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Verfasst am: Mi Feb 01, 2012 9:49 pm Titel: Facharbeit - Bio LK
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Dracu
Anmeldungsdatum: 01.02.2012 Beiträge: 5
Guten Abend,
Ich heiße Steffi und bin in dem 12 Jahrgang einer Gesamtschule. In meinem Bio LK schreibe ich gerade an einer Facharbeit, die über das Thema HIV und Aids geht.
Ich habe mich hier angemeldet, da ich mir Hilfestellung von euch erhoffe.
Ich finde in den Fachbüchern, die mir zur Verfügung stehen, sämtliche Erklärungen und Erfahrungen. Darin habe ich mich auch schon weitgehend hinein gearbeitet. Dennoch finde ich nichts über das Thema, worüber ich Ursprünglich schreiben wollte.
Ich bräuchte Informationen über Hiv+ Frauen, die schwanger sind.
Mich beschäftigt wie sie sich fühlen, was ihnen durch den Kopf geht.
Die Frage, ob sie Angst haben, dass sich ihr Kind dauerhaft bei der Geburt infizieren könnte - oder generell die Chancen, dass es gesund zur Welt kommt - beschäftigt mich auch.
Des weitern würde mich interessieren, wie sie mit der Krankheit klar kommt und lebt.
Natürlich werde ich in meiner Facharbeit keine Namen verwenden. Anstelle derer nimmt "Patient x" den Platz ein.
hach - diesmal kann ich nicht helfen Nicht weiblich und nicht schwanger _________________ Art-Medikamente:
Truvada [1-0-0], (Tenofovir + Emtricitabin)
Isentress [1-0-1], (Raltegravir)
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2418 Wohnort: Berlin
Hi Steffi,
wende Dich mal an Ulrike Sonneberg-Schwan vom Frauengesundheitszentrum München (http://www.fgz-muc.de/fgz/) und grüße sie von mir (Matthias Gerschwitz) _________________ LG - matthias
Anmeldungsdatum: 08.02.2012 Beiträge: 141 Wohnort: Berlin
Hallo Dracu,
ich weiß nicht, ob Dein Anliegen noch aktuell ist. Bin zwar nicht schwanger, kann Dir aber aus der Vergangenheit von meinen beiden Schwangerschaften (2000/2001 & 2002/2003) berichten - und ein bisschen etwas über die Prophylaxe, allerdings nur aus meiner Sicht als medizinischer Laie. Habe als positive Mutter dank entsprechender Prophylaxe zwei gesunde Kinder. _________________ Liebe Grüße ,
Verfasst am: Fr Feb 10, 2012 2:13 pm Titel: Hey lost
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Dracu
Anmeldungsdatum: 01.02.2012 Beiträge: 5
Mein Anliegen ist allerdings noch aktuell, da ich leider bisher noch keine Antwort vom fgz erhalten habe.
Ich würde mich sehr darüber freuen, etwas von dir zu erfahren. Die persönliche Meinung ist mir sowieso am liebsten.
Verfasst am: Sa Feb 11, 2012 3:48 pm Titel: Re: Facharbeit - Bio LK
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lost Bewährtes Mitglied
Anmeldungsdatum: 08.02.2012 Beiträge: 141 Wohnort: Berlin
Hallo Steffi,
Dracu hat folgendes geschrieben::
...Ich bräuchte Informationen über Hiv+ Frauen, die schwanger sind.
Mich beschäftigt wie sie sich fühlen, was ihnen durch den Kopf geht.
Die Frage, ob sie Angst haben, dass sich ihr Kind dauerhaft bei der Geburt infizieren könnte - oder generell die Chancen, dass es gesund zur Welt kommt - beschäftigt mich auch.
Des weitern würde mich interessieren, wie sie mit der Krankheit klar kommt und lebt...
Ich habe mich 1996 mit dem HI-Virus infiziert, extrem ungesund gelebt und glaubte aufgrund einer verschleppten Eierstockentzündung unfruchtbar zu sein. Entsprechend groß war meine Überraschung, als ich 2000 von meiner ersten Schwangerschaft erfuhr.
Für mich war eigentlich völlig klar, dass ich das Kind nicht bekommen könnte (und zunächst auch nicht wollte).
Mein damaliger Arzt schickte mich in eine gynäkologische Infektambulanz, dort ist man spezialisiert auf die Behandlung von Schwangeren, die sich entweder mit HIV und/oder mit Hepatitis C infiziert haben.
Zunächst wurde zusammen mit allen üblichen Untersuchungen auch ein Ultraschall gemacht. Der Monitor stand so, dass ich alles sehen konnte. Die Gynäkologin hat mir genau erklärt, was ich dort sehe, und dass bei entsprechender Behandlung das Infektionsrisiko für das Kind unter 2% liegt.
Diese Zahl von 1-2% manifestierte sich in meinem Kopf und ich dachte permanent daran, dass in jeder Schwangerschaft Risiken bestehen, deren Eintreten weitaus wahrscheinlicher wäre.
Mein Gesundheitszustand war richtig gut, meine Viruslast sehr niedrig (je niedriger die Viruslast, desto unwahrscheinlicher ist eine Weitergabe des Virus) und ich war damals auch verheiratet und mein Mann wollte das Kind. Mir wurde auch tatsächlich dazu geraten, das Kind auszutragen...
... im Prinzip war meine Entscheidung für das Kind in dem Moment gefallen, in dem ich es beim Ultraschall auf dem Monitor erkennen konnte (ich fand, es sah aus wie ein Gummibärchen) und sah, wie das kleine Herz schlägt.
Die Schwangerschaft wurde engmaschiger kontrolliert als bei einer gesunden Frau, aber für mich war es erst ganz zum Schluss wirklich anstrengend. Davon abgesehen, dass diese Zeit für jede Schwangere körperlich sehr anstrengend ist, kam die Angst vor vorzeitigen Wehen - und dass vielleicht doch noch irgendwas schief geht.
Der angestrebte Geburtstermin (etwa drei Wochen vor dem rechnerischen) konnte zwar aufgrund vorzeitiger Wehentätigkeit nicht eingehalten werden, aber glücklicherweise hatte ich rechtzeitig mit der ART angefangen (ART= antiretrovirale Therapie, hast Du sicher schon irgendwo gelesen). Das war eminent wichtig, weil die meisten Mutter-Kind-Übertragungen unter der Geburt passieren. Ich nahm damals Retrovir, weil es das einzige Medikament war, das für schwangere Frauen zugelassen war.
Das Kind wurde viereinhalb Wochen vor dem errechneten Geburtstermin mit einem so genannten "trockenen" Kaiserschnitt entbunden und bekam zehn Tage lang Retrovir über einen Tropf. [Beim "trockenen" Kaiserschnitt versucht man, die Fruchtblase zunächst unversehrt aus dem Mutterleib zu holen und achtet darauf, dass beim Eröffnen möglichst keine Körperflüssigkeiten der Mutter in die Körperöffnungen des Kindes (Augen, Nase, Mund & Ohren) gelangt]. Zum Zeitpunkt der Geburt war meine Viruslast durch das Retrovir unter der Nachweisgrenze. Was damals noch gar nicht bekannt war: wenn die Viruslast [durch (HA)ART, wobei HA für "hoch aktiv" steht, was die neueren Medikamente betrifft] unter der Nachweisgrenze ist, gilt man als nicht mehr infektiös, kann also das Virus nicht weitergeben.
In den ersten anderthalb Jahren wurde das Kind in einer dort angegliederten infektiologischen Kindertagesklinik behandelt, weil es Antikörper von mir im Blut hatte, die ein unbedarfter Kinderarzt möglicherweise für eine HIV-Infektion gehalten hätte. Die Kinderärztin dort konnte mir schon nach drei Monaten mit 90%* Sicherheit sagen, dass mein Kind negativ ist, eine 100%ige Sicherheit gibt es allerdings erst nach etwa 18 Monaten, wenn die Antikörper der Mutter aus dem Blut verschwunden sind
*die Kinderärztin sprach von 90%, ob diese Prozentzahl belegt ist, weiß ich allerdings nicht.
Ich weiß ja nicht, wo Du wohnst, ich lebe in Berlin und weiß, dass es solche Ambulanzen auch in Hamburg und München gibt. Vielleicht besteht ja für Dich eine Möglichkeit, in irgendeiner Form Kontakt aufzunehmen, denn die können Dir sicher alle Fragen beantworten und haben schon alles mögliche (und unmögliche ) miterlebt.
Ansonsten frag mir ruhig Löcher in den Bauch, soweit ich es kann, werde ich Dir Deine Fragen beantworten (bin aber medizinischer Laie). Ich werde nachher noch mal online sein. Dann kann ich ja von meiner zweiten Schwangerschaft berichten (... und von den Problemen, die mich nun nach den Schwangerschaften beschäftigen). Muss aber vorher das eine oder andere erledigen.
Insgesamt kann ich Dir aber schon mal zusammenfassend sagen, dass mich in beiden Schwangerschaften andere Probleme als HIV beschäftigt haben - wie bei jeder anderen Frau auch. _________________ Liebe Grüße ,
Anmeldungsdatum: 08.02.2012 Beiträge: 141 Wohnort: Berlin
So, wie versprochen berichte ich über meine zweite Schwangerschaft:
Meine zweite Schwangerschaft war geplant. In der Zwischenzeit hatte ich mich von meinem Mann getrennt und jemanden (HIV negativ) kennengelernt, der geschieden war und trotzdem ein Superverhältnis zu seinen Kindern hatte. Mein Mann hingegen war mit seiner Vaterrolle absolut überfordert (deswegen auch die Trennung). Jedenfalls hielt ich ihn für einen guten Vater und wollte eigentlich auch kein Einzelkind. Dieser Jemand wollte zunächst auch ein gemeinsames Kind, deshalb nahm ich ihn mit in die gynäkologische Infektambulanz. Diesmal wollte ich von Anfang an alles richtig machen und erkundigte mich über meinen Immunstatus, ließ mich und vor allem ihn beraten und über Risiken/Prophylaxe aufklären.
Kondome lehnte er übrigens generell kategorisch ab, was oft zu Streitigkeiten führte, weil ermeinte, selbst entscheiden zu können, welchem Risiko er sich aussetze. Dass ich im Falle einer Ansteckung auch mit dem Wissen, jemanden infiziert zu haben, hätte leben müssen, interessierte ihn nicht im Geringsten. Aber das nur am Rande…
Kurz nach diesem Beratungsgespräch wurde ich tatsächlich schwanger, woraufhin er seine Meinung bezüglich des Kinderwunsches plötzlich änderte.
Er versuchte zunächst mit allen Mitteln, mich zum Abbruch der Schwangerschaft zu bewegen. Aufgrund meiner Infektion wäre bei mir auch nach der zwölften Schwangerschaftswoche noch eine Abtreibung möglich gewesen. In der Klinik, in der die Infektambulanz eingegliedert war, wurde ein Abbruch bis zur zwanzigsten Schwangerschaftswoche angeboten, theoretisch wäre es auch später noch legal gewesen, nur wäre es dann schwierig geworden, einen Arzt zu finden…
Ich habe es nicht übers Herz gebracht, mein Wunschkind abtreiben zu lassen.
Im Nachhinein wünsche ich mir, ich hätte mich sofort von ihm getrennt, aber leider habe ich auch das nicht übers Herz gebracht.
Er hat mich wirklich absolut mies behandelt, und in der Schwangerschaft sind wir Frauen ja echte Sensibelchen. Durch meine (im wahrsten Sinne des Wortes) angegriffene Psyche, traten tatsächlich Komplikationen auf. Von einer Nabelschnurarterien-Aplasie bis zu Plexuszysten (bedeutet eventuell „Wasserkopf“) beim Kind trat so ziemlich alles an Risikofaktoren auf. Ich musste die letzten Wochen der Schwangerschaft im Krankenhaus verbringen und absolute Bettruhe halten.
Aufgrund des Schwangerschaftsverlaufes entschied ich mich diesmal nicht für Retrovir, sondern für Viramune und Combivir, was – zumindest im März 2003 nicht für schwangere Frauen zugelassen war.
Die Mediziner rechnen ja bei einer Schwangerschaft nicht in Monaten, sondern in Wochen. Eine Schwangerschaft dauert etwa vierzig Wochen. Ab Woche 34/0 (also 34 Wochen, null Tage) wird keine Tokolyse mehr durchgeführt (Wehenhemmer, in meinem Fall intravenös, abgesetzt). Nur Magnesium sollte ich weiterhin hoch dosiert einnehmen, was natürlich nicht ausreichte, um die Wehentätigkeit zu verringern (oder bestenfalls zum Stillstand zu bringen).
Das bedeutete dann, dass mein Kind noch am selben Tag per Sectio auf die Welt geholt werden musste (sechs Wochen zu früh).
Leider war die Lunge noch nicht voll ausgereift und das Kind anfangs nicht in der Lage, aus eigener Kraft Nahrung aufzunehmen.
Für mich war es eine Katastrophe. Ich konnte/durfte nicht und der Vater leugnete das Kind. Dadurch konnten meine Eltern den Kleinen nicht auf der Frühchen-Station besuchen (Angehörige durften nur in Begleitung von Vater oder Mutter auf die Frühchen-Station).
Glücklicherweise erholte sich der Kleine sehr schnell und konnte nach zehn Tagen entlassen werden.
Mir ging es nach der zweiten Geburt sehr schlecht, was aber nicht am HIV lag, sondern den Umständen geschuldet war. Ich hatte (nicht zum ersten Mal) eine Pleuropneumonie (=Lungenentzündung mit Rippenfellbeteiligung), aber zunächst ohne Fieber, weshalb sie (obwohl ich darauf hingewiesen hatte, die Symptome von vorangegangenen Lungenentzündungen zu kennen) viel zu spät erkannt wurde. Da man nicht wusste, was ich hatte, durfte ich nach einigen Tagen nicht mehr auf die Frühchenstation… ich hätte es auch nicht mehr gekonnt, denn inzwischen war mein linker Lungenflügel nicht mehr belüftet, was extrem schmerzhaft war.
Mein miserabler Gesundheitszustand (Schmerzen beim Atmen wurden beim Essen schlimmer) und die Tatsachen, dass der Kindesvater nichts von seinem Kind wissen wollte und mich wie den letzten Dreck behandelte, führten schließlich zu einer so genannten postnatalen Anorexie (=Magersucht, die nach einer Geburt auftritt, vermutlich durch Wochenbettdepression).
In der ersten Zeit habe ich meinen Alltag nicht bewältigen können und war auf die Hilfe eines Pflegedienstes angewiesen. Irgendwann ging es dann aber, ich wurde in einer infektiologischen Tagesklinik wirklich super behandelt, wobei die Ursache nie geklärt werden konnte. Ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass ich Bronchialasthma habe schon vor meiner HIV-Infektion mit Lungenentzündungen zu kämpfen hatte - und schließlich hieß mein größtes Problem nicht HIV sondern Anorexia nervosa.
Merke gerade, dass es (psychisch/emotional) sehr anstrengend ist, das alles mal aufzuschreiben...
Ich hoffe, es hilft Dir. _________________ Liebe Grüße ,
Ich kann gut nachvollziehen, dass es dir schwer gefallen ist das alles aufzuschreiben. Und das auch noch einfach so ins Internet... Es tut mir leid, falls dir das jetzt zu viel war.
Aber ich danke dir sehr. Deine ausführlichen Berichte helfen mir sehr gut weiter.
Aber eine Frage habe ich jetzt dennoch noch. Wenn ich dir damit nicht zu Nahe trete...
Bist du jetzt, nachdem du das alles hinter dich gebracht hast, glücklich darüber, dass du deine Kinder bekommen hast? Ich meine, bereust du es?
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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