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Verfasst am: Mo Apr 19, 2010 9:43 pm Titel: Hiv Test steht an und ich habe verdammt große Angst davor
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Kleene08 Gast
Hiho zusammen,
ich habe lange überlegt, ob und was ich hier schreibe.
Am kommenden Freitag habe ich einen Termin bei meinem Hausarzt zur Blutabnahme für einen HIV Test und ich habe Gott verdammt große Angst.
Ich habe schon mal einen Test gemacht, aber der liegt schon acht Jahre zurück. Der war negativ. Damals hatte ich keinerlei bedenken. Ich habe ihn im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung im Krankenhaus gemacht. Dort machte ich eine Ausbildung zur MTA.
Ich bin keiner von denen, die schnelle Partnerwechsel hat. Meine letzte Beziehung liegt nun ein gutes Jahr zurück. Wenn ich mal einen one night stand habe, dann immer nur mit Kondomen.
Meine Angst rührt darin, dass ich Dinge über meinen Ex Freund erfahren habe, die mich aufhorschen ließen. Klar habe ich mir auch gedanken gemacht, ob ich mich angesteckt habe und ob ich Sympthome hatte. Und ich hatte einige Erkältungen in den letzten Jahren. Aber immer zu den Zeiten, wo auch andere krank sind. Aber das heißt ja nichts.
Ich will nicht hoffen, dass ich mich angesteckt habe. Ich verzweifle jetzt schon bei dem Gedanken was wäre wenn. Ich habe Angst. Nicht vor der Krankheit, aber davor mein ganzes soziales Umfeld und meine Arbeit zu verlieren. Vor allem habe ich angst davor, dass mich kein Mann mehr haben will. Und ich habe große Angst es meiner Mutter zu sagen. Sie hat schon ihren Mann und ein Kind verloren. Und das macht mich zusätzlich fertig.
Nur noch eine Kleinigkeit. Ich habe nicht erfahren, dass mein Ex sich infiziert hat. es gibt auch sonst keine Anzeichen, dass ich mich mit dem Virus angesteckt haben könnte.
Ich habe nach einigen Wochen nach der Trennung halt erfahren, dass er mir fremd gegangen ist. Ich habe da schon daran gedacht einen Test zu machen, hatte aber große Angst davor.
Mich hat dieser Schritt den ich heute gewagt habe viel kraft gekostet.
Aber ich möchte allen, die die selbe Angst und Ungewissheit in sich tragen wie ich Mut machen. Geht zum Arzt und lasst euch testen. Diese ständige Ungewissheit bringt nichts. Eher im Gegenteil. Es macht einen Wahnsinnig.
Verfasst am: Mo Apr 19, 2010 10:47 pm Titel: Re: Hiv Test steht an und ich habe verdammt große Angst davo
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matthias Gute Seele des Forums
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2421 Wohnort: Berlin
Kleene08 hat folgendes geschrieben::
Ich will nicht hoffen, dass ich mich angesteckt habe. Ich verzweifle jetzt schon bei dem Gedanken was wäre wenn. Ich habe Angst. Nicht vor der Krankheit, aber davor mein ganzes soziales Umfeld und meine Arbeit zu verlieren. Vor allem habe ich angst davor, dass mich kein Mann mehr haben will. Und ich habe große Angst es meiner Mutter zu sagen. Sie hat schon ihren Mann und ein Kind verloren. Und das macht mich zusätzlich fertig.
Hallo Kleene,
ich weiß genau, was Du meinst. Ich bekam 1994 meinen positiven Test und habe allen - aber nicht meinen Eltern - davon erzählt. Eben aus dem Grund, dass mein ältester Bruder 1977 an den Folgen einer Gehirntumor-OP verstorben war.
Allerdings habe ich ansonsten in meinem sozialen Umfeld ganz viel Verständnis erfahren - mehr, als ich erhofft hatte. Und auch ich habe immer noch Menschen kennengelernt (und tue das heute noch), die mehr als nur nen Kaffee mit mir trinken wollen.
Deine Geschichte klingt nicht so, als wenn Du Dir wirklich Sorgen machen müssstest ... deshalb warte den Test ab. Wenn er positiv ist (was ich nicht glaube), kannst Du immer noch anfangen, Dir Gedanken zu machen. Wenn er negativ ist (was wahrscheinlicher ist), hast Du Dir wertvolle Zeit versaut.
Klick mal, wenn Du magst, auf die Links in meiner Signatur. Vielleicht bringen die Dich auf andere Gedanken. _________________ LG - matthias
vielen lieben Dank für deine aufmunternden Worte. Aber ganz beruhigt werde ich erst sein, wenn das Testergebnis vorliegt. Und so lange heißt es warten.
Aber deine Links haben mir auch etwas weitergeholfen. Das Buch scheint interessant zu sein und ich glaube ich werde es mir holen.
Ich will mehr über HIV wissen. Und wenn mein Test negativ ist, werde ich in jedem Fall noch mehr auf mich und andere aufpassen.
In dem kleinen Beitrag wurde es gut beschrieben. Viele Menschen denken so. Bisher ist alles gut gegangen und dann wird das in Zukunft auch so sein. Leider ist dem nicht immer so.
Wie war es bei dir, wenn ich fragen darf. Was war deine erste Reaktion auf diese Diagnose? Und wie lange hast du gebraucht, bis du es irgendwem gesagt hast?
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2421 Wohnort: Berlin
Hallo Kleene,
ich bin etwas atypisch. Ich habe es am ersten Tag schon drei Kollegen (mit denen mich auch ein freundschaftliches Verhältnis verband), meine damaligen Auftraggeber (für den ich frei arbeitete) und meiner Schwester gesagt.
Den Schock hatte ich natürlich auch. Aber durch das Erzählen wurde mir viel Druck genommen und ich fühlte mich gut aufgehoben. Bei solchen Themen weißt Du schon, wer Deine Freunde sind. Denn nur die würdest Du auch ins Vertrauen ziehen.
Übrigens: Als ich 1994 mein Testergebnis bekam, war es noch ein Todesurteil. Medikamente gibt es erst seit 1996. Heute ist HIV zwar immer noch unheibar, aber gut behandelbar. Mir z. B. geht es prima! _________________ LG - matthias
ich bewundere dich. Du gehst sehr offensive mit diesem Thema um. (Sagt man das so? )
Und du machst mir richtig Mut. Ich bin schon länger in solchen Foren wie diesem Unterwegs. Habe mich aber erst heute getraut etwas zu schreiben.
Ich weiß nicht, ob ich mich genauso trauen würde wie du auf die Menschen zu zugehen. Ich habe hier im Netz auch einen Bericht über positiv getestete Frauen gelesen und das sie sich weniger trauen an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich zähle mich auch dazu.
Ich arbeite auch Ehrenamtlich mit Kindern zusammen. Und das würde mich noch mehr hemmen etwas zu sagen.
Aber du hast recht. Ich sollte erst einmal abwarten wie mein Testergebnis ausfällt und dann kann ich mir weitere Gedanken machen.
Es wäre schön, wenn wir hier ab und zu etwas schreiben könnten. Momentan bleibe ich lieber etwas anonym und mag mich noch niemanden anvertrauen. Es tut aber gut jemanden zu haben, mit dem man reden kann und der die Ängste des anderen versteht. Und ich bewundere dich für deine Offenheit und Mut. Ich glaube, dass nicht viele so einen Schritt in die Öffentlichkeit wagen würden.
Mehr Aufklärung wäre nicht schlecht und mehr Toleranz in unserer Gesellschaft für HIV Infizierte oder an Aids erkrankte Mitmenschen. Das wünsche ich mir für die Zukunft.
Ich danke dir und wünsche eine gute Nacht.
Bis dann und lg
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2421 Wohnort: Berlin
Liebe Kleene,
ja - das sagt man genau so.
Weißt Du ... wenn sich keiner traut, nach außen zu gehen, erfahren die anderen ja nie, was in einem vorgeht. Ich mach das - aber ich kann jeden verstehen, der anders denkt.
Natürlich kannst Du dieses Forum jederzeit nutzen - es dient ja auch dem Gedanken- und Informationsaustausch und nicht nur der virtuellen "ersten Hilfe".
Ich hoffe auch, dass es mir weiterhin gut geht. Aber ich habe nicht nur ein gutes Gefühl, sondern auch einen guten Doc und richtig gute Werte. _________________ LG - matthias
es ist schön, sich mal mit jemanden auszutauschen, der weiß wie ich mich fühle. Ich konnte gestern die erste nacht mal richtig gut schlafen.
Ich hoffe, dass alles gut ausgeht bei mir. Ich bin froh, dass ich gestern den Mut hatte mit meinem Arzt zu sprechen. Ich hoffe der Mut verlässt mich am Freitag morgen nicht.
Aber ich fühle mich momentan wie in Watte gepackt. so als würde ich meine Umwelt ganz anders war nehmen. Ich bin zwar ruhig, aber irgendwie fühle ich mich so, als gehöre ich nicht hier her. Ist das normal?
Spielt einem die Psyche so einen großen Streich ab und zu????
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2421 Wohnort: Berlin
Hallo Kleene,
schön, dass Du gut geschlafen hast. Und noch schöner, wenn ich vielleicht ein bisschen "schuld" daran bin.
Ich freue mich für Dich, dass Du den Mut hattest. Was immer auch passiert sein mag... mit einer solchen Angst, mit einem solchen Thema alleine zu bleiben, ist immer verkehrt. Und denke am Freitag morgen einfach nur: "Egal, was ich heute höre, es ist die Antwort." Ich glaube übrigens fest daran, dass die Antwort, also das Ergebnis "negativ" ist!
Dein "Watte"-Gefühl ist ganz normal. Die Psyche spielt keine Streiche ... auch wenn es manchmal so aussieht. In Deinem Fall versucht die Psyche Dir über das schlechte Gewissen beizubringen, dass Du zukünftig die Situation eher rational betrachtest. Denn da, wo nix passiert ist, passiert auch nix
Ich garantiere Dir, dass Du am Freitag mittag, spätestens um drei Uhr nachmittags keine Ahnung mehr hast, wie das "Watte"-Gefühl war. Und auch das ist völlig normal. Denn wo die Psyche nicht arbeiten muss, arbeitet sie auch nicht.
Deine Psyche ist das unbewusste Korrektiv. Und ich verspreche Dir: Meistens hat die Psyche recht.
Alles Gute! Sag am Freitag Bescheid!
LG - Matthias _________________ LG - matthias
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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