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Verfasst am: Di Mai 13, 2008 10:02 pm Titel: Wenn AIDS ausbricht
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playmo
Anmeldungsdatum: 13.05.2008 Beiträge: 7
Was verändert sich dann? Welche Krankheiten zeigen sich? Wie äußert sich das? Und weiß hier jemand, wie lange die durchschnittliche Überlebenszeit dann noch ist? Weil mit dem Virus allein kann man ja dank der Medizinen inzwischen schon Jahrzehnte leben, ohne dass die Krankheit ausbricht.
Anmeldungsdatum: 11.05.2008 Beiträge: 39 Wohnort: Berlin
Von einem ''Ausbrechen'' einer Krankheit kann nicht gesprochen werden.
Tatsächlich handelt es sich um den Zusammenbruch des Immunsystemes.
Das HIV befällt ja ausschließlich Zellen, die den CD-4 Rezeptor in der Hülle tragen und die gehören zum Immunsystem.
Am häufigsten sind die CD-4 Helferzellen, die der Erkennung körperfeindlicher Stoffe, Zellen und Lebewesen im Körper dienen. Stell' es Dir vor wie eine Polizeistreife, die einen Falschparker erwischt. Das Autokennzeichen wird aufgeschrieben und der Abschleppwagen gerufen. Der Abschleppwagen (der sich um den Schrott kümmert) sind in diesem Bild die Fresszellen, die sich um den Fremdkörper herumstülpen und ihn - wie der Name schon sagt - auffressen.
Die Produktion der CD-4 Zellen im Körper ist hochinteressant, ein Kapitel für sich (nur eine von hundert überlebt die abschließende Prüfung).
Sie beginnt im Knochenmark, in den berühmten Stammzellen. Danach geht es in die Thymusdrüse, wo die Zellen programmiert werden, d.h. sie werden mit dem eigenen Gewebe bekannt gemacht, und dieses nicht fälschlich als gefährlich zu markieren (siehe MHC-Komplex).
Nach diesem Lernprozeß geht es in die Lymphknoten, wo die eigentliche Reifung der CD-4 Helfer-Zellen stattfindet. Nach der Reifung werden die CD-4 Zellen über das Lymphsystem in die Blutbahn entlassen und gehen dort sozusagen auf Streife.
Soweit im nichtinfizierten Fall.
Hat eine Infektion mit HIV stattgefunden, ist also ein Virus in eine Zelle mit CD-4 Rezeptor eingedrungen, zwingt das Virus die Zelle zur Produktion des Viruserbgutes und der Virushülle. Sind genug Viren produziert, ''platzt'' die befallene Wirtszelle und gibt Viren frei (Freisetzung durch Zytolyse).
An sich ist das nicht so tragisch, die CD-4 Helferzellen haben ja sowieso nur ein kurzes Leben (etwa drei Monate) und werden laufen neu produziert. Leider wird aber dem Körper durch das Platzen der Helferzellen ein zu hoher Anteil dieser Zellen am Gesamtimmunsystem vorgespiegelt. In der Folge werden zu wenig CD-4 Helferzellen produziert.
Außerdem geht bei der Virusvermehrung offensichtlich das Thymusgewebe kaputt und auch das Gewebe der Lymphknoten.
Irgendwann können kaum noch Helferzellen hergestellt werden, die ''Körperpolizei'' ist kaputtgespart und die unbedingt notwendige Erkennung der feindlichen Stoffe und Zellen bzw. Lebewesen findet nicht mehr statt.
Dann brechen die opportunistischen Krankheiten aus. Krankheiten also, die normalerweise keine Chance haben, sich im Körper zu entwickeln, da ist das (intakte) Immunsystem vor.
Z.B. kannst Du davon ausgehen, daß jeden Tag im Körper drei Zellen entarten, zu Krebszellen mutieren. Dann ''berichten'' eine oder mehere Helferzelle an die Fresszellen (die Anzahl der berichtenden Zellen bestimmt die Stärke der Immunantwort, das Immunsystem ist absolut faszinierend), welche die Krebszelle daraufhin zerstören.
Oder Lungenentzündung. Böse Streptokokken gibt es überall, sie haben aber keine Chance, wenn das Immunsystem stark genug ist. Das ist es aber nicht, wenn der Mensch alt ist oder schlecht ernährt.
Es ist weiteres müßig, über diese opportunistischen Krankheiten im einzelnen zu berichten, das hängt sehr von Deiner persönlichen Anamnese (= Krankengeschichte, also was Dein Körper schon so alles durchgemacht hat) und Deinen Lebensumständen ab. Schlafende Residuen von längst überstandenen Erkrankungen können z.B. wieder aufbrechen.
Über die Wirkung der Standarttherapie (HAART) läßt sich soviel sagen, daß sie den Stoffwechsel der befallenen Zellen stark reduziert und damit natürlich auch die Virusproduktion.
Das erhöht auch die Zahl der CD-4 Zellen, da diese nicht so schnell mit Virusmaterial angefüllt sind und daher nicht so schnell sterben. Dadurch kann das Auftreten der opportunistischen Krankheiten verhindert werden, es bleiben noch genügend ''Körperpolizisten auf Streife'' übrig.
Was aber nur verlangsamt werden kann, ist der allmähliche Untergang des Thymusdrüsengewebes und des Lymphknotengewebes.
Irgendwann macht es also ''krach'' und das Immunsystem bricht zusammen. Das tut es aber bei jedem Menschen irgendwann, wenn nicht so ein dummer Herzinfarkt oder ähnliches dazwischen kommt. Kein Grund zur Panik.
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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