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Verfasst am: So Jun 06, 2010 8:11 pm Titel: Bin ich depressiv?
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Christian86
Anmeldungsdatum: 31.01.2010 Beiträge: 13
Hi, die Titelfrage mag auf den ersten Blick naiv klingen, doch hat es einen ernsten Hintergrund.
Zuerst möchte ich euch aber meinen Fall schildern. Ich bin 23 jahre alt und seit Sommer 2009 hiv positiv. Okt. 09 erfolgte der Test.
Seitdem hat sich einiges bei mir gesundheitlich und im Kopf verändert.
Gesundheitlich gings bei mir im Herbst und Winter wegen der Akutphase bergab. Meine letzten Werte vom Februar liegen bei VL 170.000 C4 280, 32%. Die aktuellen Werte bekomme ich nächste Woche.
Was mich zur Zeit immer wieder heimsucht sind Mandeletzündungen, die kurzzeitig nach einer Penicelineinnahme verschwinden, um nach ein paar Wochen wiederzukehren! Daher erwarte ich bei den kommenden Werten nichts positives.
Die Mandelentzündungen sind ein Teil der Geschichte. Sie zeigen an, dass meine Abwehrkäfte momentan nicht den besten Stand haben. Ich weiß auch gar nicht wie ich damit umgehen soll und ob ich einen HNO konsultieren sollte...
Allerdings denke ich, dass meine schwachen Abwehrkräfte durch meine psychische Situation bedingt sind.
Dies empfinde ich subjektiv als eine viel größere Belastung als das Problem mit den Madnelentzündungen.
Ich fühle mich in letzter Zeit sehr einsam, meide den Kontakt mit Menschen, vernachlässige meinen Job und fühle mich oft abgeschlagen und unsicher. Ich empfinde mich oft als kraftlos, ohnmächtig und träge und gehe daran innerlich langsam zugrunde.
Ich denke, dass es zum einen an dem Druck liegt, meine Infektion geheimzuhalten.
Zum anderen mag es daran liegen, dass ich mich nicht mehr ansehnlich und attraktiv finde. Es gibt Tage, da empfinde ich mich als hässlich und gehe aus dem Grund nicht aus dem Haus. Ich vesuche durch mehrmaliges Haarewaschen etwas dran zu ändern. Aber auch dies bringt keine erleichterung. Im gegenteil, ich wasche solange meine Haare, bis mir die Kraft fehlt und ich innerlich schreien könnte. In dieser Situation beobachte ich bei mir häufig Herzrasen und Kopfschmerzen, eine Folge des ganzen Stresses.
Ich bin wirklich verzweifelt, denn ich sehe keinen Ausweg, wenn es so weiter geht.
Ich bin mir aber sicher, dass meine psychisches Situation meine Abwehrkäfte und meinen gesundheitszustand beinträchtigt und zusätzlich schwächt.
Verfasst am: So Jun 06, 2010 10:40 pm Titel: Re: Bin ich depressiv?
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matthias Gute Seele des Forums
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2130 Wohnort: Berlin
Christian86 hat folgendes geschrieben::
Ich fühle mich in letzter Zeit sehr einsam, meide den Kontakt mit Menschen, vernachlässige meinen Job und fühle mich oft abgeschlagen und unsicher. Ich empfinde mich oft als kraftlos, ohnmächtig und träge und gehe daran innerlich langsam zugrunde.
Ich denke, dass es zum einen an dem Druck liegt, meine Infektion geheimzuhalten.
Zum anderen mag es daran liegen, dass ich mich nicht mehr ansehnlich und attraktiv finde. Es gibt Tage, da empfinde ich mich als hässlich und gehe aus dem Grund nicht aus dem Haus. Ich vesuche durch mehrmaliges Haarewaschen etwas dran zu ändern. Aber auch dies bringt keine erleichterung. Im gegenteil, ich wasche solange meine Haare, bis mir die Kraft fehlt und ich innerlich schreien könnte. In dieser Situation beobachte ich bei mir häufig Herzrasen und Kopfschmerzen, eine Folge des ganzen Stresses.
Christian,
erst einmal: Toll, dass Du Deine Befindlichkeiten äußerst. Damit bist Du schon viel weiter als andere. Aber das wird Dir nicht helfen...
Du solltest Dir folgende Fragen beantworten:
Ich fühle mich einsam.
Hast Du Freunde, mit denen Du sprechen kannst? Bist Du nicht geoutet? Stoßen bei Dir Wunschdenken (»Ich kann mich nach außen zeigen, wie ich das will«) mit der Realität (»Wie kann ich nach außen verbergen, dass ich positiv bin«) zusammen?
Deine Viruslast int ungemein hoch. Nimmst Du Medikamente? Das Geheimnis ist bei HIV, die VL unten zu halten. Dann bist Du zwar noch positiv, aber nicht infektiös. Und Du bist noch krank, aber nicht besser/schlechter als jemand mit einer anderen unheilbaren Krankheit.
Vergleiche Dich mit einem Diabetiker. Der muss sein Leben lang alles kontrollieren. Aber das geht wunderbar. Nichts anderes ist das bei Dir: Du checkst jedes Quartal Deine Werte, nimmst Deine Tabletten - und alles ist okay. Nun magst Du sagen »ja, aber, wenn ich positiv bin, dann passier das und das ... dann sagt der, das ist so und so ... dann gehöre ich zum »no go«. Ich kann Dir aus Erfahrung, sagen: Alles ist anders. Nichts ist so, wie Du es glaubst. Und wenn Du das nicht glauben möchtest: schau hier. Ich stehe Dir gerne auch für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.
Das Leben ist nicht vorbei - es fängt gerade neu an, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Und: Es ist wunderbar !!!!!
ich schließe mich Matthias nur an. Das Leben mit dem Virus hat mein Leben nicht groß geändert. Nicht der Virus bestimmt Dein Leben, sondern Du! Ich weiß von meinem Testergebnis seit November letzten Jahres und hatte auch nen ziemliches Tief die ersten Tage danach. Seit März nehme ich meine Medikamente und die Viruslast ist drastisch nach unten gegangen. Nebenwirkungen kenne ich nicht und mir geht es prima. Lasse den Kopf nicht hängen und suche Dir jemanden, mit dem Du darüber reden kannst. Mir hat der Kontakt hier im Forum aber auch mein Partner sehr weitergeholfen. Dein Leben ist nicht vorbei, es fängt gerade wieder an und Matthias sagte, es kann auch mit dem Virus sehr schön sein.
Gruß aus Wetzlar
Christian _________________ Art-Medikamente:
Truvada [1-0-0], (Tenofovir + Emtricitabin)
Isentress [1-0-1], (Raltegravir)
Verfasst am: Mo Jun 07, 2010 10:21 am Titel: Re: Bin ich depressiv?
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Christian86
Anmeldungsdatum: 31.01.2010 Beiträge: 13
Hallo Matthias,
danke für die schnelle Antwort.
Zitat:
Hast Du Freunde, mit denen Du sprechen kannst? Bist Du nicht geoutet? Stoßen bei Dir Wunschdenken (»Ich kann mich nach außen zeigen, wie ich das will«) mit der Realität (»Wie kann ich nach außen verbergen, dass ich positiv bin«) zusammen?
Ich bin gleich im doppelten Sinne ungeoutet. Und ich habe wirklich außer meinem Arzt, den ich allerdings nur alle 2 Monate sehe!!! und dem Internet niemandem, mit dem ich darüber reden kann.
Zitat:
Deine Viruslast int ungemein hoch. Nimmst Du Medikamente?
Ich nehme noch keine Medikamente und hatte es eigentlich noch nicht vor. Zum Teil liegt es an der Angst vor den Nebenwirkungen, anderseits an der Vorstellung täglich konsequent Medis nehmen zu müssen.
Dies soll nicht bedeuten, dass ich eine Therapie generell ablehne, nur bin ich mir nicht sicher, ob jetzt der richtige zeitpunkt wäre, wo es mir psychisch so schlecht geht und ich vielleicht eher Antidepressiva bekommen sollte!
Verfasst am: Mo Jun 07, 2010 11:09 am Titel: Re: Bin ich depressiv?
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matthias Gute Seele des Forums
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2130 Wohnort: Berlin
Hallo Christian,
ein Arztbesuch innerhalb 2 Monate ist normalerweise okay. Ich sehe meinen Doc einmal im Quartal, wenn ich mir die Werte abhole. Wir haben zwar auch sonst gelegentlich Kontakt, aber eher beruflich, weil ich für die Deutsche Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen HIV-Mediziner und für die Berliner Regionalgruppe arbeite oder wenn er mein Buch ordert
Doppelt ungeoutet zu sein, macht die Sache natürlich nicht gerade einfacher. Ich nehme mal einfach an, dass Du in einer Gegend wohnst, die mit einer Großstadt wie Köln, Frankfurt oder Berlin nicht zu vergleichen ist. Trotzdem (oder gerade deswegen) solltest Du Dich informieren, wie und wo Du Hilfe und Gesprächspartner bekommen kannst. Unter www.aidshilfe.de findest Du z.B. eine Auflistung aller örtlichen Aidshilfen - da ist auch sicherlich eine in Deiner Gegend dabei.
Oder aber - besser gesagt: Und! – schildere Deinem Arzt Deine Probleme – er kann Dir vielleicht weiterhelfen. Viele Ärzte haben Kontakte zu psychosozialen Diensten, die genau für Menschen in Deiner Situation geschaffen wurden. Wichtig ist auf jeden Fall, dass Du nicht alleine bleibst!
So sch... die Infektion auch ist. Dank moderner Therapien ist es möglich, die Krankheit zu behandeln. Zu meiner Zeit sah das noch ganz anders aus ... Wichtig ist, dass Du die Infektion »animmst«. Je mehr Du Dich dagegen wehrst (auch und gerade seelisch), umso mehr hält sie Dich in ihren Klauen. Es ist, wie Chris schrieb: Nicht das Virus bestimmt Dein Leben, sondern Du!
Mein Doc hat damals so lange mit der Therapie gewartet, bis die Helferzellen unter 200 lagen. Wenn man diesen Therapieansatz zugrundelegt, hättest Du noch etwas Zeit. Andererseits ist es aber psyachisch ein nicht zu unterschätzendes Gefühl, wenn Du bei jedem Blutcheck feststellst, wie die Viruslast sinkt, sich die Helferzellen stabilisieren und vermehren und Du einfach weißt, dass es Dir besser geht.
Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Medikamenten, auf die Dich Dein Arzt punktgenau einstellen kann. Deshalb sind heftige Nebenwirkungen im Vergleich zu früher eher die Ausnahme als die Regel. Wichtig ist allerdings, dass Du die Medis regelmäßig nimmst, um Resistenzen zu vermeiden. Ich weiß, Du bist noch jung – und vor allem fühlst Du Dich zu jung zum Pillenfressen. Aber Du bist nicht alleine damit – und HIV ist nicht die einzige Krankheit, die auch junge Menschen zur regelmäßigen Einnahme von Tabletten verpflichtet.
Übrigens sind Antidepressiva auch Tabletten! Und zwar welche, die durchaus schwerwiegende Nebenwirkungen haben können. Nur ... Tabletten helfen Dir nicht aus dem Loch, in dem Du im Moment steckst. Herausklettern musst Du selbst - also Flucht nach vorne antreten. Schreib mal einfach auf, was Dich alles ankotzt, was Dich ärgert, was Dich runterzieht. Und daneben schreibst Du - mit etwas Zeit, mit Überlegung - was man dagagen machen kann. Und dann fängst Du an, Punkt für Punkt abzuarbeiten. Als erstes solltest Du Dir Gesprächspartner suchen (s.o.). das Internet ist zwar eine »schöne« Sache, wichtiger ist es aber, dem Gegenüber in die Augen sehen können, fühlen zu können, dass er/sie da ist.
Mach den ersten Schritt, auch wenn er scheinbar zu groß ist. Du schaffst das! Ich glaube an Dich!!! _________________ LG - matthias
Hi, ich habe diese Woche wieder einen Termin bei meinem Schwerpunktarzt.
Hierzu habe ich ein paar Fragen, die mir wirklich auf den Fingern brennen.
Wie ich schon beschrieben habe, gehts mir psychisch nicht besonders gut. Hinzu kommen die körperlich-gesundheitlichen Beschwerden (Mandelentzündungen)
Ich werde den Arzt auf meine psychische Situation ansprechen und auf eine Behandlung mit Antidepressiva um Rat fragen.
Fakt ist nämlich, dass es mir gesundheitlich nicht gut geht und meine Werte ziemlich schlecht sind. Ich denke, dass dies meine psyche zusätzlich belastet. Aber dass meine depressive Stimmung auch auf meine Werte niederschlägt.
Zudem muss ich sagen, dass ich wegen meiner psychischen Situation viel rauche und dies natürlich nicht gut ist, erst recht nicht, wenn man hiv-positiv ist.
Ich halte von medizinischen Selbstversuchen nichts, aber ich möchte mit dem Rauchen definitiv, schon allein wegen den negativen Folgen, aufhören.
Einen kalten Entzug habe ich schon probiert und bin rückfällig geworden. Dies ist aufgrund meiner momentanen Lage auch kein Wunder, da ich viel zu unsicher bin und so gut wie kein Selbstbewusstsein mehr habe!
Ich habe mich informiert und bin auf das Medikament Zyban/Bupropion gestoßen, was als wirksames Raucherentwöhnungsmittel gilt.
Zudem ist Zyban eigentlich ein Antidepressiva, was gegen leichte Zwangsstörungen und Depressionen angewendet wird.
Ich werde das Thema mit meinem Hausarzt besprechen. Meine Hoffnung ist, dass ich so zwei FLiegen mit einer Klappe schlagen kann. Meine Raucherangewohnheit und meine psychische Situation.
Eine weiterer Option wäre mit der HAART anzufangen, aber ich fühle mich noch nicht so weit. Dies hat mehrere Gründe.
Was meint ihr?
Ich meine es liegt auf der Hand, dass was geschehen muss, da ich wirklich bald keine Kraft mehr habe und keine Hoffnung mehr in die Zukunft habe. Mal davon abgesehen, dass ich dabei bin mein job nicht mehr richtig ausführen zu können.
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2130 Wohnort: Berlin
Fangen wir mal hinten an ...
Mit Zyban habe ich es auch versucht, habe aber alle beschriebenen Nebenwirkungen (Schlafstörungen etc.) bekommen und es nach 2 Wochen wieder abgesetzt. Trotzdem habe ich aufgehört (von 50/Tag auf Null in drei Tagen). Warum? Weil ich mir vergegenwärtigt habe, zu welchen Gelegenheiten ich rauche. Da kamen 90% Gewohnheit, Langeweile, Beschäftigungstherapie bei raus - das hat mich sehr erschreckt. Mittlerweile bin ich 7 Jahre Nikotin-clean und habe auch überhaupt kein Interesse mehr an Zigaretten. (Nebenbei bemerkt hat sich meine ent-rauchte Zunge plötzlich wieder an Geschmacksrichtungen erinnert, die zuvor im Rauch erstickt worden waren ...)
Übrigens verschaffst Du Dir mit der Zigarette kein Selbstbewusstsein. Du hältst Dich an irgend etwas Imaginärem fest, aber auch nicht wirklich ...
Dann:
Du hast völlig recht: Psyche und Körper stehen in einem engen Zusammenhang; die Psychosomatose ist ein wichtiges Kriterium. Meistens wird die ja immer nur negativ besetzt (psychosomatische Störungen), sie wirkt aber ebenso auch positiv. Hier lohnt es sich, jedes kleine Erfolgserlebnis, jeden schönen Moment auf die »Haben«-Seite zu buchen !!!
Und:
Es ist gut, wenn Du alles mit Deinem Arzt besprichst. Mein Schwerpunktarzt ist auch mein Hausarzt. Alles, was sonst noch medizinisch so passiert, lasse ich in Kopie immer an ihn schicken. Er ist sozusagen mein Archiv
Zuletzt:
Ich hatte auch meine Bedenken, mit der HAART anzufangen. Ich wollte nicht abhängig werden von Tabletten, die mir jeden Tag aufs Neue zeigen, dass ich krank bin. Ich habe aber gelernt - und auch freiwillig festgestellt - dass man daraus eine Routine machen kann/sollte, in der die Krankheit nicht mehr wichtig ist, sondern das gute Gefühl, etwas dagegen zu tun.
Zitat:
Ich meine es liegt auf der Hand, dass was geschehen muss, da ich wirklich bald keine Kraft mehr habe und keine Hoffnung mehr in die Zukunft habe. Mal davon abgesehen, dass ich dabei bin mein job nicht mehr richtig ausführen zu können.
So eine Phase hat jeder - das ist völig normal. Versuche - wie ich schon sagte - die Infektion anzunehmen; ändern kannst Du ja eh nix. Auch nicht durch Hängenlassen oder Jammern. Versuche in allem das schöne, gute, positive zu sehen. Es ist nicht einfach, aber es lohnt sich ... _________________ LG - matthias
Hi Matthias, ich danke dir für dein offenes Ohr. Ich habe heute mal zeit gehabt über ein paar dinge nachzudenken, da ich es mal geschafft habe aus meiner Wohnung zu kommen. Wie gesagt, in letzter zeit verlasse ich meine wohnung selten, wenn dann erst nach mehrmaligem Haarewaschen, was allerdings sinnentleert und sinnlos ist. Ob es sich um eine Zwangsstörung handelt, vermag ich nicht zu sagen. Es liegt aber auf jeden Fall an meiner Psyche.
Zitat:
Mit Zyban habe ich es auch versucht, habe aber alle beschriebenen Nebenwirkungen (Schlafstörungen etc.) bekommen und es nach 2 Wochen wieder abgesetzt. Trotzdem habe ich aufgehört (von 50/Tag auf Null in drei Tagen).
Das zeigt zumindest, dass Zyban hilft. Ich meine, ob ich es nur zwei wochen oder 12 Wochen nehme ist eigentlich egal. Wichtig ist es den ersten Schritt zu machen.
Ich denke du hast Recht, wenn du sagst, dass das Rauchen seine Gründe hat. Bei mir sind die Gründe Unsicherheit und Zeitüberbrückung.
Letzteres ist ein großes Problem bei mir. Denn wenn ich beispielsweise ein Termin habe, bin ich angespannt, ich rauche dann eine und mach mich fertig. Das heißt ich zieh mich an und bin eigentlich bereit die wohnung zu verlassen. Doch beim blick in den spiegel empfinde ich mich als unvollkommen und anstatt weg zu gehen, wasche ich mir mehrmals hinerienander die haare. Währed sie trocken, rauche ich wieder eine... bis ich erneut meine haare wasche und wieder eine rauche, da ich unter stress und anspannung stehe... ein echter teufelskreis.
Naja den Termin, den ich dann hätte wahrnehmen sollen, habe ich dann natürlich verpasst. und diese tatsache belastet mich natürlich, weil es ein wichtiger termin war.
So wie grad geschildert, ergeht es mir täglich. Das mit dem haarewaschen ist einfach lästig und ich bin in dauerstress.
Anmeldungsdatum: 08.08.2009 Beiträge: 2130 Wohnort: Berlin
Christian86 hat folgendes geschrieben::
Wichtig ist es den ersten Schritt zu machen.
Das ist schon mal richtig. Wenn Du das erkannt hast (und das hast Du ja), ist es möglich, den zweiten Schritt zu machen. Zyban - wie alle Medikamente, Therapien etc. - funktioniert aber nur, wenn Du es willst. D.h. Du darfst nicht erwarten und Dich darauf verlassen, dass ein Medikament oder eine Therapie Deine Probleme löst - das musst Du selbst ... aber die Medikamente unterstützen Dich dabei und bestärken Dich, dass Du den richtigen Weg gehst.
Ob das Haarewaschen eine Zwangshandlung ist, vermag auch ich nicht zu sagen ... aber es zeigt etwas sehr deutlich: Du bist mit Dir unzufrieden – Du glaubst, dass Du »draußen« nicht das richtige Bild abgibst – Du n immst lieber in Kauf, dass etwas nicht passiert (Termin wahrnehmen) als dass Du falsch bewertet wirst (oder aber richtig erkannt, im Sinne des Outing).
Du machst Dir damit das Leben natürlich unglaublich und völlig unnötig schwer. Leider weiß ich nicht, in welcher Gegend Du wohnst, trotzdem denke ich, dass es in erreichbarer Distanz eine Aidshilfe geben muss, der Du Dich anvertrauen kannst. Du bist nämlich in Deiner Situation nicht der Einzige! Dort kann man Dir auch sicher sagen, wie die Therapie »trotz« Familienversicherung möglich ist. Ärzte haben auf jeden Fall Schweigepflicht und es MUSS Möglichkeiten geben.
Andererseits ist die Frage, ob Du Dich nicht vielleicht doch jemandem gegenüber öffnen solltest. Ich verstehe Deine (zwischen den Zeilen geäußerten) Bedenken ausgesprochen gut - trotzdem ist es immer besser, wenn jemand, den Du kennst und der Dich kennt, mittragen kann - ein nicht nur virtuelles Ohr hat und Dich auch mal in den Arm nehmen kann oder seine Schulter anbietet oder Dir auf den Oberarm boxt mit den Worten »Hey, komm ... ich bin bei Dir!«
Nachdem Du den Teufelskreis mit dem Haarewaschen erkannt hast ... (ich kenne Deine Frisur nicht) ... warum nimmst Du Dir nicht selbst die äußerliche Notwendigkeit und trägst die Haare eine Zeitlang kurz (sie wachsen ja wieder...)
Es freut mich zu sehen, dass Du schon viel über Dich weißt, aber es bedrückt mich, dass Du es nicht teilen kannst. Jeder Außentermin, den Du ab jetzt hast, ist zu wichtig, als ihn durch Stress verursachende und letztlich unnötige Aktivitäten (wie z.B. das dauernde Haarewaschen) zu verpassen.
Das Leben spielt draußen! Spiele mit!!! _________________ LG - matthias
Hinweis: Bitte beachten Sie, dass die obigen Informationen (sofern nicht explizit gekennzeichnet) von medizinischen Laien stammen. Sie können und wollen daher den Arztbesuch nicht ersetzen. Um medizinisch valide Informationen zu erhalten, wenden Sie sich bitte an den Arzt Ihres Vertrauens.
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