Mit der Diagnose HIV positiv liegt die durchschnittliche Lebenserwartung heutzutage fast auf gleichem Niveau wie der Durchschnitt der Gesellschaft. Gerade deshalb ist es für HIV Patienten elementar wichtig, dass sie gut versichert sind und für das Alter vorsorgen. Nichtsdestotrotz schließen viele Versicherungsgesellschaften HIV positive Menschen per se von deren Leistungen aus.
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Verfasst am: So Dez 12, 2010 6:08 pm Titel: Einfach mal erzählen...
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Floorfiller2010
Anmeldungsdatum: 12.12.2010 Beiträge: 2
Hallo an alle Leserinnen und Leser,
schon mal Danke an die, die sich Zeit nehmen und meine Geschichte lesen.
Ich bin hier, weil ich einfach mal erzählen will wies mir geht.
Warum ich das hier mach?! Weil es einerseits anonym ist und andererseits mir das Gefühl gibt nicht ganz alleine zu sein. Weil ich mich genau so fühl. MIt jemandem über Probleme reden hilft ja, aber wenn man keinem zum Reden hat, dann eben vielleicht auf diesem Weg.
Im Moment weiß es keiner aus meinem Umkreis, dass ich positiv bin. Bis auf meinen Freund, aber das war nicht zu vermeiden, weil ich es von Ihm habe. Ich könnte deshalb auch mit Ihm drüber reden, es ist nicht ganz einfach...
Zusammen sind wir jetzt fast 1 1/2 Jahre. Seit knapp einem halben Jahr leben wir mit dem Ergebnis. Wir hatten ungeschützen Sex, weil ich Ihm "leider" vertraut hab und es, naja blöd gesagt, einfach passiert ist.
Mein Freund wusste nicht, dass er infiziert ist und wollte es auch nicht wissen, weil er sich vorher nie wirklich Gedanken um seine Gesundheit gemacht hat. Im Sinne: "Was ich nicht weiß, hab ich auch nicht"
Ich hab mich dann testen lassen, weil ich Gesundheitlich etwas angeschlagen war und eine Entzündung hatte, die ich vorher nie hatte.
Naja, da ich dann das Ergebnis bekommen hab, war es auch sicher, dass er ein positives Ergebnis bekommen würde. So wars dann auch...
Warum ich mir sicher bin, dass ich es von Ihm habe: Ich hatte vorher eine 4jährige Beziehung. Mein Ex wurde nach unserer Trenneung schwer krank und hat sich eben auch auf HIV testen lassen. Negativ. Und nach meinem Ex hatte ich keinen anderen. Bin also ohne Kontakt mit anderen Männer in die neue (jetzige) Beziehung.
Meine Viruslast ist noch niedrig und meine Helferzellen sind noch zahlreich vorhanden, weshalb ich noch keine Medikamente nehmen muss.
Bei meinem Freund sieht das anders aus. Er nimmt von Anfang an Medis. Seine Viruslast ist aber mitlerweile auch unter Nachweisgrenze.
Mit der Krankheit komm ich eigentlich ganz gut zu recht. Woran ich das selber merk ist, dass ich zwei Monate nach dem ich es erfahren hab ohne große Schwierigkeiten mein Staatsexamen bestanden hab.
Größere Probleme hab ich damit, dass ich es von dem Menschen hab in den ich mich verliebt hab und immer noch sehr liebe. Ich weiß, dass er sich große Vorwürfe macht, dass er "schuld" ist, weil er sich irgendwo immer bewusst war, dass er vor mir Risikokontakt hatte. Ich hab mir immer gedacht, dass wir das zusammen durchstehen...
Er kann das ganz gut. Von Natur aus, weil er ein positiv denkender Mensch ist. Aber ich weiß einfach im Moment nicht wohin mit mir. Wie gesagt, mit Ihm drüber reden ist schwer.
Vielleicht habt Ihr Leser Tipps für mich wie ich besser mit der Situation umgehen könnte oder ein einfaches Feedback wäre auch schon aufmunternd. Fragen dürft Ihr natürlich auch stellen
Vielen Dank wenn Ihr es bis hierher geschafft habt.
LG Floorfiller _________________ Ich bleib in jeder Situation positiv.
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2418 Wohnort: Berlin
Hi Floorfiller,
genau für solche Fälle wie Deinen gibt es dieses Forum - wo man sich mal einfach Dinge von der Seele schreiben kann, wenn Reden nicht möglich ist.
Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Staatsexamen! Ich weiß selbst, welche Belastung ein »frisch« erhaltenes Testergebnis bedeutet. Ich habe mich damals in Arbeit gestürzt, um mich abzulenken. Und die Erfolge, die ich da erzielen konnte, haben mein Selbstbewusstsein gestärkt, dass ich auch »mit HIV« gut sein kann ... und bis heute noch bin.
Ich verstehe Deine Gedanken sehr gut, wenn Du schreibst, dass Dich der Mensch, den Du am meisten liebst, infiziert hast - wenn auch unbeabsichtigt - und Du damit Probleme hast. Aber sei ganz ehrlich: »Schuld« (ich mag das Wort in diesem Zusammenhang gar nicht) seid Ihr natürlich beide, denn Ihr hättet Euch auch schützen können. Aber »hätte«, »könnte« und »wäre« bringt niemanden weiter, weil es nun eh nicht mehr zu ändern ist.
Gerade deshalb ist es aber besonders wichtig, wenn Ihr beide jetzt offen darüber redet. Für Dich, damit Du einen Ansprechpartner hast - für ihn, damit er seine falsch verstandenen Schuldgefühle abbauen kann. Du darfst eines nicht vergessen: Wenn Ihr das Thema nicht angeht, verfestigen sich die eigenen Einstellungen und Gefühle dazu und bringen - mit etwas Pech - die gesamte Beziehung in Gefahr.
Ich weiß nicht, wo Ihr lebt ... aber bei den Aidshilfen gibt es psychologische Beratungsstellen, die für genau solche Fragen offen sind. Oder Dein Arzt kann Dir jemand empfehlen. Du darfst jetzt nicht allein bleiben mit Deinen Problemen - auch wenn Du die Infektion nicht öffentlich machen willst.
Ich wünsche Dir alles Glück für eine Beziehung und ein Leben mit Zukunft!
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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