Mit der Diagnose HIV positiv liegt die durchschnittliche Lebenserwartung heutzutage fast auf gleichem Niveau wie der Durchschnitt der Gesellschaft. Gerade deshalb ist es für HIV Patienten elementar wichtig, dass sie gut versichert sind und für das Alter vorsorgen. Nichtsdestotrotz schließen viele Versicherungsgesellschaften HIV positive Menschen per se von deren Leistungen aus.
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Verfasst am: Di Aug 03, 2010 12:02 pm Titel: wenn ein Familienmitglied HIV hat
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MIA Gast
Hallo zusammen!
Habe mir eure Foren mal so durchgelesen und bin ebenfalls zu dem Entschluss gekommen etwas zu posten.
Leicht fällt es mir jedoch nicht muss ich ehrlich zugeben.
Nun gut ich werde halt mal anfangen.
Ich selbst bin HIV negativ, jedoch wurde bei meinem Bruder vor knapp einem Jahr die HIV Infektion festgestellt.
Ich muss ehrlich sagen das ich sehr kämpfe um das zu akzeptieren bzw. zu verkraften...manchmal fühle ich mich als hätte mir jemand den Boden unter den Füssen weggerissen...ich weiss meinem Bruder wird es innerlich noch viel schlimmer ergehen..dieses Gefühl nicht helfen zu können...der Gedanke wie wird die Krankheit verlaufen? wird sie mal zum Ausbruch kommen, wenn ja wird mein Bruder leiden müssen?...Ach, all diese Fragen überkommen mich zeitweise und machen mich sooooooo bitterlich traurig das ich einfach weinen muss.
Es tut mir nur so unendlich leid für meinen Bruder...und es tut mir in meinem Herzen weh wenn ich meine Eltern sehe wie wehmütig und ebenfalls traurig sie sind.
Ich weiss HIV ist gut behandelbar in der heutigen Zeit, aber trotzdem ist es für Angehörige eine Katastrophe...hinzu kommt das Schweigen, denn und so TRAURIG DAS IST, man kann sich niemanden anvertrauen! Ich habe niemanden mit dem ich sprechen kann, der aussenstehend ist!
Noch dazu habe ich mich verändert...sehr stark sogar! Früher war ich sozial und hatte immer ein offenes Ohr für die Probleme meiner Mitmenschen...doch seitdem Tag an wo ich erfuhr das mein Bruder HIV Positiv ist, habe ich mich zurückgezogen weil ich es nicht ertrage über was Menschen jammern, dabei sollten sie alle froh sein das sie gesund sind!!
Ist vielleicht jemand in einer ähnlichen Situation, ich bin wirklich für jede Zeile dankbar!
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2422 Wohnort: Berlin
Liebe Mia,
ich bin zwar nicht in einer ähnlichen Situation wie Du - eher wie Dein Bruder - aber ich kann es Dir trotzdem (oder gerade deswegen) nachfühlen.
Wenn ich ein wenig böse sein darf, ist Trauer und Unglücklichsein genau das, was Dein Bruder nicht braucht. Wie Du schon selber schreibst, ist HIV zwar noch unheilbar, aber das ist Diabetes auch. Aber es ist behandelbar, und zwar sehr gut. Man muss sich als Patient nur drauf einlassen. Aber Mitleid: Nein!
Eure traurige Stimmung kommt im Wesentlichen daher, dass HIV eine fremde Welt ist - klar. Diese Welt muss man erst einmal kennenlernen, um sie akzeptieren zu können. Dazu gehören so viel Infos wie möglich.
Aus diesem Gedanken heraus habe ich ein Buch über meine »ersten« 15 Jahre mit HIV geschrieben, das gerade für Angehörige und Freunde von positiv getesteten Menschen gedacht ist, weil es einen Einblick in die Gedankenwelt - aber auch einen Ausblick in eine - in allen Punkten - »positive« Zukunft gibt.
Ich will hier jetzt nicht wirklich Werbung machen – aber ich weiß von vielen Lesern, dass ich ihnen habe helfen können. Schau einfach mal auf meiner Website ins Gästebuch.
Auf jeden Fall finde ich es toll, wenn sich Deine Eltern und Du trotz der Trauer so fest hinter Deinen Bruder stellen. Das ist heute immer noch leider nicht selbstverständlich! _________________ LG - matthias
Anmeldungsdatum: 03.08.2010 Beiträge: 1 Wohnort: Österreich
Hallo Matthias!
Erstmal vielen Dank für deine schnelle Antwort!
Vorab möchte ich gleich das Thema mit der Trauer und Mitleid richtig stellen. So sieht es innen drinnen aus keine Frage aber meinem Bruder gegenüber sind wir stark und offenbaren unsere Ängste in keinem Fall, im Gegenteil wir sprechen ihm noch gut zu unterstützen ihn, fahre ab und an mit zu den 3 Monatsuntersuchungen usw....also wir wissen das es schlimm wäre meinen Bruder mit Mitleid zu belasten!
Aber hinterher oder im Stillen gehts einem dann doch nicht so gut, manchmal zermürbt es einem.
Ich muss aber auch ehrlich sagen das es mir nach knapp einem Jahr schon etwas besser geht mit dem Thema HIV - quasi der erste Schock ist überwunden, jetzt beginnt glaub ich gerade die Auseinandersetzung.
Für meine Mama war und ist es ein Tabu im Internet nachzulesen einfach aus Angst gleich über die schlimmsten Krankheitsverläufe zu lesen und ich möchte sie auch nicht vom Gegenteil überzeugen...zudem kommt das man sich gegenseitig nicht "runterziehen" möchte, deshalb versuchen wir teilweise sogar "krampfhaft" das Thema HIV in unserem Leben einzubauen so als würde es eh schon immer zu uns gehören.
Ich denke das überfordert auch ein wenig!
Es wird einem sehr viel abverlangt um mit dem Thema einen "gemeinsamen Nenner" zu finden.
Danke für den Tip deines Buches, habe es bereits im Visier! (:
Alles Liebe
MIA
ps.: Hut ab für deine Persönlichkeit und deinen Elan dem Thema gegenüber so offen Rede und Antwort zu stehen und ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deine Zukunft!
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2422 Wohnort: Berlin
Liebe Mia,
MIA hat folgendes geschrieben::
Vorab möchte ich gleich das Thema mit der Trauer und Mitleid richtig stellen. So sieht es innen drinnen aus keine Frage aber meinem Bruder gegenüber sind wir stark und offenbaren unsere Ängste in keinem Fall ...
Vorsicht! Er merkt, wenn Ihr ihm zuliebe das nur »spielt«. Er erwartet das von Euch nicht, ebensowenig wie Ihr von ihm erwartet, dass er tough ist und das locker wegsteckt. Der Umgang mit HIV ist kein Stärke-Wettbewerb! Sprecht mit ihm über Deine/Eure Ängste und Sorgen - entdeckt gemeinsam die Wege in die »positive« Zukunft - aber wie gesagt: Spielt Euch gegenseitig nichts vor!!!
MIA hat folgendes geschrieben::
Aber hinterher oder im Stillen gehts einem dann doch nicht so gut, manchmal zermürbt es einem.
Alles andere würde mich wundern. Es zermürbt und belastet, weil Ihr nicht offen (s.o.) damit umgeht, sondern »hinterher« die Diskrepanz zwischen »Vorgaukeln« und »ehrlichem Gefühl von Unvermögen« deutlich spürt. Damit zerreibt Ihr Euch selbst - und das könnte bei Deinem Bruder als Folge wiederum Schuldgefühle wecken ... So etwas braucht kein Mensch - nicht mal ein gesunder ...
MIA hat folgendes geschrieben::
Ich muss aber auch ehrlich sagen das es mir nach knapp einem Jahr schon etwas besser geht mit dem Thema HIV - quasi der erste Schock ist überwunden, jetzt beginnt glaub ich gerade die Auseinandersetzung.
Exakt. So war es bei mir im Prinzip auch. Nur ich stand damals vor einem Todesurteil, denn es gab noch überhaupt keine Medikamente. Das ist heute Gott sei Dank sehr viel entspannter ...
MIA hat folgendes geschrieben::
Für meine Mama war und ist es ein Tabu im Internet nachzulesen einfach aus Angst gleich über die schlimmsten Krankheitsverläufe zu lesen und ich möchte sie auch nicht vom Gegenteil überzeugen...
Mütter wollen nicht erleben, dass ihre Kinder vor ihnen sterben. Ich kenne das zu gut - mein ältester Bruder ist 1977 mit 30 Jahren an den Folgen eines Gehirntumors gestorben. Daher haben wir meine Eltern nie über meinen HIV-Status eingeweiht. Und das war auch richtig so. Meine Eltern entstammten schließlich einer völlig andere Generation (*1919 und *1924). Und übrigens: Heute stirbt man nicht mehr so schnell mit HIV ...
MIA hat folgendes geschrieben::
deshalb versuchen wir teilweise sogar "krampfhaft" das Thema HIV in unserem Leben einzubauen so als würde es eh schon immer zu uns gehören.
Lasst das bloß sein! Es rächt sich! Alles, was nicht aus – wie man so schön sagt – reinem Herzen kommt, ist aufgesetzt, wirkt aufgesetzt und wendet sich letztlich gegen Dich.
Ich habe folgenden Satz verinnerlicht:
Das Virus ist nicht lustig und kann nicht singen. Deshalb nehme ich es ernst, aber nicht wichtig.
Dein Bruder besteht aus wesentlich mehr als dem blöden HI-Virus - Euer gut gemeintes Verhalten aber reduziert ihn darauf. Das hilft keinem!
MIA hat folgendes geschrieben::
Es wird einem sehr viel abverlangt um mit dem Thema einen "gemeinsamen Nenner" zu finden.
Einspruch: Das Meiste verlangt man sich selbst ab, im festen Willen, nichts falsch zu machen ... und gerade dadurch entstehen massenhaft falsche Verhaltensweisen.
MIA hat folgendes geschrieben::
Danke für den Tip deines Buches, habe es bereits im Visier! (:
brav, brav
MIA hat folgendes geschrieben::
Hut ab für deine Persönlichkeit und deinen Elan dem Thema gegenüber so offen Rede und Antwort zu stehen und ich wünsche dir alles erdenklich Gute für deine Zukunft!
Danke, danke (*rotwerd*) Ich mir auch! Aber Euch noch viel mehr!
Und wenn watt is: Wir sind hier!!! _________________ LG - matthias
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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