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Verfasst am: Mi Jan 19, 2011 6:38 am    Titel: Mein Spiegelbild
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BlackSwan
Gast





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Ich bin 21 Jahre alt. Jungunternehmer. Ich habe in meinem Leben mit ca. 100 Frauen sexuellen Kontakt gehabt. Zählt man auch die Bordell Besuche dazu, komme ich geschätzt wohl auf 150. Sex süchtig? Nein. Eher versucht damit Defizite in meinem Leben auszugleichen.
Nun kam der Kostenvoranschlag.

Seit Silvester habe ich Tripper, erneut. Nur ca. fünf Monate zuvor war ich bereits mit der Diagnose nach Hause gefahren und nach einem schmerzhaften Abstrich, habe ich mir versprochen mein Sex Leben einzuschränken und vor allem dingen in Zukunft mehr auf meinen Schutz zu achten.

Doch wie das Leben halt eben so ist, kam natürlich alles anders und ich feierte in der Silvesternacht um 2 Uhr mit schlagartig auftretendem Schüttelfrost und 40 Grad Fieber im Bett.

Ironie an meiner Geschichte ist, meine Mutter ist Frauenärztin. Mir wurde seit dem 13. Lebensjahr gepredigt Kondome zu benutzen. Wie so viele andere Dinge, habe ich Sie natürlich nicht so gemacht wie empfohlen. Aus Wut. Aus dem Trieb der Selbstzerstörung. Aus emotionalen Abgründen.

Mit meiner Mutter habe ich einen miserablen Kontakt, unsere Beziehung ging bereits in der Kindheit zu Bruch, sodass ich mich im Gegensatz zu den üblichen Vorstellungen eines Ärztesohn's eher in eine komplett wilde Richtung entwickelt hatte. Eine anhaltende Rebellionsstimmung sozusagen.

Mit 18 gründete ich mit 100 Euro meine eigene Firma, habe meine Schule abgebrochen und bis zum heutigen Tage ein wildes Leben geführt. Ich habe sehr viel Geld verdient, man sollte meinen ein Trumpf in solchen jungen Jahren, doch es war eher der Anfang vom Ende.
Ich hatte alles, doch gleichzeitig auch nichts.

Trotz diversen Verehrerinnen, habe ich mich oft einsam gefühlt. Depressiv. Wie so viele von euch, nach dem Sinn des Lebens gegrübelt.
Meine Leere, habe ich oft mit Bordell Besuchen versucht für einen Moment zu vergessen. Geschätzt, haben mich die Liebesdienerinnen um die 30 - 40.000 Euro gekostet. Nicht schlimm, ich habe auf diesem Wege tolle Menschen kennengelernt.

Ich genoss die Momente, hinter die Fassade blicken zu können. Die Fassade, welche die normal bürgerlichen Leute über andere Menschen errichtet haben.

Ich habe die Frauen in diesem Bereich als Mensch angesehen, nicht als jemand der mir etwas schuldet. So kamen auch öfter mal mit einigen Damen private Situationen zu Stande, wo auf ein Kondom verzichtet wurde.

Ich wurde so oft von Ihnen gefragt, wieso ich zum Teufel ein Bordell besuche. Als wollten sie mich beschützen. Doch wie so oft im Leben, ließ ich mich nicht schützen.

Letztes Jahr in Dresden, war ich in meiner Urlaubszeit in Dresden als Promoter für eine namenhafte Hilfsorganisation unterwegs. Nach einem anstrengenden Arbeitstag wurde ausgiebig gefeiert, sodass nach einem hohen Alkoholpegel ich mich kurzerhand entschloss ein Bordell aufzusuchen.

Gesagt getan, in der Lounge setzte sich eine junge hübsche Frau zu mir hin. Sprach nicht Deutsch. Wie ich sowas hasste. Ich wollte den Menschen kennen lernen, kein trockenes "Rein Raus" Spiel haben. Doch ihr Blick fesselte mich.

Wir gingen aufs Zimmer. Wir zogen uns aus und es herrschte auf eine erschreckende Art und Weise Geborgenheit in dem Raum.
Als es zur Sache ging und ich mich tollpatschig mit dem Kondom angestellt hatte, presste Sie mich plötzlich zwischen Ihre Beine, ich schaute ihr tief in die Augen, es herrschte ein Moment der Stille und sie drückte mit Ihren Beinen mich hinein.

Ich war in ihr.

Als wir miteinander schliefen, hatten wir einen solch intensiven Blickkontakt, den ich noch nicht mal in einer festen Beziehung hatte.
Ihr Blick war leer doch gleichzeitig so erfüllt, voller Dinge die sie mir sagen wollte, doch nicht konnte.

Als ich die Lounge wieder verließ, gab es einen letzten Moment zwischen uns. Diesen Augenblick werde ich nie vergessen. Ihre Augen hatten eine entschlossene Traurigkeit getragen.

Ich vermute, dass sie mein Todesengel war.

Einige Tage später, bemerkte ich Schmerzen beim Wasser lassen und einen Ausfluss. Nach kurzer Recherche in Google, war die Diagnose bereits klar. Tripper. Kurzerhand die Klinik aufgesucht und nach 2 Tagen Antibiotica war die Sache vergessen.

Doch nun erneut. Diesmal stehen "nur" zwei Frauen aus meinem Freundeskreis zur Auswahl, es spielt im Grunde keine Rolle denn ich befürchte dort eher weniger eine HIV Infektion. Beide habe ich bereits informiert.

Der Gedanke mit AIDS habe ich erst seit 3 Tagen bekommen, als mich nicht nur der Tripper sondern auch Juckreiz am ganzen Körper angefangen haben zu quälen. Insbesondere nach dem Duschen jucken mich Beine und Arme stark.

Gestern entschloss ich mich kurzerhand, das Gesundheitsamt aufzusuchen und einen Test zu machen. Als die Mitarbeiterin von meiner Vorgeschichte inkl. Tripper erfuhr, wurde die Tonlage geändert, denn wie man sicherlich weiß, kommt der HIV Infekt auch gerne mit anderen schönen Dingen in Kombination kommen, sodass sie mir bereits sozusagen einen positiven Test prophezeit hat.

Ich war unachtsam. Ich war selbstzerstörerisch. Ich war blöd und habe mich von Depressionen walten lassen.

Mir geht es weniger um mein Leben, ich bin glücklich darüber, dass ich nach meiner Begegnung in Dresden zu 90 % immer Kondome benutzt habe, trotz allem hoffe ich, niemanden bei einem positiven Ergebnis, angesteckt zu haben.

Freitag erhalte ich das Ergebnis.

Danke für eure Aufmerksamkeit.
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Verfasst am: Mi Jan 19, 2011 6:38 am    Titel:
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Verfasst am: Mi Jan 19, 2011 6:54 am    Titel:
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BlackSwan
Gast





Antworten mit Zitat

Beim durchlesen von dem Text, bemerke ich auf erschreckende Art und Weise wie mies ich wohl auf außenstehende wirke. Wie eine tickende Bombe die durch die Welt lief.

Ich kann dieses Bild glaube ich nicht durch Wörter ändern.

Ich kann nur sagen, das es nie so war.
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Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.




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