIV während der Schwangerschaft bzw. des Geburtsvorganges von der Mutter auf das Baby erfolgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 10 bis 40 Prozent. Ist die Infektion der Mutter früh bekannt, kann die Gabe spezieller Medikamente ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel vor einer Übertragung des HI-Virus schützen. In Kombination mit dem Kaiserschnitt als geburtshilfliche Methode und durch den Verzicht auf das Stillen sinkt die Übertragungswahrscheinlichkeit auf 2 Prozent.

Besteht der Verdacht auf eine Infektion mit dem HI-Virus, sollte so schnell als möglich ein Arzt aufgesucht werden. Es besteht die Möglichkeit, eine sogenannte postexpositionelle Prophylaxe (PEP) durchzuführen. Idealerweise wird diese innerhalb von zwei Stunden nach der möglicherweise erfolgten Infektion begonnen. Bei der PEP wird versucht, mittels Medikamentengabe über einen Zeitraum von vier Wochen eine Infektion zu verhindern, selbst wenn der Erreger den Blutkreislauf erreicht hat. Je früher die PEP durchgeführt wird, desto wahrscheinlicher ist die Abwendung einer Infektion mit HIV. Die Wirksamkeit ist jedoch nur innerhalb von 24 Stunden nach erfolgter intravenöser Infektion bzw. innerhalb von 72 Stunden bei Infektion über Schleimhäute möglich.

Durch die große Furcht der Menschen vor HIV und AIDS bestehen gegenüber HIV-positiven Personen häufig starke Berührungsängste. Beim alltäglichen Kontakt mit einem HIV-infizierten oder an AIDS erkrankten Menschen sind allerdings keine besonderen Hygienemaßnahmen erforderlich. Das HI-Virus ist aufgrund der äußeren Einflüsse außerhalb des Körpers nicht lebensfähig. Eine Übertragung durch das gemeinsame Anfassen von Türklinken, Lichtschaltern etc. ist ausgeschlossen. Das gilt auch für Händeschütteln, Umarmen oder Streicheln, auch die gemeinsame Nutzung von Kleidung, Geschirr und Besteck gilt als ungefährlich. Durch Husten und Niesen ist eine Ansteckung mit dem HI-Virus ebenfalls nicht zu erwarten. Die gemeinsame Nutzung öffentlicher Einrichtungen wie Schwimmbäder, Saunaeinrichtungen oder Schulen ist ebenfalls nicht mit dem Risiko einer Infektion mit HIV behaftet.

Auch wenn die mit HIV infizierte Person keine Krankheitssymptome aufweist und sich gesund fühlt, so kann das HI-Virus in jedem Stadium der Infektion auf den benannten Infektionswegen andere Menschen anstecken. Schon zwei Tage nach einer Neuinfektion mit HIV kann das Virus an andere Personen übertragen werden.

HIV-Test (im Volksmund fälschlicherweise: „Aidstest“)

Ein Test kann nur auf eine bestehende HIV-Infektion hin erfolgen, ein spezieller AIDS-Test existiert nicht. Dies ist dadurch zu erklären, dass AIDS keine spezielle Infektionsform ist, sondern das finale Stadium einer Infektion mit HIV darstellt. In Deutschland bieten die meisten Gesundheitsämter HIV-Tests anonym und teilweise sogar kostenlos und in Verbindung mit einer ausführlichen Beratung an. Die Durchführung eines HIV-Tests bedarf grundsätzlich dem Einverständnis der untersuchten Person und findet idealerweise zusammen mit einem Beratungsgespräch unabhängig vom Testergebnis statt. Bei HIV-Tests unterscheidet man zwischen dem Suchtest und dem Bestätigungstest.

Der Suchtest dient dem Nachweis von Antikörpern im Blut, die das Immunsystem bei einer erfolgten HIV-Infektion bildet. Aus diesem Grund ist der Suchtest ein sog. Indirekter Nachweis, da nicht das HI-Virus direkt nachgewiesen wird, sondern die körperliche Immunantwort (als Reaktion auf die Viren). Ein HIV-Test kann 6 Wochen nach einer HIV-Infektion durchgeführt werden und liefert ein relativ zuverlässiges Ergebnis. Ein zu früh durchgeführter Test kann eine erfolgte Infektion nicht zuverlässig feststellen. Der Suchtest sucht unspezifischer, da er zur breiten Identifikation möglicher Infektionen mit dem HI-Virus konzipiert ist. Daher kann es zu falsch positiven Ergebnissen kommen.

Es kann beim Suchtest also vorkommen, dass fälschlicherweise eine HIV-Infektion als wahrscheinlich betrachtet wird. Aus diesem Grund wird bei einem positiven Suchtest ein Bestätigungstest angeschlossen. Dieser weist eine höhere Zuverlässigkeit auf als der Suchtest. Sind sowohl der Such- als auch der angeschlossene Bestätigungstest positiv, so gilt der Nachweis einer HIV-Infektion als gesichert. Ist eine HIV-Infektion nachgewiesen, so muss in Deutschland diese dem Robert-Koch-Institut angezeigt werden. Die betroffene Person sollte sich an einen Schwerpunktarzt wenden, der sich auf die Behandlung von HIV-positiven Patienten spezialisiert hat.

Auf dem Markt bekommt man mittlerweile sog. Home-Test zur Durchführung eines HIV-Tests zu Hause. In Deutschland sind HIV Heimtests allerdings nicht zugelassen, wenn auch der Kauf nach wie vor legal ist.

Krankheitsverlauf

Eine Infektion verläuft in vier Phasen. Nach der Infektion gehen HI-Viren in den menschlichen Blutkreislauf über und verteilen sich so im Organismus. Die erste Phase wird als akute Phase bezeichnet. Sie beginnt etwa zwei bis sechs Wochen nach der HIV-Infektion und äußert sich durch Symptome, die üblicherweise mit einer Grippe in Verbindung gebracht werden. Dazu gehören u. A. Fieber, Nachtschweiß und eine Schwellung der Lymphknoten.

Am häufigsten treten während der akuten HIV-Infektion folgende Beschwerden auf: Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Hautausschläge, Nachtschweiß, Gelenk-und Muskelschmerzen, Übelkeit, Durchfall, Schleimhautgeschwüre im Mund, Gewichtsabnahme und Empfindlichkeit gegenüber Licht. Die genannten Beschwerden treten allerdings nicht bei allen Neuinfizierten auf, bzw. werden solche Beschwerden häufig eher mit einem grippalen Infekt und nicht mit einer HIV-Infektion in Verbindung gebracht. In diesem Stadium der Infektion dient ein HIV-Suchtest als diagnostisches Verfahren. Der Bestätigungstest kann zu diesem Zeitpunkt noch ein negatives oder unklares Ergebnis aufweisen.

An die akute Phase schließt sich die sogenannte Latenzphase an. Körperlich merkt die infizierte Person keine Auswirkungen. Das HI-Virus breitet sich in dieser Phase jedoch im Organismus aus und vermehrt sich kontinuierlich. Die Latenzphase dauert durchschnittlich zwischen neun und elf Jahre. Sie kann jedoch in manchen Fällen auch nur wenige Monate andauern, in seltenen Fällen kommt es sogar gar nicht zu einem Übergang in die nächste Phase der Infektion. In diesem Stadium kann eine Infektion mittels Such- und Bestätigungstest ein sicheres Ergebnis liefern.

An die Latenzphase schließt sich der Aids Related Complex, kurz ARC, an. Die Phase des ARC wird durch die Beschwerden der Akutphase geprägt. Es kommt zu einem anhaltenden Krankheitsgefühl, die Symptome wie z.B. Fieber, geschwollene Lymphknoten und Abgeschlagenheit manifestieren sich, d.h. die Beschwerden bleiben dauerhaft bestehen.

Die letzte Phase der HIV-Infektion stellt die Krankheitsphase dar. Treten AIDS-definierende Erkrankungen wie spezifische Infektionen bzw. bösartige Tumorbildungen auf, kann die Diagnose AIDS gestellt werden. Bei den Infektionen handelt es sich um sogenannte opportunistische Infektionen, d.h. Erreger wie Pilze, Bakterien oder Viren nutzen die Immunschwäche als Gelegenheit, den Organismus zu infizieren. Ein gesundes Immunsystem könnte diese Erreger wahrscheinlich problemlos abwehren. Das Immunsystem des an AIDS Erkrankten kommt jedoch nicht mehr gegen Erreger an, der Körper kann eine Infektion nicht abwehren.

Therapie / Behandlung

Für AIDS gibt es zum heutigen Zeitpunkt keine Heilung. Langfristig führt AIDS zum Tode der betroffenen Person. Je früher eine Infektion mit HIV erkannt und behandelt wird, umso besser sind jedoch die Aussichten auf ein lebenswertes Leben mit bestehender HIV-Infektion. Der „Ausbruch“ von AIDS, sprich das Eintreten in das letzte Stadium der Infektion mit HIV, kann mithilfe von Medikamenten häufig über Jahre bzw. Jahrzehnte hinausgezögert werden und dem Infizierten bei rechtzeitigem Therapiebeginn für lange Zeit ein nahezu normales Leben ermöglichen.

Eine bewährte Therapiemöglichkeit stellt die medikamentöse Kombinationstherapie dar, die in der Fachsprache als Highly Active Antiretroviral Therapy (kurz HAART) bekannt ist. Die Therapie besteht aus einer Kombination von mindestens drei verschiedenen Wirkstoffen, die in erster Linie die Vermehrung der HI-Viren hemmen sollen, um so die zerstörerische Wirkung des HI-Virus möglichst begrenzt zu halten. Die Viruslast, sprich die Anzahl von HI-Viren auf eine bestimmte Menge Blut wird geringer gehalten, wodurch die Anzahl der CD4-Helferzellen wieder ansteigen kann. Bei einer erfolgreichen HAART wird also die Konzentration von HIV im Blut gesenkt und zugleich das Immunsystem aufgebaut. Auf diese Weise können die sogenannten AIDS-definierenden Erkrankungen lange abgewehrt werden. Die Progression der HIV-Infektion in das Krankheitsstadium AIDS kann also durch die HAART hinausgezögert werden, die Infektion des Organismus mit HIV ist jedoch auch mit derartigen antiretroviralen Wirkstoffen nicht mehr rückgängig zu machen.

Zur Highly Active Antiretroviral Therapy werden ständig Studien durchgeführt, um die Arzneimittel und deren Dosierung kontinuierlich besser abzustimmen. Die aktuellen Leitlinien zur HAART werden auf unterschiedlichen Ebenen herausgegeben, die sich zum Teil inhaltlich nicht einig sind. Dies betrifft insbesondere den besten Zeitpunkt zum Beginn einer HAART. Diese Ungleichheit in der Therapieempfehlung liegt darin begründet, dass die Therapieempfehlungen im Hinblick auf den Startzeitpunkt der HAART in den Leitlinien anhand unterschiedlicher gesundheitlicher Aspekte abgewogen werden.

Zu diesen Aspekten zählen insbesondere die Langzeittoxizität (Wirkstoffe können bei langfristiger Anwendung giftig auf den Organismus wirken) und die Bildung von Resistenzen des HI-Virus. Das HI-Virus ist in der Lage, schnell zu mutieren und sich den äußeren Einflüssen (und somit auch der Wirkung von Medikamenten) anzupassen. Dadurch können Medikamente für das HI-Virus besonders schnell unwirksam werden, es bildet Resistenzen. Aus diesem Grund wird bei der HAART auch auf die Kombination gleich mehrerer antiretroviraler Wirkstoffe zurückgegriffen. Die Therapie von HIV-infizierten Personen erfolgt analog der aktuellen nationalen Leitlinie. Generell wird empfohlen, mit einer HAART erst bei einer deutlichen Abschwächung des Immunsystems zu beginnen.

Die europäische Leitlinie macht den Beginn einer HAART von der Klinik der HIV-infizierten Person, den CD4-Laborwerten und der Viruslast abhängig. Befindet sich der HIV-positive Patient laut CDC-Klassifikation bereits in Kategorie C (AIDS-definierende Erkrankungen), so ist der Beginn einer HAART indiziert. Die Empfehlung zum Therapiebeginn lautet jedoch, bereits bei Anzeichen auf eine Immunschwäche mit der HAART zu beginnen (analog der CDC-Klassifikation also ab Kategorie B). Sinkt der CD4-Wert unter 500, sollte eine HAART in Betracht gezogen werden. Zudem ist eine HAART auch bei beschwerdefreien Patienten mit einem CD4-Laborwert größer als 200 oder einer sehr hohen Viruslast (höher als 100000) dringend indiziert, da die Erkrankung an AIDS dann meist nicht mehr weit entfernt ist.

Wie bei jedem Arzneimittel kommt es bei der antiretroviralen Therapie häufig zu unerwünschten Nebenwirkungen, die die Lebensqualität des Behandelten stark einschränken können. Unerwünschte Nebenwirkungen der Kombinationstherapie stellen anfangs häufig Kopfschmerzen und Durchfälle dar, welche aber innerhalb einiger Wochen meist zurückgehen. Unangenehm können sich Langzeitnebenwirkungen in Form von schmerzenden Nervenentzündungen in Armen und Beinen bemerkbar machen.

Eine große Belastung für den Patienten kann die sog. Lipodystrophie darstellen. Dabei kommt es zu einem Schwund des Unterhautfettgewebes von Gesicht und Extremitäten, außerdem wird Unterhautfett verstärkt in der Bauch- und Nackenregion eingelagert. Die Infektion mit HIV bzw. die Erkrankung an AIDS wird so für die Umwelt erkennbar. Selbstverständlich fürchten sich die meisten Patienten sehr davor, dass ihre Erkrankung oder Infektion nach außen sichtbar wird. Eine Kombinationstherapie kann aber auch irreversible Organschädigungen bis hin zu Organversagen (z.B. der Leber) mit sich bringen.

Vor dem Beginn der Behandlung muss der Patient darüber informiert sein, dass die Medikamente ein Leben lang weiter eingenommen werden müssen. Wird die medikamentöse Therapie eingestellt bzw. unterbrochen, können sich Resistenzen gegenüber den eingesetzten Medikamenten entwickeln, sie sind dann nicht mehr wirksam. Die regelmäßige Einnahme der Medikamente kann eine Belastung, insbesondere psychischer Natur, beim Patienten hervorrufen. Das Auftreten von Nebenwirkungen kann den Patienten zusätzlich stark belasten. Die Behandlung sollte idealerweise in einer sog. HIV-Ambulanz oder einer auf HIV spezialisierten Arztpraxis erfolgen.

AIDS Prävention

Um AIDS vorzubeugen, muss selbstverständlich einer Infektion mit dem HI-Virus vorgebeugt werden. Durch die Nutzung von Kondomen beim Geschlechtsverkehr, Verwendung steriler Nadeln bei intravenösen Injektionen bzw. Punktionen und bei Blutspenden kann einer Infektion mit HIV relativ sicher vorgebeugt werden. Sollte es zu einer Nadelstichverletzung oder einem potentiell infektiösen Kontakt mit dem HI-Virus kommen, so bietet die unmittelbare Durchführung einer postexpositionellen Prophylaxe gute Erfolgsaussichten auf die Vermeidung einer drohenden HIV-Infektion.

Die PEP muss allerdings so früh als möglich nach einem Risikokontakt begonnen werden. Die PEP stellt zwar eine gute Möglichkeit zur Vermeidung von HIV durch einen Risikokontakt dar, eine Ansteckung kann jedoch nicht in allen Fällen verhindert werden. Somit ist die PEP als eine Art Notfallmaßnahme zu betrachten und darf auf keinen Fall zu einem leichtsinnigen Umgang mit HIV verleiten. Besonders wichtig ist zur Vermeidung von Neuinfektionen die Aufklärung über HIV und AIDS.

In Deutschland sind nach einer Umfrage immer noch viele Jugendliche der Meinung, man könne einer HIV-positiven Person die Infektion „ansehen“. UNAIDS fand heraus, dass weltweit weniger als 40 Prozent der jungen Menschen ausreichend über HIV informiert sind. Außerdem wissen von allen HIV-infizierten Menschen weniger als 40 Prozent von ihrer Infektion.

Epidemiologie

Untersuchungen der UNAIDS zufolge lebten zum Ende des Jahres 2007 etwa 33 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. In diesem Erhebungsjahr infizierten sich rund 2,7 Millionen neu mit HIV, ca. 2 Millionen starben an den Folgen der HIV-Infektion bzw. AIDS. Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren ist HIV-positiv.

Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2010 leben in Deutschland rund 70.000 Menschen mit HIV oder AIDS. Die Anzahl HIV-positiver Männer liegt mit etwa 57.000 signifikant über der Anzahl HIV-positiver bzw. an AIDS erkrankter Frauen. Zudem tragen in der Bundesrepublik circa 200 Kinder (Personen bis 15 Jahre) das HI-Virus in sich. Die Infektionswege sind anteilig sehr unterschiedlich verteilt.

So machen Männer, die Geschlechtsverkehr mit Männern praktizierten, mit knapp 42.000 HIV-Infizierten den häufigsten Übertragungsweg aus. Auf heterosexuelle Kontakte gehen etwa 10.000 der Infektionen mit HIV zurück. Wiederum 10.000 Menschen haben sich schätzungsweise über den Gebrauch HIV-kontaminierter Nadeln zur intravenösen Verabreichung von Drogen mit dem Virus infiziert. Etwa 7.300 HIV-infizierte Personen haben sich in ihrem Herkunftsland, zumeist durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr, mit dem Virus angesteckt. Diese kommen aus sogenannten Hochprävalenzregionen, d.h. das Herkunftsland weist eine große Anzahl HIV-infizierter Personen in der Bevölkerung auf.

Mit 500 Infizierten nimmt die Gruppe der Empfänger von Bluttransfusionen eine verhältnismäßig kleine Personengruppe aus. Die meisten dieser Infektionen fanden vor 1986 und somit vor der Einführung routinemäßiger HIV-Tests an Blutspendern. Übertragungen des HI-Virus von HIV-positiven Müttern auf ihr Kind machen ca. 430 der Fälle aus. In Deutschland haben sich im Jahr 2010 ungefähr 3.000 Menschen, davon 2.700 Männer neu mit HIV infiziert. Von den insgesamt 70.000 HIV-positiven Personen in der Bundesrepublik erkrankten 2010 rund 760 Personen neu an AIDS. Von Beginn der Ausbreitung der HIV-Infektion in Deutschland an starben etwa 29.000 Menschen an der Infektion. Im Jahr 2010 erlagen ca. 550 Menschen der HIV-Infektion. 40.000 der HIV-Infizierten stehen unter antiretroviraler Therapie.

Für die globale Entwicklung von HIV und AIDS veröffentlicht UNAIDS Schätzungen über Infektionen und Erkrankungen. Seit Beginn der Ausbreitung von HIV haben sich weltweit etwa 60 Millionen Menschen mit dem Virus infiziert, 25 Millionen Menschen sind an den Folgen der Infektion zu Tode gekommen. Schätzungen von UNAIDS zufolge trugen 2008 33 Millionen das HI-Virus in sich, es kam zu 2,7 Millionen Neuinfektionen und 2 Millionen Todesfällen durch AIDS.

Fast eine halbe Million Kinder kamen mit dem Virus zur Welt. Ein Drittel der HIV-Infizierten sind zusätzlich an Tuberkulose erkrankt. Die am stärksten von HIV betroffene Region weltweit stellt die Subsahara dar. Der Großteil der Bevölkerung, ca. 67 Prozent, sind HIV-positiv. Etwa 90 Prozent der Neuinfektionen entfallen dort auf Kinder.

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